Bildung als zweite Chance

John Evers über seinen schwierigen Start in der Schule, Studienberechtigungsprüfung und berufliche Erfüllung

John Evers ist Generalsekretär des Verbands Österreichischer Volkshochschulen und derzeit Vorsitzender der KEBÖ (Konferenz der Erwachsenenbildung Österreich). Die KEBÖ ist die Dachorganisation der zehn großen Erwachsenenbildungsverbände in Österreich. Sie vertritt die Interessen der gemeinnützigen Erwachsenenbildung nach außen und dient als Plattform für den Austausch der Mitglieder untereinander. Insgesamt bietet die KEBÖ 170.000 Veranstaltungen pro Jahr an 10.000 Kursorten in Österreich und ist damit ein verlässlicher Partner fürs lebenslange Lernen in allen Regionen in Ö.

Für unser Bildungsbuch haben wir John Evers über seinen Bildungs- und Berufsweg befragt. Denn dieser verlief nicht geradlinig und erschien uns deshalb besonders interessant.

Von Daniela Bayer |
John Evers

Zu Beginn eine Einordnung: Was ist der Verband Österreichischer Volkshochschulen und was sind seine Aufgaben? Und was tut die KEBÖ?

Der VÖV ist die Interessensvertretung von 257 Volkshochschulen in Österreich und gliedert sich in 9 Landesverbände. Die Bundesverbandsstelle (Generalsekretariat) arbeitet faktisch wie eine kleine NGO oder NPO. Wir können positiv wirken und positiv motivieren, sind aber keine zentrale „Bestimmstelle“. Wir wirken im Inneren zum Beispiel über das Weiterbildungsprogramm, und wir schärfen immer wieder das Bild, was Volkshochschule bedeutet in der Öffentlichkeit, unterstützen die Landesverbände in rechtlichen, inhaltlichen und praktischen Fragen. Das ist also eine Mischung aus inhaltlicher Arbeit, Lobby-Arbeit auf Bundesebene, und Qualitätsentwicklung. Die KEBÖ vertritt die gemeinsamen Interessen der gemeinnützigen Erwachsenenbildung auf Bundesebene. Wir wollen, dass die Erwachsenenbildung ein gleichberechtigt behandelter Bildungsbereich wird; so selbstverständlich wie die Schulen und Hochschulen.

Nun zu Ihnen persönlich: Erzählen Sie über Ihren Ausbildungsweg. Ich habe gehört, Sie haben die Studienberechtigungsprüfung absolviert? Seit wann sind Sie Generalsekretär des VÖV? Und wo waren Sie vorher tätig?

Ein großer Teil meines Berufslebens war mit der Volkshochschule verbunden – auf unterschiedliche Art und Weise. In meiner Familie hatte Bildung zwar einen hohen Stellenwert. Ich war aber letztlich der erste, der auf eine Hochschule gegangen ist. Meine Mutter war Kindergärtnerin, mein Vater hatte eine Lehre gemacht. Konkret hat das bedeutet: Es war zwar durchaus gewünscht, dass ich die Matura mache, aber es war kein Muss.

Zu meiner Schulkarriere: Ich war ein katastrophaler Schulversager. Ich habe insgesamt ungefähr fünf Schulen absolviert bzw. abgebrochen und insgesamt drei Lehren begonnen. Die Lehre als Buchhändler habe ich schlussendlich fertig gemacht.

Eigentlich hätte mich in der Schule immer genau das interessiert, was nicht am Lehrplan war. Das könnte ich so zusammenfassen.

Als Buchhändler bin ich dann Anfang der 90er Jahre in die VHS Ottakring gekommen – damals hatte diese nämlich noch eine eigene Buchhandlung. Hier bekam ich einen neuen Zugang zu Bildung und konkret zur Studienberechtigungsprüfung. Der Kollege aus der VHS, der den Bereich leitete, kam fast täglich zu mir in die Buchhandlung. Einerseits, um Bücher zu kaufen, andererseits, um mich zu motivieren. Da es in Österreich schon damals die Möglichkeit des Selbsterhalterstipendiums gab, lag der Weg für mich auf der Hand: Ich habe die Prüfung gemacht und dann Geschichte und Politik studiert. Als Student war ich viel besser als in der Schule. Nach dem Diplomstudium bin ich für ein Jahr in die Buchhandlung zurück.

Danach habe ich eine Teilzeitstelle als Geschäftsführer im Verein Gedenkdienst angenommen. Das ist eine Organisation, die Zivildienstleistende an Museen, Gedenkstätten usw. ins Ausland vermittelt. Das war für mich eine sehr gute Schulung für die Erwachsenenbildung! Aufgaben waren zum Beispiel die Organisation von Studienfahrten und Trainings für die Freiwilligen, ich kam mit der Internationalität und auch mit EU-Projekten in Berührung. Ich war insgesamt 4 Jahre dort. Daneben habe ich das Doktoratsstudium gemacht.

Dann traf ich zufällig den Kollegen von früher aus der VHS Ottakring wieder. Er erzählte mir, dass er in Altersteilzeit gehen wollte, aber noch niemanden gefunden hatte, der seine Aufgaben übernehmen wollte. Ich war gerade am Ende meines Doktoratsstudiums und sagte ihm, dass ich das gerne machen würde!

Ich bin dankbar für diese Offenheit der VHS, was formale Abschlüsse bzw. den Wert nonformaler Bildung betrifft. Bei der Wiener Volkshochschule war ich dann in unterschiedlichen Feldern tätig. Nachdem ich für das Thema 2. Bildungsweg zuständig war, habe ich auch selbst viel unterrichtet. Später habe ich den Bereich Basisbildung und Pflichtschulabschluss geleitet. In großen Institutionen kann man immer wieder in unterschiedlichen Funktionen etwas anderes machen, es gibt vielfältige Aufgabengebiete und damit viele Entwicklungsmöglichkeiten.

Vor 4 Jahren wurde dann die Position als Generalsekretär im VÖV ausgeschrieben. Ich habe mich beworben und die Stelle bekommen.

Was sind nun Ihre Aufgaben in dieser Position?

Kurz gesagt: Lesen, schreiben, rechnen, planen und viel Kommunikation.

Viele Qualifikationen, die ich jetzt brauche, habe ich mir wie gesagt beim Verein Gedenkdienst schon angeeignet: Digitale Grundskills, Website-Management, Sozialversicherung, Buchhaltung… das ist eine Basis auch für die Bewältigung meiner aktuellen Aufgaben.

Die Hauptaufgabe, die ich habe, ist: Nach innen zu schärfen, wofür die Volkshochschulen gemeinsam stehen und das nach außen zu vertreten. Was heißt eben konkret der historische Auftrag „Bildung für alle“ unter den derzeitigen Rahmenbedingungen?

Das ist auch eine finanzielle und damit verbunden eine strategische Frage. Teilnehmendenstrukturen entwickeln sich. Historisch leben wir von der Freiwilligkeit der Teilnehmer:innen, aber heute werden viele einfach geschickt und es gibt sogar Sanktionen, wenn sie nicht erscheinen; z.B. in Integrationskursen. Wie können wir unter diesen Voraussetzungen unsere Arbeit so gestalten, wie sie schon immer in unserer DNA war? Wichtig ist mir auch der Bildungsauftrag – also laut und deutlich zu sagen, was sonst unter den Tisch fällt. Da gehören für mich die Grundkompetenzen dazu, 1,7 Millionen erwachsene Personen haben da Probleme in Österreich! Und die Teilnehmer-Orientierung sollte mehr im Vordergrund stehen. In Österreich gibt es starke Schlagseite in der Bildungsförderung Richtung aktiver Arbeitsmarktpolitik. Das ist natürlich wichtig, aber es braucht die andere Seite auch; also eben „Was interessiert und motiviert Menschen, um an Bildung teilzunehmen?“

Was gefällt Ihnen an Ihrer Arbeit am besten? Was waren bisher die Highlights?

Die Highlights meiner jetzigen Tätigkeit sind: Das immer tiefere Eintauchen in die VHS-Welt. Und auch das im buchstäblichen Sinne Herumreisen in dieser Welt. Ich kann viele neue Menschen kennen lernen und die Verbundenheit spüren.

Es ist so eine schöne und ehrenvolle Aufgabe – und sie macht mich auch demütig. Denn wer bin ich, dass ich das alles tun darf?

Wenn ich den Menschen sage, was ich mache, gibt es zu 99% positive Rückmeldungen; weil es etwas „Sinnvolles“ ist. Ich kann mir umgekehrt nur schwer vorstellen, im klassischen Profit-Bereich tätig zu sein.

Das ist sehr schön! Dann sind Sie ja an der richtigen Stelle gelandet!

Vielen herzlichen Dank für das Gespräch!

CC BY

Dieser Text ist unter CC BY 4.0 International lizenziert.

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von Daniela Bayer
Daniela Bayer

Autorin

Daniela Bayer

Redakteurin und PR-Fachfrau. Mag Vielfalt, Lernen und lacht gerne. Beruflich und privat sind ihr Weiterentwicklung und Offenheit für Neues wichtig. In ihrer Freizeit ist sie viel in Stadt und Land Salzburg unterwegs und liebt die bunte Mischung von Natur und Kultur.

InfoboxSelbsterhalterstipendium/Studienbeihilfe nach Selbsterhalt

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Voraussetzungen:

  • Nachweisliche Arbeitszeit: vier Jahre (48 Monate) vor dem ersten Beihilfenbezug 
  • Einkünfte jährlich zumindest € 11.000,- (Brutto minus Sozialversicherung)
  • Zeiten des Präsenz-, Ausbildungs- oder Zivildienst bzw. Dienste nach dem Freiwilligengesetz gelten jedenfalls als Zeiten des Selbsterhaltes.
  • Waisenpension und Lehrzeiten können bei entsprechender Höhe bei der Ermittlung des Selbsterhaltes berücksichtigt werden.
  • Das Studium, für das Studienbeihilfe beantragt wird, muss in der Regel vor Vollendung des 33. Lebensjahres begonnen werden. Für Selbsterhalter:innen gibt es allerdings eine Ausnahme: Für jedes Jahr, das sie sich länger als 4 Jahre selbst erhalten haben, erhöht sich die Altersgrenze um 1 Jahr, maximal aber um 5 Jahre. Bei 5-jähriger Berufstätigkeit liegt die Altersgrenze also bei 34 Jahren, bei 6-jähriger Berufstätigkeit bei 35 Jahren und so weiter. Spätestens vor dem 38. Geburtstag muss das Studium aber jedenfalls begonnen werden.
  • Es gibt eine Zuverdienstgrenze

Wichtig:

  • Bei der Berechnung werden die Einkünfte der Eltern nicht miteinberechnet, nur das Einkommen des Ehepartners/der Ehepartnerin
  • Studienerfolg ist nachzuweisen
  • Das Stipendium ist für das gesamte Studium (Mindeststudiendauer + Toleranzsemester) 12 Mal im Jahr zu beziehen

Hilfreiche Links:

Tirol: Stipendienstelle in Innsbruck

Niederösterreich:

Zuletzt aktualisiert im August 2025 von BiBer Bildungsberatung, ergänzt im Juni 2026

InfoboxStudienberechtigungsprüfung - Studieren ohne Matura

Inhalt anzeigen

Mit der Studienberechtigungsprüfung (SBP) hat man den Zugang zu einem bestimmten Studium (bzw. einer Studienrichtungsgruppe) in Österreich, wofür keine Matura notwendig ist. Dazu sind meist 5 Prüfungen erforderlich, die je nach Studienrichtungsgruppe unterschiedlich sind – einzig Deutsch ist immer verpflichtend.

Der Antrag auf Zulassung zur SBP ist an einer Hochschule (Universität, Fachhochschule, Pädagogische Hochschule) oder einem Kolleg möglich.

Voraussetzungen:

  • Mindestalter 20 Jahre (für ein Kolleg: 22 Jahre)
  • österreichische Staatsbürgerschaft oder die Staats­an­ge­hörig­keit eines Mitgliedstaates des Europäischen Wirtschaftsraumes (EWR). Dauer­auf­ent­halts­be­recht­igte Drittstaatsangehörige können ebenfalls zur SBP zugelassen werden.
  • Zulassung zu einer Studienrichtungsgruppen (nach Antrag)
  • Ausbildungsabschluss oder zumindest eine über die Pflichtschule hinausgehende berufliche oder theoretische Bildung für den angestrebten Studienbereich (in manchen Fällen können hier individuelle, ergänzende Prüfungen abgelegt werden)

Gut zu wissen...

  • Die SBP ist zielführend, wenn man sich schon für ein bestimmtes Studium oder eine bestimmte Kollegausbildung entschieden hat, Die Vorteile sind die kürzere Zeit und auch, dass der Umfang der Teilprüfungen entsprechend des Studienzweiges festgelegt ist.
  • Die SBP ersetzt keine Aufnahmeprüfung zu einem Studium – es ist lediglich der Zugang gegeben wie mit einer Matura.
  • Es gibt Vorbereitungskurse zu den einzelnen Prüfungsfächern an Erwachsenenbildungseinrichtungen – die Prüfungen finden dann entweder an diesen Erwachsenenbildungseinrichtungen oder sind direkt an der jeweiligen Hochschule möglich.
  • Die SBP besteht aus fünf Prüfungen je nach gewählter Studienrichtung. Deutsch ist immer verpflichtend, 2-3 Pflichtfächer, 1-3 Wahlfächer. Lehrstoff bei Pflichtfächern orientiert sich an 12./13. Schulstufe, Wahlfächer können eventuell durch Meisterprüfung, Befähigungsprüfung u.Ä. ersetzt werden.
  • Die Vorbereitungskurse dauern zwischen einem und zwei Semester.
  • Sollte nach der SBP ein Studium begonnen werden und dann ein Studienwechsel gewollt sein, müssen gegebenenfalls einzelne Prüfungen nachgemacht werden (neuer Antrag zur SBP).
  • Mit dem ersten Studienabschluss (meist Bachelor) ist dann ein Hochschulzugang zu allen Studienrichtungen möglich.
  • Universitäten und Fachhochschulen legen die Anforderungen selbst fest.
  • Für die SBP, die bereits als Teil eines Studiums angesehen wird, kann grundsätzlich staatliche Studienbeihilfe gewährt werden 
  • Kurskostenförderungen sind möglich (in Salzburg: Bildungsscheck des Landes Salzburg)

Hilfreiche Links:

Links für Kärnten:

Infos für Tirol:

Infos für Niederösterreich:

Links für Vorarlberg:

aktualisiert im Dezember 2025 von BiBer Bildungsberatung; ergänzt im Juni 2026 mit Infos aus den Bundesländern

InfoboxBildungsberatung in Österreich

Inhalt anzeigen

Kärnten
Auf der Website der Bildungsberatung Kärnten gibt es alle Informationen zum Kärntner Beratungsangebot: bildungsberatung-kaernten.at

Steiermark
Für die Steirer und Steirerinnen gibt es hier alle Beratungstermine nach Bezirken sortiert auf einen Blick: bildungsberatung-stmk.at

Burgenland
Die Bildungsinformation Burgenland hilft bei allen Fragen zur Aus- und Weiterbildung.

Niederösterreich
Deine Bildungsberatung – auch auf Russisch, Ukrainisch, Slowakisch, Polnisch, Englisch, Arabisch, Persisch, Türkisch … - findest du auf der Website: www.bildungsberatung-noe.at

Wien
Die Bildungsberatung in Wien bietet kostenfreie Information und Beratung zu Bildung und Beruf, auch auf Türkisch, BKS, Englisch, Arabisch, Dari/Farsi... Beratung gibt‘s per Telefon und online via Mail, Chat und Video. Das Beratungstelefon ist unter der Gratis-Tel.: 0800 20 79 59 von Mo-Do zwischen 9-12 Uhr erreichbar. Auf der Website bildungsberatung-wien.at kannst du ganz einfach Beratungstermine buchen.

Oberösterreich
Telefonisch für Fragen rund um deine Aus- und Weiterbildungen, Förderungen, … erreichbar unter der Beratungshotline 050/6906 3 von Montag bis Donnerstag 7:30 bis 16:00 Uhr und am Freitag von 7:30 bis 13:30 Uhr. Wenn du einen Termin für eine Video-Bildungsberatung vereinbaren willst, melde dich unter bildungsinfo@akooe.at. Neben der Online-Bildungsberatung findest du das bunte Beratungsangebot in OÖ auch auf https://www.bildungsberatung-ooe.at.

Salzburg
In Salzburg genügt ein Anruf bei der BILDUNGSLINE unter 0800 208 400! Du bekommst telefonische Informationen, wie beispielsweise über den Salzburger Bildungsscheck und Termine für persönliche Beratungen. Das Team der BILDUNGSLINE ist MO – FR von 08.00 – 12.00 oder unter frage@bildungsberatung-salzburg.at kostenfrei für dich zur Stelle. Mehr Infos findest du hier: www.bildungsberatung-salzburg.at. Oder du buchst deinen Termin für eine kostenlose Bildungsberatung ganz einfach unter https://termine.bildungsberatung-salzburg.at 

Tirol
Ein Klick auf die Website www.bildungsberatung-tirol.at und du kannst dir deine Beratungsmöglichkeiten auf deine Frage und deinen Bezirk genau zugeschnitten anzeigen lassen. Weitere Informationen rund um Bildung und Beruf bekommst du von der Bildungsinfo Tirol!

Vorarlberg
Alles, was dein Bildungsherz begehrt, findest du auf den ersten Blick unter www.bildungsberatung-vorarlberg.at Einfach und übersichtlich kommst du so zu deiner Bildungsberatung. 

Für alle Bundesländer gibt es aber auch noch die online Bildungberatung: 
https://www.google.com/search?client=firefox-b-d&q=bildungsberatung+online.at

aktualisiert: Dezember 2025

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Zuletzt aktualisiert: August 2026 von BiBer Bildungsberatung