(Um)Wege zum Traumjob

Ein Schulabbruch als Beginn einer langen Reise

Ein Schulabbruch bringt den betroffenen Jugendlichen und deren Eltern Ungewissheit, bereitet Sorgen und wirft viele Fragen auf. Carina ist bzw. war eine Schulabbrecherin. Mit Mitte 20 entschied sie sich dafür, die Ausbildung zur Elementarpädagogin im Zweiten Bildungsweg fertig zu machen. Nun arbeitet sie als qualifizierte Pädagogin in einem Kindergarten und scheint angekommen zu sein. Für uns ist sie jedenfalls eine Mutmacherin. Denn: wer hat schon, trotz Schulabbruch mit 16, den Mut und die Kraft für drei Berufsausbildungen, Matura und Auslandserfahrung? 

von Dagmar Ziegler | | Einblicke Lest mehr zum Thema:
2. Bildungsweg, Lehre
(Um)Wege zum Traumjob

Der Karriereweg der jungen Pongauerin war keinesfalls direkt. Die zahlreichen Kurven schienen oftmals unübersichtlich, doch sie führten nicht ein einziges Mal in eine Sackgasse. Auf dem Weg zwischen Schulabbruch und Traumberuf füllte sich Carina’s Rucksack mit wertvollen Begegnungen und Erfahrungen. Und genau die würden nicht nur ihr Leben reicher machen, sie erweisen sich auch als durchaus nützlich für ihre Arbeit mit Kindern.  

Der erste Versuch, die elementarpädagogische Ausbildung zu machen, war nicht erfolgreich. Es lag an Mathematik, aber vor allem an einer Lehrperson. Diese wollte Carina’s Leidenschaft für den angestrebten Beruf nicht nur nicht erkennen, sie zeigte sich nicht willens ihre Schülerin auch nur ansatzweise zu motivieren. 

„Da war diese eine Lehrperson, die mir die Lust und Motivation, mein Ziel zu erreichen, genommen hat. Ich hätte jemanden gebraucht der mir Mut zuspricht, mich pusht.”

Doch das Gegenteil war der Fall. Carina erzählt: 

„Diesen einen Satz der Lehrperson, als ich nach der Prüfung zur Nachbesprechung am Flur stand, werde ich nie vergessen, ich zitiere: „Du brauchst auch im Herbst nicht mehr zur Nachprüfung zu kommen, denn auch dann wirst du die Prüfung nicht schaffen!”

(Um)Wege zum Traumjob

(Um)Wege zum Traumjob

(Um)Wege zum Traumjob

Für die Nachprüfung lernen, während andere im Schwimmbad liegen

Die gesamten Sommerferien lernte sie täglich für die bevorstehende Nachprüfung, nahm Nachhilfe, gab ihr Bestes. Und trotzdem: Carina schaffte die Prüfung nicht und verließ mit 16 Jahren unfreiwillig die Schule. Und jetzt kommt es: Ein paar Jahre später absolvierte die junge Frau die Berufsreifeprüfung in Mathematik mit einem Sehr gut.   

„Der Mathematiklehrer damals war unglaublich kompetent. Mit seiner Hilfe begann ich Mathematik auf Maturaniveau zu verstehen. Er nahm sich für jeden einzelnen unendlich viel Zeit und erklärte bei Bedarf auch fünfmal dieselben Schritte.”

Doch was Carina nach dem Schulabbruch schaffte, ist wirklich beeindruckend: mit mittlerweile Anfang 30 ist sie nicht nur Elementarpädagogin sondern auch gelernte Floristin, geprüfte Skilehrerin, besitzt die Matura und konnte mehrere Monate lang als Au-Pair in Kanada Auslandserfahrung sammeln. Aber eigentlich wollte sie immer nur eines: mit Kindern arbeiten und dabei kreativ sein.

Ein kreativer Job mit Sinn, das war ihr Traum

Blicken wir zurück in Carinas Jugend: Ihr erster Traumberuf war Tierärztin. Auf einem Bauernhof aufgewachsen lebte sie „mit, neben und unter den Tieren“. Demnach lag es für sie nahe, sich auch beruflich mit Tieren zu beschäftigen. Doch dieser Traum wurde bald wieder verworfen, denn sie habe sich nicht so leicht getan in der Schule, sagt sie. Vor allem Mathematik sei bereits in der Hauptschule eine Herausforderung gewesen. Deswegen waren die Menschen um sie herum der Ansicht, Tiermedizin wäre nichts für sie. Ich frage Carina, ob sie denn aus heutiger Sicht glaubt, dass sie es geschafft hätte? Kurz ist es still. Dann ein klares:  

„Ja ich glaube schon. Im Nachhinein betrachtet habe ich so viel geschafft, was ich mir im Vorhinein nicht zugetraut hätte.”

Doch auf dem Bauernhof waren nicht nur viele Tiere. Auch Kinder gehörten von Beginn an zu Carina’s Alltag. Sie hat zwei jüngere Geschwister, viele Cousins und Cousinen und ihre Eltern betrieben mit dem Landwirtschaftsbetrieb „Urlaub am Bauernhof“. Kein Wunder, dass Carina daher ständig von Kindern umgeben war. Es war naheliegend, dass auf ihrer Berufswunschliste an zweiter Stelle Kindergartenpädagogin stand. Und die zweite Wahl ist es schlussendlich auch geworden.  

„Kinder sind so ehrlich und man bekommt so viel zurück. So viel Begeisterung, so viel – ja, Liebe. Und man kann ihnen so viel schmackhaft machen. (…) Sie sind wirklich zu 100 Prozent bei der Sache und haben einfach Spaß.”

Nach der nicht bestandenen Nachprüfung wusste sie nicht mehr weiter

Nach der missglückten Nachprüfung war für sie klar, dass sie die Klasse nicht wiederholen wollen würde. Sie fragte sich welcher Beruf dem der Elementarpädagogin in Punkto Kreativität ähneln würde. Ihre Eltern zählten ihr alle Arbeitgeber in der Gegend auf, welche Lehrlinge ausbilden würden. Nachdem sie beim Schnuppern im Gastgewerbe ein Tablett voller Bier fallen ließ, entschied sie sich für den Lehrberuf als Floristin. Ein kreativer Beruf, den sie mit 19 Jahren erfolgreich abgeschlossen hat. Doch der Lehrbetrieb konnte sie nicht behalten und in der Umgebung fand sie keine geeignete Stelle. Der Wunsch mit Kindern zu arbeiten war weiterhin vorhanden.  

Der Zweite Bildungsweg führte Carina zum gewünschten Ziel

Die kommenden Jahre waren abwechslungsreich: sie jobbte als Skilehrerin (für Kinder), arbeitete in der Logistik für ein Pongauer Skiunternehmen und war zweimal als Vertretung in Kindergärten als Helferin tätig. Nach jahrelangem Jobben, sagte sie sich eines Tages: ich muss weg. So ging Carina als Au-Pair zu einer tollen Familie nach Kanada. Mit hervorragenden Englischkenntnissen und einem erweiterten Horizont zurück in Salzburg, beschloss sie die Berufsreifeprüfung zu machen, um dann einige Zeit später mit Mitte 20 eine große Entscheidung zu treffen: das berufsbegleitende Kolleg für Elementarpädagogik in Bischofshofen zu beginnen, um schlussendlich die Ausbildung in der kürzeren Variante in Form eines Tageskollegs in Innsbruck erfolgreich zu beenden.  

Arbeit muss Spaß machen, dann ist es der richtige Beruf

Im Nachhinein betrachtet ist man ja meist gescheiter, sagt man. Doch Carina bereut keine Entscheidung, keinen Job und keine Erfahrung, die sie gemacht hat. Sie ist zurecht stolz auf ihren bisherigen Lebenslauf und alles was sie geschafft hat. Vor allem darauf, dass sie die Matura gemeistert und die Lehre als Floristin abgeschlossen hat, obwohl sie nie wieder in diesem Beruf tätig war.  

Zum Abschluss stelle ich unserer Mutmacherin noch ein paar Fragen.

Woher kam die Motivation weiterzumachen und mit Mitte 20 die Ausbildung zur Elementarpädagogin im zweiten Anlauf zu starten?

„Weil auch ich, so wie die meisten in meinem sozialen Umfeld, mit beiden Beinen im Leben stehen wollte. Meine Freundinnen haben sich ihren Traum erfüllt und genau das wollte ich auch. Mit Kindern arbeiten.“ 

Was möchtest du jungen Menschen für ihre Berufswahl oder ihren Bildungsweg mitgeben?

“Durchbeißen. Immer wieder aufstehen, weiterkämpfen und nicht den Kopf hängen lassen, wenn es nicht gleich funktioniert oder klappt. Es gibt viele Wege, die trotzdem ans Ziel führen.“ 

Und woher weiß ich was ich will und was zu mir passt?

“In dem man mit Spaß und Begeisterung bei der Sache ist. Man muss seinen Job wirklich liebend gerne machen. Wenn du in der Früh aufstehst und weißt: So jetzt mach ich mein Hobby zum Beruf, dann bist du da angekommen wo du hingehörst.“ 

Vielen herzlichen Dank für das Gespräch und deine Offenheit! 

Gewusst wie...

BAfEP – Kolleg

Inhalt anzeigen

BAfEP – Bundesanstalt für Elementarpädagogik (früher: BAKiP – Bundesanstalt für Kindergartenpädagogik)

Dauer: Kolleg in Vollzeit 4 Semester; Berufsbegleitend 6 Semester je nach Schulstandort (meist nachmittags/abends Unterricht, sowie ein Vormittag Praxis in Kinderbetreuungseinrichtung)

Die Schule ist grundsätzlich auch als Tagesschule als BHS (Berufsbildende höhere Schule) in 5 Jahren zu absolvieren.

Voraussetzung: Reifeprüfung oder Berufsreifeprüfung oder Studienberechtigungsprüfung sowie Eignungsprüfung (Prüfungsbereiche: Musik, Schöpferisches Gestalten, Bewegung und Sport, Kontakt- und Kommunikationsfähigkeit)

Teilweise öffentliche Schulen, teilweise private Schulen mit Schulgeld

Abschluss: Diplomprüfung. Der Abschluss ermöglicht die Arbeit als Elementarpädagogin/Elementarpädagoge in elementaren Bildungs- bzw. Betreuungseinrichtungen für Kinder von 0-6 Jahren.

Hilfreiche Links:

Schulen mit Kollegs im Bundesland Salzburg

Allgemeine Übersicht österreichweit

https://www.abc.berufsbildendeschulen.at/kollegs-und-kollegs-fuer-berufstaetige/

Gewusst wie...

Bildungsberatung in Österreich

Inhalt anzeigen

Kärnten
Auf der Website der Bildungsberatung Kärnten gibt es nicht nur alle Informationen zum Kärntner Beratungsangebot, direkt auf der Startseite findest du auch Video-Einblicke in die Kompetenzberatung: bildungsberatung-kaernten.at

Steiermark
Für die Steirer und Steirerinnen gibt es hier alle Beratungstermine nach Bezirken sortiert auf einen Blick: bildungsberatung-stmk.at

Burgenland
Die Bildungsinformation Burgenland hilft Ihnen bei allen Fragen zur Aus- und Weiterbildung.

Niederösterreich
Deine Bildungsberatung – auch auf Russisch, Ukrainisch, Polnisch, Englisch, Arabisch … - findest du auf der Website: www.bildungsberatung-noe.at

Wien
Die Bildungsberatung in Wien bietet kostenfreie Information und Beratung zu Bildung und Beruf. Beratung gibt‘s per Telefon und online via Mail, Chat und Video. Das Beratungstelefon ist unter gratis-Tel.: 0800 20 79 59 von Mo-Fr zwischen 9-13 Uhr erreichbar. Auf der Website bildungsberatung-wien.at kannst du ganz einfach Beratungstermine buchen.

Oberösterreich
Telefonisch für Fragen rund um deine Aus- und Weiterbildungen, Förderungen, … erreichbar unter 050/6906-1601, von Montag bis Donnerstag 7:30 bis 16:00 Uhr und am Freitag von 7:30 bis 13:30 Uhr. Wenn du einen Termin für eine Video-Bildungsberatung vereinbaren willst, melde dich unter bildungsinfo@akooe.at. Neben der online-Bildungsberatung findest du das bunte Beratungsangebot in OÖ auch auf www.bildungsberatung-ooe.at.

Salzburg
In Salzburg genügt ein Anruf bei der BILDUNGSLINE unter 0800 208 400! Du bekommst telefonische Informationen, wie beispielsweise über den Salzburger Bildungsscheck und Termine für persönliche Beratungen. Das Team der BILDUNGSLINE ist MO – FR von 08.00 – 12.00 oder unter frage@bildungsberatung-salzburg.at kostenfrei für dich zur Stelle. Mehr Infos findest du hier: www.bildungsberatung-salzburg.at. Oder du buchst deinen Termin für eine kostenlose Bildungsberatung ganz einfach online.

Tirol
Ein Klick auf die Website www.bildungsberatung-tirol.at und du kannst dir deine Beratungsmöglichkeiten auf deine Frage und deinen Bezirk genau zugeschnitten anzeigen lassen. Weitere Informationen rund um Bildung und Beruf bekommst du von der Bildungsinfo Tirol!

Vorarlberg
Alles, was dein Bildungsherz begehrt, findest du auf den ersten Blick unter www.bildungsberatung-vorarlberg.at Einfach und übersichtlich kommst du so zu deiner Bildungsberatung. 

Für alle Bundesländer gibt es aber auch noch die online Bildungsberatung: www.bildungsberatung-online.at.

Du willst noch mehr Infos?

Die Bildungsline gibt Antworten

Neue Bildungswege warten im Netzwerk Bildungsberatung.

Kostenfreie Informationen & Beratung:

CC BY

Dieser Text ist unter CC BY 4.0 International lizenziert.

von Dagmar Ziegler

Über die Autorin

Dagmar Ziegler

Dagmar ist immer auf der Suche nach spannenden Geschichten, die Mut machen neue Wege zu gehen. Dagmar Ziegler ist beim Netzwerk Bildungsberatung Salzburg für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig.Beim Bildungsbuch ist sie im Bereich Redaktion und Content Management und auch als Autorin tätig.

Teilen auf: