Der Clown, mein Vorbild

„Weil ich auf mein Gefühl gehört habe, stehe ich heute da und mache das, was zu mir passt: musikalische Frühförderung.“

Mit diesem Satz nimmt unser Interview seinen Anfang. Dabei strahlt Bianca Plörer über das ganze Gesicht, wirkt zufrieden und eins mit sich selbst. Eben war sie noch im Musikunterricht, öffnet nun die Fenster für ein wenig frische Luft und beginnt, ihre Geschichte zu erzählen. 

von Andrea Folie | | Einblicke

Alles ein bisschen bunter

Bunt und verspielt war ihr Leben immer. Als gelernte Floristin waren es die Farben der Blumen, als Musikerzieherin sind es eben die Farben der Töne, die alles ein wenig bunter erscheinen lassen. Wobei die Musik immer schon die Hauptrolle in ihrem Leben spielte. Aber die hatte einfach keinen Platz im Regelwerk der Schule. Daher wurde der lokalen Konvention entsprechend was Handfestes gewählt – Floristin. Den Beruf hatte sie gern, so war es nicht, aber eine Neurodermitis zwang sie eine Neuentscheidung zu treffen.

Die schwierigen Schritte der Umorientierung

So wählte sie zu Beginn den Beruf der Altenpflegerin. Aber die permanente emotionale Belastung im Umgang mit alten Menschen war für Bianca schwer ertragbar.

„Es war klar, ich muss mir einen neuen Weg suchen! Um ehrlich zu sein, es war eine sehr schwierige Phase für mich.”

Mit dem Bewusstsein, dass eine Veränderung neue Möglichkeiten eröffnet, entschied sie sich für die Abendmatura und als Broterwerb für den Arbeitswechsel in einen Bio-Laden. Viereinhalb Jahre pure Disziplin und Durchhaltekraft. Wohl eine der größten Hürden. Montag bis Freitag von 18:30 Uhr bis 22:00 Uhr abends Schule, nach einem Arbeitstag.

Die schwierige Berufsfindungsphase folgte aber erst. Bis dahin war es der Ehrgeiz, der sie antrieb. Nun waren persönliche Interessen, Vorlieben und Ideen gefragt. Aber wohin, wenn man nicht genau weiß, wo man steht? Für Bianca schwere Momente, wie ein schwarzes Loch – nichts war klar noch strukturiert. Das bereitete ihr wohl die größten Schwierigkeiten. Ein privater Berufscoach und ein Berufsfindungstest brachten schließlich doch ein wenig Licht in die Dämmerung. Kreativität und bildnerische Gestaltung standen hoch im Kurs. Jene Kompetenzen, die Bianca in ihrer Freizeit nutzte und weiterentwickelte.

Also ging es an die Kommunikationswissenschaft der Universität Salzburg. Die Ellbogentechnik, die sie in der Wissenschaft vorfand, entsprach aber auch nicht ihren zukünftigen Berufswünschen. Sie nutzte aber die Möglichkeiten des Reisens und entdeckte in Nordirland bei der „Freiwilligenarbeit“ das Musizieren mit Kindern.

Netzwerk Bildungsberatung

Studieren mit Kind? Aber natürlich!

Trotz der oft egoistischen Atmosphäre bot die Uni für Bianca gleichzeitig Halt. Was für viele junge Studierende unmöglich erscheint, war für die junge Frau glasklar:

„Eine Schwangerschaft während des Studiums erschien mir naheliegender als schwanger in die Berufswelt zu starten.”

Denn die Universität bietet als flexibel aufgebautes Ausbildungssystem die Möglichkeit der persönlichen Einteilung und gleichzeitig eine finanzielle Stütze. So kam es also auch. Mit ihrer kleinen Tochter an der Hand ging sie ihren straffen Weg weiter. Nichtsahnend setzte sie sich mit ihr in ein Musikföderungsprogramm. Da war es um Bianca geschehen.
 

Ein Meilenstein im eigenen Leben

Studium samt Sicherheitsgefühl wurden beiseite gelegt und das Leben mit dem Verein music together neu begonnen. Trotz Engagement und mit dem Wissen, das Richtige zu tun, flammte eine gewisse Verunsicherung auf. Besonders als junge Mutter dreht sich das Leben um das Wohl des Kindes und das gesellschaftliche Leben tritt in den Hintergrund. Oft allein und im Rhythmus des Kindes ist man sich seiner Entscheidungen nicht immer sicher. Der kleine Verein mit der Idee, Musik in die Familien zu bringen, bestätigte aber immer wieder ihr berufliches Vorhaben. Sie ließ sich direkt beim Verein zur „music-togehter-Lehrerin“ ausbilden und hat heute einen Beruf, der ihr sehr viel Freude bereitet, sie kann zusätzlich das erlernte Uni-Wissen einfließen lassen und ist mir ihrer Familie eins. Das, was sich Bianca immer erträumte.
 

Vom Traum des Clowns

Zu träumen geholfen hat ihr ihr Vater. Einst ging er einem konventionellen Beruf nach, bis er sich entschied, Clown zu werden. Eine Entscheidung, die belächelt wurde, von der er aber heute leben kann. Der Mut zur Offenheit und eine positive Einstellung zum eigenen Leben verbunden mit ein wenig Humor – das sind und waren die Ideale ihres Vaters, die ihr mit auf den Weg gegeben wurden.

„Das größte Vorbild das man sich als Tochter erdenken kann.,”

schmunzelt Bianca stolz.

Gewusst wie...

Florist_in

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Lehrberuf: Florist_in und Blumenbinder_in

Dauer:

  • 3 Jahre, Arbeit im Betrieb
  • Besuch der Berufsschule

Voraussetzung

  • Pflichtschulabschluss
  • Lehrbetrieb

Hilfreiche Links:

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Pflegeassistenz

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Dauer: 4 Semester

Form: Vollzeit (Unterricht geblockt); Praktika sind extra zu absolvieren

Zielgruppen: Berufsumsteiger; Berufswiedereinsteiger; Mitarbeiter in sozialen Einrichtungen aller Art ohne gesetzlich anerkannte pflegerische Ausbildung.

Voraussetzungen:

  • Absolvierung der 9. Schulstufe oder die Pflichtschulabschlussprüfung
  • Mindestalter: 17 Jahre
  • Gesundheitliche Eignung & Vertrauenswürdigkeit
  • Erforderliche Kenntnisse der deutschen Sprache (mindestens B1)
  • Soziale Kompetenz
  • Österreichische oder EU-Staatsbürgerschaft oder Flüchtlingsstatus gemäß Genfer Konvention oder Niederlassungsbewilligung

Abschluss: Pflegeassistenzzeugnis

Ausbildungsorte:

Hilfreiche Links:

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Abendgymnasium Salzburg

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Dauer: 2-8 Semester (je nach Anrechnung von Zeugnissen höherer Schulen)

Form: je nach persönlichem Stundenplan zwischen 17:05-21:55; Regelstudium (5 Tage die Woche); Fernstudium (2 Tage die Woche)

Voraussetzungen:

  • Erfüllung der gesetzlichen Schulpflicht
  • Mindestalter 17 Jahre
  • Berufliche Tätigkeit

Kosten: keine

Abschluss: Matura

Telefonnummer: 0662/434575-0

Hilfreiche Links: Abendgymnasium Salzburg 

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Musikalische Früherziehung

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Berufsbegleitendes Studium (kostenpflichtig)

  • Universitätslehrgang Musikalische Früherziehung, Elementare Musik Pädagogik oder Musizieren für Kinder und Jugendliche

Voraussetzungen:

  • Abgeschlossene pädagogische Ausbildung, d.h. Lehrer_in in Volks-, Haupt- bzw. Musikschule oder Kindergartenpädagogik
  • Grundkenntnisse in Musiktheorie und Vorkenntnisse auf Blockflöte bzw. Gitarre

Dauer:

  • 4 Semester

Weiterführender Link:

Gewusst wie...

Artist_in

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Clown:
Keine geregelte Ausbildung, meistens in Artistenfamilie aufgewachsen; Zirkusakademie in Wien (2 Jahre), Staatliche Schule für Artistik in Berlin, „Festival Mondial du Cirque de Demain“ in Paris, weitere Zirkusschulen in Russland, Moldavien und Südkorea.

Artist_innen: Wohin in Salzburg?

  • Eine Einstiegsmöglichkeit in die Clownerie bietet die  Clownfabrik in Salzburg.
  • Der Verein MOTA bietet 'Salzburgs umfangreichstes Zirkustraining' an. 
  • In naher Zukunft entsteht darüber hinaus ein Zirkus-Trainingszentrum in Gnigl!

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Schlagwörter: Matura, Studieren mit Kind, Abendgymnasium, Berufswechsel, 2. Bildungsweg, Familie&Beruf
CC BY

Dieser Text ist unter CC BY 4.0 International lizenziert.

von Andrea Folie
Andrea Foliemask

Über die Autorin

Andrea Folie

Langjährige Erfahrung in der Kulturvermittlung, Netzwerktätigkeit und internationalen Gastspiel­tätig­keit von Theater­produktionen und Work­shops. Ideen­geberin Verein "Ikult.Inte­rkulturelle Projekte und Konzepte", Projekleitung "Ankommenstour Querbeet". Assistentin der Geschäfts­führung Dachver­band Salz­burger Kulturs­tätten. Immer wieder als freie Texterin tätig.

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