Über Pension, Ehrenamt und Lebenslanges Lernen

Ein Interview über Weiterbildung, berufliche Erfahrungen und die Sonnenseiten des Alterns.

Von der Handelskauffrau zur Allrounderin in der Erwachsenenbildung – Ernestine Niederer über Lebenslanges Lernen im Beruf und in der Pension. 

von Carmen Bayer | | Einblicke

Gleich und Gleich gesellt sich gerne. Ein Sprichwort, das sicher nicht immer passt, aber ab und wann doch punktgenau. Warum ich jetzt damit anfange?

Für die neuen Blogserie Pionier_innen des Engagements lädt die Robert-Jungk-Bibliothek regelmäßig Salzburger Vor- und Querdenker_innen ein, um über ihre Tätigkeiten zu berichten. Und eben bei einem dieser Treffen habe ich Ernestine Niederer getroffen. Schon nach einem kurzen Gespräch war klar, dass ihr Bildungsweg mit euch geteilt werden muss. 

Über Ernestine Niederer

Wenn jemand den Gedanken von "Lebenslangem Lernen" wirklich lebt, dann ist das Ernestine. Und das seit jeher. Die gelernte Einzelhandelskauffrau merkte früh, dass ihre Interessen anderswo liegen. Sie wollte mit Kindern arbeiten und mit älteren Menschen. Entsprechend hat sie ihren (Bildungs-)Weg dann auch nach ihren Zielen ausgerichtet: 

Erst ehrenamtlich als Pflegemutter im Verein Rainbows und als hauptberuflich als Mitarbeiterin beim Roten Kreuz (Gesundheits- und Sozialbetreuung) in der Betreuung Älterer. Laufende Weiterbildungen im sozialen Bereich waren für sie da selbstverständlich. 

Durch viel Engagement, Offenheit und Weiterbildungen landete sie schließlich hauptberuflich in der Erwachsenenbildung. Beim Katholischen Bildungswerk wurde sie zur Regionalkoordinatorin. Eine Tätigkeit, in welcher sie voll und ganz aufgehen konnte. Ihre ehrenamtlichen Tätigkeiten gab sie trotzdem nicht auf. 

Worauf es ankommt

Gerade weil Ernestines Bildungs- und Berufsweg nicht immer gerade verlaufen ist, hat sie etwas Wesentliches gelernt:

Nachhaltige berufliche aber auch persönliche Entwicklung braucht Zeit.

Es ist bei Weitem nicht so, dass Ernestines beruflicher Wandel von der Einzelhandelskauffrau zur Allrounderin in der Erwachsenenbildung innerhalb eines Jahres abgeschlossen war. Es benötigt Zeit, bis aus diesem unbestimmten Gefühl, dass es da etwas anderes geben könnte, ein konkreter Gedanke, eine Idee wird. Bis aus dieser Vorstellung eines neuen Berufes dann wirklich Realität wird, kommen noch viele Zwischenschritte dazu. Und gerade diese Etappen waren für Ernestine im Rückblick so wertvoll.  

„Damals hätte ich es gerne schneller gehabt aber rückblickend war das Tempo genau richtig. Die Möglichkeiten kamen doch immer zum rechten Moment.”

Netzwerk Bildungsberatung Salzburg

Fähigkeiten für ein gutes Berufsleben

Ihren Platz in der (Arbeits-)Welt zu finden war ein Lebensprojekt, weil sich ja auch immer neue Ziele und Ideen ergaben. Ernestine erzählt mir von vielen Arbeitsstunden, Ausdauer und Ungeduld – die Ungeduld war besonders in jungen Jahren ständige Begleiterin. 

„Was ich gelernt habe: Auszuhalten zu warten bis sich neue Dinge ergeben.”

Jetzt weiß Ernestine, dass es besonders ihre Empathie, ihr Durchhaltevermögen und ihre Offenheit neuen und oft herausfordernden Aufgaben gegenüber waren, die ihren Bildungs- und Berufsweg geebnet haben.

Ernestine erzählt ...

Über die Pension

Eigentlich sollte sich dieser Beitrag ja überwiegend der Weiterbildung und dem Ehrenamt in der nachberuflichen Phase widmen. Viel hat sich zu Beginn dieser Zeit für Ernestine allerdings nicht verändert.

„Vorab hab ich mich schon mit dem Thema auseinandergesetzt aber viele Dinge sind einfach weitergelaufen.”

Der berüchtigte Pensionsschock war für sie kein Thema, denn auch wenn die beruflichen Aufgaben wegfielen, waren da noch unzählige ehrenamtliche Projekte, die es zu unterstützen galt: Zum Beispiel die Spontanhilfe beim Roten Kreuz, ihr Mitwirken im Pfarrgemeinderat, das monatliche Kochen im Hospiz (auch hier machte Ernestine eine Ausbildung für Betreuung im Hospiz, landete dann aber bei ihrer Leidenschaft, dem Kochen), der schon erwähnte Verein Rainbows und im Zentrum ELF ist sie Vorstandsmitglied.

Eine lange Liste, bei welcher sicher noch das ein oder andere Kleinstprojekt fehlt. 

„Wirklich wichtig ist es, eine Aufgabe zu haben. Sich ehrenamtlich zu engagieren heißt nicht nur geben, man bekommt auch viel zurück.”

Neue Werte?

Hat der Eintritt in die Pension trotz des vielen Engagements die Werte und Einstellung zum Arbeiten verändert?

Ein nicht ganz so eindeutiges Ja ist Ernestines Antwort darauf. 

Warum nicht ganz eindeutig? Weil sich der Perspektivenwechsel, wie so vieles, erst langsam entwickelt hat. Zum Beispiel die viele ehrenamtliche Arbeit. In letzter Zeit ist es da nämlich auch ruhiger geworden. In der Winterzeit ist sie noch im Bildungshaus St. Virgil für die Veranstaltung Advent in Salzburg tätig. Wenn sich gelegentlich wieder ein kleines Projekt auftut, wird sie sicher nicht nein sagen.

Aber es ist auch gut, sich ab und wann Zeit zum Innehalten zu nehmen: "Denn neue Aufgaben werden bestimmt wieder kommen", ist sich Ernestine sicher. 

„Für ein gutes Leben muss man Dankbar sein können. Dankbar für die kleinen Dinge.”

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Schlagwörter: #aktivimalter, Weiterbildung, Freiwilligenengagement
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von Carmen Bayer
Carmen Bayermask

Über die Autorin

Carmen Bayer

Neben ihrer Arbeit beim Netzwerk Bildungsberatung studiert sie Politikwissenschaften und verbringt ihre freie Zeit bevorzugt mit Büchern, Musik und sehr gerne auch mit gutem Essen. Sprachlos ist sie eher selten.

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