Jetzt habe ich das Gefühl: Ich kann das!

Kinder und Ausbildung - das ist bei weitem kein Widerspruch.

Julia Oberrauch ist auf dem Weg ins Abendgymnasium. Das erste Mal seit acht Jahren wird sie wieder die Schulbank drücken.

Von Gerhard Ennsberger-Schmiedjell |
istock chiosea ion weiterbildung abendgymnasium julia

Ähnlich ging es ihr bereits, als sie sich kurz nach der Geburt ihres zweiten Kindes, zum Schulbesuch anmeldete. Für den Termin mit dem Direktor hatte sie ihre Zeugnisse aus Tagesschulzeiten mitgenommen, darunter auch ihr letztes, jenes aus der 6. Klasse AHS, in dem mehrere "Nicht beurteilt" vermerkt waren. Ob sie der Direktor ablehnen werde, fragte sie sich damals. Aber schon dieses Gespräch verlief ganz anders.

"Ich bin ein besserer Teil der Klassengemeinschaft als je zuvor"

Heute blickt Julia Oberrauch auf diese Ereignisse gelassen zurück und ist froh über die freundliche und einfühlsame Aufnahme am Abendgymnasium und in den Klassenverband der 3F. Für sie war dies nämlich alles andere als selbstverständlich, denn an den beiden Gymnasien ihrer Jugendzeit hatte sie jahrelang das Gefühl, eine Außenseiterin zu sein, nicht dazu zu gehören und keinen Platz in der Klasse zu haben. Dass sich diese Empfindung erneut einstellen könnte, befürchtete Frau Oberrauch besonders – umso mehr, da sie aufgrund ihres angerechneten Zeugnisses aus der 5.-Klasse-AHS in ein höheres Semester einsteigen durfte und somit als „Neue“ in eine bereits funktionierende Gruppe eingeteilt wurde. Doch bereits am ersten Tag kam der Klassensprecher der 3F auf sie zu, erkundigte sich nach ihrer Telefonnummer, um sie zur klasseninternen WhatsApp-Gruppe hinzuzufügen, und band sie in entstehende Gespräche ein. Die anderen Studierenden begegneten ihr ebenso freundlich und heute fühlt sich Frau Oberrauch besser in die Klassengemeinschaft eingebunden als in den Jahren als Tagesschülerin.

Julia Oberrauch

"Alle sind bemüht, uns kleine Erfolgserlebnisse zu schenken"

Auch ist die Beziehung zu den Lehrer_innen generell eine andere, als sie Julia Oberrauch von früher kennt.  Sie betont, dass viel mehr miteinander gesprochen werde, dies auf Augenhöhe geschehe und von Lehrer_innen-Seite versucht werde, alle möglichst ins Unterrichtsgeschehen einzubinden, damit jede_r zu Wort komme. Dies gelinge ebenso wie eine individuelle Betreuung durch die Lehrpersonen, da die Gruppen kleiner seien. Zusätzlich begegneten die Lehrer_innen den Studierenden mit viel Geduld und Einfühlungsvermögen, egal ob bei mehrfach wiederholten Erklärungen des Lernstoffes oder bei fehlenden Arbeitsaufträgen – denn die Lehrpersonen hätten Verständnis, wenn der Schule wegen beruflicher und familiärer Verpflichtungen zeitweise nicht so viel Energie gewidmet werden kann.

Frau Oberrauch ist deshalb froh, Aufgaben trotz Verspätung nachreichen zu können, ohne dafür einen zurechtweisenden Kommentar oder eine schlechtere Beurteilung fürchten zu müssen. Im Gegenteil wird versucht, den Studierenden Erfolgserlebnisse zu bereiten und sie so zu motivieren. Als Julia Oberrauch bspw. im Fach Mathematik eine kürzere „Krise“ durchlebte und sich vom Fach abmelden wollte, ermutigte sie ihre Mathe-Lehrerin und sprach ihr zu. Frau Oberrauch besuchte Mathematik weiterhin. Jetzt, nach den ersten Schularbeiten, sind auch ihre Selbstzweifel großteils verflogen und anders als in ihrer Tagesschulzeit empfindet sie das ehrliche Gefühl, das schaffen zu können – nicht nur Mathematik, sondern auch später die Matura.

"Das ist dann der Papa-Abend"

Bei dieser Einschätzung  verliert Frau Oberrauch aber nicht den realistischen Blick auf ihre Möglichkeiten: Sie besucht momentan lediglich drei Fächer im Fernstudium, die allesamt an einem Abend in der Woche stattfinden. Das bedeutet, dass zu diesen Anwesenheitszeiten längere, verpflichtende Arbeitsaufträge hinzukommen. Während sie an den Freitag-Abenden in der Schule sitzt, passt zuhause ihr Partner auf die gemeinsamen Kinder im Alter von 5 Jahren und 5 Monaten auf. Das gehe ganz gut und gefalle auch den Kindern, denn dieser "Papa-Abend" sei etwas Besonderes.

Dass durch die reduzierte Fächerwahl – für das 3. Semester wären auch "Geschichte und politische Bildung" sowie "Biologie und Umweltkunde" vorgesehen – der Abendgymnasiumbesuch von Julia Oberrauch etwas länger dauern wird, ist für diese kein Problem. Sie entschied sich nach der individuellen Beratung mit ihrer Studienkoordinatorin bewusst für weniger Fächer, damit sie noch genügend Zeit für ihre Familie und für ihren Beruf hat. Später, wenn bestimmte Gegenstände bereits abgeschlossen seien, werde sie die übrigen nachholen.

Überdies möchte sie im Fach Deutsch mit einer Einstufungsprüfung belegen, dass sie bereits die nötigen Fähigkeiten und das nötige Wissen besitzt, um das letzte Deutsch-Modul besuchen sowie anschließend zur Deutsch-Matura antreten zu können. Und da sie an der Tagesschule schon über drei Schulstufen hinweg Latein hatte, wurden ihr auch hier mehrere Kurse angerechnet, die sie auf ihrem individuellen Weg zur Reifeprüfung nicht mehr besuchen muss.

Eine der größten Herausforderungen und ganz wichtig ist nichtsdestotrotz die Organisation der Lernzeiten zuhause. Denn Julia Oberrauch möchte nicht, dass sich ihre Ausbildung nachteilig auf ihre Kinder auswirkt.  Weil diese immer an der ersten Stelle stünden und sie am Wochenende ganz für diese da sein möchte, verlagert sie mitunter die Phasen, in denen sie schulischen Verpflichtungen nachkommt, in die frühen Morgenstunden und steht manchmal – ausgerüstet mit ausreichend Kaffee – um 2:30 auf. Die Ruhe zu dieser Zeit sei unvergleichlich. Somit muss sie mit ihrer Zeit sehr bedacht haushalten, worin sie mittlerweile eine wahre Expertin geworden ist.

"Es geht mir nicht darum, Geld zu verdienen"

Und was sind ihre Ziele? Julia Oberrauch arbeitet seit 5 Jahren als Assistenz der Geschäftsführung in einem Handelsunternehmen für Garten- und Kommunalgeräte, momentan 12 Stunden die Woche. Es ist ein guter und angemessen bezahlter Beruf, wie sie sagt. Dennoch möchte sie studieren und später am liebsten als Deutsch- und Religions- bzw. Ethiklehrerin arbeiten. In den ersten Monaten am Abendgymnasium hat sich dieser Wunsch sogar noch verstärkt. Im Fach Religion bzw. Ethik würden die existentiellen Fragen des Lebens thematisiert, das, was den Menschen ausmache, und das interessiere sie besonders. Überdies könnte sie durch das Fach Deutsch ihr Hobby zum Beruf machen: Bei ihr zuhause stapeln sich bereits um die 400 Bücher, von antiken Autoren wie Caesar und Ovid, über das Nibelungenlied, Dantes "Göttliche Komödie", über die Klassiker Goethe und Schiller bis hin zu Nietzsche und Frisch. Deshalb ist in dem Haus, in das Julia Oberrauch und ihre Familie ziehen wird, eine eigene Bücherwand geplant, damit zukünftige Neuerwerbungen auch genügend Platz haben. Für das Lesen nimmt sie sich nach wie vor Zeit, obwohl für andere Lieblingsbeschäftigungen weniger bzw. kaum noch Zeit bleibt.

Die Selbstdisziplin, die ihr das Abendgymnasium zusätzlich abnötigt, bringt Julia Oberrauch dennoch gerne auf, da  die Schule, das Lernen und die Vorbereitungen für sie eine Bereicherung sind – kein Verzicht.

CC BY

Dieser Text ist unter CC BY 4.0 International lizenziert.

Teilen auf:

von Gerhard Ennsberger-Schmiedjell
Gerhard Ennsberger-Kranabiter

Autor

Gerhard Ennsberger-Schmiedjell

Der leidenschaftliche Fußgänger ist Lehrer am Abendgymnasium Salzburg für Deutsch und Religion. Während der Versuche, die Fensterbänke seiner Stadtwohnung zu begrünen, sehnt er sich nach wirklich frischer Luft. Und der Ruhe, die richtig dicken Wälzer der Weltliteratur zu beackern.

InfoboxAbendgymnasium Salzburg

Inhalt anzeigen

Dauer: 2-10 Semester (je nach Anrechnung von Zeugnissen höherer Schulen und Studienmodell)

Form: abhängig vom individuell zusammengestellten Stundenplan

  • Vollstudium 5 Tage die Woche zwischen 17:05-21:55 Uhr
  • Kompaktstudium freitags von 15:30-21:55 und samstags von 9:00-17:00 Uhr
  • Fernstudium:

- Einser-Studium: 1 Tag die Woche, 5 Semester samstags zwischen 09:00-17:00 Uhr Tage, 5 Semester freitags zwischen 14:45-21:55 Uhr
- Zweier-Studium: 2 Tage die Woche, freitags zwischen 17:05-21:55 Uhr
- Dreier-Studium: 3 Tage die Woche, 2 Abende unter der Woche zwischen 17:05-21:55 und freitags zwischen 14:45-21:55 Uhr

  • Berufsreife Plus: Berufsreifeprüfung kann zur vollwertigen Matura ausgebaut werden, 1 Tag die Woche, freitags zwischen 14:45-21:55 Uhr
  • Projekt: Brücken bauen: Vorbereitung zum regulären Abendgymnasiums-Besuch mit Deutschniveau auf mind. A2

Voraussetzungen:

  • Erfüllung der gesetzlichen Schulpflicht
  • Mindestalter 17 Jahre
  • Berufliche Tätigkeit

Kosten: keine

Abschluss: Matura

Telefonnummer: 0662/434575

Nützliche Links: http://www.abendgymnasium.salzburg.at/

Zuletzt aktualisiert am 27.5.2024 von BiBer Bildungsberatung

Hier findet Ihr weitere Artikel zum Thema:
Matura
Abendgymnasium
Familie&Beruf
2. Bildungsweg
InfoboxBildungsline

Du willst noch mehr Infos?

Die Bildungsline gibt Antworten

Neue Bildungswege im Netzwerk Bildungsberatung

Kostenfreie Informationen & Beratung

erwachsenenbildung-salzburg.at
nach oben

Bildungsinfo aktuell

Infoboxwaff: Beratungs- und Förderleistungen in Wien

Inhalt anzeigen

Grundsätzlich bietet der waff kostenlose und individuelle Beratung für berufliche Entwicklungschancen von beschäftigten Wiener:innen und fördert berufliche Aus- und Weiterbildungen. Neben beschäftigten Wiener:innen gibt es gemeinsam mit dem AMS Wien auch Angebote für arbeitssuchende Wiener:innen.

Bildungskonto: Das Bildungskonto für Wiener Arbeitnehmer:innen (BIKO) fördert Wiener:innen, die sich beruflich weiterbilden oder einen höheren Abschluss erlangen möchten und steht allen Wiener:innen je nach Einkommen, Arbeitsmarktstatus und beruflichem Ziel bei anerkannten Bildungsträgereinrichtungen zur Verfügung. Das Bildungskonto mit maximal € 500 ist für alle Wiener:innen (Beschäftigte und arbeitslos Gemeldete). Im Rahmen des Bildungskontos werden anteilsmäßig die Kosten für berufsbezogene Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen bei einem vom waff anerkannten Bildungsträger in Abhängigkeit der individuellen Formalvoraussetzungen bis maximal € 3.000 refundiert. Weiters werden Förderungen von digitalen und klimaschutzrelevanten Kompetenzen und Qualifizierungen in der Höhe von maximal € 5.000 gewährt.

Chancen-Scheck des waff: Der Chancen-Scheck ist das Förderinstrument für die Zielgruppe des Qualifikationsplans Wien 2030. Beschäftigte, die keine über die Pflichtschule hinausgehende Ausbildung haben oder Personen, die zwar über einen höheren Abschluss verfügen, aber dennoch dequalifiziert arbeiten, erhalten mit dem Chancen-Scheck eine besonders attraktive finanzielle Förderung für Aus- und Weiterbildungsvorhaben von bis zu 5.000 Euro. Mit dem Chancen-Scheck werden berufliche Weiterbildung und das kostenlose Nachholen von Lehr- und anderen Bildungsabschlüssen gefördert. Damit verbunden ist in der Regel die Ausstellung eines Qualifikationspasses, der Qualifikationen, Kompetenzen, berufliche Entwicklungsziele und Bildungsschritte dokumentiert und zum Erreichen des individuellen Bildungsziels beitragen soll.

FRECH – Frauen ergreifen Chancen – Beratung und Qualifizierung: Bei FRECH handelt es sich um ein Programm für beschäftigte Frauen in Wien, die eine grundlegende berufliche Veränderung in Form einer Neuorientierung, Höherqualifizierung und/oder Weiterentwicklung anstreben. Das Programm bietet beschäftigten Frauen mit beruflicher Veränderungsabsicht eine Prozess- und Laufbahnberatung, welche gegebenenfalls durch einen Qualifizierungszuschuss für Aus- und Weiterbildung von 90 Prozent der Weiterbildungskosten bis max. 5.000 Euro ergänzt werden kann. Aus- und Weiterbildungen zur Stärkung digitaler und klimaschutzrelevanter Kompetenzen können ebenfalls gefördert werden. Darüber hinaus werden berufsbezogene Workshops und Vorträge angeboten. Frauen können dabei von einer umfassenden individuellen Beratung, Workshops und Vorträgen sowie einer finanziellen Unterstützung bei der Aus- und Weiterbildung profitieren.

Karenz und Wiedereinstieg: Das Programm bietet Personen vor, während und nach einer Berufsunterbrechung (Eltern-, Pflege- oder Familienhospizkarenz) frühzeitige Information und präventive Beratung für den beruflichen Wiedereinstieg. Die Beratung kann durch einen Qualifizierungszuschuss für Aus- und Weiterbildung von 90 Prozent der Kosten bis max. 4.000 Euro ergänzt werden. Darüber hinaus werden themenspezifische Gruppenveranstaltungen mit gelegentlicher Kinderbetreuung angeboten.

Ausbildungsinitiative Frauen in Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Technik: Die Ausbildungsinitiative für Frauen in Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Technik wendet sich an beschäftigte Wiener:innen, die ein berufsbegleitendes Studium in den genannten Bereichen anstreben. Ziel ist es, mehr Frauen in berufsbegleitende Fachhochschulstudiengänge zu bringen und damit langfristig mehr weibliche Fachkräfte für den Wiener Arbeitsmarkt zu gewinnen. Das Programm bietet umfassende prozessorientierte Beratung wie auch Coachingangebote. Vor dem Studium wird die berufsbegleitende Vorbereitung auf ein Studium gefördert, unter anderem durch eine Vorqualifizierungsmaßnahme an der Hochschule Campus Wien. Nach Studienplatzzusage werden geförderte Kurse begleitend zum ersten Studienjahr, z.B. eine berufsbegleitende Begleitqualifizierung für Bachelor-Studiengänge an der FH Technikum Wien, ein Stipendium für ausgewählte Bachelor- und Masterstudiengänge (12.000 Euro für BA-Studiengänge, 9.000 Euro für MA-Stiudiengänge) sowie zahlreiche Workshops, Vernetzungsveranstaltungen und Kooperationen mit Unternehmen und Fachhochschulen bereitgestellt. Ergänzend werden studien- und berufsbezogene Veranstaltungen sowie Begleitung bis über den erfolgreichen Studienabschluss hinaus angeboten.

Sonderprogramm Lehrlinge: Der waff kann auf Grundlage des Antrags eines Lehrlings mit Wohnsitz in Wien die Vorfinanzierung der Kosten für Vorbereitungskurse auf die Lehrabschlussprüfung übernehmen, die dem waff von der Wirtschaftskammer Wien refundiert werden. Ergänzend werden auch die LAP-Vorbereitungskurse, die im Rahmen des Projektes Qualifizierungsmanagement eingereicht werden, gefördert.

Weiterbildungsinformation Wien: Der waff führt eine umfassende, aktuelle Weiterbildungsdatenbank unter weiterbildung.at, die eine anbieterneutrale Entscheidungsgrundlage für die Auswahl einer passenden Aus- und Weiterbildung darstellt.

Wiener Ausbildungsgeld:  Mit dem Wiener Ausbildungsgeld sollen mehr Menschen für längere Ausbildungen und die anschließende Berufstätigkeit in vom Mangel an Fachkräften geprägten Bereichen gewonnen werden. Da die Bezüge aus der Arbeitslosenversicherung in der Regel nicht ausreichen, um eine längere Ausbildung finanziell abzusichern, hat Wien im Jahr 2021 mit dem Wiener Ausbildungsgeld eine finanzielle Lücke geschlossen. Die Leistung richtet sich an beim AMS Wien arbeitslos gemeldete Personen und ermöglicht diesen im Vorfeld einer Beschäftigung die Teilnahme an länger dauernden Ausbildungen (mindestens 12 Monate) im Rahmen von Jobs PLUS Ausbildung sowie anderen arbeitsplatznahen Qualifizierungen. Das Wiener Ausbildungsgeld wird für Ausbildungen in den Bereichen der kommunalen Daseinsvorsorge (beispielsweise: Gesundheit, Pflege, Soziales und Pädagogik in Kooperation mit der Magistratsdirektion und Unternehmen der Stadt Wien) und andererseits für Qualifizierungen in klimaschutzrelevanten Berufen sowie im Bereich IKT/Digitalisierung gewährt. Es unterstützt die Teilnehmer:innen während der gesamten Dauer der Ausbildung mit monatlichen Zahlungen, die einen Mindestbetrag von rund € 1.550 monatlich sicherstellen. Damit wird ein wichtiger Beitrag zur Sicherung des Fachkräftebedarfs in diesen gesellschaftlich relevanten Beschäftigungssegmenten geleistet. Die Gewährung des Wiener Ausbildungsgeldes ist subsidiär zu Förderungen des Bundes, des Landes oder Dritter.

Zahlreiche Studien belegen, dass eine finanzielle Absicherung der Lebenshaltungskosten ein wichtiger Faktor für eine Ausbildung im Erwachsenenalter ist.

Jugendstiftung Wien: Aufgrund der Entwicklungen am Arbeitsmarkt und des Fachkräftebedarfs der Wiener Wirtschaft haben der waff und das AMS Wien mit der Jugendstiftung Wien ein erfolgreiches Instrument zur Qualifizierung von jungen Erwachsenen ins Leben gerufen. Im Eintrittszeitraum von Jänner 2025 bis Dezember 2028 werden insgesamt 1.000 umstiegs- und aufstiegsorientierte junge Wiener:innen im Alter von 18 bis 24 und mit Anspruch auf Arbeitslosengeldbezug durch gezielte Aus- und Weiterbildung unterstützt. Die Maßnahme umfasst eine Phase der Berufsorientierung, in welcher vorhandene Kompetenzen erarbeitet und ein Berufsziel entwickelt wird. Die Möglichkeiten reichen hierbei vom Lehrabschluss bis hin zu Bachelorstudien. Hier soll einerseits auf bestehenden Qualifikationen der Teilnehmer:innen aufgebaut und begonnene Ausbildungen abgeschlossen werden und andererseits neue Berufsziele in Branchen mit besonders hohem Fachkräftebedarf erarbeitet werden (MINT, Green, Care). Nach Abschluss der Ausbildung wird im Rahmen der aktiven Arbeitsuche intensiv bei der Jobsuche unterstützt. Da eine finanzielle Absicherung der Lebenserhaltungskosten ein wichtiger Faktor für eine Ausbildung im Erwachsenenalter darstellt, ist zusätzlich zum Arbeitslosengeld eine monatliche ausbildungsbedingte Zuschussleistung in Höhe von € 300 vorgesehen.

Frauenstiftung Wien: Die Frauenstiftung Wien richtet sich an Frauen ab 25 Jahren ohne Berufsausbildung und mit Arbeitslosengeldbezug, wobei der Fokus auf Wiedereinsteigerinnen liegt. Ihr Ziel ist es, den Teilnehmerinnen eine Qualifizierung zu ermöglichen und sie beim (Wieder)-Einstieg als Fachkraft in den Arbeitsmarkt zu unterstützen. Im Rahmen des mit August 2025 gestarteten Pilotprojekts ist innerhalb von einem Jahr der Eintritt von 100 Frauen vorgesehen. Ähnlich wie bei der Jugendstiftung ist auch hier zu Beginn eine Phase der Berufsorientierung vorgesehen, in welcher vorhandene Kompetenzen erarbeitet und ein Berufsziel entwickelt wird. Dabei wird einerseits auf den bestehenden Qualifikationen der Teilnehmerinnen aufgebaut und andererseits neue Berufsziele in Branchen mit besonders hohem Fachkräftebedarf erarbeitet (MINT, Green, Care). Nach Abschluss der Ausbildung – die Möglichkeiten reichen vom Lehrabschluss bis hin zu Bachelorstudien – wird intensiv bei der Jobsuche unterstützt. Um entsprechende Ausbildungen zu ermöglichen und die Lebenserhaltungskosten abzusichern ist ein monatlicher Ausbildungszuschuss in Höhe von € 300 zusätzlich zum Arbeitslosengeld vorgesehen.

Wiener Pflegeausbildungsprämie: Die Pflegeausbildungsprämie ist eine monatliche finanzielle Unterstützung in der Höhe von 658,40 Euro für Personen, die eine Ausbildung in Gesundheits- und Sozialbetreuungsberufen an einer anerkannten Ausbildungseinrichtung in Wien absolvieren. Damit sollen strukturelle und finanzielle Anreize gesetzt werden, um Ausbildungen in diesen Bereichen attraktiver zu gestalten. Die Pflegeausbildungsprämie kann Personen gewährt werden, die eine Ausbildung in der Gesundheits- und Krankenpflege (z.B. Bachelor Gesundheits- und Krankenpflege, Pflegefachassistenz) bzw. eine Ausbildung in einem Sozialbetreuungsberuf (z.B. Fach- bzw. Diplom-Sozialbetreuung in Alten- oder Behindertenarbeit) absolvieren.

Kursförderungen für Arbeitnehmer*nnen in Wien – waff
 

Diese Informationen wurden uns vom waff im Februar 2026 zur Verfügung gestellt.