Wen(n) der Lehrberuf glücklich und erfolgreich macht

Zu Besuch in der Lehrwerkstätte der ÖBB in Salzburg.

Diesmal führte mich meine Suche nach spannenden Geschichten aus dem Bildungs- und Berufsleben in die Lehrwerkstätte der ÖBB in Salzburg. Dort habe ich zwei junge Mutmacherinnen getroffen. Selina (17) und Lisa (15) sind im ersten Lehrjahr und lernen beide einen technischen Beruf. Begegnet bin ich auch dem Leiter der Lehrwerkstätte, Franz Burtscher. Wir führten ein großartiges Gespräch über die Leidenschaft für Technik, darüber warum die Freude an dem was man beruflich macht, so wichtig ist und dass eine weiterführende Schule nicht für jede oder jeden das Richtige sein muss. Und Franz Burtscher hat uns unter anderem bestätigt: junge Menschen sollen ruhig ein bisschen ausprobieren dürfen, bevor sie sich für eine Ausbildung oder einen Beruf entscheiden.

Von Dagmar Ziegler |
Wenn der Lehrberuf glücklich und erfolgreich macht - zu Besuch in der ÖBB Lehrwerkstatt

Selina und Lisa sind im ersten Lehrjahr. Selina als angehende Maschinenbautechnikerin und Lisa lernt den Beruf der Elektrotechnikerin. Schon in ihrer Kindheit wollten sie herausfinden, wie Dinge funktionieren. Warum leuchtet eine Lampe, wie werden eigentlich Sitzbänke aus Metall hergestellt, wie bekommt man einen Zug dazu loszufahren und was braucht man dafür? Die ersten Antworten haben die beiden jeweils von ihren eigenen Vätern erhalten. Doch beide wollten selbst lernen, wie die Dinge funktionieren. Und genau das ermöglicht ihnen die Ausbildung in der ÖBB-Lehrwerkstätte.

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Wir sind drei Mädchen, drei Töchter. Wir haben unserem Vater bei technischen Arbeiten helfen müssen. Wie man Sachen bearbeitet, oder wie man eine Wand abreißt oder Holz hackt... er hat uns bei allem eingeführt und uns alles gezeigt. (Selina, angehende Maschinenbautechnikerin bei den ÖBB)

Die Leidenschaft für Technik und die Vermittlung dieser durch ihre Väter prägte den Berufswunsch von Selina und Lisa.

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Ich bin durch meinen Vater zur Elektrotechnik gekommen, er ist Elektrotechniker. Des Öfteren hat er mir ein paar Sachen gezeigt und ich konnte z.B. Löten ausprobieren und dadurch habe ich dann Interesse entwickelt und mich dafür begeistern können. Ich habe bereits als Kind vieles ausprobiert und habe sehr viel gebastelt und auch das eine oder andere Teil ein bisschen zerlegt, um zu verstehen, wie es funktioniert.“ (Lisa, angehende Elektrotechnikerin bei den ÖBB)

Viel Überzeugungsarbeit und ein klares Ziel waren erforderlich, um die Eltern vom Berufswunsch zu überzeugen

Doch der Weg zum Traumlehrberuf war für beide Mädchen nicht unbedingt einfach. Es bedurfte einiges an Überzeugungsarbeit. Denn die Eltern waren nicht gerade begeistert, als sie erfuhren, dass sie etwas Technisches lernen möchten. Und wenn dann sollte es zumindest eine höhere Schule sein. Aber das wollte weder Selina noch Lisa. Selina hat es ihren Eltern zuliebe zumindest probiert. Nach dem Medienzweig an der HBLA in Salzburg und der Medien-HAK stand für sie fest, dass sie eine Lehre machen möchte. Etwas Praktisches sollte es sein.

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Ich konnte mich einfach nicht dazu zwingen, in eine höhere Schule zu gehen. ich bin halt sehr stur und ich wollte das nicht durchziehen. (Selina, angehende Maschinenbautechnikerin bei den ÖBB)

Lehrling Selina in der Oebb Lehrwerkstatt in Salzburg

Selina ist angehende Maschinenbautechnikerin. Schon als Kind wollte sie wissen, wie Dinge funktionieren und hergestellt werden

Lehrling Lisa in der Oebb Lehrwerkstatt in Salzburg

Lisa wusste bereits in der Unterstufe im Gymnasium, dass sie eine technische Lehre machen möchte. Sie ist nun auf dem besten Weg zur Elektrotechnikerin.

Aber warum eine Lehre und nicht die HTL für z.B. Maschinenbau?

Für Selina ist das praktische Arbeiten sehr wichtig, die Lehrwerkstätte ist daher für sie der richtige Ausbildungsort. Sie möchte etwas mit den Händen produzieren. Und das gelingt ihr auch sehr gut. Derzeit feilt sie an einem Schraubstock, an der Dreh- und Fräsmaschine hat sie auch schon gearbeitet. Insgesamt habe sie bereits 20 Werkstücke fertig, erzählte sie.

Die HTL, so der Lehrwerkstättenleiter Franz Burtscher, sei für viele Kinder, aber nicht für alle geeignet. Doch das Image der Lehre ist unberechtigterweise nicht gut und daher drängen viel zu viele in die HTL. Hier bräuchte es ein faires Zulassungsverfahren. Denn bei vielen Jugendlichen könne man bereits in der Mittelschule sagen, dass sie sich in der höheren Schule schwertun würden und eine Lehre einfach besser für sie wäre. Zu Franz Burtscher kommen auch immer wieder Abbrecher:innen aus der HTL, die sich mit einem Genügend oder Nicht Genügend im Zeugnis bei der ÖBB bewerben.

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Da kann man ja keine Freude am Lernen mehr haben. Wenn du merkst das Level ist hoch und ich habe nur Vierer und Fünfer. Das ist schade für diese jungen Menschen und ich frage sie dann: wie ist es dir denn damit gegangen? (Franz Burtscher, Leiter der ÖBB-Lehrwerkstätte)

Lisa wusste gleich in der Unterstufe des Gymnasiums, dass sie in keine weiterführende Schule gehen wird.

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Für mich war klar, dass ich in keine Schule mehr gehen möchte, also nicht im Sinne einer höheren, weiterführenden Schule. Matura wäre schon cool aber auf eine Schule hätte ich jetzt nicht mehr wirklich Lust. Unter anderem hat man bei der Lehre den Vorteil, dass man verdient und man ist halt auch selbständiger. (Lisa, angehende Elektrotechnikerin bei den ÖBB)

Apropos Geld verdienen: Bis zu 855 Euro erhalten Lehrlinge in der Lehrwerkstätte Salzburg im ersten Jahr. Nicht schlecht oder?

Für Vorbereitungskurse zur Berufsreifeprüfung muss man nicht einmal das Haus verlassen

Die Matura streben beide Mädchen an. Und dafür bietet die ÖBB ein besonderes Service. Ab dem zweiten Lehrjahr könne man die Abendkurse für die Berufsreifeprüfung direkt in der Lehrwerkstätte machen. Die Referenten und Referentinnen des BFI kommen dazu extra ins Haus. Die Abendkurse werden zwar in der Freizeit absolviert, pro positive Prüfung und Fach, bekommt man aber satte 500 Euro. Also, wenn das kein Argument für die Berufsreifeprüfung ist?

Auch wenn es in der Lehrwerkstätte sehr cool ist, für die Berufsschule muss man sie ausnahmsweise verlassen. Theoretischen Unterricht würden die Jugendlichen jedoch zusätzlich im ersten Lehrjahr im Rahmen des Grundlehrgangs direkt im Haus erhalten. Und was man gelernt hat, kann man dann gleich in die Praxis umsetzten. Praktisch, oder? Ab dem zweiten Lehrjahr werden die Lehrlinge dann auch in den Außenbereichen der ÖBB eingesetzt. Dann wird’s richtig spannend.

Geht schnuppern, seid neugierig und probiert verschiedene Berufe aus!

Franz Burtscher plädiert fürs Ausprobieren und neugierig sein. Man könne eine Lehre machen und draufkommen, dass es nicht das Richtige ist und man doch lieber in die Schule gehen möchte. Oder umgekehrt.

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Und wenn es das Falsche ist, was hat man verloren? Wir werden durchschnittlich ca. 80 Jahre alt. Was ist da ein Jahr? Was sind zwei Jahre? Dann hat das Kind es zumindest probiert und kommt drauf, dass es das nicht war und kann den nächsten Schritt machen. (Franz Burtscher, Leiter der ÖBB-Lehrwerkstätte)

Achtung: Die Arbeit mit den Händen kann glücklich machen!

Den jungen Menschen die Faszination der Technik zu vermitteln werde heutzutage, so Burtscher, immer schwieriger. Es fehle an Möglichkeiten der Vermittlung, privat würden die Menschen kaum mehr handwerklich arbeiten oder basteln. Den Kindern würde daher zu wenig gezeigt werden, doch wie sollen die Kinder den Weg in die Technik finden, wenn sie zu Hause kaum mehr vermittelt und in der Schule nur gestreift werden würde, fragt Franz Burtscher.

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Am Ende des Tages sagen zu können: das Werkstück habe ich produziert, mit meinen Händen. Unsere Jugendlichen gehen mit einem Grinser aus der Werkstatt und sagen „Wow. das habe ich gemacht!“ (Franz Burtscher, Leiter der ÖBB-Lehrwerkstätte)

Lebenslanges Lernen: Von der Lehre zum engagierten Lehrausbildner mit Matura und Herz

Burtscher selbst ist gelernter Maschinenbautechniker. Wäre es nach seinem Vater gegangen wäre er Lokführer bei den ÖBB geworden. Seine Rot-Grün Schwäche habe ihm diese Berufswahl jedoch verwehrt. Einmal im Jahr, würde der gebürtige Vorarlberger eine Aus- oder Weiterbildung machen. Diese positive Einstellung zum Lernen hat ihn offensichtlich weit gebracht. Ich staune, als er aufzählt: Meisterprüfung im Metallbereich, Anlagen- und Betriebstechniker im zweiten Bildungsweg und mit 40 Jahren die Matura. Seit 1988 ist er bereits Lehrlingsausbildner bei den ÖBB. Und davon bin ich überzeugt: aus Leidenschaft und mit viel Engagement und Herz für die Jugendlichen.

"Ich habe es schon öfter erleben dürfen, dass einem Lehrling im zweiten Jahr der Knopf aufgeht, der bis dahin ein Wackelkandidat war und von da an motiviert war. Er hat die Lehre mit Matura und im Anschluss sofort die Meisterprüfung gemacht. Plötzlich war da dieses Feuer. Wenn du das als Ausbildner begleiten darfst, ist das schon super.“

Rezept gegen Fachkräftemangel? Schickt Eure Kinder in die Lehre!

Unter dem Fachkräftemangel leiden aktuell sehr viele Branchen. Dieser ist wiederum mit dem Lehrlingsmangel stark verknüpft. Ich frage Franz Burtscher, was aus seiner Sicht gemacht werden kann, damit mehr junge Menschen einen Lehrberuf ergreifen. Sein Lösungsvorschlag ist: Mehr Information und Aufklärung über die Vorteile einer Lehre für Eltern und Lehrpersonen. Er würde sich wünschen, dass mehr Kinder schnuppern und ihnen alternative Wege zur weiterführenden Schule aufgezeigt werden würden. Und auch hier ist Franz Burtscher dafür, dass man Mädchen ernst nimmt, wenn sie sagen, sie möchten einen technischen Beruf lernen. „Ich glaube, dass ganz viele junge Damen total geeignet für den technischen Bereich wären, aber das in vielen Köpfen der Eltern, oder auch Lehrpersonen noch nicht verankert ist. So wie das Thema Lehre noch in vielen Köpfen ganz anders behaftet ist. Mit Negativen, z.B. damit, dass du immer die Dreckarbeit machen musst, bis du in Pension gehst. Das stimmt jedoch nicht. Davon kann man sich hier in unserem Haus überzeugen.“

Wanted: Spaß und Leidenschaft am Beruf

Die Eltern sollten viel mehr erfahren, was mit einer Lehre möglich ist. Den Kindern soll die Wahl gelassen werden und vor allem, wie schon erwähnt, soll es ihnen ermöglicht werden, dass sie mehr Berufe ausprobieren können. Die Jobauswahl solle sich weniger daran orientieren, was man verdienen kann. Franz Burtscher empfiehlt, einen Beruf zu ergreifen für den man Leidenschaft empfinden würde.

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Denn nur wenn Du Spaß beim Arbeiten oder Lernen hast, lernst Du, informierst dich und wirst besser. Und wenn du besser wirst, hast du noch mehr Spaß daran und du informierst dich noch mehr. Dann wird dein Chef merken, dass du gut bist und das Geld kommt automatisch.

Das kann Lisa nur bestätigen:

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Man soll die Dinge, die einen interessieren zum Beruf machen. Denn wenn man Spaß am Beruf hat, dann wird man ihn auch gern ausüben.

Zum Schluss noch Tipps von Selina für alle, die nicht wissen, was sie beruflich machen sollen:

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Ich würde sagen, dass sie schnuppern gehen sollen, dann weiß man es ganz genau. Wir hatten zwei Tage zum Schnuppern hier bei den ÖBB. Man kommt her und man sieht ganz genau wie der Tag abläuft, was man macht, wie die Sachen funktionieren und man kann halt für sich auswählen und in den verschiedenen Berufen schnuppern.

Schnuppermöglichkeiten in der Lehrwerkstätte sind ganzjährig, mit Ausnahme in der Ferienzeit (Schulkalender), möglich. Dafür musst Du Dir 2 Tage Zeit nehmen - einen Tag kannst Du im Metallbereich und einen Tag im Elektrobereich schnuppern.

Am 2.12. 2022 ladet die ÖBB Lehrwerkstätte zum Tag der offenen Tür (von 8 bis 17 Uhr) in die Röcklbruckstrasse ein. Dein Besuch ist auch ohne Voranmeldung möglich. Mehr darüber erzählt Dir Franz Burtscher im folgenden Video:

CC BY

Dieser Text ist unter CC BY 4.0 International lizenziert.

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von Dagmar Ziegler
Dagmar Ziegler, Redaktion Bildungsbuch Blog

Autorin

Dagmar Ziegler

Dagmar ist als selbständige Texterin, Moderatorin und Kommunikationsberaterin tätig. Für das Bildungsbuch ist die Salzburgerin immer auf der Suche nach spannenden Geschichten, die Mut machen, neue Wege zu gehen.

InfoboxÖBB Lehrwerkstätte Salzburg

Inhalt anzeigen

Die ÖBB Lehrwerkstätte bietet viele Möglichkeiten der Lehrlingsausbildung. Du kannst eine Lehre in folgenden Bereichen machen:

  • Gleisbautechnik

  • Bürokaufmann/-frau

  • Elektrotechnik - Anlagen- und Betriebstechnik

  • Mechatronik - Automatisierungstechnik

  • Metalltechnik - Maschinenbautechnik

Du kannst zwei Tage lang schnuppern, einen Tag im Bereich Metall und einen Tag im Bereich Elektro.

Im ersten Lehrjahr bist Du nur in der Lehrwerkstätte, dort besuchst du auch den Grundlehrgang. Ab dem zweiten Jahr bist du dann in den Außenbereichen der ÖBB.

Die Berufsreifeprüfung kannst du ab dem zweiten Lehrjahr beginnen - dazu kommen Trainer und Lehrende zu den Abendkursen in die Lehrwerkstätte.

https://www.die-salzburger-industrie.at/unternehmen/oebb-infrastruktur-gmbh-lehrwerkstaette/

InfoboxAusbildungspflicht bis 18

Inhalt anzeigen

Die Ausbildung bis 18 ist eine Initiative der österreichischen Bundesregierung mit dem Ziel, alle Jugendlichen zu einer über den Pflichtschulabschluss hinausgehenden Qualifikation hinzuführen und einem frühzeitigen Ausbildungsabbruch entgegenzuwirken. Mit 1. August 2016 ist in Österreich das Ausbildungspflichtgesetz (APflG) in Kraft getreten.

Seit Ende des Schuljahres 2016/2017 betrifft die Ausbildungspflicht alle Jugendlichen bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres, die die allgemeine Schulpflicht erfüllt haben und sich dauerhaft in Österreich aufhalten.

Fragen und Antworten zu Ausbildung bis 18: https://ausbildungbis18.at/fragen-und-antworten/

Ausbildung bis 18 - Service- und Informationsseite

Tel.: 0800 700 118 (Kostenlos aus ganz Österreich)

https://ausbildungbis18.at/ - unter „Koordinierungsstellen“ findest du alle Kontaktdaten für dein Bundesland

Jugendcoaching

https://www.neba.at/jugendcoaching

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InfoboxBildungsline

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Bildungsinfo aktuell

Infoboxwaff: Beratungs- und Förderleistungen in Wien

Inhalt anzeigen

Grundsätzlich bietet der waff kostenlose und individuelle Beratung für berufliche Entwicklungschancen von beschäftigten Wiener:innen und fördert berufliche Aus- und Weiterbildungen. Neben beschäftigten Wiener:innen gibt es gemeinsam mit dem AMS Wien auch Angebote für arbeitssuchende Wiener:innen.

Bildungskonto: Das Bildungskonto für Wiener Arbeitnehmer:innen (BIKO) fördert Wiener:innen, die sich beruflich weiterbilden oder einen höheren Abschluss erlangen möchten und steht allen Wiener:innen je nach Einkommen, Arbeitsmarktstatus und beruflichem Ziel bei anerkannten Bildungsträgereinrichtungen zur Verfügung. Das Bildungskonto mit maximal € 500 ist für alle Wiener:innen (Beschäftigte und arbeitslos Gemeldete). Im Rahmen des Bildungskontos werden anteilsmäßig die Kosten für berufsbezogene Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen bei einem vom waff anerkannten Bildungsträger in Abhängigkeit der individuellen Formalvoraussetzungen bis maximal € 3.000 refundiert. Weiters werden Förderungen von digitalen und klimaschutzrelevanten Kompetenzen und Qualifizierungen in der Höhe von maximal € 5.000 gewährt.

Chancen-Scheck des waff: Der Chancen-Scheck ist das Förderinstrument für die Zielgruppe des Qualifikationsplans Wien 2030. Beschäftigte, die keine über die Pflichtschule hinausgehende Ausbildung haben oder Personen, die zwar über einen höheren Abschluss verfügen, aber dennoch dequalifiziert arbeiten, erhalten mit dem Chancen-Scheck eine besonders attraktive finanzielle Förderung für Aus- und Weiterbildungsvorhaben von bis zu 5.000 Euro. Mit dem Chancen-Scheck werden berufliche Weiterbildung und das kostenlose Nachholen von Lehr- und anderen Bildungsabschlüssen gefördert. Damit verbunden ist in der Regel die Ausstellung eines Qualifikationspasses, der Qualifikationen, Kompetenzen, berufliche Entwicklungsziele und Bildungsschritte dokumentiert und zum Erreichen des individuellen Bildungsziels beitragen soll.

FRECH – Frauen ergreifen Chancen – Beratung und Qualifizierung: Bei FRECH handelt es sich um ein Programm für beschäftigte Frauen in Wien, die eine grundlegende berufliche Veränderung in Form einer Neuorientierung, Höherqualifizierung und/oder Weiterentwicklung anstreben. Das Programm bietet beschäftigten Frauen mit beruflicher Veränderungsabsicht eine Prozess- und Laufbahnberatung, welche gegebenenfalls durch einen Qualifizierungszuschuss für Aus- und Weiterbildung von 90 Prozent der Weiterbildungskosten bis max. 5.000 Euro ergänzt werden kann. Aus- und Weiterbildungen zur Stärkung digitaler und klimaschutzrelevanter Kompetenzen können ebenfalls gefördert werden. Darüber hinaus werden berufsbezogene Workshops und Vorträge angeboten. Frauen können dabei von einer umfassenden individuellen Beratung, Workshops und Vorträgen sowie einer finanziellen Unterstützung bei der Aus- und Weiterbildung profitieren.

Karenz und Wiedereinstieg: Das Programm bietet Personen vor, während und nach einer Berufsunterbrechung (Eltern-, Pflege- oder Familienhospizkarenz) frühzeitige Information und präventive Beratung für den beruflichen Wiedereinstieg. Die Beratung kann durch einen Qualifizierungszuschuss für Aus- und Weiterbildung von 90 Prozent der Kosten bis max. 4.000 Euro ergänzt werden. Darüber hinaus werden themenspezifische Gruppenveranstaltungen mit gelegentlicher Kinderbetreuung angeboten.

Ausbildungsinitiative Frauen in Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Technik: Die Ausbildungsinitiative für Frauen in Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Technik wendet sich an beschäftigte Wiener:innen, die ein berufsbegleitendes Studium in den genannten Bereichen anstreben. Ziel ist es, mehr Frauen in berufsbegleitende Fachhochschulstudiengänge zu bringen und damit langfristig mehr weibliche Fachkräfte für den Wiener Arbeitsmarkt zu gewinnen. Das Programm bietet umfassende prozessorientierte Beratung wie auch Coachingangebote. Vor dem Studium wird die berufsbegleitende Vorbereitung auf ein Studium gefördert, unter anderem durch eine Vorqualifizierungsmaßnahme an der Hochschule Campus Wien. Nach Studienplatzzusage werden geförderte Kurse begleitend zum ersten Studienjahr, z.B. eine berufsbegleitende Begleitqualifizierung für Bachelor-Studiengänge an der FH Technikum Wien, ein Stipendium für ausgewählte Bachelor- und Masterstudiengänge (12.000 Euro für BA-Studiengänge, 9.000 Euro für MA-Stiudiengänge) sowie zahlreiche Workshops, Vernetzungsveranstaltungen und Kooperationen mit Unternehmen und Fachhochschulen bereitgestellt. Ergänzend werden studien- und berufsbezogene Veranstaltungen sowie Begleitung bis über den erfolgreichen Studienabschluss hinaus angeboten.

Sonderprogramm Lehrlinge: Der waff kann auf Grundlage des Antrags eines Lehrlings mit Wohnsitz in Wien die Vorfinanzierung der Kosten für Vorbereitungskurse auf die Lehrabschlussprüfung übernehmen, die dem waff von der Wirtschaftskammer Wien refundiert werden. Ergänzend werden auch die LAP-Vorbereitungskurse, die im Rahmen des Projektes Qualifizierungsmanagement eingereicht werden, gefördert.

Weiterbildungsinformation Wien: Der waff führt eine umfassende, aktuelle Weiterbildungsdatenbank unter weiterbildung.at, die eine anbieterneutrale Entscheidungsgrundlage für die Auswahl einer passenden Aus- und Weiterbildung darstellt.

Wiener Ausbildungsgeld:  Mit dem Wiener Ausbildungsgeld sollen mehr Menschen für längere Ausbildungen und die anschließende Berufstätigkeit in vom Mangel an Fachkräften geprägten Bereichen gewonnen werden. Da die Bezüge aus der Arbeitslosenversicherung in der Regel nicht ausreichen, um eine längere Ausbildung finanziell abzusichern, hat Wien im Jahr 2021 mit dem Wiener Ausbildungsgeld eine finanzielle Lücke geschlossen. Die Leistung richtet sich an beim AMS Wien arbeitslos gemeldete Personen und ermöglicht diesen im Vorfeld einer Beschäftigung die Teilnahme an länger dauernden Ausbildungen (mindestens 12 Monate) im Rahmen von Jobs PLUS Ausbildung sowie anderen arbeitsplatznahen Qualifizierungen. Das Wiener Ausbildungsgeld wird für Ausbildungen in den Bereichen der kommunalen Daseinsvorsorge (beispielsweise: Gesundheit, Pflege, Soziales und Pädagogik in Kooperation mit der Magistratsdirektion und Unternehmen der Stadt Wien) und andererseits für Qualifizierungen in klimaschutzrelevanten Berufen sowie im Bereich IKT/Digitalisierung gewährt. Es unterstützt die Teilnehmer:innen während der gesamten Dauer der Ausbildung mit monatlichen Zahlungen, die einen Mindestbetrag von rund € 1.550 monatlich sicherstellen. Damit wird ein wichtiger Beitrag zur Sicherung des Fachkräftebedarfs in diesen gesellschaftlich relevanten Beschäftigungssegmenten geleistet. Die Gewährung des Wiener Ausbildungsgeldes ist subsidiär zu Förderungen des Bundes, des Landes oder Dritter.

Zahlreiche Studien belegen, dass eine finanzielle Absicherung der Lebenshaltungskosten ein wichtiger Faktor für eine Ausbildung im Erwachsenenalter ist.

Jugendstiftung Wien: Aufgrund der Entwicklungen am Arbeitsmarkt und des Fachkräftebedarfs der Wiener Wirtschaft haben der waff und das AMS Wien mit der Jugendstiftung Wien ein erfolgreiches Instrument zur Qualifizierung von jungen Erwachsenen ins Leben gerufen. Im Eintrittszeitraum von Jänner 2025 bis Dezember 2028 werden insgesamt 1.000 umstiegs- und aufstiegsorientierte junge Wiener:innen im Alter von 18 bis 24 und mit Anspruch auf Arbeitslosengeldbezug durch gezielte Aus- und Weiterbildung unterstützt. Die Maßnahme umfasst eine Phase der Berufsorientierung, in welcher vorhandene Kompetenzen erarbeitet und ein Berufsziel entwickelt wird. Die Möglichkeiten reichen hierbei vom Lehrabschluss bis hin zu Bachelorstudien. Hier soll einerseits auf bestehenden Qualifikationen der Teilnehmer:innen aufgebaut und begonnene Ausbildungen abgeschlossen werden und andererseits neue Berufsziele in Branchen mit besonders hohem Fachkräftebedarf erarbeitet werden (MINT, Green, Care). Nach Abschluss der Ausbildung wird im Rahmen der aktiven Arbeitsuche intensiv bei der Jobsuche unterstützt. Da eine finanzielle Absicherung der Lebenserhaltungskosten ein wichtiger Faktor für eine Ausbildung im Erwachsenenalter darstellt, ist zusätzlich zum Arbeitslosengeld eine monatliche ausbildungsbedingte Zuschussleistung in Höhe von € 300 vorgesehen.

Frauenstiftung Wien: Die Frauenstiftung Wien richtet sich an Frauen ab 25 Jahren ohne Berufsausbildung und mit Arbeitslosengeldbezug, wobei der Fokus auf Wiedereinsteigerinnen liegt. Ihr Ziel ist es, den Teilnehmerinnen eine Qualifizierung zu ermöglichen und sie beim (Wieder)-Einstieg als Fachkraft in den Arbeitsmarkt zu unterstützen. Im Rahmen des mit August 2025 gestarteten Pilotprojekts ist innerhalb von einem Jahr der Eintritt von 100 Frauen vorgesehen. Ähnlich wie bei der Jugendstiftung ist auch hier zu Beginn eine Phase der Berufsorientierung vorgesehen, in welcher vorhandene Kompetenzen erarbeitet und ein Berufsziel entwickelt wird. Dabei wird einerseits auf den bestehenden Qualifikationen der Teilnehmerinnen aufgebaut und andererseits neue Berufsziele in Branchen mit besonders hohem Fachkräftebedarf erarbeitet (MINT, Green, Care). Nach Abschluss der Ausbildung – die Möglichkeiten reichen vom Lehrabschluss bis hin zu Bachelorstudien – wird intensiv bei der Jobsuche unterstützt. Um entsprechende Ausbildungen zu ermöglichen und die Lebenserhaltungskosten abzusichern ist ein monatlicher Ausbildungszuschuss in Höhe von € 300 zusätzlich zum Arbeitslosengeld vorgesehen.

Wiener Pflegeausbildungsprämie: Die Pflegeausbildungsprämie ist eine monatliche finanzielle Unterstützung in der Höhe von 658,40 Euro für Personen, die eine Ausbildung in Gesundheits- und Sozialbetreuungsberufen an einer anerkannten Ausbildungseinrichtung in Wien absolvieren. Damit sollen strukturelle und finanzielle Anreize gesetzt werden, um Ausbildungen in diesen Bereichen attraktiver zu gestalten. Die Pflegeausbildungsprämie kann Personen gewährt werden, die eine Ausbildung in der Gesundheits- und Krankenpflege (z.B. Bachelor Gesundheits- und Krankenpflege, Pflegefachassistenz) bzw. eine Ausbildung in einem Sozialbetreuungsberuf (z.B. Fach- bzw. Diplom-Sozialbetreuung in Alten- oder Behindertenarbeit) absolvieren.

Kursförderungen für Arbeitnehmer*nnen in Wien – waff
 

Diese Informationen wurden uns vom waff im Februar 2026 zur Verfügung gestellt.