Muttersein

Über Erwartungen der Anderen, Ansprüche an sich selbst und den alltäglichen Wahnsinn.

Als Mutter stehst du ständig im Mittelpunkt des Interesses deiner Kinder, der Familie, oder der Gesellschaft. Allen gleichzeitig kannst du es jedenfalls nicht Recht machen.

von Dagmar Baumgartner | | Angeeckt

Es fängt schon in der Schwangerschaft an. Diese gut gemeinten Tipps was du nicht alles essen, vermeiden oder tun sollst. Stets die Erwartung glücklich zu sein, weil dein Kind das schönste Geschenk auf Erden ist. Egal ob dir zum Kotzen ist, du Depressionen, Angst vor der Zukunft, um deinen Job, die Beziehung, oder deine Individualität als weibliches Wesen abseits des Mutterseins hast.

Kaum ist das Kind auf der Welt, treibt dich die Still-, Babyschwimmkurs- und English für Babys-Diktatur in die Welt des Perfektionszwangs. In Karenz zu sein kann sehr schön, vor allem aber auch einsam sein, du bist jedenfalls in einer völlig neuen Rolle, niemand fragt dich wie es dir damit geht. Freundinnen gehen verloren und Spielplatzgespräche können bereichern und zugleich unglaublich nerven.

Kriegst du jung Kinder ist es für viele zu früh, bist du älter passt es auch nicht, ich kenne als vierfache Mutter beides: "Selber noch ein Kind und dann schon eigene haben wollen!", "Sie haben die Zwillinge wohl deshalb, weil sie eine künstliche Befruchtung gebraucht haben in ihrem Alter?"

Dann beginnst du wieder zu arbeiten. Du musst Abstriche machen, den Bleistift fallen lassen, denn du musst das Kind pünktlich vom Kindergarten abholen. Viele Abende verbringst du damit, die liegengelassene Arbeit von daheim aus zu erledigen. "Wo ist dein Kind während du arbeitest?", die Frage der Fragen, sie moralisiert, sie diskriminiert.
Und gehst du nicht arbeiten ist es auch nicht Recht.

Ist dein Kind dann in der Schule sollst du damit zu Recht kommen, dass es einen Teil seiner Individualität zu Gunsten des Systems abgeben muss. Du spielst mit und ärgerst dich die nächsten Jahre über übereifrige, ehrgeizige Eltern, schlechte Lehrpersonen und freust dich über die tollen und engagierten Menschen und Pädagog_innen bis zur Matura.

Du lernst dich selbst als Monster kennen, sobald dein Kind in der Pubertät ist, könntest es theoretisch sogar umbringen und sehnst dich abwechselnd im Stundenrhythmus danach, dass es wieder das kleine süße Baby ist, oder danach, dass es umgehend auszieht. Du musst lernen auszuhalten, dass dich dein Kind auch einmal ablehnt, du machst dir Sorgen und spürst innigst was es bedeutet bedingungslos zu lieben. Macht das Kind seine erste Reise, reist du im Herzen mit, hat es Liebeskummer bricht auch dein Herz.

Irgendwann zieht es aus das Kind und du stehst da und blickst zurück. Es gibt keinen perfekten Zeitpunkt dafür. Die Mischung aus Freude, Stolz und Trauer ist unbeschreiblich. Und du weißt einer der wichtigsten Lebensabschnitte liegt hinter dir.

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Schlagwörter: Familie&Beruf, Elternratgeber
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von Dagmar Baumgartner
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Über die Autorin

Dagmar Baumgartner

Dagmar Baumgartner leitet das Freiwilligenzentrum Salzburg und ist selbständige Moderatorin und Prozessbegleiterin im Bereich Partizipation und Zukunftsgestaltung. Sie ist Mutter von zwei erwachsenen Kindern und Zwillingen im Volksschulalter und lebt mit ihrer Familie im Salzburger Flachgau.
Bild: Anita Hofmann

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