Lebenserfahrungen von Praktikant_innen

Bekenntnisse und Erleuchtungen

von Carmen Bayer | | Angeeckt

"Wenn deine Aufgabe darin besteht, Touristen ihre Illusion zu rauben."

"Im Sommer 2006, als ich im Tourismusverband 'Wilder Kaiser-Brixental' in Tirol gearbeitet habe, kam eines Tages kam eine indische Familie herein und fragte total gestresst und aufgebracht wo denn bitte der Ort sei! Ich wusste nicht recht, was ich jetzt sagen soll, und erklärte ihnen, dass sie sich direkt im Ortszentrum von Going befinden würden (Anmerkung: hier wird der Bergdoktor gedreht - also eh ein sehr idyllischer Ort). Da zeigten sie mir auf dem Handy Bilder von Berghütten und Almen und fragten wieder, wo denn dieser Ort sei, der Ort ganz oben in den Bergen, der Ort wie bei Heidi! Sie waren extrem enttäuscht als ich ihnen erklärte, dass es da oben im Wilden Kaiser keine Orte gibt und dass dies Almwirtschaften sind und unsere Orte hier im Tal liegen. Ich werde nie vergessen wie der Familienvater total entsetzt sagte: "But we travelled all the way from India". Laura

Sprachlos an der Kasse

"Bei einem Sommerjob, in einem sehr kleinen Supermarkt, traf ich auf die unterschiedlichsten Kund_innen. Am schwierigsten war für mich der Umgang mit Bauern und Bäuerinnen, die sich bei mir an der Kasse wegen der zu geringen Milchpreise beschwerten. Was soll man darauf als 16jährige Aushilfe antworten, wo sie doch zum Teil auch selbst die zu billige Milch kauften?" Claudia

"Ich sehe ungern ein bekanntes Gesicht bei der Arbeit"

"Während des Praktikums für mein Medizinstudium arbeitete ich im Krankenhaus in meiner Heimatstadt. Dann passierte es eines Tages, ein ehemaliger Schulkollege war "mein" Patient. Mit fremden Patient_innen konnte ich ja schon gut umgehen, aber wenn dann ein bekanntes Gesicht auf dem OP-Tisch liegt, bist du froh, wenn dieses während der Operation abgedeckt ist." Werner

Wenn sich dein Praktikum negativ auf deine Gesundheit auswirkt

"Bei meinen Ferialjobs, die meistens im Gastronomiebereich und im Handel stattfanden, begann ich meistens vermehrt zu Trinken und auch zu Rauchen. Das ganze ging aber selten von mir aus, viel mehr wurde man als Praktikant immer "zwangsbeglückt", um an den Raucherpausen und Feierabenddrinks teilzunehmen. Ich denke eigentlich gerne an diese Zeit zurück." Peter

Tarnen und Täuschen

"Im Sommer arbeitete ich meistens in der Kinderanimation, in einem sehr großen Hotel. Wie das im Gastgewerbe aber so ist, hilft man eigentlich überall aus, wo gerade jemand fehlt. So hielt ich Segway Einführungen ab, ohne auch nur die geringste Segway-Erfahrung zu besitzen. Am besten kann ich mich an die, mir spontan (!!!) zugeteilte, Wanderung mit Kindern und Eltern erinnern. Denn obwohl ich eigentlich in der Region zu Hause war, hatte ich keine Ahnung wie die Wanderroute verläuft und so verirrte ich mich hoffnungslos. In diesem Praktikum lernte ich vor allem Spontanität und das 'so tun als ob' alles nach Plan verläuft." Carmen

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Schlagwörter: Praktikum
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von Carmen Bayer
Carmen Bayermask

Über die Autorin

Carmen Bayer

Neben ihrer Arbeit beim Netzwerk Bildungsberatung studiert sie Politikwissenschaften und verbringt ihre freie Zeit bevorzugt mit Büchern, Musik und sehr gerne auch mit gutem Essen. Sprachlos ist sie eher selten.

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