Freiwilliges Engagement macht glücklich

Warum Freiwilligenarbeit nie an Bedeutung verlieren wird

Fast die Hälfte der Österreicherinnen und Österreicher sind in ihrer Freizeit freiwillig tätig. Es gibt viele Formen freiwilligen Engagements. Gerade im Sozialbereich ist der Bedarf sehr hoch. Man kann sich z.B. in einer Blaulichtorganisation engagieren, freiwillige Besuchsdienste bei Senior*innen machen oder Kindern beim Lernen helfen. Doch lässt sich Freiwilligenarbeit mit dem Beruf vereinbaren? In welchen Bereichen ist der Bedarf an Freiwilligen sehr hoch und wo erhalte ich die passenden Infos dazu? Diese und andere Fragen haben wir Marlies Blaschko, Leiterin des Freiwilligenzentrums Salzburg gestellt.  

Von Marlene Dietrich-Gsenger |
Marlies Blaschko

Das Motto „Jeden Tag eine gute Tat“ hat Marlies Blaschko schon in ihrer Kindheit verinnerlicht als sie als Pfadfinderin engagiert war. Mit ihrem Mann hat sie acht Jahre lang ein Entwicklungsprojekt in Nepal initiiert. Seit Mai 2020 leitet Marlies Blaschko das Freiwilligenzentrum in Salzburg. Der Verein ist Erstanlaufstelle für Menschen, die an freiwilligem Engagement im Sozialbereich interessiert sind und vermittelt an die jeweils passende Sozialorganisation. Ähnliche Zentren gibt es auch in anderen Bundesländern. In den Gewusst-Wie-Boxen haben wir alle Infos dazu für dich zusammengestellt.  

Welche Personen engagieren sich freiwillig?

Früher war es so, dass sich besonders Pensionist*innen als Freiwillige gemeldet haben. Sie stellen ein großes Potential für die Freiwilligenarbeit dar. Sie haben Lebenserfahrung gesammelt, die sie weitergeben wollen, haben viel Zeit und fühlen sich rüstig und fit und wollen einen solidarischen Beitrag leisten. 

In letzter Zeit stellen wir vermehrt fest, dass zunehmend junge Menschen sich freiwillig engagieren wollen. Es scheint also durchaus hip geworden zu sein, hat aber bestimmt auch mit der Tatsache zu tun, dass freiwilliges Engagement im Lebenslauf einen hohen Stellenwert hat. Man hat durchaus bessere Chancen am Arbeitsmarkt, wenn man sich sozial engagiert.  

Freiwilligenarbeit neben Beruf und Familie - geht das?

Ganz neu sind nun Erwachsene, die mitten im Berufsleben stehen, Familie und Kinder haben, ein Haus gebaut und etwas Zeit für Engagement haben. Es etabliert sich eine kleine Gruppe, die unbändige Energie haben und sich denken „A bissl wos geht immer no“. 

Menschen, die sich freiwillig engagieren, sind meistens von ihrer Tätigkeit sehr begeistert, weil sie direkt was zurückbekommen. Das berichten sie ihrem Umfeld und somit springen viele auf den Zug auf – von Jugendlichen bis ins hohe Alter.  

Sind die Menschen engagierter oder weniger engagiert als noch vor zehn Jahren?

Freiwilligenarbeit wird immer beliebter. Es werden neue Zielgruppen erschlossen und die Zahl der Freiwilligen steigt von Jahr zu Jahr an. Gerade jetzt hat man gesehen, dass sich viele sozial engagieren möchten. Die Covid-19-Krise hat, wie jede andere Krise, die Stärke der Zivilgesellschaft aufgezeigt.  

Manche Menschen erkennen schnell einen Bedarf, formieren sich und machen etwas. Im ersten Lockdown gab es zum Beispiel die Nachbarschaftshilfe. 

Wie viel Zeit pro Woche sollte man für Freiwilligenarbeit einplanen?

An und für sich ist Freiwilligenarbeit gut mit dem Beruf vereinbar, weil ich mir die Zeit immer frei einteilen kann. Freiwilligenkoordinator*innen begleiten einen und man steckt schon vorab die Parameter ab. Grenzen setzen ist ein wichtiges Thema im Bereich der Freiwilligenarbeit. Mir muss es bei meiner Tätigkeit immer gut gehen. Daher muss ich auch immer wissen, wo meine Grenzen sind.  

Bereits mit ein bis zwei Stunden pro Woche kann ich einen wertvollen Beitrag leisten und viel bewirken. Und dann hängt es natürlich von meiner persönliches Lebenssituation ab. Habe ich mehr Zeit, weil ich in Pension, arbeitslos oder in Kurzarbeit bin? Dann kann ich mich mehr einbringen. Ich kann aber auch wieder zurückschrauben, wenn es mit der Zeit wieder knapper wird. Flexibilität ist hier ein wichtiges Stichwort.  

Wichtig ist es jedenfalls, Grenzen zu setzen und zu wissen, wann es einem zu viel wird. Freiwilliges Engagement passt nicht in jeder Lebenssituation und genau darauf sollte man achten. Es darf natürlich nicht sein, dass man ins Burnout rutscht, weil man sich auch noch freiwillig engagieren möchte.  

Freiwilligenarbeit zahlt sich aber immer aus. Das monetäre spielt dabei keine Rolle. Indem ich anderen helfe, helfe ich auch mir selber. Ich bekomme immer etwas zurück. Aber ja, der Energieausgleich muss stimmen 

Wie schaut Freiwilligenarbeit in Zeiten von Social Distancing aus?

Die Covid-19-Krise hat massive Auswirkungen auf die Freiwilligenarbeit. Social Distancing ist das Gegenteil von freiwilligem Engagement. Wenn ich mich freiwillig engagiere, suche ich den Kontakt zu anderen Menschen, ich will ihnen nahe sein, sie begleiten. Es ist daher ein großer Widerspruch. 

Aber in letzter Zeit haben sich viele Initiativen gebildet, die kontaktloses Engagement ermöglichen. Der digitale Besuchsdienst für Senior*innen etwa. Der Austausch fand digital statt. Menschen haben E-Mails geschrieben, angerufen oder Geschichten über Zoom vorgelesen. Natürlich ist es nicht so, wie man es gerne hätte aber man hat das freiwillige Engagement nicht hinuntergefahren. Im Gegenteil, man versucht nach wie vor kreative Möglichkeiten zu finden.

Was die aktuelle Krise aber vor allem zeigt: Die Probleme, die wir jetzt haben, waren schon immer da. Isolation war und ist ein großes gesellschaftliches Problem.  

Wo ist der Bedarf in der Freiwilligenarbeit sehr hoch? Wo herrscht Mangel?

Manche Bereiche sind beliebter als andere. Die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen wird gerne gemacht und viel angefragt. Andere arbeiten gerne mit Senior*innen. 

Die Frage der Beliebtheit stellt sich aber gar nicht, weil es immer darum geht, das passende Engagement für jemanden zu finden. Im Beratungsgespräch findet man die Talente, Wünsche und Fähigkeiten heraus. 

Wo immer sehr viele Menschen gesucht werden und der Bedarf hoch ist, ist die Obdachlosenarbeit. Hier ist die Hemmschwelle größer, es gibt viele Vorurteile, man engagiert sich auch nur ungern in der Nacht. Aber gerade im Bereich der Obdachlosenhilfe werden Menschen dringend gesucht.  

Würde man Freiwillige für ihre Arbeit bezahlen, wären sie dann noch motivierter?

Da steckt nicht das Geld dahinter, es stecken andere Werte dahinter. Was ich an zwischenmenschlicher Nähe zurückbekomme, die Kompetenzen, die ich erwerbe, das kann mit Geld nie abgeglichen werden.   

Das freiwillige Engagement ist in Österreich schon sehr groß, vieles wäre ohne Freiwillige nicht möglich. Was aber nie passieren darf ist, dass wir in unserer Gesellschaft zu viel an Freiwillige abgeben. In manchen Bereichen, gerade im Sozialbereich, ist auch der Staat stark gefordert.  

Ist Freiwilligenarbeit immer gleich sinnerfüllte Arbeit?

Ja, die meisten Menschen erleben das so, dass es sinnstiftend ist. Ich kann aus eigener Erfahrung sagen, ich hätte mich acht Jahre nicht engagiert, wenn ich nicht was zurückbekommen hätte 

Man kann in diesem Bereich Talente einbringen, die man im Job nicht einbringen kann, die da nicht gefragt sind. Man kann so schnell einen Sinn in seiner Tätigkeit finden. Der Wunsch, dass man anderen hilft, ist in jedem von uns vorhanden.  

Freiwilliges Engagement beinhaltet immer gegenseitiges Lernen – das ist unbezahlbar und wunderschön.  

CC BY

Dieser Text ist unter CC BY 4.0 International lizenziert.

Teilen auf:

von Marlene Dietrich-Gsenger
Marlene Dietrich-Gsenger

Autorin

Marlene Dietrich-Gsenger

Marlene Dietrich-Gsenger studierte Kommunikationswissenschaft mit Schwerpunkt Gender Studies. Sie ist begeisterte Storytellerin und brennt für Themen wie digitale Bildung, Chancengleichheit und Medienkompetenz.

InfoboxFreiwilligenarbeit

Inhalt anzeigen

Viele österreichische Hilfsorganisationen bieten Möglichkeiten, sich regelmäßig freiwillig oder ehrenamtlich zu engagieren. Wir haben hier hilfreiche Links für dich zusammengestellt:

Freiwilligenweb: Eine Webplattform des Bundesministeriums, die dir einen Überblick über die Organisationen gibt, bei denen du freiwillig tätig sein kannst.

Freiwilligenzentren und Hilfsorganisationen in den Bundesländern

Freiwilligenzentren informieren interessierte Freiwillige über mögliche und passende Stellen, beraten dich bei der Wahl und unterstützen dich bei etwaigen Fragen und Proble­men.

Eine Gesamtübersicht findest du auch hier: Freiwilligenzentren Österreich

Ansprechstellen in den Bundesländern.

Freiwilligenpass

Helfer:innen, die einen Nachweis über ihr freiwilliges oder ehrenamtliches Engagement wünschen, haben die Möglichkeit, sich den Österreichischen Freiwilligenpass ausstellen zu lassen. In ihm werden nicht nur die geleistete Arbeit, sondern auch die dadurch gewonnenen Kompetenzen und Qualifikationen objektiv dokumentiert.

Team Österreich

Das Österreichische Rote Kreuz hat in Kooperation mit dem Radiosender Ö3 das Projekt "Team Österreich" ins Leben gerufen. "Team Österreich" organisiert bei Not- und Katastrophenfällen im Inland freiwillige Nachbarschaftshelfer:innen und koordiniert deren Einsatz mit der offiziellen Einsatzleitung.

Du kannst dich auf den Seiten von "Team Österreich"  und Rotes Kreuz Team Österreich als potenzielle:r Helfer:in registrieren und wirst verständigt, sobald deine Hilfe in Österreich gebraucht wird.

Einen Überblick über gemeinnützige Organisationen in Österreich findest du hier.

aktualisiert am 18.11.2025 von BiBer Bildungsberatung

Hier findet Ihr weitere Artikel zum Thema:
Freiwilligenengagement
Tipps
Interview
Covid-19
InfoboxBildungsline

Du willst noch mehr Infos?

Die Bildungsline gibt Antworten

Neue Bildungswege im Netzwerk Bildungsberatung

Kostenfreie Informationen & Beratung

erwachsenenbildung-salzburg.at
nach oben

Bildungsinfo aktuell

InfoboxMusik als Berufsweg – Berufsfelder und Ausbildungswege in Österreich

Inhalt anzeigen

Musik kann viele berufliche Wege eröffnen – auf der Bühne, im Unterricht, im Studio oder im Kulturmanagement. Die Ausbildungsmöglichkeiten in Österreich reichen von Musikuniversitäten über pädagogische Studien bis hin zu technischen oder organisatorischen Ausbildungen.

Musikberufe verlangen neben Talent oft viel Eigeninitiative, Übung und Flexibilität. Gleichzeitig bieten sie vielfältige Möglichkeiten, kreative Interessen mit pädagogischen, technischen oder organisatorischen Tätigkeiten zu verbinden.

Künstlerische Musikberufe:

Musiker:in / Sänger:in

Musiker:innen arbeiten als Solokünstler:innen, in Bands, Orchestern oder Ensembles. Je nach Stilrichtung sind sie im Bereich Klassik, Jazz, Pop, Rock etc. tätig. Der Weg führt häufig über ein Musikstudium, Konservatorium oder intensive musikalische Praxis.

Musicaldarsteller:in

Musicaldarsteller:innen verbinden Gesang, Tanz und Schauspiel. Die Ausbildung erfolgt meist über spezialisierte Musical- oder Musiktheaterstudiengänge.

Songwriter:in / Komponist:in

Songwriter:innen schreiben Musik und Texte für eigene oder andere Projekte. Es gibt keine geregelte Ausbildung, häufig helfen Studien in Komposition, Musikproduktion oder Sprachkunst.

Dirigent:in

Dirigent:innen leiten Orchester oder Chöre. Voraussetzung sind meist sehr gute musikalische Kenntnisse sowie ein spezialisiertes Dirigierstudium.
 

Pädagogische, soziale und wissenschaftliche Berufe:

Musiklehrer:in

Musiklehrer:innen unterrichten an Schulen und gestalten musikalische Projekte. Die Ausbildung erfolgt über ein Lehramtsstudium mit zwei Unterrichtsfächern.

Instrumental- und Gesangspädagog:in (IGP)

IGP-Absolvent:innen unterrichten an Musikschulen oder privat. Das Studium verbindet künstlerische und pädagogische Inhalte.

Musiktherapeut:in

Musiktherapeut:innen arbeiten im Gesundheits- und Sozialbereich mit Musik als therapeutischem Mittel. Dafür ist ein spezialisiertes Studium in Musiktherapie notwendig.

Musikwissenschaftler:in

Musikwissenschaftler:innen beschäftigen sich mit Musikgeschichte, Theorie und Analyse. Sie arbeiten häufig in Forschung, Kultur oder Medien und haben beispielsweise ein Studium in Musik- oder Musik- und Tanzwissenschaft.

Organisation, Management und Technik:

Musikmanager:in

Musikmanager:innen planen und organisieren die Karriere von Musikerinnen, z. B. Marketing, Auftritte, Tourneen und Vertrags- bzw. Finanzfragen. Eine fixe Ausbildung gibt es nicht; meist führen Studien oder Weiterbildungen in Musik-, Kultur- oder Eventmanagement sowie betriebswirtschaftliche Kenntnisse in den Beruf.

Musikproduzent:in

Musikproduzent:innen gestalten und betreuen Musikproduktionen im Studio von der Idee bis zur fertigen Aufnahme. Der Einstieg erfolgt über Studien oder Ausbildungen im Bereich Musikproduktion/Tontechnik, ist aber auch für Quereinsteiger:innen möglich.

Veranstaltungstechniker:in

Veranstaltungstechniker:innen kümmern sich um Licht-, Ton- und Bühnentechnik bei Konzerten und Events. Der Beruf kann über eine Lehre oder technische Studiengänge erlernt werden.

Beispiele für Bildungseinrichtungen in Österreich (Auswahl)

Event Engineering

u. A. das Musikum Salzburg https://musikum.at/de/

* Die angeführten Bildungseinrichtungen stellen eine Auswahl dar und erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Zur weiteren Recherche empfiehlt sich folgende Seite: https://www.studienplattform.at/

Recherchiert von Laura Eder, BiBer Bildungsberatung, im Mai 2026.