"Mein Leben dauert länger als die Schule."

Nicht jede_r fühlt sich im System der klassischen Tagesschule wohl, was noch lange nicht heißt, dass man deshalb keinen Abschluss machen kann.

Daniel Pöschl steht mit beiden Beinen im Leben. Neben seinem fordernden Vollzeitjob als Vertriebsmitarbeiter im Außendienst ist er dabei, auch privat wichtige Schritte zu setzen: Diesen Sommer wird er heiraten und die Planungen für die zukünftige Eigentumswohnung sind im vollen Gang. Gleichzeitig besucht er seit etwas mehr als einem Jahr das Abendgymnasium Salzburg, wo er schon einiges erreicht und aufgrund seiner besonnenen und zielstrebigen Art reden von sich gemacht hat. Und trotzdem, wenn man ihm begegnet, strotzt er vor Freundlichkeit und Energie ...

Von Gerhard Ennsberger-Schmiedjell |
1017 Titelbild Daniel

Herr Pöschl sitzt im Auto. Oft. Das Gebiet, für das er beruflich zuständig ist, erstreckt sich von Vorarlberg bis nach Oberösterreich, mehrstündige Autofahrten sind die Folge. Verglichen damit wirkt die Distanz zwischen Mattsee und dem Abendgymnasium wie eine Spazierfahrt. Jeden Montag- und Donnerstagabend fährt er von seinem Wohnort nach Salzburg, um gemeinsam mit seinen Kolleginnen und Kollegen aus der 3K die Matura im Fernstudium am Abendgymnasium Salzburg nachzuholen. Schritt für Schritt. Ebenso muss er für schulische Arbeits- und Lernaufträge, die zuhause zu leisten sind, einiges an Energie aufwenden. Zeitlich kann es da schon eng werden.

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Natürlich ist die Belastung groß. Für den letzten Test habe ich bis um halb zwei in der Nacht gelernt, am nächsten Tag um sechs auf, Arbeit, und dann von sechs bis um zehn Abendgym., dazwischen der Test. Teilweise ist das schon am Limit.

Daniel Pöschl

Dennoch möchte es Herr Pöschl nicht anders. Mit seinem Beruf, der für ihn oberste Priorität hat, sichert er sich seine Zukunft. Aber auch das Abendgymnasium ist ihm wichtig und bedeutet für ihn viel mehr als bloß den Weg zum Maturazeugnis. Er möchte sich ein möglichst breites Allgemeinwissen aneignen, um Zusammenhänge besser zu verstehen, sich in Gesprächen besser einbringen zu können. Für seine Arbeit hat dies zwar unmittelbar keinen Vorteil, weder eine höhere Position noch mehr Gehalt, doch für sich selbst erkennt er den Mehrwert der Bildung:

Vorhandene Interessen wahrzunehmen, unbekannte Interessen zu entdecken, vorhandene Talente zu stärken und unbekanntes Potential freizulegen – das bedeutet für ihn der abendliche Unterricht. Dabei war seine Haltung nicht immer so. Als er im Alter von 10 Jahren von der Volksschule ans Gymnasium wechselte, begann für ihn der kurvige Weg, zu dem er heute steht und den er nicht missen möchte.

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An den Erfahrungen bin ich massiv gewachsen. Der Weg, den ich zurückgelegt habe, ist verantwortlich dafür, was ich heute bin.

Das Gefühl, ein Fremdkörper in einer anderen Welt zu sein.

Und seine Erfahrungen sind vielzählig. Ebenso die Schultypen, die er durchlaufen hat. In seiner Kindheit besuchte er eineinhalb Jahre ein Gymnasium. Heute erinnert er sich vor allem an die für ihn belastende Atmosphäre der Unterstufe. Dazu trug einerseits das ungewohnte "Sie" gegenüber den Lehrerinnen und Lehrern bei, andererseits das Gefühl, ein Fremdkörper in einer anderen Welt zu sein. Als sich überdies die Eltern scheiden ließen, wechselte er an die Hauptschule, wo er den familiären Umgang schätzte und sich wieder wohler fühlte. Es folgte die 1. Klasse HTL, nach einem "Nicht Genügend" in Mathematik und Physik dann der Umstieg in die HAK. 


Lernfaul sei er zwar schon gewesen, jedoch habe er sich in dieser Zeit dumm gefühlt und in der Schule vor allem sein Versagen wahrgenommen. Die Lehrer_innen von damals hätten ihn in dieser Selbsteinschätzung immer weiter bestärkt und so kam es zu einer Abwärtsspirale, worauf er die HAK nach dem dritten Jahr abbrach. Er wollte nicht mehr lernen, stattdessen arbeiten. Doch nach einem halben Jahr kam er zurück, legte eine Umstiegsprüfung ab, um zumindest die HASCH abzuschließen. Aber auch das ging nicht reibungslos: Seine Jugend lebte er kompromisslos aus, Lernen hatte wenig Wert und es fehlte die Motivation.

In einer gewissen Art ermöglicht mir das Abendgym, meine Vergangenheit umzuschreiben.

Diese Erinnerungen sind mittlerweile eingeordnet, die Selbstzweifel überwunden. Anhand seines beruflichen Werdegangs und anhand berufsbegleitender Fortbildungen hat Herr Pöschl gesehen, was er leisten und erreichen kann. Auch die vielen Erfolgserlebnisse am Abendgymnasium helfen ihm dabei, den Bildungsweg seiner Jugend neu zu bewerten und für sich zu klären, warum früher einiges nicht so gelaufen ist, wie es vielleicht möglich gewesen wäre. Die Noten, die er in den letzten beiden Semestern angesammelt hat, sind der beste Beweis für seine heutige Einschätzung: Bis jetzt steht als schlechteste Note "Gut", mehrheitlich sogar "Sehr Gut" in seinen Zeugnissen.

Zitat

Die eine Tätigkeit nährt die andere. Und so soll es sein.

Daniel Pöschl

Das gibt einem natürlich einen "Ego-Boost" und viel Energie, stellt Herr Pöschl fest, was dann wiederum im Beruf und im Privaten hilft, die täglichen Herausforderungen zu lösen. Und umgekehrt kann man sich im Beruf und im Privaten Kraft für das Abendgymnasium holen. Ein Ereignis, aus dem er besonders viel Motivation schöpfen kann und an das er sich gerne erinnert, ist beispielsweise seine vorgezogene Geographie und Wirtschaftskunde Matura, die er am Ende des 2. Semesters, Anfang Februar ablegen konnte: Nach der Notenbekanntgabe kam die Maturavorsitzende, die Direktorin eines Salzburger Tagesgymnasiums, auf ihn zu, bedankte sich für die hervorragende Prüfung und merkte freundlich an, dass sie von seinem Auftreten und von seiner Leistung beeindruckt gewesen sei.

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Ich muss immer darauf achten, die Learn-Life-Balance nicht zu verlieren.

Trotzdem dürfe man sich nichts vormachen und müsse realistisch sein. So erhebend vieles sein mag, so frustrierend ist es manchmal. Besonders die Wochenenden sind nicht mehr das, was sie einmal waren: Immer wartet eine Aufgabe, ein Test, eine Schularbeit – und die Entscheidung, was man nun vernachlässigt, wo man Abstriche macht. Die Zwickmühle ist offensichtlich: Stunden nichts zu tun, einfach zu genießen, ohne an seine schulischen Pflichten zu denken, ist schwer. Ebenso aber, sich rechtzeitig zum Lernen aufzuraffen, wenn der Zeitdruck noch nicht akut ist. Man hat zwar ein schlechtes Gewissen, doch muss einem klar sein, auf welch dünnem Eis man sich bewegt und wo die eigenen Grenzen liegen. Vor allem dann, wenn man dem Beruf die oberste Priorität einräumt und die Freizeit zwischen Leben und Lernen aufteilen muss.

"Im Moment spüre ich die Lust, alles hinzuschmeißen.", hört man da auch gelegentlich aus dem Mund von Herrn Pöschl, nur sind solche Aussprüche für ihn Teil der psychischen Hygiene. Irgendwie muss das Gefühl ja nach draußen und dann geht es wieder leichter.

Mein Leben dauert länger als die Schule.

Von daher sei es gut, dass die Lehrerinnen und Lehrer am Abendgymnasium Verständnis zeigen. Auch wenn man einmal einen Tiefpunkt durchwandert und sich mit dem Gedanken vertröstet, es gebe ja noch ein Leben nach der Schule, reagieren sie empathisch, versuchen zu motivieren, lenken den Blick auf das Positive, auf das Erreichte, auf die persönlichen Ziele und unterstützen, so gut es geht. Das Verhältnis beschreibt Herr Pöschl als partnerschaftlich, man begegnet sich auf Augenhöhe. Und überdies gibt es die sozialen Kontakte, die entstandenen Freundschaften zu Klassenkolleginnen und -kollegen, die einen auffangen, Zuversicht vermitteln und helfen. All das, den Wechsel zwischen Ernüchterung und Euphorie, zwischen Besorgnis und Bestätigung sieht Herr Pöschl als Teil des Spiels.

Zitat

Jeder Tag besitzt in sich einen Mehrwert, der größer ist als die aufgebrachte Energie – trotz aller Mühen und Aufwendungen – auch wenn es sich manchmal anders anfühlt.

Zum Schluss: Wie alles begann.

Sein Vorhaben, die Matura berufsbegleitend zu machen, entwickelte sich langsam. Zuvor hatte er immer wieder mit seiner Partnerin und deren Bruder darüber gesprochen, wie wichtig ihm Bildung sei und wie gerne er sich weiterbilden möchte. Im Lauf der Gespräche erfuhr er, dass beide das Abendgymnasium besucht hatten, bevor seine Partnerin die Schule im 4. Semester berufsbedingt abbrechen musste und ihr Bruder erfolgreich maturierte.

Angestachelt von diesen Gesprächen entstand bei Herrn Pöschl der Plan, im Februar 2017 einzusteigen, doch dann griff er bereits ein Jahr früher zum Telefon und rief den Direktor des Abendgymnasiums an. Dieser meinte, er solle in einer Woche, Montag, 18:45, in die Schule kommen. Es würde ins neue Semester gestartet, es ginge bald los.

Herr Pöschl kam – ohne große Erwartungen. Wenn es geht, dann geht es, dachte er. Aber er kam. Und darüber ist er bis heute froh.
 

Daniel Pöschl

CC BY

Dieser Text ist unter CC BY 4.0 International lizenziert.

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von Gerhard Ennsberger-Schmiedjell
Gerhard Ennsberger-Kranabiter

Autor

Gerhard Ennsberger-Schmiedjell

Der leidenschaftliche Fußgänger ist Lehrer am Abendgymnasium Salzburg für Deutsch und Religion. Während der Versuche, die Fensterbänke seiner Stadtwohnung zu begrünen, sehnt er sich nach wirklich frischer Luft. Und der Ruhe, die richtig dicken Wälzer der Weltliteratur zu beackern.

InfoboxAbendgymnasium Salzburg

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Dauer: 2-10 Semester (je nach Anrechnung von Zeugnissen höherer Schulen und Studienmodell)

Form: abhängig vom individuell zusammengestellten Stundenplan

  • Vollstudium 5 Tage die Woche zwischen 17:05-21:55 Uhr
  • Kompaktstudium freitags von 15:30-21:55 und samstags von 9:00-17:00 Uhr
  • Fernstudium:

- Einser-Studium: 1 Tag die Woche, 5 Semester samstags zwischen 09:00-17:00 Uhr Tage, 5 Semester freitags zwischen 14:45-21:55 Uhr
- Zweier-Studium: 2 Tage die Woche, freitags zwischen 17:05-21:55 Uhr
- Dreier-Studium: 3 Tage die Woche, 2 Abende unter der Woche zwischen 17:05-21:55 und freitags zwischen 14:45-21:55 Uhr

  • Berufsreife Plus: Berufsreifeprüfung kann zur vollwertigen Matura ausgebaut werden, 1 Tag die Woche, freitags zwischen 14:45-21:55 Uhr
  • Projekt: Brücken bauen: Vorbereitung zum regulären Abendgymnasiums-Besuch mit Deutschniveau auf mind. A2

Voraussetzungen:

  • Erfüllung der gesetzlichen Schulpflicht
  • Mindestalter 17 Jahre
  • Berufliche Tätigkeit

Kosten: keine

Abschluss: Matura

Telefonnummer: 0662/434575

Nützliche Links: http://www.abendgymnasium.salzburg.at/

Zuletzt aktualisiert am 27.5.2024 von BiBer Bildungsberatung

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Infoboxwaff: Beratungs- und Förderleistungen in Wien

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Grundsätzlich bietet der waff kostenlose und individuelle Beratung für berufliche Entwicklungschancen von beschäftigten Wiener:innen und fördert berufliche Aus- und Weiterbildungen. Neben beschäftigten Wiener:innen gibt es gemeinsam mit dem AMS Wien auch Angebote für arbeitssuchende Wiener:innen.

Bildungskonto: Das Bildungskonto für Wiener Arbeitnehmer:innen (BIKO) fördert Wiener:innen, die sich beruflich weiterbilden oder einen höheren Abschluss erlangen möchten und steht allen Wiener:innen je nach Einkommen, Arbeitsmarktstatus und beruflichem Ziel bei anerkannten Bildungsträgereinrichtungen zur Verfügung. Das Bildungskonto mit maximal € 500 ist für alle Wiener:innen (Beschäftigte und arbeitslos Gemeldete). Im Rahmen des Bildungskontos werden anteilsmäßig die Kosten für berufsbezogene Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen bei einem vom waff anerkannten Bildungsträger in Abhängigkeit der individuellen Formalvoraussetzungen bis maximal € 3.000 refundiert. Weiters werden Förderungen von digitalen und klimaschutzrelevanten Kompetenzen und Qualifizierungen in der Höhe von maximal € 5.000 gewährt.

Chancen-Scheck des waff: Der Chancen-Scheck ist das Förderinstrument für die Zielgruppe des Qualifikationsplans Wien 2030. Beschäftigte, die keine über die Pflichtschule hinausgehende Ausbildung haben oder Personen, die zwar über einen höheren Abschluss verfügen, aber dennoch dequalifiziert arbeiten, erhalten mit dem Chancen-Scheck eine besonders attraktive finanzielle Förderung für Aus- und Weiterbildungsvorhaben von bis zu 5.000 Euro. Mit dem Chancen-Scheck werden berufliche Weiterbildung und das kostenlose Nachholen von Lehr- und anderen Bildungsabschlüssen gefördert. Damit verbunden ist in der Regel die Ausstellung eines Qualifikationspasses, der Qualifikationen, Kompetenzen, berufliche Entwicklungsziele und Bildungsschritte dokumentiert und zum Erreichen des individuellen Bildungsziels beitragen soll.

FRECH – Frauen ergreifen Chancen – Beratung und Qualifizierung: Bei FRECH handelt es sich um ein Programm für beschäftigte Frauen in Wien, die eine grundlegende berufliche Veränderung in Form einer Neuorientierung, Höherqualifizierung und/oder Weiterentwicklung anstreben. Das Programm bietet beschäftigten Frauen mit beruflicher Veränderungsabsicht eine Prozess- und Laufbahnberatung, welche gegebenenfalls durch einen Qualifizierungszuschuss für Aus- und Weiterbildung von 90 Prozent der Weiterbildungskosten bis max. 5.000 Euro ergänzt werden kann. Aus- und Weiterbildungen zur Stärkung digitaler und klimaschutzrelevanter Kompetenzen können ebenfalls gefördert werden. Darüber hinaus werden berufsbezogene Workshops und Vorträge angeboten. Frauen können dabei von einer umfassenden individuellen Beratung, Workshops und Vorträgen sowie einer finanziellen Unterstützung bei der Aus- und Weiterbildung profitieren.

Karenz und Wiedereinstieg: Das Programm bietet Personen vor, während und nach einer Berufsunterbrechung (Eltern-, Pflege- oder Familienhospizkarenz) frühzeitige Information und präventive Beratung für den beruflichen Wiedereinstieg. Die Beratung kann durch einen Qualifizierungszuschuss für Aus- und Weiterbildung von 90 Prozent der Kosten bis max. 4.000 Euro ergänzt werden. Darüber hinaus werden themenspezifische Gruppenveranstaltungen mit gelegentlicher Kinderbetreuung angeboten.

Ausbildungsinitiative Frauen in Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Technik: Die Ausbildungsinitiative für Frauen in Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Technik wendet sich an beschäftigte Wiener:innen, die ein berufsbegleitendes Studium in den genannten Bereichen anstreben. Ziel ist es, mehr Frauen in berufsbegleitende Fachhochschulstudiengänge zu bringen und damit langfristig mehr weibliche Fachkräfte für den Wiener Arbeitsmarkt zu gewinnen. Das Programm bietet umfassende prozessorientierte Beratung wie auch Coachingangebote. Vor dem Studium wird die berufsbegleitende Vorbereitung auf ein Studium gefördert, unter anderem durch eine Vorqualifizierungsmaßnahme an der Hochschule Campus Wien. Nach Studienplatzzusage werden geförderte Kurse begleitend zum ersten Studienjahr, z.B. eine berufsbegleitende Begleitqualifizierung für Bachelor-Studiengänge an der FH Technikum Wien, ein Stipendium für ausgewählte Bachelor- und Masterstudiengänge (12.000 Euro für BA-Studiengänge, 9.000 Euro für MA-Stiudiengänge) sowie zahlreiche Workshops, Vernetzungsveranstaltungen und Kooperationen mit Unternehmen und Fachhochschulen bereitgestellt. Ergänzend werden studien- und berufsbezogene Veranstaltungen sowie Begleitung bis über den erfolgreichen Studienabschluss hinaus angeboten.

Sonderprogramm Lehrlinge: Der waff kann auf Grundlage des Antrags eines Lehrlings mit Wohnsitz in Wien die Vorfinanzierung der Kosten für Vorbereitungskurse auf die Lehrabschlussprüfung übernehmen, die dem waff von der Wirtschaftskammer Wien refundiert werden. Ergänzend werden auch die LAP-Vorbereitungskurse, die im Rahmen des Projektes Qualifizierungsmanagement eingereicht werden, gefördert.

Weiterbildungsinformation Wien: Der waff führt eine umfassende, aktuelle Weiterbildungsdatenbank unter weiterbildung.at, die eine anbieterneutrale Entscheidungsgrundlage für die Auswahl einer passenden Aus- und Weiterbildung darstellt.

Wiener Ausbildungsgeld:  Mit dem Wiener Ausbildungsgeld sollen mehr Menschen für längere Ausbildungen und die anschließende Berufstätigkeit in vom Mangel an Fachkräften geprägten Bereichen gewonnen werden. Da die Bezüge aus der Arbeitslosenversicherung in der Regel nicht ausreichen, um eine längere Ausbildung finanziell abzusichern, hat Wien im Jahr 2021 mit dem Wiener Ausbildungsgeld eine finanzielle Lücke geschlossen. Die Leistung richtet sich an beim AMS Wien arbeitslos gemeldete Personen und ermöglicht diesen im Vorfeld einer Beschäftigung die Teilnahme an länger dauernden Ausbildungen (mindestens 12 Monate) im Rahmen von Jobs PLUS Ausbildung sowie anderen arbeitsplatznahen Qualifizierungen. Das Wiener Ausbildungsgeld wird für Ausbildungen in den Bereichen der kommunalen Daseinsvorsorge (beispielsweise: Gesundheit, Pflege, Soziales und Pädagogik in Kooperation mit der Magistratsdirektion und Unternehmen der Stadt Wien) und andererseits für Qualifizierungen in klimaschutzrelevanten Berufen sowie im Bereich IKT/Digitalisierung gewährt. Es unterstützt die Teilnehmer:innen während der gesamten Dauer der Ausbildung mit monatlichen Zahlungen, die einen Mindestbetrag von rund € 1.550 monatlich sicherstellen. Damit wird ein wichtiger Beitrag zur Sicherung des Fachkräftebedarfs in diesen gesellschaftlich relevanten Beschäftigungssegmenten geleistet. Die Gewährung des Wiener Ausbildungsgeldes ist subsidiär zu Förderungen des Bundes, des Landes oder Dritter.

Zahlreiche Studien belegen, dass eine finanzielle Absicherung der Lebenshaltungskosten ein wichtiger Faktor für eine Ausbildung im Erwachsenenalter ist.

Jugendstiftung Wien: Aufgrund der Entwicklungen am Arbeitsmarkt und des Fachkräftebedarfs der Wiener Wirtschaft haben der waff und das AMS Wien mit der Jugendstiftung Wien ein erfolgreiches Instrument zur Qualifizierung von jungen Erwachsenen ins Leben gerufen. Im Eintrittszeitraum von Jänner 2025 bis Dezember 2028 werden insgesamt 1.000 umstiegs- und aufstiegsorientierte junge Wiener:innen im Alter von 18 bis 24 und mit Anspruch auf Arbeitslosengeldbezug durch gezielte Aus- und Weiterbildung unterstützt. Die Maßnahme umfasst eine Phase der Berufsorientierung, in welcher vorhandene Kompetenzen erarbeitet und ein Berufsziel entwickelt wird. Die Möglichkeiten reichen hierbei vom Lehrabschluss bis hin zu Bachelorstudien. Hier soll einerseits auf bestehenden Qualifikationen der Teilnehmer:innen aufgebaut und begonnene Ausbildungen abgeschlossen werden und andererseits neue Berufsziele in Branchen mit besonders hohem Fachkräftebedarf erarbeitet werden (MINT, Green, Care). Nach Abschluss der Ausbildung wird im Rahmen der aktiven Arbeitsuche intensiv bei der Jobsuche unterstützt. Da eine finanzielle Absicherung der Lebenserhaltungskosten ein wichtiger Faktor für eine Ausbildung im Erwachsenenalter darstellt, ist zusätzlich zum Arbeitslosengeld eine monatliche ausbildungsbedingte Zuschussleistung in Höhe von € 300 vorgesehen.

Frauenstiftung Wien: Die Frauenstiftung Wien richtet sich an Frauen ab 25 Jahren ohne Berufsausbildung und mit Arbeitslosengeldbezug, wobei der Fokus auf Wiedereinsteigerinnen liegt. Ihr Ziel ist es, den Teilnehmerinnen eine Qualifizierung zu ermöglichen und sie beim (Wieder)-Einstieg als Fachkraft in den Arbeitsmarkt zu unterstützen. Im Rahmen des mit August 2025 gestarteten Pilotprojekts ist innerhalb von einem Jahr der Eintritt von 100 Frauen vorgesehen. Ähnlich wie bei der Jugendstiftung ist auch hier zu Beginn eine Phase der Berufsorientierung vorgesehen, in welcher vorhandene Kompetenzen erarbeitet und ein Berufsziel entwickelt wird. Dabei wird einerseits auf den bestehenden Qualifikationen der Teilnehmerinnen aufgebaut und andererseits neue Berufsziele in Branchen mit besonders hohem Fachkräftebedarf erarbeitet (MINT, Green, Care). Nach Abschluss der Ausbildung – die Möglichkeiten reichen vom Lehrabschluss bis hin zu Bachelorstudien – wird intensiv bei der Jobsuche unterstützt. Um entsprechende Ausbildungen zu ermöglichen und die Lebenserhaltungskosten abzusichern ist ein monatlicher Ausbildungszuschuss in Höhe von € 300 zusätzlich zum Arbeitslosengeld vorgesehen.

Wiener Pflegeausbildungsprämie: Die Pflegeausbildungsprämie ist eine monatliche finanzielle Unterstützung in der Höhe von 658,40 Euro für Personen, die eine Ausbildung in Gesundheits- und Sozialbetreuungsberufen an einer anerkannten Ausbildungseinrichtung in Wien absolvieren. Damit sollen strukturelle und finanzielle Anreize gesetzt werden, um Ausbildungen in diesen Bereichen attraktiver zu gestalten. Die Pflegeausbildungsprämie kann Personen gewährt werden, die eine Ausbildung in der Gesundheits- und Krankenpflege (z.B. Bachelor Gesundheits- und Krankenpflege, Pflegefachassistenz) bzw. eine Ausbildung in einem Sozialbetreuungsberuf (z.B. Fach- bzw. Diplom-Sozialbetreuung in Alten- oder Behindertenarbeit) absolvieren.

Kursförderungen für Arbeitnehmer*nnen in Wien – waff
 

Diese Informationen wurden uns vom waff im Februar 2026 zur Verfügung gestellt.