Vom Lehramtsstudium zur gärtnernden Geoinformatikerin

Im falschen Studiengang? Unsicher was nun?

Der Bildungsweg von Antonia Osberger lehrt uns, die eigenen Interessen wieder in den Vordergund zu stellen und mutig den eigenen Weg zu gehen. 

von Carmen Bayer | | Einblicke

Wir sitzen auf einer Bank am Gemüseacker in Aigen, blicken auf das langsam leer werdende Gemüsefeld, der Hintergrund wird vom Gaisberg bestimmt. Stoische Gelassenheit breitet sich unwillkürlich aus und Antonia beginnt zu erzählen: 

Dein Bildungsweg?

Neben ihrem Talent für Mathematik war sie schon immer neugierig auf die Welt, wollte auf ihren Reisen möglichst viel entdecken. Diese beiden Faktoren und, dass sie bereits zu Schulzeiten Nachhilfe in Mathe gab, legten den Grundstein für ihren Entschluss, Geografie und Mathematik auf Lehramt in Salzburg zu studieren. 

Antonia ist sehr praktisch veranlagt. Eine, die auch mit anpackt. Wie das in einem Mathematikstudium nun mal ist, lernt man viel Theoretisches.

Im Laufe des ersten Semesters ging für Antonia aber mit der vertiefenden Mathematik doch der Sinn der Sache verloren. Kein Lehramt also. Das Semester war trotzdem kein verlorenes, denn neben der Mathematik war da ja noch die Geografie und die hat Antonia sehr wohl überzeugt – so wurde aus der Lehramtsstudentin eine ständig reisende Geografin.

 Mit ihrem Bachelorabschluss in der Tasche stellte sich die Frage, welchen der beiden angebotenen Masterzweige sie wählen würde: den für Landschafts- Stadt- und Regionalmanagement oder das Aufbaustudium für die Angewandte Geoinformatik. Während Landschaftsmanagement ganz ihr Thema war, lockte die Geoinformatik mit einem Auslandspraktikum in Nepal. Weil sie auf keinen der beiden Bildungswege verzichten wollte, wählte Antonia beide Masterlehrgänge aus.

Der technische Aspekt an der Geoinformatik stellte für sie nicht wirklich ein Hindernis dar: "Nepal war zu verlockend und alles andere lässt sich schließlich lernen." 

So kam es dann auch.

Antonias Leidenschaft:

Das gemeinsame arbeiten im Garten

Mehr dazu - einfach weiterlesen!

Und was macht man als Geoinformatikerin?

"Die Geoinformatik kann zum Beispiel helfen, die Verbreitung von Borkenkäfern auf großen Waldflächen schnell festzustellen. Dafür werden im ersten Schritt räumliche Daten, wie beispielsweise Satellitenaufnahmen des Waldes erfasst und gespeichert. Anhand des sogenannten Fernerkundungsbild des Satelliten können Geoinformatiker_innen unterschiedliche Ansichten / Kanäle auswählen. Um also einen von Borkenkäfern befallen Baum zu erkennen, wählt man die Ansicht im Infrarotkanal, denn ein gesunder Baum strahlt in der Infrarotansicht für gewöhnlich rot, ein kranker - vom Borkenkäfer befallener - Baum nur noch grau", erklärt mir Antonia.

Damit man die Informationen, beispielsweise wie viele kranke Bäume es im Gebiet gibt, zuverlässig analysieren kann, verwenden Geoinformatiker_innen eigene Programme. "Den Umgang mit den Programmen kann man lernen, wie alles andere auch. Und in der Geoinformatik gibt es bereits viele Anknüpfungspunkte im Alltag, wie die Navigation mit Google Maps", so Antonia auf meine Frage, wie kompliziert dieser Vorgang in der Praxis sei. 

Die Anwendungsbereiche der Geoinformatik sind nämlich unglaublich vielfältig (mehr darüber auf mint-salzburg.at). Für Antonia war aber klar, dass sie im oben beschriebenen Umweltmonitoring arbeiten möchte – "denn hier lässt sich immer wieder ein Feldtag – um beispielsweise den Borkenkäferbefall vor Ort zu begutachten – einrichten". 

Was gefällt dir an deinem Beruf am besten?

"Ganz ehrlich? Die flexiblen Arbeitszeiten, denn die machen dir als alleinerziehende Mutter das Leben wesentlich einfacher", verrät mir Antonia mit einem frechen Lächeln auf den Lippen. Neben der relativ freien Arbeitseinteilung ist es aber auch der direkte  Bezug zur Natur, "auch wenn du die meiste Zeit im Büro verbringst." 

Die viele Zeit im Büro war schließlich auch der Grund, warum Antonia gemeinsam mit vier anderen Erdling - Verein für solidarische kooperative Landwirtschaft, gründete. Das und weil sie ihrem damals dreijährigen Sohn möglichst viel Bezug zur Natur und zum praktischen Arbeiten bieten wollte.

Die wichtigste Lektion die du gelernt hast?

"Immer den Mut zu haben sich weiterzuentwickeln. Wenn Schwierigkeiten auftauchen, hinterfragen:

„Was hat das mit mir und meinen Handlungen zu tun?”

Denn es ist nie etwas umsonst. Besonders von Kindern und den Menschen um uns herum bekommen wir ja einen Spiegel aufgezeigt. Wenn man da aufmerksam bleibt, kann man viel daraus lernen und auch Kraft für Neues finden."

Gewusst wie...

Masterstudium: Angewandte Geoinformatik

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In Salzburg wird das Studium "Angewandte Geoinformatik" als Masterstudium angeboten. Es steht Absolvent_innen von Bachelor-Studien mit geowissenschaftlichen Bezug offen.

Geoinformatiker_innen verarbeiten vorallem digitale Daten (GPS, Satellitenbilder, GIS ..) und erstellen daraus Karten, Pläne, Modelle und Simulationen. So werden etwa für die Gefahrenabschätzung von Naturkatastrophen die Grundlagen aus der Geoinformatik herangezogen. Aber auch für den Abbau von Rohstoffen ist man heute auf die Vorarbeit aus der Geoinformatik angewiesen.

Vorausetzung: 

Abgeschlossenes Bachelorstudium mit geowissenschaftlichen Bezug: Geographie, Geologie, Geodäsie/Geomatik und Kartographie sowie nahe verwandter Studien.

Eine Zulassung auf Grundlage von Abschlüssen in Informatik / Computerwissenschaften sowie Ökologie, Geo- und Umweltwissenschaften, Sozial- und Wirtschaftswissenschaften und angrenzender Fachgebiete ist ebenfalls möglich, wobei im jeweiligen Einzelfall die Option einer bedingten Zulassung unter entsprechenden Auflagen zusätzlicher Lehrveranstaltungen zu prüfen ist.

Studiendauer: 4 Semester (120 ECTS)

Abschluss: Master of Science

Hilfreiche Links: 

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Selbsterhalterstipendium

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Voraussetzungen:

  • Nachweisliche Arbeitszeit: vier Jahre (48 Monate) vor dem ersten Beihilfenbezug 
  • Einkünfte jährlich zumindest € 8.580,- (Brutto minus Sozialversicherung)
  • Zeiten des Präsenz-, Ausbildungs- oder Zivildienst bzw. Dienste nach dem Freiwilligengesetz gelten jedenfalls als Zeiten des Selbsterhaltes.
  • Waisenpension und Lehrzeiten können bei entsprechender Höhe bei der Ermittlung des Selbsterhaltes berücksichtigt werden.
  • Eine Sonderregel besteht hinsichtlich der Altersgrenze. Die allgemeine Altersgrenze von 30 Jahren (zu Studienbeginn) erhöht sich, wenn sich die Studentin/der Student länger als 4 Jahre selbst erhalten haben. Die Altersgrenze erhöht sich für jedes volle Selbsterhalter-Jahr zusätzlich um ein weiteres Jahr, jedoch maximal um insgesamt 5 Jahre.

Wichtig:

  • Bei der Berechnung werden die Einkünfte der Eltern nicht miteinberechnet, nur das Einkommen des Ehepartners/der Ehepartnerin
  • Studienerfolg ist nachzuweisen
  • Das Stipendium ist für das gesamte Studium (Mindeststudiendauer + Toleranzsemester) 12 Mal im Jahr zu beziehen

Hilfreiche Links:

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Studienberechtigungsprüfung - SBP

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Mit der SBP hat man den Zugang zu einem bestimmten Studium (bzw. einer Studienrichtungsgruppe) in Österreich, wofür keine Matura notwendig ist. Dazu sind meist 5 Prüfungen erforderlich, die je nach Studienrichtungsgruppe unterschiedlich sind – einzig Deutsch ist immer verpflichtend.

Voraussetzungen:

  • Mindestalter 20 Jahre
  • Zulassung zu einer Studienrichtungsgruppen (nach Antrag)
  •  Abschluss einer Lehrausbildung oder 3jährigen Fachschule oder Ähnliches

Gut zu wissen...

  • Die SBP ersetzt keine Aufnahmeprüfung zu einem Studium – es ist lediglich der Zugang gegeben wie mit einer Matura.
  • Der Antrag auf Zulassung zur SBP muss an einer Universität gestellt werden.
  • Es gibt Vorbereitungskurse zu den einzelnen Prüfungsfächern an Erwachsenenbildungseinrichtungen (BFI, VHS, WIFI,…) – die Prüfungen finden auf der Universität statt.
  • Sollte nach der SBP ein Studium begonnen werden und dann ein Studienwechsel gewollt sein, müssen gegebenenfalls einzelne Prüfungen nachgemacht werden (neuer Antrag zur SBP).
  • Mit dem ersten Studienabschluss (meist Bachelor) ist dann ein Hochschulzugang zu allen Studienrichtungen möglich.
  • Universitäten und Fachhochschulen legen die Anforderungen selbst fest.

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Studienwechsel

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Was ist ein Studienwechsel?

  • Jede Änderung einer Studienrichtung - bei Lehramtsstudien der Wechsel eines Unterrichtsfaches
  • Die "Rückkehr" zu einer ursprünglich betriebenen Studienrichtung, wenn dazwischen eine andere Studienrichtung betrieben wurde
  • Bei einem Doppelstudium, wenn bei einem Folgeantrag die Studienbeihilfe für die andere Studienrichtung beantragt wird
  • Wechsel der Bildungseinrichtung

Wie oft und wann darf das Studium gewechselt werden?

  • Insgesamt zweimal,
  • Wenn das vorangegangene Studium nicht mehr als zwei Semester inskribiert wurde.
  • Achtung: Ein Studienwechsel im Master-/Doktoratsstudium kann zum Anspruchsverlust von Beihilfen führen. Näheres erfährst du bei deiner Stipendienstelle. 

Hilfreiche Links: 

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Schlagwörter: MINT, Studium, Anders*Denken
CC BY

Dieser Text ist unter CC BY 4.0 International lizenziert.

von Carmen Bayer
Carmen Bayermask

Über die Autorin

Carmen Bayer

Neben ihrer Arbeit beim Netzwerk Bildungsberatung studiert sie Soziologie und verbringt ihre freie Zeit bevorzugt mit Musik und sehr gerne auch mit gutem Essen. Sprachlos ist sie eher selten.

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