Nun zu Ihnen persönlich: Erzählen Sie über Ihren Ausbildungsweg. Ich habe gehört, Sie haben die Studienberechtigungsprüfung absolviert? Seit wann sind Sie Generalsekretär des VÖV? Und wo waren Sie vorher tätig?
Ein großer Teil meines Berufslebens war mit der Volkshochschule verbunden – auf unterschiedliche Art und Weise. In meiner Familie hatte Bildung zwar einen hohen Stellenwert. Ich war aber letztlich der erste, der auf eine Hochschule gegangen ist. Meine Mutter war Kindergärtnerin, mein Vater hatte eine Lehre gemacht. Konkret hat das bedeutet: Es war zwar durchaus gewünscht, dass ich die Matura mache, aber es war kein Muss.
Zu meiner Schulkarriere: Ich war ein katastrophaler Schulversager. Ich habe insgesamt ungefähr fünf Schulen absolviert bzw. abgebrochen und insgesamt drei Lehren begonnen. Die Lehre als Buchhändler habe ich schlussendlich fertig gemacht.
Eigentlich hätte mich in der Schule immer genau das interessiert, was nicht am Lehrplan war. Das könnte ich so zusammenfassen.
Als Buchhändler bin ich dann Anfang der 90er Jahre in die VHS Ottakring gekommen – damals hatte diese nämlich noch eine eigene Buchhandlung. Hier bekam ich einen neuen Zugang zu Bildung und konkret zur Studienberechtigungsprüfung. Der Kollege aus der VHS, der den Bereich leitete, kam fast täglich zu mir in die Buchhandlung. Einerseits, um Bücher zu kaufen, andererseits, um mich zu motivieren. Da es in Österreich schon damals die Möglichkeit des Selbsterhalterstipendiums gab, lag der Weg für mich auf der Hand: Ich habe die Prüfung gemacht und dann Geschichte und Politik studiert. Als Student war ich viel besser als in der Schule. Nach dem Diplomstudium bin ich für ein Jahr in die Buchhandlung zurück.
Danach habe ich eine Teilzeitstelle als Geschäftsführer im Verein Gedenkdienst angenommen. Das ist eine Organisation, die Zivildienstleistende an Museen, Gedenkstätten usw. ins Ausland vermittelt. Das war für mich eine sehr gute Schulung für die Erwachsenenbildung! Aufgaben waren zum Beispiel die Organisation von Studienfahrten und Trainings für die Freiwilligen, ich kam mit der Internationalität und auch mit EU-Projekten in Berührung. Ich war insgesamt 4 Jahre dort. Daneben habe ich das Doktoratsstudium gemacht.
Dann traf ich zufällig den Kollegen von früher aus der VHS Ottakring wieder. Er erzählte mir, dass er in Altersteilzeit gehen wollte, aber noch niemanden gefunden hatte, der seine Aufgaben übernehmen wollte. Ich war gerade am Ende meines Doktoratsstudiums und sagte ihm, dass ich das gerne machen würde!
Ich bin dankbar für diese Offenheit der VHS, was formale Abschlüsse bzw. den Wert nonformaler Bildung betrifft. Bei der Wiener Volkshochschule war ich dann in unterschiedlichen Feldern tätig. Nachdem ich für das Thema 2. Bildungsweg zuständig war, habe ich auch selbst viel unterrichtet. Später habe ich den Bereich Basisbildung und Pflichtschulabschluss geleitet. In großen Institutionen kann man immer wieder in unterschiedlichen Funktionen etwas anderes machen, es gibt vielfältige Aufgabengebiete und damit viele Entwicklungsmöglichkeiten.
Vor 4 Jahren wurde dann die Position als Generalsekretär im VÖV ausgeschrieben. Ich habe mich beworben und die Stelle bekommen.