Ein Autodidakt sorgt für digitale Sicherheit

Diese Bildungs- und Berufsgeschichte zwischen Hackern, Bitcoin-Betrug und Erpressung zeigt uns, dass man für die Arbeit in der IT (Informationstechnologie) manchmal auch kriminalistischen Spürsinn benötigt.

Martin* beschreibt sich als neugierig, geduldig und resilient: Das sind wichtige Fähigkeiten, die man als CISO – Chief Information Security Officer – braucht. Für das Bildungsbuch erzählt er, wie er Experte für Cybersecurity wurde und damit Cyberkriminelle zur Strecke bringt.

Von Daniela Bayer |
Cybersecurity Bild

Eigentlich hat Martin* in den 1990er Jahren im Vertrieb zu arbeiten begonnen – und eine Lehre als Einzelhandelskaufmann absolviert. Danach ist er in die IT-Branche eingestiegen. „Ich wollte damals zur Polizei, bin aber dann in der Branche hängen geblieben,“ erzählt er. Zuerst arbeitete er in der klassischen IT, wobei sich sein Aufgabengebiet stetig erweiterte. In einem großen IT-Unternehmen übernahm er schließlich Aufgaben, die bis heute einen Teil seiner Tätigkeiten darstellen: Innovationen, neue Technologien, und auch Vertrieb: „Denn im Vertrieb war ich immer schon sehr gut.“

Sprung in die IT-Selbstständigkeit

Zwei Jahrzehnte später gründete er seine eigene Firma und beriet große Unternehmen, um mit ihnen Innovationsprojekte umzusetzen. Vor allem in der sogenannten „Corona-Zeit“ konnte sein Geschäftsfeld damit extrem wachsen. „Die Angriffe sind immer komplexer geworden und wir haben uns darauf spezialisiert. Wir haben sehr schnell viele große Kunden gewonnen.“

Private und berufliche Änderungen

Nach einem persönlichen Schicksalsschlag änderte sich auch der berufliche Weg von Martin*. Die Entscheidung war nicht leicht, doch nun ist er als Freelancer für eine Firma tätig: „Ich bin jetzt als CISO strategisch und operativ tätig. Meine Themen reichen von Künstlicher Intelligenz (KI), Cybersecurity, AI-Act (die EU-Verordnung zur Regulierung von KI, Anm. der Redaktion), Compliance, bis hin zum Verkauf – ich habe viel Verantwortung und kann zeitlich dennoch ein bisschen kürzertreten. Vor kurzem bin ich nochmal Vater geworden, ich kümmere mich jetzt lieber um meine Familie. Und doch bin ich jetzt glücklich, denn ich habe einen superspannenden Job.“

Erwerb von Kompetenzen: eigene Recherche

Welche Kompetenzen braucht man eigentlich, um in diesem speziellen Gebiet erfolgreich zu sein? „Es gibt zwar internationale Ausbildungen, aber das meiste habe ich mir selbst angeeignet“, sagt Martin*. „Ich bin ein neugieriger Mensch. Es gibt so viel Wissen im Internet, da muss man nur suchen. Auch der Austausch mit anderen aus der Branche war für mich immer wichtig – auch mit den Kriminellen. Es ist wichtig zu verstehen: Was ist das Ziel vom Angreifer, wie wird kommuniziert, wie wird das Geld gewaschen? So etwas kann man in keinem Kurs lernen. Natürlich geht sehr viel Zeit für Recherche drauf. Bei der Gründung meiner Firma gab es zum Beispiel noch keine KI, da dauerte die Recherche noch länger. Ich habe auch im Darknet recherchiert. Mittlerweile benutze ich Programme, die einfach zu handhaben sind, und ich kenne viele Informations-Quellen, auf die man zugreifen kann.“

Zitat

Etwas zu entdecken, das nicht sichtbar ist – das finde ich faszinierend.“

Persönliche Fähigkeiten in der Cybersecurity

Was man also an persönlichen Fähigkeiten mitbringen soll, wenn man in der Cybersecurity arbeiten möchte, sind zusammengefasst: Neugier, Geduld und Resistenz. „Ich bin schwer aus der Ruhe zu bringen“, sagt Martin*. Wichtig sind solche Voraussetzungen in Krisenfällen. Im Laufe seiner Berufsjahre war er mit einigen Extremsituationen konfrontiert. Zum Beispiel: Als Dutzende Unternehmen gleichzeitig verschlüsselt worden sind, kamen alle zur selben Zeit mit ihrem Problem zu ihm. Man brauchte einen Anwalt, Kosten und Zeit, um die Dinge zu lösen. Auch das FBI hat ihn schon einmal kontaktiert. Einen Bitcoin-Betrüger hat er bis nach Dubai verfolgt und erreicht, dass er eingesperrt wurde. Es gab suizidgefährdete Firmeneigentümer, die befürchteten, dass ihre Firma und damit ihre Existenz verloren wäre. Für diese Fälle hat Martin* sogar den Kurs „Erste Hilfe für die Seele“ von Pro Mente absolviert. „Was ich hier gelernt habe, hilft mir auch privat oft enorm weiter“, sagt er. Das Ausheben eines Pädophilenringes hatte leider zur Folge, dass die organisierte Kriminalität ihn und seine Familie ins Visier nahm. „Wir mussten deshalb Personenschutz bekommen.“

Was faszinierend an der Cybersecurity ist und was ihn stört

Martin* findet schnell viel Positives an seiner Arbeit. Zum Beispiel: „Etwas zu entdecken, das nicht sichtbar ist – das finde ich faszinierend.“ Einmal ist ein Lebensmittelhersteller erpresst worden und mit seiner Hilfe wurde ein Verdächtiger verhaftet: Indem er das Erpresservideo Sekunde für Sekunde analysiert hat. „Für so etwas muss man Leidenschaft haben und vor allem, an sich selbst glauben,“ ist er überzeugt.

Was er hingegen an seinem Beruf nicht so mag? „Den hohen Zeitaufwand. Und dass man selbst zum Ziel der Kriminellen wird.“ Früher hat er des Öfteren eine Key Note gehalten. Heute macht er das aus Sicherheitsgründen nicht mehr. „Man wird durch diese Arbeit selbst zum Ziel und man weiß nie, wer im Publikum sitzt. Mir ist das Leben meiner Familie wichtiger.“

Cybersecurity-Arbeitsalltag

Bei so außergewöhnlichen Erlebnissen kann man vermutlich nicht sagen, wie ein ganz gewöhnlicher Arbeitsalltag aussieht. Martin* bringt es so auf den Punkt: „Wenn mein Kalender leer ist, dann habe ich schon die Sorge, dass sicher etwas daherkommt, das mit viel Aufwand verbunden ist!“ Kritische Zeiten sind auch Urlaube, Zwickeltage – da passiere oft etwas und er lehne da auch schon einmal ab. „Ich kann nicht immer auf Stand-By arbeiten. Mittlerweile kann ich mir meine Kunden aussuchen.“

Pläne abseits von IT & Cybersecurity

Martin* hat bereits einen Beitrag für ein Buch geschrieben. Und vielleicht gibt er auch einmal ein ganz eigenes Buch heraus – Ideen dafür sind vorhanden, zum Beispiel mit seinen abenteuerlichen (Krimi-)Geschichten. Er überlegt: „Oder auch erst einmal einen Ratgeber für Firmeneigentümer, das wäre noch wichtiger!“

*Der Name wurde von der Redaktion geändert, um die Sicherheit von Martin und seiner Familie zu schützen

Erfahrungsbericht im Podcast der Bildungsberatung Kärnten

Im Podcast "Karriere zum Reinhören" spricht Janina von der Bildungsberatung Kärnten mit Michael über die IT: BIBER PODCAST - Karriere zum Reinhören - Berufsfeld IT - Janina spricht mit Michael - Episode 5

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von Daniela Bayer
Daniela Bayer

Autorin

Daniela Bayer

Redakteurin und PR-Fachfrau. Mag Vielfalt, Lernen und lacht gerne. Beruflich und privat sind ihr Weiterentwicklung und Offenheit für Neues wichtig. In ihrer Freizeit ist sie viel in Stadt und Land Salzburg unterwegs und liebt die bunte Mischung von Natur und Kultur.

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aktualisiert: Dezember 2025

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