Erwachsenenbildung im Homeoffice

Wie funktioniert Erwachsenenbildung im Homeoffice? Drei Studierende des Abendgymnasiums Salzburg geben Einblick.

Clara, Florian und Doris haben mittlerweile mehrere Wochen Erfahrung mit dem Online-Unterricht gesammelt. Auch wenn sich die Situation bestimmt nicht immer einfach gestaltet, bringt sie ihre Vorteile mit sich.

von Gerhard Ennsberger-Schmiedjell | | Einblicke

Am Montag, dem 2.3., gab es in ganz Österreich 18 positiv getestete Corona-Fälle. Am Nachmittag desselben Tages fand am Abendgymnasium Salzburg eine Fortbildung für Lehrer*innen statt. Hier erklärte eine Kollegin, wie man über das Online-Tool BigBlueButton mit größeren Gruppen sprechen, Videos und Power-Point-Folien präsentieren, Kleingruppenarbeiten organisieren, Umfragen starten sowie gemeinsame Tafelbilder erstellen kann. Alles in Echtzeit.

Noch vor den Tagesschulen wechselte dann am Freitag, dem 13.3., das Abendgymnasium mit seinen 466 erwachsenen Studierenden und 37 Lehrer*innen vom Schulgebäude in den digitalen Raum. Seitdem findet der Unterricht zu den gewohnten Zeiten vor dem Bildschirm statt, mit Kopfhörern und Mikrofon. Regelmäßig dabei sind die drei Studierenden Clara Zuckerstätter, Florian Wimmer und Doris Inzinger, die mittlerweile mehrere Wochen Erfahrung mit dem Online-Unterricht gesammelt haben.

„Den Unterricht an der Schule besuche ich ja gerne und vergleichsweise nehme ich mir aus diesem mehr mit als aus dem virtuellen Unterricht.”

Die liebe Technik

Dass sich der Online-Unterricht zuhause anders anfühlt als in einer Klasse mit vielen anderen, liegt auf der Hand. Aber auch technische Hürden muss man überwinden. Mit einem neuen Laptop und einer stabilen Internetverbindung funktioniert alles weitgehend reibungslos, stellen Doris und Florian fest.

Ein gelegentlicher Internetausfall, wie bei Clara, kann schon einmal zu gelegentlichem Ärger führen. Vor allem, wenn man sich daraufhin erneut einloggen und Unterrichtsabschnitte verpasst. Immer wieder kommt es vor, dass das Mikrofon nicht funktioniert. Für diesen Fall gibt es zum Glück noch die Möglichkeit auf den guten alten Textchat zurückzugreifen. Das funktioniert zwar, aber ideal ist es nicht. Vor allem wenn es um die Aussprache - etwa in Französisch - geht, fehlt die unmittelbare Rückmeldung der Lehrperson.

Wenn die Motivation und der Austausch fehlen

Ganz unabhängig von der Technik sieht Florian weitere Herausforderungen: „Sich selbst zu organisieren, sich zu motivieren, ist jetzt schwieriger als bisher. Den Unterricht an der Schule besuche ich ja gerne und vergleichsweise nehme ich mir aus diesem mehr mit als aus dem virtuellen Unterricht.“ Clara kann dem nur beipflichten und ergänzt: „Es ist eben schwierig, sich daheim voll auf den Unterricht zu konzentrieren – wenn zum Beispiel im Nebenraum lautstark ein Spieleabend gemacht wird oder sich, im metaphorischen Sinn, das schmutzige Geschirr um einen stapelt. In der Schule gibt es solche Ablenkungen nicht.“

Hinzu kommen die Distanz und der fehlende direkte Kontakt. Ein unmittelbares Gespräch, egal ob in der Pause oder im Unterricht, egal ob mit Lehrer*innen oder Mitschüler*innen, sei doch etwas anderes. Florian fehlt besonders der Austausch mit Letzteren, während Doris, die seit September 2017 das Abendgymnasium besucht, relativiert: „Mitstudierende kann ich auch telefonisch erreichen – bei Fragen oder einfach zum Plaudern. Die Lehrpersonen kennen mich zudem schon, was für die Zusammenarbeit super ist. Schwieriger stelle ich es mir aber für Personen vor, die erst in diesem Semester ins Abendgymnasium eingestiegen sind.“

Clara Zuckerstätter

Florian Wimmer

Doris Inzinger

„Von Zuhause aus am Unterricht teilzunehmen, finde ich sehr angenehm. Ich bin derzeit früher daheim, kann mit meinem Mann Abendessen oder noch ein paar andere Dinge erledigen, bevor der Unterricht beginnt.”

Auf Gymnastikbällen Abendessen

Gleichzeitig haben sich durch die Umstellung auf den Online-Unterricht einige Erleichterungen ergeben. Doris, die als Sachbearbeiterin im Gesundheitsbereich arbeitet, fährt immer um 7:00 ins Büro. Bis zur Verlagerung des Unterrichts ins Homeoffice kam sie an ihren beiden Fernstudientagen direkt von ihrer Arbeit an die Schule. Daheim war sie an solchen Tagen erst um 22:15. „Von Zuhause aus am Unterricht teilzunehmen, finde ich sehr angenehm. Ich bin derzeit früher daheim, kann mit meinem Mann Abendessen oder noch ein paar andere Dinge erledigen, bevor der Unterricht beginnt“.

Clara erspart sich derzeit täglich um die zwei Stunden An- und Abreise, denn sie besucht hauptsächlich Module im Abendstudium, für die sie fünfmal in der Woche in die Schule pendelt. Sie kann somit, anstatt manchmal um 23:00 zuhause anzukommen, bereits um 21:55 den Laptop zuklappen und den restlichen Abend für sich nutzen. Ebenso genießt sie es, im Unterricht in gewohnter Umgebung auf super gemütlichen Stühlen oder Gymnastikbällen zu sitzen und, wenn sie Hunger hat, nebenbei Abend zu essen. „Auch haben es viele Lehrer_innen geschafft, ihre Unterrichtsmethoden gut an die Gegebenheiten im Web anzupassen – in manchen Fächern hat sich unterm Strich wenig bis gar nichts geändert.“

Die Freude auf ein Abschlussgetränk

Unter Einhaltung strenger Hygieneregeln haben mittlerweile Studierende der Abschlussmodule das Schulgebäude wieder bezogen. Die Mehrheit der anderen Studierenden wurde befragt, ob der Online-Unterricht derzeit beibehalten werden soll, um andernfalls notwendige Gruppenteilungen zu vermeiden. Während 15% der Studierenden ab Anfang Juni gerne wieder in die Schule kämen, möchten sich weitere 15% der Mehrheitsmeinung anschließen. Diese fiel mit 70% deutlich für die Weiterführung des Online-Unterrichts aus. Dem Votum stimmt auch Florian zu, der in Oberbayern wohnt und deshalb besonders in der Anfangsphase der Grenzschließungen froh über den digitalen Unterricht war. Vorbildlich findet er, wie schnell das Abendgymnasium reagiert hat.

„Die Lehrpersonen haben tolle Wege gefunden, uns Studierende in den digitalen Unterricht einzubeziehen.”

Genauso sieht es Clara: „Die Lehrpersonen haben tolle Wege gefunden, uns Studierende in den digitalen Unterricht einzubeziehen. Wir können trotz Corona unsere Module in diesem Semester abschließen und unsere Pläne verschieben sich nicht nach hinten. Das ist großartig, auch wenn ich mich schon wieder sehr auf den normalen Unterricht freue.“ Und Doris Inzinger? Sie hat kein Problem damit, eventuell bis zum Ende des Semesters online weiterzumachen – im Gegenteil, ihr macht es Spaß. Nur eine gemeinsame Abschlussfeier, inklusive Getränken, würde sie sich noch vor den Sommerferien wünschen.

Gewusst wie...

Abendgymnasium Salzburg

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Dauer: 2-8 Semester (je nach Anrechnung von Zeugnissen höherer Schulen)

Form: abhängig vom individuell zusammengestellten Stundenplan

  • Abendstudium­ 5 Tage die Woche zwischen 17:05-21:55
  • Fernstudium 2 Tage die Woche zwischen 17:05-21:55
  • Kompaktstudium freitags von 15:30-21:55 und samstags von 9:00-16:15
  • Berufsreifeprüfung innerhalb des Kompaktstudiums am Samstag
  • Projekt: Brücken bauen: Vorbereitung zum regulären Abendgymnasiums-Besuch mit Deutschniveau auf mind. A2

Voraussetzungen:

  • Erfüllung der gesetzlichen Schulpflicht
  • Mindestalter 17 Jahre
  • Berufliche Tätigkeit

Kosten: keine

Abschluss: Matura

Telefonnummer: 0662/434575-0

Nützliche Links: http://www.abendgymnasium.salzburg.at/

Zuletzt aktualisiert am 19.08.2020

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Anerkennung: Im Ausland erworbene Berufsausbildung

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Im Ausland absolvierte Berufsausbildungen können auf Antrag vom Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft mit einer einschlägigen Lehrabschlussprüfung gleichgehalten werden.

Hilfreiche Links:

Zuletzt aktualisiert am: 19.08.2020

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Studienberechtigungsprüfung - SBP

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Mit der SBP hat man den Zugang zu einem bestimmten Studium (bzw. einer Studienrichtungsgruppe) in Österreich, wofür keine Matura notwendig ist. Dazu sind meist 5 Prüfungen erforderlich, die je nach Studienrichtungsgruppe unterschiedlich sind – einzig Deutsch ist immer verpflichtend.

Voraussetzungen:

  • Mindestalter 20 Jahre
  • Zulassung zu einer Studienrichtungsgruppen (nach Antrag)
  • Ausbildungsabschluss oder zumindest eine über die Pflichtschule hinausgehende praktische oder theoretische Bildung für den angestrebten Studienbereich (in manchen Fällen können hier individuelle, ergänzende Prüfungen abgelegt werden)

Gut zu wissen...

  • Die SBP ersetzt keine Aufnahmeprüfung zu einem Studium – es ist lediglich der Zugang gegeben wie mit einer Matura.
  • Der Antrag auf Zulassung zur SBP muss an einer Hochschule (Universität, Fachhochschule, Pädagogische Hochschule) oder einem Kolleg gestellt werden.
  • Es gibt Vorbereitungskurse zu den einzelnen Prüfungsfächern an Erwachsenenbildungseinrichtungen (BFI, VHS, WIFI,…) – die Prüfungen finden dann teilweise auch an der Hochschule statt.
  • Sollte nach der SBP ein Studium begonnen werden und dann ein Studienwechsel gewollt sein, müssen gegebenenfalls einzelne Prüfungen nachgemacht werden (neuer Antrag zur SBP).
  • Mit dem ersten Studienabschluss (meist Bachelor) ist dann ein Hochschulzugang zu allen Studienrichtungen möglich.
  • Universitäten und Fachhochschulen legen die Anforderungen selbst fest.

Hilfreiche Links:

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Selbsterhalterstipendium

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Voraussetzungen:

  • Nachweisliche Arbeitszeit: vier Jahre (48 Monate) vor dem ersten Beihilfenbezug 
  • Einkünfte jährlich zumindest € 8.580,- (Brutto minus Sozialversicherung)
  • Zeiten des Präsenz-, Ausbildungs- oder Zivildienst bzw. Dienste nach dem Freiwilligengesetz gelten jedenfalls als Zeiten des Selbsterhaltes.
  • Waisenpension und Lehrzeiten können bei entsprechender Höhe bei der Ermittlung des Selbsterhaltes berücksichtigt werden.
  • Eine Sonderregel besteht hinsichtlich der Altersgrenze. Die allgemeine Altersgrenze von 30 Jahren (zu Studienbeginn) erhöht sich, wenn sich die Studentin/der Student länger als 4 Jahre selbst erhalten haben. Die Altersgrenze erhöht sich für jedes volle Selbsterhalter-Jahr zusätzlich um ein weiteres Jahr, jedoch maximal um insgesamt 5 Jahre.

Wichtig:

  • Bei der Berechnung werden die Einkünfte der Eltern nicht miteinberechnet, nur das Einkommen des Ehepartners/der Ehepartnerin
  • Studienerfolg ist nachzuweisen
  • Das Stipendium ist für das gesamte Studium (Mindeststudiendauer + Toleranzsemester) 12 Mal im Jahr zu beziehen

Hilfreiche Links:

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Verkürzte Lehre für Maturant*innen

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Eine Lehre nach der Matura hat so manche Vorteile. Der wohl wichtigste ist die Verkürzung der Lehrzeit um ein Jahr. Wobei das  nur bei Lehrausbildungen, die länger als zwei Jahre dauern, möglich ist. Zudem werden oft Fächer, die bereits mit der Reifen-und Diplomprüfung abgelegt wurden in der Berufsschule angerechnet und/oder sogar als Ersatz der gesamten Lehrzeit angesehen. 

Für ganz Österreich gilt: Die Verkürzung findet so statt, dass sich die jeweiligen Lehrjahre reduzieren:

  • Bei Verkürzung von dreijährigen Lehrberufen ist das pro Lehrjahr ein Drittel: Statt 12 Monaten dauert jedes Lehrjahr nur 8 Monate.
  • Bei vierjährigen Lehrberufen werden die ersten beiden Lehrjahre ebenfalls auf 8 Monate verkürzt, die letzten beiden auf 10 Monate (8-8-10-10 Monate). 
  • Bei 3,5-jährigen Lehrberufen bleibt das letzte Halbjahr unverändert (8-8-8-6 Monate).

Lehrlingsentschädigung bei verkürzter Lehrzeit

Bei einer verkürzter Lehrzeit gibt es Sonderregelungen: Diese können sich aus dem jeweiligen Kollektivvertrag oder aus Vorgaben eines Fördermodells ergeben.

Als Grundregel bei verkürzter Lehrzeit gilt, dass sich die Lehrlingsentschädigung an die Verkürzung der Lehrjahre anpasst:

  • Bei dreijährigen Lehrberufen gibt es daher für die ersten 8 Monate die Entschädigung des 1. Lehrjahres, für die zweiten 8 Monate den Betrag für das zweite Lehrjahr und für die letzten 8 Monate gilt der Lohn des dritten Lehrjahres.
  • Für über-18-jährige Lehrlinge ist in manchen Kollektivverträgen eine erhöhte Lehrlingsentschädigung verpflichtend vorgesehen. Auch aus Förderrichtlinien kann sich eine höhere Lehrlingsentschädigung ergeben.

Weiterführende Links:

Berufsschule bei verkürzter Lehrzeit
Die Umsetzung der verkürzten Lehrzeit in der Berufsschule hängt vom jeweiligen Lehrberuf ab: In einigen Lehrberufen gibt es bereits eigene Klassen für Lehrlinge mit verkürzter Lehrzeit, die auf die abweichende Dauer der einzelnen Lehrjahre abgestimmt sind.

Dies ist derzeit in Wien in folgenden Berufen der Fall: Bürokaufmann/frau, Reisebüroassistent*in & Konditor*in.

In Lehrberufen, wo es keine eigenen Klassen gibt, muss die Abwicklung mit der jeweiligen Berufsschule besprochen werden. Im Regelfall können Maturant*innen eine Schulstufe der Berufsschule überspringen, sodass sich der Abschluss der Berufsschule in der verkürzten Lehrzeit ausgeht. Zusätzlich können Maturant*innen auf Antrag von einzelnen Fächern befreit werden, wenn sie bereits entsprechende Vorkenntnisse haben und diese nachweisen.

Welche Regelungen für Maturant*innen in welchen Lehrberufen genau gelten, ist je nach Bundesland etwas unterschiedlich. Zusätzlich gibt es in einigen Lehrberufen eigene Regelungen auf Kollektivvertragsbasis. Generell können die Konditionen zwischen Lehrherren/Lehrherrin und Lehrling künftig direkt vereinbart werden.

Hierbei gilt es zu beachten: Die Verkürzung ist nicht verpflichtend, es kann auch die normale Lehrzeit vereinbart werden.

TIPP: Ein Besuch bei der Bildungsberatung kann dir helfen, die genauen Voraussetzungen für dein Bundesland schnell und einfach zu finden.

Zuletzt aktualisiert am 06.08.2020

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Schlagwörter: Abendgymnasium, Matura, Studium, Studieren mit Kind, Weiterbildung, Fortbildung
CC BY

Dieser Text ist unter CC BY 4.0 International lizenziert.

von Gerhard Ennsberger-Schmiedjell
Gerhard Ennsberger-Kranabitermask

Über den Autor

Gerhard Ennsberger-Schmiedjell

Der leidenschaftliche Fußgänger ist Lehrer am Abendgymnasium Salzburg für Deutsch und Religion. Während der Versuche, die Fensterbänke seiner Stadtwohnung zu begrünen, sehnt er sich nach wirklich frischer Luft. Und der Ruhe, die richtig dicken Wälzer der Weltliteratur zu beackern.

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