Jede ist ihres Glückes Schmiedin

Lauras Erfahrungen zeigen uns, wie das mit dem "trotzdem weitermachen" funktionieren kann.

von Carmen Bayer | | Einblicke

Ihre Mittagspause opfert Laura Bisaccia diesem Interview zuliebe. Obwohl sie ihr Leben eigentlich völlig auf den Kopf gestellt hat, um keine 50-Stunden-Woche mehr zu haben, scheint es, als stünde ihr dennoch kaum mehr Freizeit als vorher zur Verfügung. Aber jetzt mal alles der Reihe nach. 

Wer ist Laura Bisaccia?

Wie der Name schon vermuten lässt, hat sie italienische Wurzeln, genauer gesagt, ist ihr Vater Italiener, ihre Mutter ist aus Deutschland. Aufgewachsen ist Laura in Deutschland. Zwei Jahre vor ihrem Realschulabschluss steht ein Umzug nach Österreich, Tirol,  bevor. Die unterschiedlichen Schulsysteme machen die Veränderung auch nicht gerade leichter. Doch nach einigem hin und her landet Laura in der Hotelfachschule. Nachdem sie die 3jährige Ausbildung abgeschlossen hat, beginnt sie einen 3jährigen Aufbaulehrgang für Tourismusmanagement und schließt diesen mit Matura ab.

Matura, und weiter?

Mit dem Zeugnis in der Tasche und der Gewissheit, dass ihr Talent im sprachlichen Bereich liegt, beschließt Laura, Neurolinguistik-Psycholinguistik an der Universität Salzburg zu studieren. Neben der Sprachwissenschaft hat Laura noch eine große Leidenschaft  - ihre Liebe zu Tieren. Es scheint, als hätte sie Energie für mindestens 3 Personen, denn neben ihrem Studium absolviert sie eine zweijährige Ausbildung zur Hundeverhaltenstrainerin in der Schweiz und gründet eine eigene Tierschutzorganisation, welche Hunden aus Tötungsstationen und Auffanglagern in Ungarn ein neues Zuhause vermittelt.

Okay, das war vermutlich ein bisschen viel Information auf einmal. Nochmal zusammengefasst: Laura lebt in Tirol, studiert in Salzburg und gründet währenddessen eine Tierschutzorganisation. Nebenher macht sie eine Ausbildung zur Hundeverhaltenstrainerin in der Schweiz. Alles klar? Dann weiter im Text:

Ihr Studium hat sie mit dem Bachelor of Science abgeschlossen und macht anschließend ein Praktikum am Max-Planck-Institut in Holland. Wieder in Österreich gönnt sie sich keine Pause sondern beginnt mit dem Masterstudium. Nachdem sie damit fast fertig ist, lediglich die Masterarbeit steht noch aus, begibt sich Laura auf Jobsuche.

Bewerbungen, Bewerbungen, Bewerbungen

Acht Monate lang hat sie von Deutschland bis Südtirol Bewerbungen versendet. Ängste und Selbstzweifel lassen da nicht lange auf sich warten, auch wenn sie die eine oder andere Absage mit der Begründung, sie sei überqualifiziert, bekommen hat. Absage bleibt Absage, egal ob Unter- oder Überqualifikation.

Schlussendlich hat sie es geschafft. Ein Job im Marketing, genauer gesagt als Projektmanagerin und das in ihrer neuen Heimat Tirol. Da sich die Firma auch am italienischen Markt beteiligt, kann Laura punkten, denn sie wuchs zweisprachig auf – ihr erinnert euch, ihr Vater ist Italiener. Sie kann nicht nur die Sprache fließend sondern ist auch fähig, eventuell auftretende, kulturelle Unterschiede und Missverständnisse zu vermeiden.

Nach zwei Jahren verschlägt es sie dann in die Landeshauptstadt. Dort findet sie wieder eine Anstellung als Marketingmanagerin. Diese fordert von Laura 150%, 50-Stunden-Wochen und ein sehr hoher Verantwortungsbereich sind eher die Regel als die Ausnahme.

Der Neuanfang

Dann, zwei Jahre später, wird wieder gesiedelt, diesmal sollte es gemeinsam mit ihrem Partner nach Salzburg gehen. Ein weiterer Neuanfang steht an. Die Frage der beruflichen Zukunft ist wieder im Vordergrund: Schon lange geistert ihr ein – sagen wir Alternativplan –  im Kopf herum.

„Was wäre wenn ich weniger Arbeiten würde und stattdessen wieder etwas mit Hunden mache? Immerhin habe ich ja die Ausbildung. Ich würd halt nicht mehr so gut verdienen. Viele Bekannte werden mich vielleicht für verrückt halten. Aber das Timing passt. Ich möchte etwas verändern.”

Gedacht, diskutiert, überlegt aber schlussendlich dann getan. Bei Dante Alighieri, ein Verein der sich ganz der italienischen Kultur widmet und alles vom Sprachkurs bis hin zu Kulturreisen abdeckt, hat sie eine 16 Stunden Anstellung bekommen und die Arbeit macht ihr richtig Freude. Eigentlich ist Laura in allen Bereichen tätig, von der Kursanmeldung inklusive der Sprachniveaueinstufung, dem Organisieren von Sprachreisen, Newsletter versenden …  So ein bisschen Mädchen für alles.

Vor allem hat Laura jetzt die Möglichkeit sich an der Selbstständigkeit zu versuchen. Mit FIDO & CO – Tierisch gut betreut - hat sie den ersten Schritt gewagt. Zu ihrem Angebot zählen Hundeverhaltenstraining, mobile Haustierbetreuung und Gassi-Service. Viel mehr Freizeit als früher hat sie jetzt zwar nicht, aber Laura hat es geschafft, ihre Möglichkeiten voll auszuschöpfen. Es war sicherlich keine leichte Reise, nicht umsonst ist ihr Lebenslauf so umfangreich. Aber ihr Weg motiviert mich und hoffentlich auch dich, die Leidenschaft und das Engagement nicht aufzugeben, auch wenn es sich nicht immer sofort in den Beruf integrieren lässt. So sieht es auch Laura und umso passender ist ihr letzter Satz im Interview:

„Ich bin eigentlich sehr glücklich und zufrieden so wie ich das entschieden hab.”

FIDO & CO- tierisch gut betreut

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Hotelfachschule (gastronomischer Fokus)

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Die Aufgabe der Hotelfachschule (3-jährig) ist es, den Schüler_innen jenes fachliche Wissen und Können zu vermitteln, das unmittelbar zur Ausübung eines Berufes nötig ist. Zugleich wird die Allgemeinbildung erweitert und vertieft.

Dauer: 3 Jahre

Form: Vollzeit

Praktikum: In dieser Ausbildung gibt es eine Praktikumspflicht - insgesamt 24 Wochen vor Eintritt in die 3. Klasse

Voraussetzungen:

  • Nachweis des erfolgreichen Abschlusses der 8. Schulstufe, Hauptschule oder Unterstufe AHS

Lehrabschlüsse:

  • Koch / Köchin
  • Hotel- und Gastgewerbeassistent_in
  • Restaurantfachmann/frau

Berechtigungen:

  • Ersatz der Lehrzeiten für die Lehrberufe Koch/Köchin, Restaurantfachmann/frau, Hotel-und Gastgewerbeassistent/in, Bürokaufmann/frau
  • Gastgewerbeberechtigungen: Sofern 3 Monate Praktikum absolviert wurden, gilt das Zeugnis Ohne zusätzliche Berufspraxis gem.§94 Abs. 26 GewO als genereller Befähigungsnachweis für das Gastgewerbe
  • Ersatz der Unternehmerprüfung. Bei positiver Ablegung der Abschlussprüfung wird den Schüler_innen von der Wirtschaftskammer Tirol, Sparte Tourismus und Freizeitwirtschaft, der Berufstitel Hotelkaufmann/frau verliehen.

Hilfreiche Links:

Weiterführende Informationen:

Nach der Fachschule zur Matura! Der Aufbaulehrgang für Tourismus hat die Aufgabe, die Absolventent_innen der Hotelfachschule, einer Handelsschule, einer Fachschule für wirtschaftliche Berufe oder ähnliches, zur Matura – und damit zur Studienberechtigung – zu führen. 

Hilfreiche Links:

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Aufbaulehrgang für Tourismus

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Nach der Fachschule zur Matura! Dieser Zweig hat die Aufgabe, die Absolventent_innen der Hotelfachschule, einer Handelsschule, einer Fachschule für wirtschaftliche Berufe etc. zur Matura – und damit zur Studienberechtigung – zu führen. Absolvent_innen erwerben nach 3-jähriger Ausbildung den Titel einer/eines Touristikkauffrau/-mannes und haben das gleiche Ausbildungsniveau wie die Abgänger_innen der Höheren Lehranstalt für Tourismus.

Dauer: 3 Jahre

Form: Vollzeit

Praktikum: In dieser Ausbildung gibt es eine Praktikumspflicht - insgesamt 16 Wochen vor Eintritt in die 3. Klasse

Voraussetzungen:

Erfolgreicher Abschluss der

  • Hotelfachschule,
  • Tourismusschule,
  • dreijährigen Fachschule für wirtschaftliche Berufe,
  • dreijährigen landwirtschaftlichen Schule,
  • Handelsschule, oder eine
  • Abgeschlossene Lehre in den Berufen Koch, Kellner_in, Hotel-und Gastgewerbeassistent_in oder Reisebüroassistent_in.

Abschluss: Reife und Diplomprüfung

Berechtigungen:

  • Studienberechtigung an allen Universitäten und Fachhochschulen
  • Ersatz der Lehrzeiten als Hotel-und Gastgewerbeassistent_in, Reisebüroassistent_in,Großhandelskaufmann/frau, Industriekaufmann/frau, Bürokaufmann/frau, Restaurantfachmann/frau,Koch/Köchin
  • Ersatz der Unternehmerprüfung
  • Nach erfolgreichem Abschluss ist die fachliche Qualifikationen zum Antritt eines Gastgewerbes gem. §94 Abs. 26 GewO als erfüllt anzusehen.

Hilfreiche Links:

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Linguistik Studium

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Genau das richtige Studium, wenn Dich das fasziniert:   

  • Hirnforschung und Sprachverarbeitung im Hirn (im neuen Schwerpunkt "Psycholinguistik") 
  • Wie man Sprache erwirbt und welche Probleme dabei auftreten können (als Kind, beim Zweitspracherwerb ... )    
  • Wie Sprachen als Wissenssysteme organisiert und im Hirn repräsentiert sind.   
  • Wie unsere Sprachen vor gut 3500 Jahren waren und wie sie sich veränderten    und vieles mehr zu Sprachen und mit Sprachen.

Dauer & Abschluss:

  • Nach 3 Jahren einen Bachelor of Science - BSc Linguistik,   
  • nach weiteren 2 Jahren einen Master of Science -MSc Linguistik,  
  • anschließend ist noch ein Doktorat möglich.

Voraussetzungen:

  • Hochschulreife (Matura, Berufsreifeprüfung oder Studienberechtigungsprüfung) für Studien an den (öffentlichen) österreichischen Universitäten (d.h. die Studienrichtung und der Studienort können grundsätzlich frei gewählt werden).
  • Für einige der Studienrichtungen an den (öffentlichen) österreichischen Universitäten gibt es aber - neben dieser allgemeinen Studienberechtigung besonderen Voraussetzungen bzw. Aufnahmeverfahren. Das sich sowohl die Studienrichtungen als auch die damit verbundenen Zugangskriterien bzw. Aufnahmeverfahren erfahrungsgemäß häufig und kurzfristig ändern, ist dringend zu empfehlen frist- und zeitgerecht Informationen direkt bei den Universitäten einzuholen.

Hilfreiche Links:

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AMS Unternehmensgründungsprogramm

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Voraussetzungen:

  •     Arbeitslosigkeit am Beginn der Vorbereitungsphase
  •     Wunsch nach Selbstständigkeit und eine konkrete Geschäftsidee
  •     berufliche Qualifikation, um ein Unternehmen zu gründen

Unterstützungen durch das AMS:

  •     kostenlose Unternehmensberatung
  •     gegebenenfalls werden notwendige Ausbildungen finanziert
  •     Arbeitslosengeld während des Programmes

Die 4 Phasen des Unternehmensgründungs-Programms:

  •     Klärung: Ist die Geschäftsidee erfolgversprechend und werden alle persönlichen Voraussetzungen erfüllt.
  •     Vorbereitung: Begleitung bei der Ausarbeitung der Geschäftsidee und Förderung der Qualifizierung – wenn notwendig.
  •     Realisierung: Gründung des eigenen Unternehmens.
  •     Nachbetreuung: Eine Unternehmensberatung kontrolliert das Unternehmen und macht Verbesserungsvorschläge.

Weitere Infos:

Dauer des Programmes im Normalfall 6 Monate.
Bei Interesse direkt an das zuständige AMS wenden.

Weiterführende Links:

Hilfreiche Links:

Zuletzt aktualisiert am: 19.08.2020

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Hundeverhaltensberater_in

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Die Hundeverhaltenstherapie also Hundeverhaltensberatung und Verhaltensmedizin leitet sich aus der individuellen Analyse der gegenwärtigen Verhaltensprobleme ab. Die Analyse hat das Ziel, das Wohlbefinden des Tieres zu stärken und gesundheitsschädigendes Verhalten zu modifizieren.

Die Ausbildung zum Hundeverhaltenstherapie beinhaltet:   

  • 23 Lektionen des Fernlehrganges "Hundeverhaltensberatung"   
  • 10 Lektionen zu den verhaltensmedizinischen Themen mit über 70 Videos   
  • E- Lerarning mit der Connect i Cloud - Lektionen mit mehreren hundert interaktiven Videoclips   
  • Iindividuelle Betreuung durch die Autoren   
  • Online-Zeitung mit Fachartikeln und Fallbeschreibungen, Videoclips und Videoseminare    Schülerforum sowie Online-Kasuistiken zum Hundetraining

Diese Ausbildung ist eine Kombination aus Fernlehrgang, E-Learning, Seminar, Workshops  und Praktika.

Hilfreiche Links:

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Schlagwörter: Weiterbildung, Selbstständig, Selbstständigkeit
CC BY

Dieser Text ist unter CC BY 4.0 International lizenziert.

von Carmen Bayer
Carmen Bayermask

Über die Autorin

Carmen Bayer

Neben ihrer Arbeit beim Netzwerk Bildungsberatung studiert sie Politikwissenschaften und verbringt ihre freie Zeit bevorzugt mit Büchern, Musik und sehr gerne auch mit gutem Essen. Sprachlos ist sie eher selten.

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