Die ganze Arbeit ums halbe Geld

Barbara Blaha über Einkommensunterschiede zwischen Frauen und Männern

Sie ist Gründerin und Leiterin des Momentum Instituts und Herausgeberin des Moment Magazins. Sie widmet sich sehr stark den Themen soziale Gerechtigkeit, Armut und Prekariat. Und in diesem Zusammenhang kommt man am Thema Frauen und Geld nicht vorbei. Barbara Blaha war letzten November zu Gast im Kongresszentrum in St. Johann im Pongau, um über "Die ganze Arbeit ums halbe Geld oder warum Frauen viel mehr zusteht" zu sprechen. Diese Veranstaltung wurde von KoKon - Beratung und Bildung für Frauen und Frau und Arbeit organisiert. Ich war dabei und nutzte gleich die Gelegenheit, Frau Blaha ein paar Fragen zu stellen.

Von Dagmar Ziegler |
Barbara Blaha

Die Mehrheit der Systemerhalter:innen in Österreich ist weiblich

Mich hat das zwar nicht sehr überrascht, aber wenn man es dann schwarz auf weiß sieht und von Barbara Blaha persönlich hört, stimmt das schon nachdenklich: Die Top 3 der systemrelevantesten Jobs in Österreich sind in der Elementarpädagogik, dem Einzelhandel und dem Reinigungsservice (knapp gefolgt von Pflege und Soziales) zu finden. Volkswirtschaftlich betrachtet bringt die Reinigung in den Krankenhäusern den höchsten Mehrwert. Oder hast Du schon einmal darüber nachgedacht, was es für die Krankenhäuser und unsere Gesundheit bedeuten würde, würde das hiesige Reinigungspersonal streiken? Und wer ist vorwiegend in den oben genannten Berufen tätig? Richtig! Die Frauen. Der weibliche Anteil in den genannten Berufsgruppen liegt bei über 80 Prozent. Und gerade in der Reinigung und im Einzelhandel verdienen die Arbeitnehmer:innen besonders wenig.

Frauen verdienen weniger als Männer. Aber warum tut denn niemand etwas dagegen?

Laut Statistik Austria verdienen Frauen am Arbeitsmarkt bis zur Hälfte weniger als Männer. Bei den Arbeiter:innen sind es 55,4 Prozent Lohn und bei den Angestellten 47,3 Prozent Gehalt. Insgesamt betrachtet und wenn man die Teilzeitarbeit mit einbezieht, verdienen Frauen im Durchschnitt um 36 Prozent weniger. Besonders spannend ist die Einkommensentwicklung bei Frauen nach der Geburt des 1. Kindes. Hier haben sie mit einem Einkommensverlust von durchschnittlich 51 Prozent zu rechnen.

Es gibt also drei Faktoren, die unmittelbar damit zusammenhängen, dass Arbeitnehmerinnen weniger verdienen und dadurch auch von Altersarmut viel stärker betroffen sind wie Männer:

  • Frauen wählen Jobs in schlecht bezahlten Berufen;
  • Frauen haben finanzielle Einbußen nach der Geburt eines Kindes;
  • Frauen arbeiten mehr Teilzeit, im Vergleich zu den männlichen Erwerbstätigen.

Natürlich kann man jetzt sagen, die Frauen wären selbst schuld, wenn sie in schlecht bezahlten Jobs arbeiten würden. Im Verkauf, der Kinderbetreuung oder der Reinigung zum Beispiel. Frau Blaha stellt hier eine klare Gegenfrage:

Barbara Blaha

Barbara Blaha, Momentum Institut

Zitat

Ist es ein Naturgesetz, dass ausgerechnet die systemrelevantesten Jobs am schlechtesten bezahlt werden?“ (Barbara Blaha, Momentum Institut)

Und ich stelle eine ergänzende Frage: ist es ein Naturgesetz, dass Frauen um eine Vieles häufiger unbezahlt im Haushalt arbeiten und für die Care-Arbeit (Pflege und Betreuung von Angehörigen) zuständig sind als Männer? Ich sage, das ist es nicht und gehört dringend geändert.

Wie es zu einer besseren Verteilungsgerechtigkeit von Arbeit und Geld zwischen Mann und Frau kommen kann, was Barbara Blaha dazu bewogen hat, sich verstärkt mit diesem Thema zu beschäftigen und warum ohne mutige Politik keine Veränderung möglich ist, erfährst Du hier:

4 Fragen an Barbara Blaha

Was ist Deine persönliche Motivation, Dich mit den Themen Ungleichverteilung, Armut und Prekariat zu beschäftigen? 

Über Armut weiß ich mehr, als ich wissen möchte. Ich wurde in sie hineingeboren. Österreich ist zwar eines der reichsten Länder weltweit, die Schere zwischen arm und reich klafft allerdings gewaltig auseinander. Das reichste Prozent besitzt fast die Hälfte des gesamten Vermögens, mehr als die ärmeren 90 Prozent zusammen haben. Nicht nur für uns als Gesellschaft ist es brandgefährlich, wenn immer mehr Menschen in Armut abrutschen. Können sich Vermögende gleichzeitig immer mehr Einfluss kaufen – bei Politik oder Medien – trifft das ins Herz unserer Demokratie.

Wie können sich Frauen im eigenen Lebensumfeld (auch außerhalb der Familie) für mehr Verteilungsgerechtigkeit einsetzen?

Momentan klafft die Einkommenslücke zwischen Männern und Frauen noch ordentlich auseinander: Frauen verdienen im Schnitt 36 Prozent weniger als Männer, wenn man auch Teilzeitarbeit, die vor allem von Frauen verrichtet wird, mit einrechnet. Die Erzählung, dass Frauen selbst schuld sind an ihrer Lage, hält sich leider hartnäckig: Sie sollten einfach öfter technische Berufe wählen, statt Teilzeit lieber Vollzeit arbeiten und schlicht mehr Geld verlangen, so heißt es oft. Dabei liegt das Problem bei der Politik, die es einfach über Jahrzehnte versäumt hat, die Rahmenbedingungen für Verteilungsgerechtigkeit zu schaffen: Berufe, in denen vorwiegend Frauen arbeiten, werden wesentlich schlechter bezahlt. Mit unbezahlter Arbeit, also der Pflege von Angehörigen oder Kinderbetreuung, lassen wir Frauen immer noch allein. Fehlen die Betreuungsplätze, arbeiten Frauen oft in Teilzeit – nicht, weil sie es so gerne machen, sondern weil es nicht anders geht. Frauen zahlen also den Preis für das Scheitern der Politik. Ratschläge für Frauen sind zwar oft gut gemeint, was wir aber brauchen ist eine Politik, die diese Ratschläge überflüssig macht. Machen wir im selben Tempo weiter wie bisher, schließt sich die Einkommenslücke zwischen Männern und Frauen erst im Jahr 2362.

Wie können wir die Männer mit ins Boot holen?

Vor allem an der unbezahlten Pflegearbeit und Kinderbetreuung sollten wir auch Männer viel stärker beteiligen. Anreize sind dafür schön und gut. Wollen wir diese Aufgaben aber wirklich gerecht verteilen, kommen wir um Verpflichtungen nicht herum, angefangen bei einer verpflichtenden Väterkarenz. Auch hier gilt eben wieder: Um endlich auszugleichen, dass die eine Hälfte der Bevölkerung auf allen Ebenen schlechter dasteht als die andere, müssen wir politische Hebel in Gang setzen, nicht an kleinen Rädchen drehen.

Was braucht es auf gesellschaftlicher und politischer Ebene?

Allen voran brauchen wir einen Rechtsanspruch auf Kinderbetreuung ab Geburt und damit auch flächendeckende, kostenlose Kinderbetreuung. Mit Öffnungszeiten, die Vollzeitarbeit zulassen. Eine Verpflichtung, die Karenz fair zwischen den Eltern aufzuteilen, würde ebenfalls helfen. Auch kürzere Arbeitszeiten bei vollem Lohn könnten die Vereinbarkeit von Beruf und Familie unterstützen und Frauen vor der Teilzeitfalle und wesentlich geringeren Einkommen schützen. Die nächste Arbeitszeitverkürzung ist ohnehin längst überfällig. Außerdem brauchen wir höhere Löhne für jene wichtigen Brachen, die immer noch mies bezahlt werden: Pflege, Kinderbetreuung, Reinigungskräfte, und so weiter. Das sind vor allem Berufe, in denen vorwiegend Frauen arbeiten. Abhilfe schaffen könnte hier ein Mindestlohn, etwa von 2.000 Euro, wie ihn die Gewerkschaft momentan fordert. Jede fünfte unselbstständig Beschäftigte würde davon profitieren. Schlussendlich müssen wir dafür sorgen, dass der Grundsatz gleicher Lohn für gleiche Arbeit strenger kontrolliert und umgesetzt wird.  

Vielen Dank für das interessante Gespräch!

CC BY

Dieser Text ist unter CC BY 4.0 International lizenziert.

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von Dagmar Ziegler
Dagmar Ziegler, Redaktion Bildungsbuch Blog

Autorin

Dagmar Ziegler

Dagmar ist als selbständige Texterin, Moderatorin und Kommunikationsberaterin tätig. Für das Bildungsbuch ist die Salzburgerin immer auf der Suche nach spannenden Geschichten, die Mut machen, neue Wege zu gehen.

InfoboxFrau & Arbeit

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Frau & Arbeit bietet:

  •  kostenlose Beratung
  • Coaching
  • Workshops

für Frauen zu Fragen rund um das Berufsleben. Das Angebot von Frau & Arbeit richtet sich an Frauen jeden Alters, die Unterstützung bei der beruflichen Integration und/oder Entwicklung ihrer beruflichen Fähigkeiten und Ziele suchen.

Einfach telefonisch oder online Kontakt aufnehmen unter: 0662/ 880723-10 oder info@frau-und-arbeit.at.

Alle weiteren Infos findet ihr auf: 

www.frau-und-arbeit.at

Zuletzt aktualisiert am: 14.12.2020

InfoboxWiedereinstieg nach einer Familienphase

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Wie kann der berufliche Wiedereinstieg nach einer Familienphase gut gelingen? Je früher mit der Vorbereitung begonnen wird, desto besser! Gutes Zeitmanagement und Organisation sind hierfür gefragt.

Planung

  • Gutes Zeitmanagement und Organisation
  • Klarheit über den beruflichen Ist-Stand
  • In welche Richtung soll es in Zukunft gehen?

Unterstützung

  • BerufsInfoZentren bieten eine große Auswahl an Info-Mappen und Broschüren zu Berufen sowie Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten.
  • Wiedereinstieg mit Zukunft“  ist ein Kursangebot,  speziell für Frauen. Es unterstützt Wiedereinsteigerinnen beim Einstieg in das Berufsleben, unter anderem durch Selbstlernphasen und Einzel-Coaching-Elemente.
  • Arbeitsmarktbezogene Frauenberatungsstellen und die Frauenberufszentren (FBZ) unterstützen durch konkrete Informationen und professionelle Unterstützung bei Fragen zu Kinderbetreuung, Bildung, Jobsuche, bei persönlichen, familiären und rechtlichen Fragestellungen.

Kinderbetreuungsbeihilfe

Diese Förderung können Frauen und Männer erhalten, die einen Betreuungsplatz für ihr Kind benötigen, weil sie

  • eine Arbeit aufnehmen wollen,
  • an einer arbeitsmarktpolitisch relevanten Maßnahme (z.B. Kurs) teilnehmen wollen,
  • sich trotz Berufstätigkeit ihre wirtschaftlichen Verhältnisse grundlegend verschlechtert haben,
  • wesentliche Änderungen der Arbeitszeit eine neue Betreuungseinrichtung/-form erfordern,
  • die bisherige Betreuungsperson ausfällt.

Das monatliche Bruttoeinkommen der Förderungswerberin/des Förderungswerbers darf EUR 2.700,- nicht übersteigen.

Dauer:  Die Beihilfe kann jeweils für 26 Wochen gewährt werden. Die Förderungsdauer je Kind kann (bei Vorliegen der Fördervoraussetzungen) bis zu 156 Wochen betragen.

Hilfreiche Links:

Zuletzt aktualisiert am: 8.7.2024 von BiBer Bildungsberatung

InfoboxSAFI - Salzburger Fraueninitiative

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Die Salzburger Fraueninitiative SAFI ist ein Unterstützungsangebot für Frauen ab 18, die sich in schwierigen Lebenssituationen befinden oder beim (Wieder-)Einstieg ins Berufsleben Hilfe benötigen. SAFI bietet individuelle Beratung, Begleitung sowie Case Management an und arbeitet gemeinsam mit den Frauen Lösungsschritte aus, um sie auf ihrem Weg zu einem selbstständigen und unabhängigen Leben zu unterstützen. Dabei liegt ein Schwerpunkt auch auf Frauen, die aus Drittstaaten kommen, primär ihren Lebensmittelpunkt in Salzburg haben und beim Zugang zum österreichischen Arbeitsmarkt Hilfe brauchen.

Das Programm ist kostenlos und freiwillig und die Begleitung kann bis zu einem Jahr dauern.


Schwierige Lebensbedingungen können u.a. sein:

  • Arbeitslosigkeit, Neuorientierung, Migrationshintergrund oder familiären Schwierigkeiten
  • Frauen, die aktuell armutsgefährdet bzw. -betroffen sind, also auf Bezüge vom AMS, Sozialamt, GKK, PVA, unterhaltspflichtigen Ehemännern oder ähnliches angewiesen sind oder 
  • sich in prekären Beschäftigungsverhältnissen befinden, z.B. befristete Arbeitsverträge, Leiharbeitsverträge, Teilzeitjobs, die die Existenzsicherung nicht gewährleisten.
  • Es muss eine Konversation in deutscher bzw. zumindest englischer Sprache möglich sein, wobei kein bestimmtes Sprachniveau vorausgesetzt wird.

Das Angebot umfasst u.a.:

  • Unterstützung bei persönlichen, sozialen und beruflichen Herausforderungen.
  • Hilfe bei der Zielfindung und Umsetzung von nächsten Schritten.
  • Beratung zu Bildung, Arbeit, Finanzen, Gesundheit und rechtlichen Fragen.
  • Begleitung bei Behördengängen und Antragstellungen.
  • Hilfe beim (Wieder-)Einstieg ins Arbeitsleben, besonders nach längerer Pause oder bei Migrationserfahrung.
     

Angebote

  • Einzelcoaching
  • Begleitung zu Terminen z.B. Ämter und Behörden
  • flexible Unterstützung bei persönlichen Problemen
  • Workshops/Seminare inklusive Kinderbetreuung
  • Begegnungsraum, Frauenrunden, Ausflüge u.ä.

SAFI ist Teil des Frauen Kompetenzzentrum Salzburg und arbeitet mit verschiedenen lokalen und sozialen Einrichtungen zusammen, um Frauen umfassend zu fördern.

Kontakt

Am besten telefonisch einen Termin für ein Erstgespräch vereinbaren.

SAFI - Salzburger Fraueninitiative
Mobil:            +43   664-889 302 42
Email:        safi@ibisacam.at
 

Montag bis Donnerstag von 8 - 13 Uhr  
Freitag von 8 - 13 Uhr

ibis acam Bildungs GmbH

Kursort:
Münchner Bundestraße 158,
2. OG (Eingang Eugen-Müller- Straße1)

Detaillierte Informationen zum Standort findest du hier.

zuletzt aktualisiert am 18.11.2025 von BiBer Bildungsberatung

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Bildungsinfo aktuell

Infoboxwaff: Beratungs- und Förderleistungen in Wien

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Grundsätzlich bietet der waff kostenlose und individuelle Beratung für berufliche Entwicklungschancen von beschäftigten Wiener:innen und fördert berufliche Aus- und Weiterbildungen. Neben beschäftigten Wiener:innen gibt es gemeinsam mit dem AMS Wien auch Angebote für arbeitssuchende Wiener:innen.

Bildungskonto: Das Bildungskonto für Wiener Arbeitnehmer:innen (BIKO) fördert Wiener:innen, die sich beruflich weiterbilden oder einen höheren Abschluss erlangen möchten und steht allen Wiener:innen je nach Einkommen, Arbeitsmarktstatus und beruflichem Ziel bei anerkannten Bildungsträgereinrichtungen zur Verfügung. Das Bildungskonto mit maximal € 500 ist für alle Wiener:innen (Beschäftigte und arbeitslos Gemeldete). Im Rahmen des Bildungskontos werden anteilsmäßig die Kosten für berufsbezogene Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen bei einem vom waff anerkannten Bildungsträger in Abhängigkeit der individuellen Formalvoraussetzungen bis maximal € 3.000 refundiert. Weiters werden Förderungen von digitalen und klimaschutzrelevanten Kompetenzen und Qualifizierungen in der Höhe von maximal € 5.000 gewährt.

Chancen-Scheck des waff: Der Chancen-Scheck ist das Förderinstrument für die Zielgruppe des Qualifikationsplans Wien 2030. Beschäftigte, die keine über die Pflichtschule hinausgehende Ausbildung haben oder Personen, die zwar über einen höheren Abschluss verfügen, aber dennoch dequalifiziert arbeiten, erhalten mit dem Chancen-Scheck eine besonders attraktive finanzielle Förderung für Aus- und Weiterbildungsvorhaben von bis zu 5.000 Euro. Mit dem Chancen-Scheck werden berufliche Weiterbildung und das kostenlose Nachholen von Lehr- und anderen Bildungsabschlüssen gefördert. Damit verbunden ist in der Regel die Ausstellung eines Qualifikationspasses, der Qualifikationen, Kompetenzen, berufliche Entwicklungsziele und Bildungsschritte dokumentiert und zum Erreichen des individuellen Bildungsziels beitragen soll.

FRECH – Frauen ergreifen Chancen – Beratung und Qualifizierung: Bei FRECH handelt es sich um ein Programm für beschäftigte Frauen in Wien, die eine grundlegende berufliche Veränderung in Form einer Neuorientierung, Höherqualifizierung und/oder Weiterentwicklung anstreben. Das Programm bietet beschäftigten Frauen mit beruflicher Veränderungsabsicht eine Prozess- und Laufbahnberatung, welche gegebenenfalls durch einen Qualifizierungszuschuss für Aus- und Weiterbildung von 90 Prozent der Weiterbildungskosten bis max. 5.000 Euro ergänzt werden kann. Aus- und Weiterbildungen zur Stärkung digitaler und klimaschutzrelevanter Kompetenzen können ebenfalls gefördert werden. Darüber hinaus werden berufsbezogene Workshops und Vorträge angeboten. Frauen können dabei von einer umfassenden individuellen Beratung, Workshops und Vorträgen sowie einer finanziellen Unterstützung bei der Aus- und Weiterbildung profitieren.

Karenz und Wiedereinstieg: Das Programm bietet Personen vor, während und nach einer Berufsunterbrechung (Eltern-, Pflege- oder Familienhospizkarenz) frühzeitige Information und präventive Beratung für den beruflichen Wiedereinstieg. Die Beratung kann durch einen Qualifizierungszuschuss für Aus- und Weiterbildung von 90 Prozent der Kosten bis max. 4.000 Euro ergänzt werden. Darüber hinaus werden themenspezifische Gruppenveranstaltungen mit gelegentlicher Kinderbetreuung angeboten.

Ausbildungsinitiative Frauen in Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Technik: Die Ausbildungsinitiative für Frauen in Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Technik wendet sich an beschäftigte Wiener:innen, die ein berufsbegleitendes Studium in den genannten Bereichen anstreben. Ziel ist es, mehr Frauen in berufsbegleitende Fachhochschulstudiengänge zu bringen und damit langfristig mehr weibliche Fachkräfte für den Wiener Arbeitsmarkt zu gewinnen. Das Programm bietet umfassende prozessorientierte Beratung wie auch Coachingangebote. Vor dem Studium wird die berufsbegleitende Vorbereitung auf ein Studium gefördert, unter anderem durch eine Vorqualifizierungsmaßnahme an der Hochschule Campus Wien. Nach Studienplatzzusage werden geförderte Kurse begleitend zum ersten Studienjahr, z.B. eine berufsbegleitende Begleitqualifizierung für Bachelor-Studiengänge an der FH Technikum Wien, ein Stipendium für ausgewählte Bachelor- und Masterstudiengänge (12.000 Euro für BA-Studiengänge, 9.000 Euro für MA-Stiudiengänge) sowie zahlreiche Workshops, Vernetzungsveranstaltungen und Kooperationen mit Unternehmen und Fachhochschulen bereitgestellt. Ergänzend werden studien- und berufsbezogene Veranstaltungen sowie Begleitung bis über den erfolgreichen Studienabschluss hinaus angeboten.

Sonderprogramm Lehrlinge: Der waff kann auf Grundlage des Antrags eines Lehrlings mit Wohnsitz in Wien die Vorfinanzierung der Kosten für Vorbereitungskurse auf die Lehrabschlussprüfung übernehmen, die dem waff von der Wirtschaftskammer Wien refundiert werden. Ergänzend werden auch die LAP-Vorbereitungskurse, die im Rahmen des Projektes Qualifizierungsmanagement eingereicht werden, gefördert.

Weiterbildungsinformation Wien: Der waff führt eine umfassende, aktuelle Weiterbildungsdatenbank unter weiterbildung.at, die eine anbieterneutrale Entscheidungsgrundlage für die Auswahl einer passenden Aus- und Weiterbildung darstellt.

Wiener Ausbildungsgeld:  Mit dem Wiener Ausbildungsgeld sollen mehr Menschen für längere Ausbildungen und die anschließende Berufstätigkeit in vom Mangel an Fachkräften geprägten Bereichen gewonnen werden. Da die Bezüge aus der Arbeitslosenversicherung in der Regel nicht ausreichen, um eine längere Ausbildung finanziell abzusichern, hat Wien im Jahr 2021 mit dem Wiener Ausbildungsgeld eine finanzielle Lücke geschlossen. Die Leistung richtet sich an beim AMS Wien arbeitslos gemeldete Personen und ermöglicht diesen im Vorfeld einer Beschäftigung die Teilnahme an länger dauernden Ausbildungen (mindestens 12 Monate) im Rahmen von Jobs PLUS Ausbildung sowie anderen arbeitsplatznahen Qualifizierungen. Das Wiener Ausbildungsgeld wird für Ausbildungen in den Bereichen der kommunalen Daseinsvorsorge (beispielsweise: Gesundheit, Pflege, Soziales und Pädagogik in Kooperation mit der Magistratsdirektion und Unternehmen der Stadt Wien) und andererseits für Qualifizierungen in klimaschutzrelevanten Berufen sowie im Bereich IKT/Digitalisierung gewährt. Es unterstützt die Teilnehmer:innen während der gesamten Dauer der Ausbildung mit monatlichen Zahlungen, die einen Mindestbetrag von rund € 1.550 monatlich sicherstellen. Damit wird ein wichtiger Beitrag zur Sicherung des Fachkräftebedarfs in diesen gesellschaftlich relevanten Beschäftigungssegmenten geleistet. Die Gewährung des Wiener Ausbildungsgeldes ist subsidiär zu Förderungen des Bundes, des Landes oder Dritter.

Zahlreiche Studien belegen, dass eine finanzielle Absicherung der Lebenshaltungskosten ein wichtiger Faktor für eine Ausbildung im Erwachsenenalter ist.

Jugendstiftung Wien: Aufgrund der Entwicklungen am Arbeitsmarkt und des Fachkräftebedarfs der Wiener Wirtschaft haben der waff und das AMS Wien mit der Jugendstiftung Wien ein erfolgreiches Instrument zur Qualifizierung von jungen Erwachsenen ins Leben gerufen. Im Eintrittszeitraum von Jänner 2025 bis Dezember 2028 werden insgesamt 1.000 umstiegs- und aufstiegsorientierte junge Wiener:innen im Alter von 18 bis 24 und mit Anspruch auf Arbeitslosengeldbezug durch gezielte Aus- und Weiterbildung unterstützt. Die Maßnahme umfasst eine Phase der Berufsorientierung, in welcher vorhandene Kompetenzen erarbeitet und ein Berufsziel entwickelt wird. Die Möglichkeiten reichen hierbei vom Lehrabschluss bis hin zu Bachelorstudien. Hier soll einerseits auf bestehenden Qualifikationen der Teilnehmer:innen aufgebaut und begonnene Ausbildungen abgeschlossen werden und andererseits neue Berufsziele in Branchen mit besonders hohem Fachkräftebedarf erarbeitet werden (MINT, Green, Care). Nach Abschluss der Ausbildung wird im Rahmen der aktiven Arbeitsuche intensiv bei der Jobsuche unterstützt. Da eine finanzielle Absicherung der Lebenserhaltungskosten ein wichtiger Faktor für eine Ausbildung im Erwachsenenalter darstellt, ist zusätzlich zum Arbeitslosengeld eine monatliche ausbildungsbedingte Zuschussleistung in Höhe von € 300 vorgesehen.

Frauenstiftung Wien: Die Frauenstiftung Wien richtet sich an Frauen ab 25 Jahren ohne Berufsausbildung und mit Arbeitslosengeldbezug, wobei der Fokus auf Wiedereinsteigerinnen liegt. Ihr Ziel ist es, den Teilnehmerinnen eine Qualifizierung zu ermöglichen und sie beim (Wieder)-Einstieg als Fachkraft in den Arbeitsmarkt zu unterstützen. Im Rahmen des mit August 2025 gestarteten Pilotprojekts ist innerhalb von einem Jahr der Eintritt von 100 Frauen vorgesehen. Ähnlich wie bei der Jugendstiftung ist auch hier zu Beginn eine Phase der Berufsorientierung vorgesehen, in welcher vorhandene Kompetenzen erarbeitet und ein Berufsziel entwickelt wird. Dabei wird einerseits auf den bestehenden Qualifikationen der Teilnehmerinnen aufgebaut und andererseits neue Berufsziele in Branchen mit besonders hohem Fachkräftebedarf erarbeitet (MINT, Green, Care). Nach Abschluss der Ausbildung – die Möglichkeiten reichen vom Lehrabschluss bis hin zu Bachelorstudien – wird intensiv bei der Jobsuche unterstützt. Um entsprechende Ausbildungen zu ermöglichen und die Lebenserhaltungskosten abzusichern ist ein monatlicher Ausbildungszuschuss in Höhe von € 300 zusätzlich zum Arbeitslosengeld vorgesehen.

Wiener Pflegeausbildungsprämie: Die Pflegeausbildungsprämie ist eine monatliche finanzielle Unterstützung in der Höhe von 658,40 Euro für Personen, die eine Ausbildung in Gesundheits- und Sozialbetreuungsberufen an einer anerkannten Ausbildungseinrichtung in Wien absolvieren. Damit sollen strukturelle und finanzielle Anreize gesetzt werden, um Ausbildungen in diesen Bereichen attraktiver zu gestalten. Die Pflegeausbildungsprämie kann Personen gewährt werden, die eine Ausbildung in der Gesundheits- und Krankenpflege (z.B. Bachelor Gesundheits- und Krankenpflege, Pflegefachassistenz) bzw. eine Ausbildung in einem Sozialbetreuungsberuf (z.B. Fach- bzw. Diplom-Sozialbetreuung in Alten- oder Behindertenarbeit) absolvieren.

Kursförderungen für Arbeitnehmer*nnen in Wien – waff
 

Diese Informationen wurden uns vom waff im Februar 2026 zur Verfügung gestellt.