Hip-Hop und Ehrenamt – geht das?

Freiwillige im Gespräch - "Habe menschliche Werte in der Freiwilligenarbeit gesucht und gefunden!"

Unsere Kollegin vom Freiwilligenzentrum - Blog zeigt in einem ihrer Interviews, was aus einer außergewöhnlichen Idee und viel Engagement werden kann.

Von Ingrid Ebner |
2017 11 18 tanzimprovisation reza

FWZ: Frau Fish-Cottogni, es freut mich, dass Sie und in Ihrer Begleitung Amir, sich heute für dieses Interview Zeit nehmen! Wie Sie mir erzählt haben, sind Sie ja beide zeitlich sehr eingeteilt. Würden Sie sich unseren Leserinnen und Lesern bitte kurz vorstellen?

Daniela Fish-Cottogni: Gerne, ich unterrichte am Musischen Gymnasium Sport, Tanz und  Geografie. Im Bereich Tanz unterrichte ich an der Sport-Uni Fachdidaktik und die Übung "Gymnastik und Tanz".

Amir: Ich komme aus Afghanistan, bin jetzt 19 Jahre alt und kam mit 16 Jahren ohne meine Familie nach Salzburg. Inzwischen wohne ich privat, davor war ich in einer WG des Vereins "menschen.leben" und zwar im "Hayat Vogelweide". Ich habe den Hauptschulabschluss gemacht und mache jetzt eine Lehre als Restaurantfachmann. Gleichzeitig besuche ich das Abendgymnasium.

Daniela Fish-Cottogni

FWZ: Das klingt nach einem vollen Terminkalender! Frau Fish-Cottogni, in Ihrem Engagement für unbegleitete, minderjährige Flüchtlinge spielt Bewegung eine große Rolle, da Sie Hip-Hop Kurse anbieten. Inzwischen gab es bereits mehrere Auftritte, und Amir, Sie waren schon von Anfang an mit dabei. War für Sie Tanzsport davor schon ein Thema?

Amir: Nein, Tanzen war für mich etwas ganz Neues, ich kannte das aus meiner Heimat nicht. Auch für die anderen Jugendlichen war das etwas Neues, das wir erst hier gelernt haben.

FWZ: Frau Fish-Cottogni, erzählen Sie uns bitte, wie Sie die Gruppe aufgebaut haben?

Daniela Fish-Cottogni: Die ersten Monate war das Hip-Hop Training in der WG, im Hayat Vogelweide. Zusammen mit vier Schülerinnen und einem Schüler aus der sechsten Klasse meiner Schule bereiteten sich die Burschen aus der WG auf ihren ersten Auftritt im Herbst 2015 vor, der im Rahmen der Veranstaltung "Boat of Hope" am Mozartplatz stattfand. Ein weiterer Auftritt war dann in der ARGEkultur Nonntal, auch hier gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern aus der sechsten bis achten Klasse unserer Schule, die mit den "Try-Outs" die Chance bekommen, selbstchoreografierte Stücke auf einer öffentlichen Bühne zu präsentieren. Eine weitere gemeinsame Arbeit ergab sich aus dem Peers-Projekt, das über den Sportverein des Musischen Gymnasiums angeboten wird. Dabei unterrichten Tanzschüler_innen der 6. Klasse jüngere Schüler_innen. Im letzten Jahr nahmen dann auch die Burschen von Hayat Vogelweide an diesem Schulprojekt teil. Ferner organisierten wir gemeinsam mit meiner 8. Geografie Klasse ein Treffen in Hayat Vogelweide.

FWZ: Amir, wie haben Sie diesen Austausch erlebt?

Amir: Die Schüler und wir hatten Zettel mit Fragen vorbereitet und diese Fragen wurden gezogen. So erzählten wir einander, was uns selbst wichtig ist oder was typisch für unsere Kultur ist.

Amir (im Hintergrund) und Reza während ihres Auftrittes beim Boat of Hope

FWZ: Finden die Tanzstunden in der Schule statt? Und was tut sich jetzt aktuell?

Daniela Fish-Cottogni: Die erste Zeit waren die Stunden in Hayat Vogelweide. Aber dank unserer Direktorin konnten wir dann schon bald den Turnsaal der Schule benutzen und da treffen wir uns jeden Sonntagvormittag. Unser letzter Auftritt war im September im Rahmen der Veranstaltung "Take the A-Train". Bei diesem Musikfestival rund um den Salzburger Hauptbahnhof hatten wir einen Auftritt im Freien, der trotz Regen ein tolles Ereignis war. Im Moment sind sieben junge Asylwerber jeden Sonntag dabei und ich finde, sie haben schon enorme Fortschritte gemacht.

Amir: Und es macht Spaß!

Großer Auftritt beim "Take the A-Train"

Daniela Fish-Cottogni: Im Moment bin ich dabei, etwas in Richtung Tanztheater zu erarbeiten, mit Ausdruckstanz und Improvisation. Kürzlich haben wir da zum Beispiel mit einem Gedicht von Erich Fried gearbeitet.

FWZ: Sie haben sicher ein sehr gutes Zeitmanagement und ich finde es bewundernswert, dass Sie am Sonntagvormittag als Freiwillige im Einsatz sind!

Daniela Fish-Cottogni: Vor allem habe ich einen Mann und einen Sohn, für die das okay ist.

FWZ: Und wo sehen Sie die großen Herausforderungen und Chancen bei der Integration von Flüchtlingen?

Daniela Fish-Cottogni: Da ich auch Geografin bin, würde ich sagen, dass es für unser Land und für ganz Europa ein demografischer Glücksfall ist, wenn Menschen zuwandern. Und dann finde ich eine kulturelle Vielfalt immer interessant. Sicher auch deshalb, weil ich mit einem Amerikaner verheiratet bin. Ich denke, verschiedene Sprachen, Hautfarben oder Religionen sind für jedes Land eine Bereicherung. Ein Grund für diese Einschätzung ist meine eigene religiöse Überzeugung, dass wir gefordert sind, mit den Menschen, die unsere Hilfe brauchen, zu teilen. Das sind zentrale menschliche Werte, die wir hier verwirklichen können. Und ich möchte noch gerne sagen, dass ich in der Freiwilligenarbeit genau diese menschlichen Werte gesucht und auch gefunden habe.

FWZ: Danke für dieses sehr persönliche Statement und danke an Sie beide für das interessante Gespräch!

Dieser Text ist zuerst auf der Website: freiwilligenzentrum-salzburg erschienen. Wir freuen uns, ihn auch hier veröffentlichen zu können.

Neugierig geworden? Daniela und die Crew stellen sich hier kurz vor!

Und wer ihren Auftritt beim "Take the A-Train" verpasst hat, sieht hier die Gruppe in Aktion!

CC BY

Dieser Text ist unter CC BY 4.0 International lizenziert.

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von Ingrid Ebner
Ingrid Ebner

Autorin

Ingrid Ebner

Ingrid Ebner arbeitet seit 2003 für das Freiwilligenzentrum Salzburg und zeichnet sich durch ihr Engagement in Sachen Vernetzungen und Fortbildungsmöglichkeiten zwischen und für Freiwillige sowie FreiwilligenkoordinatorInnen in Organisationen aus.

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InfoboxMusik als Berufsweg – Berufsfelder und Ausbildungswege in Österreich

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Musik kann viele berufliche Wege eröffnen – auf der Bühne, im Unterricht, im Studio oder im Kulturmanagement. Die Ausbildungsmöglichkeiten in Österreich reichen von Musikuniversitäten über pädagogische Studien bis hin zu technischen oder organisatorischen Ausbildungen.

Musikberufe verlangen neben Talent oft viel Eigeninitiative, Übung und Flexibilität. Gleichzeitig bieten sie vielfältige Möglichkeiten, kreative Interessen mit pädagogischen, technischen oder organisatorischen Tätigkeiten zu verbinden.

Künstlerische Musikberufe:

Musiker:in / Sänger:in

Musiker:innen arbeiten als Solokünstler:innen, in Bands, Orchestern oder Ensembles. Je nach Stilrichtung sind sie im Bereich Klassik, Jazz, Pop, Rock etc. tätig. Der Weg führt häufig über ein Musikstudium, Konservatorium oder intensive musikalische Praxis.

Musicaldarsteller:in

Musicaldarsteller:innen verbinden Gesang, Tanz und Schauspiel. Die Ausbildung erfolgt meist über spezialisierte Musical- oder Musiktheaterstudiengänge.

Songwriter:in / Komponist:in

Songwriter:innen schreiben Musik und Texte für eigene oder andere Projekte. Es gibt keine geregelte Ausbildung, häufig helfen Studien in Komposition, Musikproduktion oder Sprachkunst.

Dirigent:in

Dirigent:innen leiten Orchester oder Chöre. Voraussetzung sind meist sehr gute musikalische Kenntnisse sowie ein spezialisiertes Dirigierstudium.
 

Pädagogische, soziale und wissenschaftliche Berufe:

Musiklehrer:in

Musiklehrer:innen unterrichten an Schulen und gestalten musikalische Projekte. Die Ausbildung erfolgt über ein Lehramtsstudium mit zwei Unterrichtsfächern.

Instrumental- und Gesangspädagog:in (IGP)

IGP-Absolvent:innen unterrichten an Musikschulen oder privat. Das Studium verbindet künstlerische und pädagogische Inhalte.

Musiktherapeut:in

Musiktherapeut:innen arbeiten im Gesundheits- und Sozialbereich mit Musik als therapeutischem Mittel. Dafür ist ein spezialisiertes Studium in Musiktherapie notwendig.

Musikwissenschaftler:in

Musikwissenschaftler:innen beschäftigen sich mit Musikgeschichte, Theorie und Analyse. Sie arbeiten häufig in Forschung, Kultur oder Medien und haben beispielsweise ein Studium in Musik- oder Musik- und Tanzwissenschaft.

Organisation, Management und Technik:

Musikmanager:in

Musikmanager:innen planen und organisieren die Karriere von Musikerinnen, z. B. Marketing, Auftritte, Tourneen und Vertrags- bzw. Finanzfragen. Eine fixe Ausbildung gibt es nicht; meist führen Studien oder Weiterbildungen in Musik-, Kultur- oder Eventmanagement sowie betriebswirtschaftliche Kenntnisse in den Beruf.

Musikproduzent:in

Musikproduzent:innen gestalten und betreuen Musikproduktionen im Studio von der Idee bis zur fertigen Aufnahme. Der Einstieg erfolgt über Studien oder Ausbildungen im Bereich Musikproduktion/Tontechnik, ist aber auch für Quereinsteiger:innen möglich.

Veranstaltungstechniker:in

Veranstaltungstechniker:innen kümmern sich um Licht-, Ton- und Bühnentechnik bei Konzerten und Events. Der Beruf kann über eine Lehre oder technische Studiengänge erlernt werden.

Beispiele für Bildungseinrichtungen in Österreich (Auswahl)

Event Engineering

u. A. das Musikum Salzburg https://musikum.at/de/

* Die angeführten Bildungseinrichtungen stellen eine Auswahl dar und erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Zur weiteren Recherche empfiehlt sich folgende Seite: https://www.studienplattform.at/

Recherchiert von Laura Eder, BiBer Bildungsberatung, im Mai 2026.