Wie kommt man auf die Idee, als Quereinsteigerin in die Landwirtschaft zu wechseln, obwohl man sich nie dafür interessiert hat? Sabrina Radacher aus St. Veit erzählt uns, wie sie – der Liebe wegen, soviel sei schon verraten – die Begeisterung für den landwirtschaftlichen Betrieb, für die Tiere und für das Kochen und Backen entdeckt hat.
Vom Ausprobieren zur Begeisterung: Landwirtin durch Quereinstieg

Dass sie einmal Bäuerin werden würde, hätte Sabrina Radacher als Kind wohl als Letzte geglaubt. Aufgewachsen auf einem Hof in St. Veit, zeigte sie zunächst keinerlei Interesse an der Landwirtschaft. „Landwirtschaft? Das war die Welt meines Vaters – nicht meine“, sagt sie heute rückblickend.
Radacher wollte ihren eigenen Weg gehen – unabhängig, selbstbestimmt, mit klaren beruflichen Zielen. „Ich wollte immer auf eigenen Beinen stehen und mir etwas aufbauen“, erzählt sie. „Deshalb habe ich an der HTBLA für Innenraumgestaltung und Möbelbau in Hallein maturiert.“ Während viele ihren Weg noch suchten, blieb sie konsequent: Seit zwölf Jahren ist sie im Bürgerservice und Standesamt der Gemeinde tätig – und bildete sich parallel mit einem MBA in Public Management weiter. Stillstand kam für sie nie infrage.
Manchmal verändert nicht ein Plan das Leben, sondern ein Mensch: „Mein Freund hatte eine Landwirtschaft mit 16 Hektar, 10 Kühen und 100 Bienenstöcken. Ich bin zwei Jahre lang täglich von St. Veit nach Obervellach in Kärnten gependelt – erst ins Büro, dann in den Stall.“ Danach kochte sie für die Schwiegerfamilie, die zu diesem Zeitpunkt ein reiner Männerhaushalt war. Die Liebe zum Kochen hatte sie schon früh entdeckt – nun bekam sie täglich die Möglichkeit, sie auszuleben und weiterzuentwickeln. Während andere Feierabend machten, begann für sie der zweite Arbeitstag.
Langsam ist auch ihre Begeisterung für die Landwirtschaft gewachsen. Als Kind waren ihr die Tiere egal gewesen. Doch mit der Beschäftigung kam die Liebe zu ihnen. Sie lernte zum Beispiel melken und Honig schleudern. „Diese Fixpunkte gemeinsam mit ihnen, die fand ich schön. Ich durfte Verantwortung übernehmen und auch das Lob von meinem Schwiegervater hat mich sehr gefreut: Er meinte, dass ich als Bäuerin gut geeignet war, obwohl ich das nie gelernt hatte. Dieses Lob hat mich tief berührt,“ sagt sie. „In diesem Moment habe ich gemerkt: Vielleicht ist das doch auch mein Weg.“
Das Kochen und Backen mochte sie vorher schon. Aber auch hier entdeckte sie eine besondere Freude daran, durch die tägliche Beschäftigung damit. Sie begann, immer wieder Neues auszuprobieren: „Ich sehe nicht nur Milch, Eier oder Honig – ich sehe die Arbeit dahinter, die Tiere, die Verantwortung“, sagt sie. „Und genau das verändert den Blick auf jedes einzelne Lebensmittel.“
Weiterbildungen und Investitionen in Hofladen und Seminarküche
Eine Ausbildung für die Landwirtschaft hat Sabrina Radacher selbst nie absolviert. Ihr Lebensgefährte Stefan, gelernter landwirtschaftlicher Facharbeiter und Bienenwirtschaftsmeister, brachte ihr das praktische Wissen Schritt für Schritt bei. „Ich habe vieles learning by doing gelernt“, erzählt sie. Doch beim Praktischen blieb es nicht. Heute bildet sie sich regelmäßig weiter und spezialisiert sich gezielt: Dazu gehören Lehrgänge über das LFI wie der Zertifikatslehrgang zur Seminarbäuerin, Workshops wie „Schule am Bauernhof“ oder zum Thema Direktvermarktung am Hof. „Ich wollte nicht nur mitarbeiten – ich wollte verstehen, gestalten und selbst etwas aufbauen.“
Mehr Infos über die Seminarbäuerinnen: https://www.salzburger-seminarbauerinnen.at/
2020 folgte der nächste große Schritt: Gemeinsam entschied sich das Paar, den elterlichen Hof in St. Veit zu übernehmen. Es war mehr als eine Betriebsübernahme – es war ein Neuanfang. Das Wohnhaus wurde saniert, ein Hofladen eingerichtet, und derzeit entsteht ihre eigene Seminarküche. „Das ist mein Herzensprojekt“, sagt sie stolz. Parallel dazu wuchs auch die Familie: Zwei Kinder – sechs Jahre und 14 Monate alt – bringen zusätzlich Leben auf den Hof.
Was Sabrina Radacher antreibt? „Mein Weg zeigt, dass ein Quereinstieg funktionieren kann. Man muss nicht von Anfang an alles wissen. Wichtig ist, dass man offen bleibt, dazulernt und den Mut hat, Chancen zu ergreifen.“
„Ich habe gelernt: Man muss nicht als Bäuerin geboren werden – man kann es werden, wenn man bereit ist, Verantwortung zu übernehmen,“ sagt sie.

Sabrina Radacher
nikolaus faistauer photography
Mein Weg zeigt, dass ein Quereinstieg funktionieren kann. Man muss nicht von Anfang an alles wissen. Wichtig ist, dass man offen bleibt, dazulernt und den Mut hat, Chancen zu ergreifen.“
Tätigkeiten in der Landwirtschaft und Voraussetzungen für den Beruf
Aufgaben in der Landwirtschaft gibt es viele: „Dazu gehört Tiere pflegen, ausmisten und füttern. Wir haben 100 Legehennen: Hier muss ich Eier holen, verpacken, etikettieren. Die Arbeit im Hofladen und im Garten kommt noch dazu, und ich mache auch die Buchhaltung. Wir haben 120 verschiedene Obstbäume und veredeln das Obst zum Beispiel zu Schnaps. Wir müssen mähen und heigen (Anm.: Heu machen für den Winter). Die Ferienwohnungen sind viel Arbeit, und meine Vorbereitung für die Kurse muss ich auch machen. Ich finde, meine Arbeit ist sehr vielfältig! Uns wird nicht fad!“ fasst Radacher zusammen.
Der Zusammenhalt in der Familie ist Sabrina Radacher besonders wichtig. Bei so viel Arbeit braucht es viele Hände und es ist trotzdem einiges möglich – dank der Unterstützung von Großeltern, Eltern und Ehemann. „Man ist ja nicht allein!“ freut sie sich.
Voraussetzungen für den Beruf braucht man keine speziellen. Wichtig ist, für vieles offen zu sein und es einfach auszuprobieren. Natürlich muss man die Arbeit mit den Tieren mögen, und man darf sich vor unbequemen Aufgaben nicht scheuen. Auch das Ausmisten gehört dazu – niemand macht es gern, aber der Lohn ist spürbar: ein gepflegter Hof, glückliche Tiere und manchmal sogar ein paar freie Tage. „Früher hat man gesagt, als Bäuerin kann man nicht auf Urlaub fahren“, lacht sie. „Heute gönnen wir uns ab und zu ein paar Tage Urlaub mit den Kindern – das tut gut und gibt neue Energie.“
Link zum Hof von Sabrina und Stefan: www.huab.at

Dieser Text ist unter CC BY 4.0 International lizenziert.

Autorin
Daniela Bayer
Redakteurin und PR-Fachfrau. Mag Vielfalt, Lernen und lacht gerne. Beruflich und privat sind ihr Weiterentwicklung und Offenheit für Neues wichtig. In ihrer Freizeit ist sie viel in Stadt und Land Salzburg unterwegs und liebt die bunte Mischung von Natur und Kultur.
Ausbildungsmöglichkeiten in der Landwirtschaft
In Österreich gibt es eine Vielzahl von Ausbildungswegen im Bereich der Landwirtschaft, die unterschiedliche Schwerpunkte und Qualifikationen bieten.
Ein Überblick zu den verschiedenen Möglichkeiten:
Landwirtschaftliche Fachschulen
Diese Schulen bieten eine berufsbildende mittlere Ausbildung mit verschiedenen Fachrichtungen und Schwerpunkten, wie beispielsweise Biologische Landwirtschaft, Pflanzenanbau, Tierhaltung, Forstwirtschaft und Ackerbau & Smart Farming.
https://www.ausbildungskompass.at/suche/ (in der Suche "Landwirtschaftliche Fachschulen" wählen)
Höhere Lehranstalten für Landwirtschaft
Hier erhält man eine berufsbildende höhere Ausbildung mit Maturaabschluss. Der Abschluss berechtigt zur Ausübung einschlägiger Gewerbe gemäß Gewerbeordnung und Ingenieursgesetz. Zudem bietet dieser die Möglichkeit, später den Titel „Ingenieur:in“ zu erwerben.
Beispiele für Fachrichtungen sind Landwirtschaft und Ernährung, Agrarmanagement, Ressourcenmanagement sowie erneuerbare Energien.
https://www.ausbildungskompass.at/suche/ (in der Suche "höhere Lehranstalten für Landwirtschaft" wählen)
Lehre Landwirtschaft
Eine praktische Ausbildung, die zur Facharbeiter:innenprüfung führt und Berechtigungen wie die Ausübung des erlernten Berufs und die Zulassung zur Meisterausbildung bietet. Beispiele für landwirtschaftliche Lehrberufe sind z.B. Gartenbau, Fischereiwirtschaft, Bienenwirtschaft, Fischereiwirtschaft, Molkerei- und Käsereiwirtschaft und viele mehr. https://www.lehrlingsstelle.at/alle-berufe/
Meisterausbildungen
Die Meisterausbildung ist eine Möglichkeit zur Höherqualifizierung für Berufserfahrene in der Land- und Forstwirtschaftlichen Berufsausbildung und kann in verschiedenen Bereichen, wie z.B. Landwirtschaft, Gartenbau oder Feldgemüsebau abgelegt werden. https://www.lehrlingsstelle.at/salzburg/landwirtschaft-sbg/landwirtschaft-ablauf-meister-sbg/
Aufbaulehrgänge
Diese Lehrgänge sind für Absolvent:innen von Fachschulen gedacht und führen zur Matura. Sie bieten eine vertiefte Ausbildung in spezifischen Bereichen der Landwirtschaft.
https://www.ausbildungskompass.at/suche/ (In der Suche "Aufbaulehrgang" wählen)
Studium
Die Bachelor- und Masterstudiengänge im Bereich Land- und Forstwirtschaft reichen von Themen wie Pflanzenbau, Tierhaltung und Forstwirtschaft bis hin zu Umweltmanagement, nachhaltiger Landnutzung und Agrartechnologie und können beispielsweise an der Universität für Bodenkultur Wien (BOKU) absolviert werden.
https://www.studienplattform.at/suchergebnis?kategorie=Landwirtschaft
Zusätzliche Weiterbildungsmöglichkeiten
Das Ländliche Fortbildungsinstitut (LFI) bietet eine Vielzahl zusätzlicher Weiterbildungsmöglichkeiten im Bereich Landwirtschaft an. Das Kursangebot reicht von Gesundheit und Ernährung über Umwelt- und Naturschutz bis hin zu Persönlichkeitsentwicklung und kreativen Themen.
https://sbg.lfi.at/programm%C3%BCbersicht+2500++2012487
erstellt im März 2026 von Laura Eder von BiBer Bildungsberatung
Bildungsberatung in Österreich
Kärnten
Auf der Website der Bildungsberatung Kärnten gibt es alle Informationen zum Kärntner Beratungsangebot: bildungsberatung-kaernten.at
Steiermark
Für die Steirer und Steirerinnen gibt es hier alle Beratungstermine nach Bezirken sortiert auf einen Blick: bildungsberatung-stmk.at
Burgenland
Die Bildungsinformation Burgenland hilft bei allen Fragen zur Aus- und Weiterbildung.
Niederösterreich
Deine Bildungsberatung – auch auf Russisch, Ukrainisch, Slowakisch, Polnisch, Englisch, Arabisch, Persisch, Türkisch … - findest du auf der Website: www.bildungsberatung-noe.at
Wien
Die Bildungsberatung in Wien bietet kostenfreie Information und Beratung zu Bildung und Beruf, auch auf Türkisch, BKS, Englisch, Arabisch, Dari/Farsi... Beratung gibt‘s per Telefon und online via Mail, Chat und Video. Das Beratungstelefon ist unter der Gratis-Tel.: 0800 20 79 59 von Mo-Do zwischen 9-12 Uhr erreichbar. Auf der Website bildungsberatung-wien.at kannst du ganz einfach Beratungstermine buchen.
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Telefonisch für Fragen rund um deine Aus- und Weiterbildungen, Förderungen, … erreichbar unter der Beratungshotline 050/6906 3 von Montag bis Donnerstag 7:30 bis 16:00 Uhr und am Freitag von 7:30 bis 13:30 Uhr. Wenn du einen Termin für eine Video-Bildungsberatung vereinbaren willst, melde dich unter bildungsinfo@akooe.at. Neben der Online-Bildungsberatung findest du das bunte Beratungsangebot in OÖ auch auf https://www.bildungsberatung-ooe.at.
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aktualisiert: Dezember 2025
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