Zara Queen - eine crazy Lady macht ihren Weg

Wirtschaftsschule, Matura, Slawistik – nur einige Stationen einer bewegenden Bildungsreise.

von Andrea Folie | | Einblicke

„Das Wichtigste – ich habe meine Matura in der Tasche.”

So beginnt das Interview mit der jungen Zaitova Akziguel alias „Zara Queen“. Ein Künstlername, wie gemacht für eine junge Powerlady mit uigurischen und brasilianischen Wurzeln und Russisch als Muttersprache. Hoch motiviert und selbstbewusst präsentiert sie heute ihr tänzerisches Können auf Europas Hip-Hop- und Cheerleader-Bühnen, sie unterstützt als Tänzerin Vereine in ihrem interkulturellen Engagement und studiert Slawistik.

Das Ziel wäre ein anderer Weg gewesen!

Ein Blick in die Vergangenheit lässt vorerst einen anderen Weg vermuten. Die goldene Medaille, eine Auszeichnung für Schüler_innen in Kirgistan, die im letzten Schuljahr alle Fächer mit einer Eins abschließen war das ursprüngliche Ziel. „Als Belohnung hätte es ein Stipendium für die Universität gegeben. Gekommen ist aber alles anders.“

iStock/AYakovlev

„Als Belohnung hätte es ein Stipendium für die Universität gegeben. Gekommen ist aber alles anders.”

Mitten in Zaras jungen Jahren trat sie gemeinsam mit ihrer Mutter und ihrer Tante die Flucht an. Asyl erhielten sie in Österreich und so kamen sie in den Pinzgau nach Saalfelden. Die ersten Schritte in der neuen Heimat führten das junge Mädchen zum Deutschunterricht und ins Sportgymnasium Saalfelden. Bald darauf stieg sie auf die HBLA Saalfelden um. Die drei Frauen zogen aber gleich in die Stadt Salzburg und so musste sich das junge Mädchen wieder neu orientieren.

Wenn ich tanze, bin ich

Unterstützung erhielten sie in der Stadt von BiBer Bildungsberatung – damals noch am Mozartsteg, heute in der Strubergasse im Stadtwerk – erinnert sie sich schmunzelnd zurück. Die Betreuer_innen brachten sie schließlich auf die Idee, das Abendgymnasium zu besuchen. Einen Haken gab es jedoch - nur die wenigsten Fächer wurden angerechnet. Also zurück zum Start. Da war sie 19 Jahre alt, hatte neun Jahre einer Wirtschaftsschule in Kirgistan und eine Flucht hinter sich. Zara wäre aber nicht Zara, wenn sie ihr Ziel Matura nicht bis zum Schluss verfolgen würde. Viereinhalb Jahre Abendschule waren erforderlich, um ein Zeugnis in der Hand halten zu dürfen. In dieser prägenden Zeit wurde der Horizont um viel Neues erweitert:

„Bis dahin war ich mein Leben lang Schülerin, nun entdeckte ich auch noch das Leben daneben und fand meine Berufung im Hip-Hop. Es war einfach alles da, gemeinsam mit Weggefährt_innen entwickelte ich durch das Tanzen Selbstbewusstsein und entsprechend konnte ich mich auf die Abendschule konzentrieren.”

Um den Vorstellungen von Mutter und Tante zu entsprechen, steuerte die junge Frau nach der Matura erst einmal die Fachhochschule Kufstein an. Täglich aufstehen um 5:30 Uhr – um 19 Uhr daheim ankommen. Zara wurde klar, dass das Künstlerinnen-Dasein ihr Herz und ihre Seele bestimmen. Schweren Herzens brach sie zum ersten Mal selbst die Schule ab.

Das Tanzen ist schon längst kein Hobby mehr – auf internationalen Bühnen präsentiert sie sich immer wieder, in Tanzcamps bildet sie sich weiter und lehrt in Workshops Kindern die ersten Schritte.

„Das Tanzen und meine persönliche Migrationsgeschichte als Integrationsmittel, das funktioniert. Oft kommen die Kleinen aus schwierigen Verhältnissen, ein greifbares Vorbild beflügelt und stärkt ihre eigenen Interessen. Gleichzeitig geben sie mir wiederum so viel Freude am eigenen Tun. Es sind die Kleinigkeiten, die mich glücklich machen. Mein jetziges Leben möchte ich nicht mehr missen, einfach perfekt.”

Zara Queen, eine Frau mit Energie und voller Lebensfreude

Als künstlerisches Multitalent schreibt sie zusätzlich Geschichten, kreiert Klamotten, entwickelt Schmuckstücke, fotografiert und steht für sich: Eine junge, selbstbewusste Frau, die ihre Zukunft in die Hand nimmt. Hoch motiviert, aber im eigenen Tempo hat sie sich für Französisch und Russisch an der Universität Salzburg eingeschrieben. Ein Stipendium würde die Uniausbildung unterstützen, für Zara ist diese Förderung jedoch uninteressant. Das Tempo wird vorgegeben, woraus sich automatisch Abhängigkeiten ergeben, die nicht dem eigenen Rhythmus entsprechen. Die individuelle Freiheit steht über dem finanziellen Aspekt.

„Denn ich brauche nicht viel, ich muss mich einfach nur seelisch glücklich fühlen. Dafür habe ich meine Mutter und Tante als starke Frauenvorbilder und meine Kunst als Lebenselixier.”

Gewusst wie...

Tänzer_in

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Für den Beruf als Tänzer_in ist in der Regel ein abgeschlossenes Universitätsstudium in Tanz erforderlich. Eine Ausbildung ist an den Universitäten der Künste, an Konservatorien für Musik und darstellende Kunst sowie an privaten Schauspielschulen möglich.

Mit einer (klassischen) Tanzausbildung sollte bereits vor dem 10. Lebensjahr begonnen werden. Eine weiterführende Ausbildung ist in privaten Tanzschulen oder an Konservatorien möglich.

Gewusst wie...

HBLW Saalfelden

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BHS – Höhere Lehranstalt für wirtschaftliche Berufe (grundsätzlich mit verschiedenen Schulschwerpunkten im wirtschaftlichen Bereich bspw.: Tourismus, Ernährung, Medien, Gesundheit-Wellness, Kommunikation, Kultur, Sprachen,…)

Dauer: 5 Jahre

Voraussetzung: positiverAbschluss der 8. Schulstufe, ggfs. Aufnahmeprüfung

Abschluss: Reife- und Diplomprüfung. Der Abschluss ersetzt bestimmte Lehrabschlüsse oder verkürzt die Ausbildungszeit dieser.

Gewusst wie...

Studium: Slawistik

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Universitätsstudium Slawistik (in Salzburg in mit den Fächern Polnisch, Russisch, Tschechisch)

Dauer: 

  • 6 Semester Bachelorstudium
  • 4 Semester Masterstudium

Voraussetzungen: 

  • Matura
  • Zusatzprüfung aus Latein (wenn nicht 10 Wochenstunden an einer höheren Schule erfolgreich besucht)

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Schlagwörter: Bildungsberatung, Matura, Abendgymnasium
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Dieser Text ist unter CC BY 4.0 International lizenziert.

von Andrea Folie
Andrea Foliemask

Über die Autorin

Andrea Folie

Langjährige Erfahrung in der Kulturvermittlung, Netzwerktätigkeit und internationalen Gastspiel­tätig­keit von Theater­produktionen und Work­shops. Ideen­geberin Verein "Ikult.Inte­rkulturelle Projekte und Konzepte", Projekleitung "Ankommenstour Querbeet". Assistentin der Geschäfts­führung Dachver­band Salz­burger Kulturs­tätten. Immer wieder als freie Texterin tätig.

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