Das Beste aus zwei Welten

Oder wie der Mut zu "falschen" Entscheidungen genau richtig sein kann.

Seit seiner Kindheit macht Tobias (23) das was ihn interessiert und ist damit nicht nur zufrieden, sondern auch erfolgreich. Der selbstbewusste Salzburger erzählt uns, warum er es bis heute nicht bereut, die Lehre mit Matura der Schule vorgezogen zu haben, und was ihn motiviert hat in jungen Jahren ein Unternehmen zu gründen und gleichzeitig zu studieren.

Von Dagmar Ziegler |
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Herausfinden, was Dich interessiert

Wer wünscht sich das nicht: eine Arbeit, die Spaß macht, ein gutes Einkommen bringt und bei der man zeitlich flexibel ist? Tobias hat diesen Wunsch für sich wahr gemacht. Auch wenn der Weg kein einfacher war. Erfolg ist seiner Ansicht nach, wenn du beruflich das tust, was dir wirklich Freude bereitet, was dich interessiert und wovon du leben kannst. Bist du unzufrieden, solltest du dringend aus dieser Situation raus, findet er. Das kann ein Jobwechsel sein, eine Weiterbildung oder der Beginn eines Studiums.

Einfach ausprobieren

Der junge Salzburger hatte Glück, denn er wusste schon als Kind was ihn interessiert. Im zarten Alter von 10 Jahren überzeugte er seine Eltern davon, nach der Volksschule in das Werkschulheim Felbertal zu wechseln. Warum will ein Zehnjähriger freiwillig in ein Internat? Ganz einfach: weil er dort neben der Schulbildung handwerkliches Know-how erlernen konnte. Doch der Tagesablauf im Internat war ihm nach ein paar Jahren dann doch zu strukturiert, also wechselte er nach der vierten Klasse an die HTL. Das war ihm jedoch wiederum zu theorielastig und Elektrotechnik entsprach nicht ganz seinen Interessen. Tobias jammerte nicht lange herum und suchte sich eine Lehrstelle. Da er sich für alles begeistern konnte „was sich bewegt“ – wie Autos und Motorräder, begann er die Lehre Nutzfahrzeugtechnik mit dem Zusatzmodul Systemelektronik. Das war zwar interessant, doch nur in der Werkstatt zu arbeiten war ihm dann doch etwas zu einseitig. Darum entschied er sich für eine Lehre mit Matura. Nach 4 Jahren hatte Tobias somit einen Lehrabschluss und die BHS-Matura in der Tasche. Respekt!

Natürlich wäre es einfacher gewesen die Schule fertig zu machen

Unbestritten wäre es für ihn damals leichter gewesen die HTL fertig zu machen, denn Lehre mit Matura bedeutet neben Vollzeitarbeit viermal wöchentlich im Abendkurs zu sitzen, an den freien Tagen zu lernen und im Sommer in der Werkstatt zu stehen, während seine Freunde im Schwimmbad ihren Spaß hatten. „Doch mir würden jetzt handwerkliches Geschick und die praktische Erfahrung fehlen, davon profitiere ich sehr.“ Die Lehre mit Matura ließ ihm keine Zeit, sein verdientes Geld auszugeben. Dafür hatte er nach seinem Abschluss das nötige Kleingeld für eine Weltreise in 75 Länder, die er nach dem Zivildienst beim Roten Kreuz („Dort lernte ich für’s Leben.“) startete. Die Mühen haben sich also richtig bezahlt gemacht.

Doch was hat er dazu gebraucht, um all das zu schaffen? Durchhaltevermögen, Neugierde und vor allem: keine Angst davor, die Meinung zu ändern oder sogenannte “Fehler” zu machen. Tobias tut einfach immer genau das, was im Moment gerade passt, auch wenn es unbequem ist und mitunter auch mehr Aufwand bedeutet.

Als Unternehmer bin ich flexibler

Um weitere Reisen zu finanzieren, gründete Tobias einen Online-Shop, denn ein Angestelltenverhältnis kam für ihn – aufgrund fehlender Flexibilität - nicht in Frage. Durch den Aufbau des Online-Shops begann er sich verstärkt für Wirtschaft zu interessieren. Seit 2018 studiert er Betriebswirtschaft an der Privatuniversität Seeburg in Seekirchen am Wallersee. Dieses halb-virtuelle Studium finanziert er sich durch seine Tätigkeit als selbständiger Monteur von Schallabsorbern für eine Salzburger Firma. Eh super aber warum denn jetzt plötzlich Montage? „Weil das für mich etwas völlig Neues war und ich gerne dazulerne.“ So checkte er sich den Gewerbeschein für Montage und Zusammenbau von beweglichen Sachen. „Ich schreibe derzeit an 5 Arbeiten für die Uni, verbringe viel Zeit vor dem Laptop und vor Büchern. Bei den Montagen kann ich handwerklich agieren und das ist für mich ein super Mix. Ich habe das Beste aus zwei Welten.“

Bildung wäre die beste Investition, sagt er uns zum Abschluss, „Man soll jede Möglichkeit nützen,
um sich weiterzubilden und Informationen zu erhalten“. Sehr gescheit, finden wir!

CC BY

Dieser Text ist unter CC BY 4.0 International lizenziert.

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von Dagmar Ziegler
Dagmar Ziegler, Redaktion Bildungsbuch Blog

Autorin

Dagmar Ziegler

Dagmar ist als selbständige Texterin, Moderatorin und Kommunikationsberaterin tätig. Für das Bildungsbuch ist die Salzburgerin immer auf der Suche nach spannenden Geschichten, die Mut machen, neue Wege zu gehen.

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aktualisiert: Dezember 2025

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InfoboxWeiterbildungszeit und Weiterbildungsteilzeit

Inhalt anzeigen

Die Weiterbildungszeit löst mit 2026 die bisherige „Bildungskarenz“ ab.

Art der Förderung

Mit dem/r Arbeitgeber:in wird vereinbart, dass man für eine bestimmte Zeit für die berufliche Weiterbildung vom Dienst freigestellt wird. In dieser Zeit erhält man eine Leistung vom AMS.

Es gibt zwei Varianten:

  • Weiterbildungszeit: volle Freistellung
  • Weiterbildungsteilzeit: Die bisherige Arbeitszeit kann entweder um 25% oder um 50% reduziert werden.

Voraussetzungen

  • Anstellung seit mindestens einem Jahr beim Dienstgeber. Für Saisonbetriebe gelten Sonderregelungen.
  • Antragsteller:in unterliegt nicht mehr der Ausbildungspflicht
  • In den letzten 26 Wochen vor dem Beginn der Weiterbildungszeit wurde kein Kinderbetreuungsgeld oder Wochengeld bezogen
  • Schriftliche Vereinbarung mit dem Arbeitgeber
  • Wenn bereits ein Master oder Diplomstudium abgeschlossen wurde: mindestens 4 Jahre vollversicherungspflichtige Arbeit in Österreich
  • Der Antrag kann entweder persönlich in Ihrer AMS Geschäftsstelle oder über MeinAMS erfolgen.  

Dauer und Inhalt der Aus- oder Weiterbildungen

  • „arbeitsmarktrelevante“ Ausbildungen
  • Weiterbildungen müssen überbetrieblich verwertbar sein
  • Die Weiterbildungszeit kann höchstens 12 Monate innerhalb von 4 Jahren dauern.
  • Bei der Weiterbildungsteilzeit sind es maximal 24 Monate innerhalb von 4 Jahren.


Mindestumfang und Nachweis

  • Weiterbildungszeit: mindestens 2 Monate Ausbildung und mindestens 20 Wochenstunden/ ECTS.
  • Bei Kinderbetreuungspflichten: 16 Wochenstunden/ECTS
  • Weiterbildungsteilzeit: die Ausbildung muss mindestens 4 Monate dauern, mit mindestens 10 Wochenstunden/ECTS
  • Bei Kinderbetreuungspflichten: 8 Wochenstunden/ECTS

Art- und Ausmaß der Förderung

  • Das Weiterbildungsgeld ist eine Leistung vom AMS (Arbeitsmarktservice).
  • Die Höhe der Beihilfe richtet sich nach einem einkommensabhängigen Stufenmodell und beträgt mindestens EUR 41,49 pro Tag (Wert 2026).
  • Bei einem Einkommen über einer bestimmten Grenze muss der Dienstgeber 15% der Weiterbildungsbeihilfe bezahlen.
  • Individuelle Beratung direkt beim AMS wird empfohlen und ist bei niedrigen Einkommen (bitte jeweils aktuelle Höhe erfragen) bei den AMS BIZ (BerufsInfoZentren) verpflichtend. 
  • Für die Weiterbildungsteilzeitbeihilfe ist keine verpflichtende Bildungsberatung erforderlich.

Zuverdienst

Der Zuverdienst zu AMS-Leistungen ist generell nur mehr in Ausnahmefällen möglich. Information dazu gibt es unter: https://www.ams.at/arbeitsuchende/arbeitslos-was-tun/arbeitslos-geringfuegig-beschaeftigt#salzburg.

Nutzt man das Fördermodell der Weiterbildungszeit, ist also in der Regel neben dem Weiterbildungsgeld vom AMS kein Zuverdienst möglich. Bei der Weiterbildungsteilzeit erhält man den Teil des Einkommens für die Wochenstunden, die man weiterhin beim/ bei der Arbeitgeber:in arbeitet und Weiterbildungsgeld vom AMS.

Zustimmung des Arbeitgebers

Die Zustimmung des Arbeitgebers muss schriftlich vereinbart werden, danach kann man den Antrag beim AMS stellen.

Wichtig:

  • Beratung verpflichtend bei niedrigen Einkommen
  • Die Weiterbildung muss nachgewiesen werden (Leistungsnachweis, Teilnahme-Bestätigung).

verfasst im Jänner 2026 von BiBer Bildungsberatung und aktualisiert im Juni 2026