Keine Urkunde = nichts gelernt?

Jetzt mal ehrlich, was wir im Arbeits- und oder Freiwilligenalltag lernen, ist ebenso wertvoll wie unsere schulische Ausbildung!

Mit dieser Meinung sind wir nicht alleine und deshalb hast du nun die Möglichkeit, dir deine – im Freiwilligendienst erworbenen - Fähigkeiten offiziell anerkennen zu lassen.

Von Ingrid Ebner |
2017 08 17 Kompetenznachweis demaerre

Wenn wir einen Sprachkurs absolviert, eine Fortbildung besucht oder eine Zusatzausbildung gemacht haben, ist es für uns selbstverständlich, dafür eine Bestätigung zu erhalten. Wir sammeln diese Zertifikate und legen Sie je nach Bedarf unseren Bewerbungsunterlagen bei. Qualifizierung und Spezialisierung gehören zum "Lebensbegleitenden Lernen" und dafür können wir aus einem breiten Angebot der Erwachsenenbildung auswählen. Auch jedes Praktikum wird dokumentiert und gilt als Nachweis für das, was wir in der Praxis geleistet und gelernt haben.

Für freiwillige, unentgeltlich erbrachte Leistungen, gilt das meist nicht. Diese Tätigkeiten werden selten dokumentiert und Mann/Frau erhält auch kein Zertifikat oder ähnliches als Nachweis seiner/ihrer (erlernten) Fähigkeiten. Freiwillige bringen ja einerseits bereits ihre Fähigkeiten in das Engagement mit und lernen andrerseits durch das praktische Tun vieles dazu, sie erwerben daher auch neue Kompetenzen.

Spannend ist, dass gerade dieses Erfahrungslernen, das Lernen im Alltag und das "learning by doing" den größten Teil unseres Lernens im Erwachsenenalter ausmachen. Wir sprechen hier vom sogenannten "informellen Lernen", für das wir zwar keine Zeugnisse erhalten, das aber für die Bewältigung unseres beruflichen wie privaten Alltags absolut notwendig ist. Für Freiwillige gibt es natürlich eine ganze Reihe von Aus- und Weiterbildungsangeboten. Diese sind für bestimmte Einsätze, etwa im Rettungswesen auch verpflichtend. Der Lerngewinn ist hier durch Theorie und Praxis leicht nachweisbar, was allerdings nicht bei allen Tätigkeiten der Fall ist.

Der "Freiwilligennachweis NEU" des Sozialministeriums

Was ist der Zweck dieses Nachweises? Interessant ist er natürlich für Arbeitssuchende als Bestandteil der Bewerbungsmappe, der Nachweis kann aber auch für die persönliche Weiterentwicklung oder für Orientierungsprozesse im freiwilligen Engagement genutzt werden. Der Freiwilligennachweis NEU des Sozialministeriums bietet in einer kompakten Form auf einer Seite eine kurze Beschreibung der freiwilligen Tätigkeiten und umfasst drei ausgewählte Kompetenzen, die bei diesen Tätigkeiten eingesetzt und erworben wurden.

Der Nachweis wird im gemeinsam mit den Freiwilligen und verantwortlichen Vertreter_innen der Freiwilligenorganisationen erstellt. In einem ersten Schritt werden die Tätigkeiten aufgelistet und beschrieben ("Ich mache") und in einem zweiten Schritt die Kompetenzen benannt ("und daher kann ich"). Dieses Zertifikat hat den Vorteil, dass es sich auf das Wesentliche konzentriert und somit auch nicht viel Zeit einfordert. Und das ist besonders im Sozialbereich ein großes Plus!

Bei Bewerbungen punkten!

Ein Blick auf Stellenangebote informiert Arbeitssuchende über gefragte Kompetenzen am Arbeitsmarkt. Sie spiegeln ein Stück weit die Unternehmenskultur wieder. Falls ein Freiwilligennachweis für eine spezielle Bewerbung verfasst werden soll, macht es Sinn, auf die im Inserat genannten Begriffe Bezug zu nehmen. Es gilt jedoch, dabei immer authentisch zu bleiben! So würde es wenig Sinn machen, wenn Freiwillige, die als "Einzelkämpfer_innen" sehr erfolgreich sind, jedoch ungern in einem Team mitarbeiten, sich die Kompetenz der "Teamfähigkeit" bescheinigen lassen würden.

Denn letztlich wird sich nur mit den tatsächlichen Kompetenzen punkten lassen! Und viele Freiwillige können in dieser Hinsicht ohnehin aus dem Vollen schöpfen!

CC BY

Dieser Text ist unter CC BY 4.0 International lizenziert.

Teilen auf:

von Ingrid Ebner
Ingrid Ebner

Autorin

Ingrid Ebner

Ingrid Ebner arbeitet seit 2003 für das Freiwilligenzentrum Salzburg und zeichnet sich durch ihr Engagement in Sachen Vernetzungen und Fortbildungsmöglichkeiten zwischen und für Freiwillige sowie FreiwilligenkoordinatorInnen in Organisationen aus.

Hier findet Ihr weitere Artikel zum Thema:
Talente
Freiwilligenengagement
Anders*Denken
Bewerbung
InfoboxBildungsline

Du willst noch mehr Infos?

Die Bildungsline gibt Antworten

Neue Bildungswege im Netzwerk Bildungsberatung

Kostenfreie Informationen & Beratung

erwachsenenbildung-salzburg.at
nach oben

Bildungsinfo aktuell

InfoboxMusik als Berufsweg – Berufsfelder und Ausbildungswege in Österreich

Inhalt anzeigen

Musik kann viele berufliche Wege eröffnen – auf der Bühne, im Unterricht, im Studio oder im Kulturmanagement. Die Ausbildungsmöglichkeiten in Österreich reichen von Musikuniversitäten über pädagogische Studien bis hin zu technischen oder organisatorischen Ausbildungen.

Musikberufe verlangen neben Talent oft viel Eigeninitiative, Übung und Flexibilität. Gleichzeitig bieten sie vielfältige Möglichkeiten, kreative Interessen mit pädagogischen, technischen oder organisatorischen Tätigkeiten zu verbinden.

Künstlerische Musikberufe:

Musiker:in / Sänger:in

Musiker:innen arbeiten als Solokünstler:innen, in Bands, Orchestern oder Ensembles. Je nach Stilrichtung sind sie im Bereich Klassik, Jazz, Pop, Rock etc. tätig. Der Weg führt häufig über ein Musikstudium, Konservatorium oder intensive musikalische Praxis.

Musicaldarsteller:in

Musicaldarsteller:innen verbinden Gesang, Tanz und Schauspiel. Die Ausbildung erfolgt meist über spezialisierte Musical- oder Musiktheaterstudiengänge.

Songwriter:in / Komponist:in

Songwriter:innen schreiben Musik und Texte für eigene oder andere Projekte. Es gibt keine geregelte Ausbildung, häufig helfen Studien in Komposition, Musikproduktion oder Sprachkunst.

Dirigent:in

Dirigent:innen leiten Orchester oder Chöre. Voraussetzung sind meist sehr gute musikalische Kenntnisse sowie ein spezialisiertes Dirigierstudium.
 

Pädagogische, soziale und wissenschaftliche Berufe:

Musiklehrer:in

Musiklehrer:innen unterrichten an Schulen und gestalten musikalische Projekte. Die Ausbildung erfolgt über ein Lehramtsstudium mit zwei Unterrichtsfächern.

Instrumental- und Gesangspädagog:in (IGP)

IGP-Absolvent:innen unterrichten an Musikschulen oder privat. Das Studium verbindet künstlerische und pädagogische Inhalte.

Musiktherapeut:in

Musiktherapeut:innen arbeiten im Gesundheits- und Sozialbereich mit Musik als therapeutischem Mittel. Dafür ist ein spezialisiertes Studium in Musiktherapie notwendig.

Musikwissenschaftler:in

Musikwissenschaftler:innen beschäftigen sich mit Musikgeschichte, Theorie und Analyse. Sie arbeiten häufig in Forschung, Kultur oder Medien und haben beispielsweise ein Studium in Musik- oder Musik- und Tanzwissenschaft.

Organisation, Management und Technik:

Musikmanager:in

Musikmanager:innen planen und organisieren die Karriere von Musikerinnen, z. B. Marketing, Auftritte, Tourneen und Vertrags- bzw. Finanzfragen. Eine fixe Ausbildung gibt es nicht; meist führen Studien oder Weiterbildungen in Musik-, Kultur- oder Eventmanagement sowie betriebswirtschaftliche Kenntnisse in den Beruf.

Musikproduzent:in

Musikproduzent:innen gestalten und betreuen Musikproduktionen im Studio von der Idee bis zur fertigen Aufnahme. Der Einstieg erfolgt über Studien oder Ausbildungen im Bereich Musikproduktion/Tontechnik, ist aber auch für Quereinsteiger:innen möglich.

Veranstaltungstechniker:in

Veranstaltungstechniker:innen kümmern sich um Licht-, Ton- und Bühnentechnik bei Konzerten und Events. Der Beruf kann über eine Lehre oder technische Studiengänge erlernt werden.

Beispiele für Bildungseinrichtungen in Österreich (Auswahl)

Event Engineering

u. A. das Musikum Salzburg https://musikum.at/de/

* Die angeführten Bildungseinrichtungen stellen eine Auswahl dar und erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Zur weiteren Recherche empfiehlt sich folgende Seite: https://www.studienplattform.at/

Recherchiert von Laura Eder, BiBer Bildungsberatung, im Mai 2026.