Mach das, was dich begeistert!

Nebenberuflich die Matura nachholen. Der Zwischenstopp am Weg zum Ziel.

Bildungsgeschichten und berufliche Werdegänge verlaufen nicht immer nach Plan. Manchmal sind auch Umwege oder Zwischenschritte nötig – und Geduld, bis die Zeit reif ist. 

von Gerhard Ennsberger-Kranabiter | | Einblicke

Es ist Abend. Lukas Kreuzberger sitzt auf der Bühne, vor ihm stehen seine Congas, etwas weiter weg das Publikum. Und dann vibrieren seine Hände über die gespannten Membranen, schleudern dumpfe Töne, und er fühlt, das ist seine Welt, in der er aufgeht, sich wohlfühlt, im Flow verloren geht. Er selbst kann sich hier ganz einbringen, sich ausdrücken, grenzenlos. Als langjähriges Mitglied der Band Kosmotron und als Teil eines DJ-Percussion-Projekts erlebt Lukas immer wieder diese Momente. Und letzten Oktober machte er den nächsten Schritt, als er an der Bruckner-Universität in Linz "Jazz und improvisierte Musik" zu studieren begann.

"Der schon wieder"

Dass Lukas sein Ziel heute so klar vor Augen sieht und so zielstrebig in Angriff nimmt, ist für ihn nicht selbstverständlich. Seine Schulzeit als Jugendlicher empfand er schon damals als durchwachsen. 6 Jahre besuchte er die Oberstufe AHS, die 5. und die 8. Klasse wiederholte er je einmal. Besonders in Erinnerung geblieben ist ihm dabei, wie seine Zeit an der Tagesschule endete: Die 8. Klasse war so gut wie abgeschlossen, Lukas richtete seinen Blick schon halb auf die Matura. Bei ihm überwog die Zuversicht, dass er die nötigen Fächer positiv abschließen würde, um zur Matura antreten zu dürfen. Es war immerhin der zweite Versuch. Doch dann die große Enttäuschung: Es reichte nicht. Lukas war frustriert. Und überzeugt, dass ihn seine Lehrer_innen nun endgültig abgestempelt hätten. Was würden sie denken, würde er die 8. Klasse nochmals besuchen: "Der schon wieder?", "Das geht bei dem sowieso nicht!" – oder Schlimmeres?

Lukas brach die Schule ab.

Blickt Lukas heute zurück, so findet er mehrere Gründe, warum er damals so knapp vor dem Ziel die Schule verlassen hat: Der Gedanke, er würde nicht für sich selbst lernen und das, was er lernte, hätte keine Bedeutung, keinen Sinn. Die für ihn unangenehme Organisationsform des Schulsystems. Beides verschob natürlich seine Prioritätensetzung weg von der Schule, was zu Auseinandersetzungen zuhause führte.

„Definitiv war aber auch ein Anteil Revoluzzertum dabei, auch eine diffuse Rebellion.”

Das Abendgymnasium als Testlauf

Nach der Schule standen für Lukas nach wie vor die Musik und die eigene musikalische Entwicklung an erster Stelle. Nebenbei war er geringfügig berufstätig. So restaurierte er zuletzt drei Jahre lang Klaviere als Assistenz in einer Schallmooser Klaviermacherei. Davor war er ebenfalls mehrere Jahre als Assistenz bei einem Food Photographer tätig. 

In dieser Zeit machte sich Lukas Gedanken, wie es für ihn langfristig weitergehen sollte. Ihm gefiel der Gedanke, den Besuch einer Musik-Universität zu wagen, für die eine Matura ja nicht zwangsweise nötig wäre. Einmal spielte er, um seine Fähigkeiten besser einschätzen zu können, auch an einer Wiener Privat-Universität vor. Diese hätte Lukas zwar aufgenommen, allerdings waren die finanziellen Beiträge pro Semester vergleichsweise hoch und bei näherer Betrachtung ein Wohnsitzwechsel in der damaligen Lebenssituation unrealistisch. 

Überdies kämpfte Lukas noch mit einer anderen Unsicherheit: 

„Würde er es noch schaffen zu lernen, Inhalte aufzusaugen?”

Die Schulzeit war doch schon einige Zeit her. Und da Lukas sich ohnehin nicht ganz sicher über seinen weiteren Weg war, noch eine Rechnung mit der Matura offen hatte und sich mit der Matura weitere Möglichkeiten auftun würden, beschloss er, das Abendgymnasium zu besuchen. Als Testlauf sozusagen.

Nach den ersten Schularbeiten war die Zuversicht voll da

Im Abendgymnasium wären Lukas aufgrund seiner Zeugnisse 6 Semester angerechnet worden, weshalb er gleich ins 7. Semester hätte einsteigen dürfen. Damit wäre er bei gutem Verlauf nach einem Schuljahr mit der Matura fertig gewesen. Der Direktor des Abendgymnasiums empfahl ihm jedoch, ins 5. Semester einzusteigen. Weil die Schulzeit von Lukas doch schon 7-8 Jahre zurücklag, bestand die Gefahr, dass 2 Semester womöglich zu kurz gewesen wären, um sich ausreichend auf die Matura vorzubereiten. Lukas folgte diesem Rat und war für die nächsten 2 Jahre, also 4 Semester, Studierender am Abendgymnasium.

„Diesmal würde es etwas werden mit der Matura.”

Diese Zeit nahm Lukas ganz anders als die Zeit an der Tagesschule wahr. Er spürte, dass sich im Vergleich zu früher etwas verändert hatte: Denn es war die eine Sache, als junger Mensch vielem gleichgültig gegenüberzustehen, wie Lukas sagt. Aber eine ganz andere ist es, Wert auf Bildung zu legen, sich für Themen zu interessieren, sich darüber zu unterhalten, seinen Horizont zu erweitern und dafür Wertschätzung zu bekommen. Zwar bereitete ihm manchmal das Fach Mathematik Kopfzerbrechen, doch meist freute er sich auf den Unterricht, den er im Fernstudium an zwei Abenden pro Woche besuchte und so optimal mit der Musik und seiner Arbeit verbinden konnte. Vor dem Unterricht war er gespannt auf den Austausch mit seinen Studienkolleg_innen, den Lehrer_innen und gespannt auf die Inhalte, die auf dem Plan standen. Während er noch vor den ersten Tests und Schularbeiten recht nervös war und sich fragte, ob diese gut gehen würden, durfte er später sehen, dass die Leistungen stimmten und sich eine Zuversicht einstellte: Diesmal würde es etwas werden mit der Matura. Und so war es auch.

Lukas bei einem Konzert auf der Zistelalm

© Lukas Kreuzberger

© Kosmotron

Und in Zukunft?

Nach dem Studium an der Bruckner-Universität in Linz möchte Lukas an einer Musikschule unterrichten, weshalb er einen Studiengang mit pädagogischem Ausbildungsanteil gewählt hat. Besonders würde ihn einerseits die Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen reizen, andererseits sieht er in der Musik ein wichtiges Kulturgut, das es wert ist, erhalten, gepflegt, weiterentwickelt und vermittelt zu werden. Auch aus diesem Grund möchte er wie bisher Zeit für Auftritte haben, auf der Bühne stehen, mit anderen Musikern zusammenarbeiten und sein Können präsentieren.

"Ich habe es mir nicht immer leicht gemacht"

Jetzt, wo Lukas ein klares Ziel verfolgt, erinnert er sich auch daran zurück, dass es nicht immer so war: In der Vergangenheit rang er oft mit der Frage, ob er später beruflich etwas mit Musik machen wolle. Zu sehr spürte er den schmalen Grat zwischen der Rolle als Entertainer, der kurzweilig und oberflächlich unterhält, und seinen eigenen Ansprüchen, als Musiker ein ausdruckstarkes Kulturgut zu vermitteln, zu erhalten und weiterzuentwickeln. Ebenso fragte sich Lukas, wie weit er mit Musik etwas bezwecken und verändern könne. Seine Entscheidung fiel ihm nicht leicht.

Doch Lukas war auch immer vom Wunsch getrieben, seine Energie für die Dinge aufzuwenden, die ihn persönlich begeistern und interessieren. Dies heute in seinem Studium leben zu können, empfindet er als großes Geschenk und Privileg. Mitunter, weil er stets von seiner Familie und seinem Umfeld unterstützt wurde, um den Weg einschlagen zu können, den er für sich selbst findet:

Und selbst wenn er sich in seinem Leben manchmal schwergetan hat, mit dieser Freiheit umzugehen, ist er für diese Freiheit überaus dankbar.

Gewusst wie...

Abendgymnasium Salzburg

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Dauer: 2-8 Semester (je nach Anrechnung von Zeugnissen höherer Schulen)

Form: je nach persönlichem Stundenplan zwischen 17:05-21:55; Regelstudium (5 Tage die Woche); Fernstudium (2 Tage die Woche)

Voraussetzungen:

  • Erfüllung der gesetzlichen Schulpflicht
  • Mindestalter 17 Jahre
  • Berufliche Tätigkeit

Kosten: keine

Abschluss: Matura

Telefonnummer: 0662/434575-0

Hilfreiche Links: Abendgymnasium Salzburg 

Gewusst wie...

Studium: Jazz und Improvisierte Musik

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Insgesamt gibt es an der Bruckner Universität 13 Bachelorstudien und 12 Masterstudien. Darunter wird Jazz und Improvisierte Musik als Bachelor und Master angeboten.

Der Schwerpunkt wird wiederum in das künstlerische und das pädagogische Bachelor-/Masterstudium (KBA/KMA) und (PBA/PMA) aufgeteilt.

Dauer Bachelor: 8 Semester

Dauer Master: 4 Semester

Aufnahmekriterien: Für den Bachelor und Master ist zusätzlich zur Aufnahmeprüfung ein Deutsch-Sprachdiplom von A2 Niveau (GER) und  für das pädagogische Bachelor und Master ist das Niveau von B1 (GER) nachzuweisen.

Studiengebühren:  € 363,36 pro Semester (Bachelor- & Masterstudium)

Anmeldung: Die Voranmeldung für das Bachelorstudium erfolgt jedes Jahr online von 01.04. - 15.06. Danach gibt es eine theoretische und praktische Aufnahmeprüfung.

Infos zur Aufnahmeprüfung Bachelor: 

Termin:

  •     schriftlich: 17.06.2019, ab 9:00 Uhr
  •     mündlich: im Anschluss an den positiven schriftlichen Test

Inahlte der Prüfung:

Gehörtest (Intervalle, Akkorde, ein- und zweistimmige Diktate, rhythmisches Diktat, Fehler erkennen, Klangfarben und Stilrichtungen zuordnen)
Theoretischer Test (Tonsatz, Akkorde, Tonleitern) Der theoretische Test muss erfolgreich absolviert werden, um zur künstlerisch- praktischen Prüfung zugelassen zu werden.

Für den praktischen Teil werden 5 Stücke zur vorbereitet, aber auch Eigenkompositionen sind willkommen. Von den 5 Stücken werden 2 Stücke von der Kommission angehört und bewertet.  

Als Vorbereitung für Aufnahmeprüfungen bietet die Musikschule Puchenau folgenden Kurs an: Audition Class/PMI

Hilfreiche Links:

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Musikalische Früherziehung

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Berufsbegleitendes Studium (kostenpflichtig)

  • Universitätslehrgang Musikalische Früherziehung, Elementare Musik Pädagogik oder Musizieren für Kinder und Jugendliche

Voraussetzungen:

  • Abgeschlossene pädagogische Ausbildung, d.h. Lehrer_in in Volks-, Haupt- bzw. Musikschule oder Kindergartenpädagogik
  • Grundkenntnisse in Musiktheorie und Vorkenntnisse auf Blockflöte bzw. Gitarre

Dauer:

  • 4 Semester

Weiterführender Link:

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Pädagogikstudium

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Pädagogik ist ein Universitäts(-bachelor)studium, dass in Österreich unter unterschiedlichen Namen angeboten wird:

Im fortführenden Masterstudium ergeben sich weitere Vertiefungen und Schwerpunkte.

Form: Bachelorstudium mit 180 ECTS Punkte, Mindeststudienzeit 6 Semester

Abschluss: Bachelor of Arts "BA"

Inhalt und Möglichkeiten:
Laut Studienplan der Universität Salzburg setzt man sich in diesem Studium systematisch mit der Theorie und Praxis von Erziehung und Bildung auseinander. Mit dem Abschluss kann man vom Kinder-, Jugend-, Erwachsenen- bis Altenbereich, im Bildungs- und Weiterbildungswesen bis hin zum Personalwesen arbeiten.

Der Bachelorabschluss befähigt für das anschließende Masterstudium, als auch für anderweitige (Master-)Studien sowie zur Spezialisierung mittels weiterführender Lehrgänge (Elementarpädagogik, Migrationsmanagement, Coaching, Supervision, Psychotherapeutisches Propädeutikum,…)

Wichtig: Ab Studienjahr 2018/2019 mit Aufnahmeverfahren!

Hilfreiche Links:

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Kostenfreie Informationen & Beratung:

Schlagwörter: Matura, Abschluss nachholen, Weiterbildung
CC BY

Dieser Text ist unter CC BY 4.0 International lizenziert.

von Gerhard Ennsberger-Kranabiter
Gerhard Ennsberger-Kranabitermask

Über den Autor

Gerhard Ennsberger-Kranabiter

Der leidenschaftliche Fußgänger ist Lehrer am Abendgymnasium Salzburg für Deutsch und Religion. Während der Versuche, die Fensterbänke seiner Stadtwohnung zu begrünen, sehnt er sich nach wirklich frischer Luft. Und der Ruhe, die richtig dicken Wälzer der Weltliteratur zu beackern.

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