Vom Lehrling zum Berufsschullehrer

Oder warum es immer sinnvoll ist in Bildung zu investieren

Ulrich ist zweifacher Familienvater und frischgebackener Berufsschullehrer. Er hat schon einige Ausbildungen absolviert und viel Berufserfahrung gesammelt. In diesem Interview erzählt er uns, warum er es bis heute nicht bereut, die Schule abgebrochen zu haben und wie wichtig die Bildungskarenz für ihn war.  

Von Marlene Dietrich-Gsenger |
Ulrich Hinterecker
Zitat

Ein Job, in dem ich austauschbar wäre, wäre schlimm für mich.

Ulrich wollte immer einen Job machen, in dem er seine Persönlichkeit einbringen kann. Seit September arbeitet er als Berufsschullehrer und kann sich vorstellen, dass er in diesem Beruf alt werden wird. Das war nicht in jedem seiner Jobs so. Er hat schon viele ausprobiert und immer wieder feststellen müssen, dass seine aktuelle Tätigkeit nicht seinen Vorstellungen entspricht. Zeit absitzen und durchbeißen war keine Option. Wieso etwas machen, was einem nicht entspricht?  

Weiterführende Schule? Nichts für mich

Das musste Ulrich in der HAK feststellen. Zuvor war sein Weg ganz klassisch: Erst hat er die Volksschule besucht, danach die Hauptschule und dann kam die Frage: Was mache ich danach? Gehe ich auf eine weiterführende Schule? Mache ich eine Lehre? Oft ist es das Umfeld, das die eigenen Entscheidungen beeinflusst. Wenn der große Bruder bereits auf eine weiterführende Schule geht und der kleine Bruder auch Ambitionen in diese Richtung zeigt, liegt es irgendwie auf der Hand, dass man auch diesen Weg einschlägt. Und so entschied sich Ulrich in die HAK zu gehen. Das wird schon irgendwie passen, dachte er sich. Die Business-Klasse in der Handelsakademie wurde dann allerdings zu einem kurzen Gastspiel. 

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Nach eineinhalb Jahren wollte ich nicht mehr, bin in den einfachsten Fächern durchgeflogen und hatte keine Lust mehr zu Lernen.

Wenn die Lehre das Lerninteresse weckt

Was hat man als 16-Jähriger dann für eine Alternative? Eine Lehre sollte es werden. Ulrich hat sich entschieden, eine Elektrikerlehre anzutreten. „Wie ich auf diesen Beruf gekommen bin, weiß ich gar nicht mehr so genau.“ Es scheint aber die richtige Wahl gewesen zu sein. „In der Lehre hab‘ ich mich plötzlich für das Lernen zu interessieren begonnen. Mir ist der Knopf aufgegangen.“ Die Berufsschule hat er mit Auszeichnung abgeschlossen, genauso die Gesellenprüfung. Es hat einfach alles gestimmt. Der Lehrbetrieb war gut, die Tätigkeiten abwechslungsreich und er hatte auch Glück mit seinem Vorgesetzten.  

Doch die Lehrabschlussprüfung war Ulrich zu wenig. Er hat sich dann noch dazu entschieden, die Meisterprüfung zu machen. Nach Abschluss der herausfordernden Meisterausbildung hat er mit dem Gedanken gespielt, sich selbstständig zu machen und kurzerhand die Unternehmerprüfung am WIFI absolviert. Doch eigentlich war die Selbständigkeit nicht das was er sich vorgestellt hatte und so wechselte er in den Verkauf und Vertrieb. Der Verkauf war eine gute Schule fürs Leben. In seinen fünf Jahren im technischen Vertrieb hat er gelernt, hartnäckig zu sein. Eine Eigenschaft, die ihm später nützlich sein wird.   

Berufschullehrer ohne Matura – geht das?

Ulrich hat 15 Jahre in die Elektrotechnik investiert, sich weitergebildet und viel Erfahrung in diesem Bereich gesammelt. Der Verkauf schien nicht mehr das richtige für ihn zu sein, auf die Baustelle wollte er nicht zurück und der Planungsberuf war auch nichts für ihn. Er hatte das Bedürfnis seine Erfahrung und sein Wissen weiterzugeben und irgendwann ist ihm die Idee gekommen, Lehrer zu werden. Und schon beim ersten Gespräch mit dem Direktor der Berufsschule machte sich die Hartnäckigkeit, die man im Verkaufsberuf zweifellos erlangt, bezahlt. 

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Ich möchte Berufsschullehrer werden. Wie läuft das so?

Mit Meisterabschluss ginge das nicht, dafür brauche es einen HTL-Abschluss, meinte der Berufsschuldirektor. „Da bin ich anders informiert,“ entgegnet ihm Ulrich. „Ja, stimmt, mit dem Meistertitel geht es auch aber die Matura brauchst du schon.“ „Dann hören wir uns in einem Jahr wieder.“  

Die Bildungskarenz für die Berufsreifeprüfung nutzen

Und so holte sich Ulrich einen weiteren Abschluss, indem er die Berufsreifeprüfung nachholte. Wie hat er das alles finanziert? Ohne die Bildungskarenz wäre das nicht möglich gewesen, meint er. Als zweifacher Familienvater wäre es schwierig geworden, die Ausbildung berufsbegleitend zu absolvieren. Er musste in seinem Job zurückschrauben, arbeitete von da an geringfügig und nahm das Angebot der Bildungskarenz in Anspruch. Und so saß er am Montag, Dienstag und Mittwoch im Klassenzimmer und am Donnerstag und Freitag im Büro. In seinem Job hat er immer mit offenen Karten gespielt. Der Arbeitgeber wusste über seine Pläne Bescheid und so konnte er sogar für ein Jahr seinen Beruf erneut aufnehmen, nachdem er im ersten Anlauf die Stelle an der Berufsschule nicht bekommen hat. 

Ob er sich oft während seiner Ausbildungen gedacht hat, er schmeißt jetzt alles hin? Nie, meint er. Der Meister war schwer, die Prüfungswoche hart aber Bildung hat einen großen Stellenwert bei ihm. In der Schule hat ihm die Motivation zum Lernen gefehlt, weil er keinen Sinn darin sah. Später konnte er sich mit dem was er macht identifizieren und „wenn dich das, was du machst, interessiert, dann ist das fast kein Lernen mehr.“  

Plötzlich Lehrer: Quereinsteiger im Klassenzimmer

Als Quereinsteiger*in in der Berufsschule hat man es vielleicht nicht immer leicht. Auch Ulrich bekam nicht sofort eine Zusage, obwohl sein erstes Vorstellungsgespräch damals sehr gut verlaufen ist. Doch er musste noch eine Prüfung absolvieren und wurde erst im Juli mit der Matura fertig. Das Vorstellungsgespräch fand im Mai statt, weswegen er rein formell noch nicht die nötigen Qualifikationen hatte.  

„Na gut, dann komme ich eben in einem Jahr wieder“, sagte er zu sich und so kam es, dass er sich nach einem Jahr wieder beworben hat. Doch mit der Jobzusage hört das Lernen nicht auf. Ulrich besucht jeden Donnerstag die Pädagogische Hochschule und macht dort noch den Bachelor of Education.  

Lehre ist noch lange nicht die Endstation

Würde er jetzt im Nachhinein seinen Bildungsweg anders gestalten wollen? Nein, denn sonst wäre er nicht da, wo er jetzt ist. Und so richtig anstrengend war es nie. Die Ausbildung hat ihm immer Spaß gemacht und die praktischen Erfahrungen waren wichtig für seinen Beruf als Lehrer. Seinen Schüler*innen gratuliert er zum Lehrberuf des Elektrotechnikers. Es ist ein spannender Beruf mit vielen Entwicklungsmöglichkeiten. Die Lehre ist keine Endstation. Es gibt auch nicht immer den einen richtigen (Karriere-)weg. Viele Jobs führen zum Traumberuf. Mit der richtigen Beratung, dem Mut, neue Wege zu gehen und ein wenig Hartnäckigkeit, findest auch du deinen Traumberuf. In seiner Klasse sitzt übrigens auch ein Mann in seinen 40ern, der die Lehre im zweiten Bildungsweg absolviert. Das ist bewundernswert, findet Ulrich. 

CC BY

Dieser Text ist unter CC BY 4.0 International lizenziert.

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von Marlene Dietrich-Gsenger
Marlene Dietrich-Gsenger

Autorin

Marlene Dietrich-Gsenger

Marlene Dietrich-Gsenger studierte Kommunikationswissenschaft mit Schwerpunkt Gender Studies. Sie ist begeisterte Storytellerin und brennt für Themen wie digitale Bildung, Chancengleichheit und Medienkompetenz.

InfoboxBerufsschullehrer:in

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Berufsschullehrer:innen unterrichten laut Lehrplan fachtheoretische und fachpraktische sowie wirtschaftliche und auch allgemeinbildende Unterrichtsgegenstände an Berufsschulen.

Die Ausbildung dafür (Lehramt für die Sekundarstufe Berufsbildung - Fachbereich Duale Berufsausbildung sowie Technik und Gewerbe) wird an der Pädagogische Hochschule angeboten: Lehramt Berufspädagogik an der PH Salzburg https://phsalzburg.at/studium/berufspaedagogik/

Bei mindestens 3-jähriger Berufspraxis und bestimmten Voraussetzungen auch im Rahmen des Quereinstiegs möglich (https://klassejob.at/)

Allgemeine Tätigkeitsmerkmale für Berufschullehrer:innen:

  • Unterrichtsmaterialien bereitstellen
  • Sachverhalte zu bestimmten Themen erörtern
  • Zu fachbezogenen Tätigkeiten anleiten
  • Exkursionen zu Unternehmen organisieren und durchführen
  • Lernzielkontrollen durchführen
  • Aufzeichnungen führen (z.B. Tagesdokumentation)
  • Besprechungen mit Kolleg:innen, Klassenvorstand und Erziehungsberechtigten
  • Administrative Tätigkeiten

Beschäftigungsmöglichkeiten:

  • Berufsschulen
  • Fachschulen
  • Erwachsenenbildung
  • Kultur- und Medienarbeit
  • Kunst- und Museumspädagogik
  • Außerschulische Projekte (Workshops, Moderation)
  • Öffentlichkeitsarbeit (z.B. Publikationen)

Weitere Berufsinformationen: https://www.bic.at/berufsinformation.php?beruf=berufsschullehrer*in&brfid=493&tab=3

Zuletzt aktualisiert am 14.10.2025 von BiBer Bildungsberatung

InfoboxBerufsreifeprüfung - BRP

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Die Berufsreife ist in Österreich eine mögliche Variante, um zu einem uneingeschränkten Hochschulzugang zu kommen. Mit einem beruflichen Abschluss (Lehre, Schule etc.) kann nach der Absolvierung von 4 Prüfungen (Mathematik, Deutsch, Englisch und einem berufsbezogenen Fachbereich) die Berufsmatura erreicht werden.

Voraussetzungen:

  • Abschluss einer Lehre, 3jährigen Fachschule oder ähnlichen Berufsausbildungen
  • Beginn nicht vor dem 17. Geburtstag; die letzte Prüfung nicht vor dem 19. Geburtstag.

Gut zu wissen...

  • In Deutschland wird die BRP nicht als Maturaersatz anerkannt und man kann somit dort nicht zu studieren beginnen. (Einzelfallprüfung mit gewünschter Hochschule)
  • Angeboten werden Vorbereitungslehrgänge in anerkannten Erwachsenenbildungseinrichtungen (BFI, VHS, WIFI, Abendgymnasium, Maturaschule Roland, Humboldt).
  • Die Lehre mit Matura ist eine angepasste Form der BRP, wo die Vorbereitungskurse gleichzeitig mit der Lehrausbildung absolviert werden. Für Lehrlinge ist diese Variante kostenlos (bis 5 Jahre ab Beginn des ersten Vorbereitungslehrgangs) 

Dauer:

  • ab 4 Semester (je nach persönlichen Möglichkeiten und Institution)
  • Abendgymnasium: 5 Semester

Hilfreiche Links:

Zuletzt aktualisiert im Jänner 2026 von BiBer Bildungsberatung

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Lehre
Berufsgeschichten
Berufswechsel
Bildungsweg
InfoboxBildungsline

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Bildungsinfo aktuell

Infoboxwaff: Beratungs- und Förderleistungen in Wien

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Grundsätzlich bietet der waff kostenlose und individuelle Beratung für berufliche Entwicklungschancen von beschäftigten Wiener:innen und fördert berufliche Aus- und Weiterbildungen. Neben beschäftigten Wiener:innen gibt es gemeinsam mit dem AMS Wien auch Angebote für arbeitssuchende Wiener:innen.

Bildungskonto: Das Bildungskonto für Wiener Arbeitnehmer:innen (BIKO) fördert Wiener:innen, die sich beruflich weiterbilden oder einen höheren Abschluss erlangen möchten und steht allen Wiener:innen je nach Einkommen, Arbeitsmarktstatus und beruflichem Ziel bei anerkannten Bildungsträgereinrichtungen zur Verfügung. Das Bildungskonto mit maximal € 500 ist für alle Wiener:innen (Beschäftigte und arbeitslos Gemeldete). Im Rahmen des Bildungskontos werden anteilsmäßig die Kosten für berufsbezogene Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen bei einem vom waff anerkannten Bildungsträger in Abhängigkeit der individuellen Formalvoraussetzungen bis maximal € 3.000 refundiert. Weiters werden Förderungen von digitalen und klimaschutzrelevanten Kompetenzen und Qualifizierungen in der Höhe von maximal € 5.000 gewährt.

Chancen-Scheck des waff: Der Chancen-Scheck ist das Förderinstrument für die Zielgruppe des Qualifikationsplans Wien 2030. Beschäftigte, die keine über die Pflichtschule hinausgehende Ausbildung haben oder Personen, die zwar über einen höheren Abschluss verfügen, aber dennoch dequalifiziert arbeiten, erhalten mit dem Chancen-Scheck eine besonders attraktive finanzielle Förderung für Aus- und Weiterbildungsvorhaben von bis zu 5.000 Euro. Mit dem Chancen-Scheck werden berufliche Weiterbildung und das kostenlose Nachholen von Lehr- und anderen Bildungsabschlüssen gefördert. Damit verbunden ist in der Regel die Ausstellung eines Qualifikationspasses, der Qualifikationen, Kompetenzen, berufliche Entwicklungsziele und Bildungsschritte dokumentiert und zum Erreichen des individuellen Bildungsziels beitragen soll.

FRECH – Frauen ergreifen Chancen – Beratung und Qualifizierung: Bei FRECH handelt es sich um ein Programm für beschäftigte Frauen in Wien, die eine grundlegende berufliche Veränderung in Form einer Neuorientierung, Höherqualifizierung und/oder Weiterentwicklung anstreben. Das Programm bietet beschäftigten Frauen mit beruflicher Veränderungsabsicht eine Prozess- und Laufbahnberatung, welche gegebenenfalls durch einen Qualifizierungszuschuss für Aus- und Weiterbildung von 90 Prozent der Weiterbildungskosten bis max. 5.000 Euro ergänzt werden kann. Aus- und Weiterbildungen zur Stärkung digitaler und klimaschutzrelevanter Kompetenzen können ebenfalls gefördert werden. Darüber hinaus werden berufsbezogene Workshops und Vorträge angeboten. Frauen können dabei von einer umfassenden individuellen Beratung, Workshops und Vorträgen sowie einer finanziellen Unterstützung bei der Aus- und Weiterbildung profitieren.

Karenz und Wiedereinstieg: Das Programm bietet Personen vor, während und nach einer Berufsunterbrechung (Eltern-, Pflege- oder Familienhospizkarenz) frühzeitige Information und präventive Beratung für den beruflichen Wiedereinstieg. Die Beratung kann durch einen Qualifizierungszuschuss für Aus- und Weiterbildung von 90 Prozent der Kosten bis max. 4.000 Euro ergänzt werden. Darüber hinaus werden themenspezifische Gruppenveranstaltungen mit gelegentlicher Kinderbetreuung angeboten.

Ausbildungsinitiative Frauen in Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Technik: Die Ausbildungsinitiative für Frauen in Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Technik wendet sich an beschäftigte Wiener:innen, die ein berufsbegleitendes Studium in den genannten Bereichen anstreben. Ziel ist es, mehr Frauen in berufsbegleitende Fachhochschulstudiengänge zu bringen und damit langfristig mehr weibliche Fachkräfte für den Wiener Arbeitsmarkt zu gewinnen. Das Programm bietet umfassende prozessorientierte Beratung wie auch Coachingangebote. Vor dem Studium wird die berufsbegleitende Vorbereitung auf ein Studium gefördert, unter anderem durch eine Vorqualifizierungsmaßnahme an der Hochschule Campus Wien. Nach Studienplatzzusage werden geförderte Kurse begleitend zum ersten Studienjahr, z.B. eine berufsbegleitende Begleitqualifizierung für Bachelor-Studiengänge an der FH Technikum Wien, ein Stipendium für ausgewählte Bachelor- und Masterstudiengänge (12.000 Euro für BA-Studiengänge, 9.000 Euro für MA-Stiudiengänge) sowie zahlreiche Workshops, Vernetzungsveranstaltungen und Kooperationen mit Unternehmen und Fachhochschulen bereitgestellt. Ergänzend werden studien- und berufsbezogene Veranstaltungen sowie Begleitung bis über den erfolgreichen Studienabschluss hinaus angeboten.

Sonderprogramm Lehrlinge: Der waff kann auf Grundlage des Antrags eines Lehrlings mit Wohnsitz in Wien die Vorfinanzierung der Kosten für Vorbereitungskurse auf die Lehrabschlussprüfung übernehmen, die dem waff von der Wirtschaftskammer Wien refundiert werden. Ergänzend werden auch die LAP-Vorbereitungskurse, die im Rahmen des Projektes Qualifizierungsmanagement eingereicht werden, gefördert.

Weiterbildungsinformation Wien: Der waff führt eine umfassende, aktuelle Weiterbildungsdatenbank unter weiterbildung.at, die eine anbieterneutrale Entscheidungsgrundlage für die Auswahl einer passenden Aus- und Weiterbildung darstellt.

Wiener Ausbildungsgeld:  Mit dem Wiener Ausbildungsgeld sollen mehr Menschen für längere Ausbildungen und die anschließende Berufstätigkeit in vom Mangel an Fachkräften geprägten Bereichen gewonnen werden. Da die Bezüge aus der Arbeitslosenversicherung in der Regel nicht ausreichen, um eine längere Ausbildung finanziell abzusichern, hat Wien im Jahr 2021 mit dem Wiener Ausbildungsgeld eine finanzielle Lücke geschlossen. Die Leistung richtet sich an beim AMS Wien arbeitslos gemeldete Personen und ermöglicht diesen im Vorfeld einer Beschäftigung die Teilnahme an länger dauernden Ausbildungen (mindestens 12 Monate) im Rahmen von Jobs PLUS Ausbildung sowie anderen arbeitsplatznahen Qualifizierungen. Das Wiener Ausbildungsgeld wird für Ausbildungen in den Bereichen der kommunalen Daseinsvorsorge (beispielsweise: Gesundheit, Pflege, Soziales und Pädagogik in Kooperation mit der Magistratsdirektion und Unternehmen der Stadt Wien) und andererseits für Qualifizierungen in klimaschutzrelevanten Berufen sowie im Bereich IKT/Digitalisierung gewährt. Es unterstützt die Teilnehmer:innen während der gesamten Dauer der Ausbildung mit monatlichen Zahlungen, die einen Mindestbetrag von rund € 1.550 monatlich sicherstellen. Damit wird ein wichtiger Beitrag zur Sicherung des Fachkräftebedarfs in diesen gesellschaftlich relevanten Beschäftigungssegmenten geleistet. Die Gewährung des Wiener Ausbildungsgeldes ist subsidiär zu Förderungen des Bundes, des Landes oder Dritter.

Zahlreiche Studien belegen, dass eine finanzielle Absicherung der Lebenshaltungskosten ein wichtiger Faktor für eine Ausbildung im Erwachsenenalter ist.

Jugendstiftung Wien: Aufgrund der Entwicklungen am Arbeitsmarkt und des Fachkräftebedarfs der Wiener Wirtschaft haben der waff und das AMS Wien mit der Jugendstiftung Wien ein erfolgreiches Instrument zur Qualifizierung von jungen Erwachsenen ins Leben gerufen. Im Eintrittszeitraum von Jänner 2025 bis Dezember 2028 werden insgesamt 1.000 umstiegs- und aufstiegsorientierte junge Wiener:innen im Alter von 18 bis 24 und mit Anspruch auf Arbeitslosengeldbezug durch gezielte Aus- und Weiterbildung unterstützt. Die Maßnahme umfasst eine Phase der Berufsorientierung, in welcher vorhandene Kompetenzen erarbeitet und ein Berufsziel entwickelt wird. Die Möglichkeiten reichen hierbei vom Lehrabschluss bis hin zu Bachelorstudien. Hier soll einerseits auf bestehenden Qualifikationen der Teilnehmer:innen aufgebaut und begonnene Ausbildungen abgeschlossen werden und andererseits neue Berufsziele in Branchen mit besonders hohem Fachkräftebedarf erarbeitet werden (MINT, Green, Care). Nach Abschluss der Ausbildung wird im Rahmen der aktiven Arbeitsuche intensiv bei der Jobsuche unterstützt. Da eine finanzielle Absicherung der Lebenserhaltungskosten ein wichtiger Faktor für eine Ausbildung im Erwachsenenalter darstellt, ist zusätzlich zum Arbeitslosengeld eine monatliche ausbildungsbedingte Zuschussleistung in Höhe von € 300 vorgesehen.

Frauenstiftung Wien: Die Frauenstiftung Wien richtet sich an Frauen ab 25 Jahren ohne Berufsausbildung und mit Arbeitslosengeldbezug, wobei der Fokus auf Wiedereinsteigerinnen liegt. Ihr Ziel ist es, den Teilnehmerinnen eine Qualifizierung zu ermöglichen und sie beim (Wieder)-Einstieg als Fachkraft in den Arbeitsmarkt zu unterstützen. Im Rahmen des mit August 2025 gestarteten Pilotprojekts ist innerhalb von einem Jahr der Eintritt von 100 Frauen vorgesehen. Ähnlich wie bei der Jugendstiftung ist auch hier zu Beginn eine Phase der Berufsorientierung vorgesehen, in welcher vorhandene Kompetenzen erarbeitet und ein Berufsziel entwickelt wird. Dabei wird einerseits auf den bestehenden Qualifikationen der Teilnehmerinnen aufgebaut und andererseits neue Berufsziele in Branchen mit besonders hohem Fachkräftebedarf erarbeitet (MINT, Green, Care). Nach Abschluss der Ausbildung – die Möglichkeiten reichen vom Lehrabschluss bis hin zu Bachelorstudien – wird intensiv bei der Jobsuche unterstützt. Um entsprechende Ausbildungen zu ermöglichen und die Lebenserhaltungskosten abzusichern ist ein monatlicher Ausbildungszuschuss in Höhe von € 300 zusätzlich zum Arbeitslosengeld vorgesehen.

Wiener Pflegeausbildungsprämie: Die Pflegeausbildungsprämie ist eine monatliche finanzielle Unterstützung in der Höhe von 658,40 Euro für Personen, die eine Ausbildung in Gesundheits- und Sozialbetreuungsberufen an einer anerkannten Ausbildungseinrichtung in Wien absolvieren. Damit sollen strukturelle und finanzielle Anreize gesetzt werden, um Ausbildungen in diesen Bereichen attraktiver zu gestalten. Die Pflegeausbildungsprämie kann Personen gewährt werden, die eine Ausbildung in der Gesundheits- und Krankenpflege (z.B. Bachelor Gesundheits- und Krankenpflege, Pflegefachassistenz) bzw. eine Ausbildung in einem Sozialbetreuungsberuf (z.B. Fach- bzw. Diplom-Sozialbetreuung in Alten- oder Behindertenarbeit) absolvieren.

Kursförderungen für Arbeitnehmer*nnen in Wien – waff
 

Diese Informationen wurden uns vom waff im Februar 2026 zur Verfügung gestellt.