Das will ich auch machen!

"Kleine Mädchen wissen noch nicht, dass sie sich nicht für Computer interessieren sollen."*

Über die Wirkung von Klischees und Vorbildern in der Berufsorientierung von Jugendlichen. 

von Ruth Mayr | | Ratgeber

Könnt ihr euch noch an eure allerersten Berufswünsche als Kind erinnern? Welche waren das und wo kamen sie her? 

"Berufe, die wir gar nicht kennen, sind selten Teil unserer Wunschträume."

Wenn Jugendliche über Ausbildungen nachdenken, spielt es eine Rolle, mit welchen Eindrücken von bestimmten Berufen sie aufwachsen: Kann ich mir unter einer Ausbildung etwas vorstellen? Weiß ich, welche Tätigkeiten dort wirklich von mir verlangt werden? Kenne ich eine Person, die den Beruf bereits ausübt? Kann ich mich mit ihr vielleicht sogar identifizieren? 

Alltagsgeschichten benötigt!

Wir horchen auf, wenn wir davon hören, dass eine junge Frau eine Ausbildung im Bereich Elektrotechnik sucht – weil wir kaum Mädchen und Frauen kennen, die dort tätig sind. In den Medien sehen wir fast nur Männer als Experten im Bereich Technik & IT - oder als schräge „Nerds“ in amerikanischen Vorabendserien.

„Buben liegt die Arbeit am Computer einfach mehr. Mädchen interessieren sich wohl einfach nicht so sehr dafür.”

 Wo im Alltag oder in den Medien begegnen uns Informatikerinnen? Wenn wir darüber nachdenken, warum es so wenige Frauen in diesem Bereich gibt, fallen uns Klischees ein: "Buben liegt die Arbeit am Computer einfach mehr.", "Mädchen interessieren sich wohl einfach nicht so sehr dafür."

Aber stimmt das wirklich? 

"Kleine Mädchen wissen noch nicht, dass sie sich nicht für Computer interessieren sollen."*

Kleine Mädchen und Buben sind von Computern gleichermaßen fasziniert, sind neugierig und interessiert an den Smartphones und Tablets ihres erwachsenen Umfelds. Erst im Laufe des Heranwachsens erfahren Mädchen – und Buben – z.B. durch die Reaktionen ihrer Umwelt, dass es Bereiche gibt, die "nichts für Mädchen" oder "nichts für Buben" sind. 

MINT Mädchen aus der Steiermark machen es vor! 

Wann hat zu dir jemand das erste Mal gesagt, "ein Mädchen/ein Bub tut so etwas nicht"?

Wir lernen, dass die Beschäftigung mit bestimmten Werkzeugen erwünscht ist und mit anderen weniger. Das Spielzeug, das uns zur Verfügung steht, eröffnet uns schon in der Kindheit unterschiedliche Möglichkeiten, unsere Fähigkeiten zu entdecken und zu erproben.

Wenn ich nie Gelegenheit habe, eine Lötkolben oder eine Bohrmaschine auszuprobieren oder einen Roboter zu steuern, dann werde ich nicht herausfinden, ob ich das gut kann. Wenn ich immer nur Männer als Programmierer oder Mechaniker sehe, komme ich als Mädchen vielleicht gar nicht auf die Idee, dass ich das selbst auch werden könnte. 

Es sind natürlich nicht nur diese Bilder, die die Berufswahl beeinflussen – aber sie spielen eine wesentliche Rolle. 

Wie sehr lenken Eltern die Berufswahl der Kinder?

Nicht nur Jugendliche werden von Bildern beeinflusst: Auch als Elternteil mache ich mir natürlich Gedanken über das Umfeld, das meine Tochter in ihrem künftigen Beruf vorfinden wird: Kenne ich den Arbeitsalltag in diesen Bereichen? Wen kenne ich, der oder die in diesem Feld tätig ist? Wie geht es mir beim Gedanken, dass meine Tochter hauptsächlich männliche Arbeitskollegen und Ausbilder haben wird? Welches Bild habe ich vom Betriebsklima und Umgangston in Branchen, in denen mehr Männer als Frauen arbeiten? 

All diese Überlegungen führen dazu, dass wir unterschiedlich darauf reagieren, je nachdem, ob unsere Tochter oder unser Sohn sagt: "Ich möchte eine Mechatronik-Ausbildung machen!" – selbst wenn beide die gleichen Noten haben und mit Begeisterung tüfteln. 

Peter traut man es einfach zu. Bei Anna fragt man nach.

Viele Eltern wissen nicht genau, wie der Alltag in MINT-Berufen aussieht und machen sich Sorgen, ob es ihrer Tochter damit gut gehen wird. Mädchen, die sich für eine Ausbildung im MINT-Bereich interessieren, werden daher viel öfter als Burschen gefragt: Bist du dir sicher? Traust du dir das wirklich zu? 

Manche Mädchen lachen das selbstbewusst weg. Nicht alle haben Lust darauf, ständig erklären zu müssen, warum "sie als Mädchen" Freude an Technik haben. Sie ziehen sich lieber in Bereiche zurück, in denen sie sich nicht rechtfertigen müssen. 

Eine Lösung: Role Models sichtbar machen

So kann rasch der Eindruck entstehen, Mädchen würden sich "von Natur aus" nicht für MINT interessieren. Dabei gibt es viele junge Frauen, die mit Begeisterung Coden, Apps entwickeln, Kabel ziehen, sich mit Künstlicher Intelligenz beschäftigen und in Labors forschen. Mit ihnen zu reden, mehr über ihren Weg und ihren (Arbeits-)Alltag zu erfahren, kann für Mädchen in der Berufsorientierungsphase und für deren Eltern gleichermaßen inspirierend sein – und neue Bilder und Berufswünsche entstehen lassen. 

*Linda Liukas

Gewusst wie...

Kompass Bildungsberatungsstelle für Mädchen

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Das Team der Kompass Bildungsberatung begleitet Mädchen und junge Frauen bei ihrer Berufs- und Zukunftsplanung. Ihr Anliegen ist es, Berufsentscheidungen frei von Klischees und typischen Rollenbildern zu ermöglichen. Das Kompass Angebot umfasst kostenlose Bildungsberatungen, Workshops zur Berufsorientierung, Bewerbungstrainings und Berufsorientierung mit MINT-Werkstationen.

Mädchen* und junge Frauen* zwischen 12 und 24 Jahren können sich an Kompass wenden, wenn sie 

  • noch nicht wissen, was sie werden wollen.
  • sich über ihre Fähigkeiten und Stärken klar werden und mit jemandem über ihre Zukunftspläne sprechen wollen
  • Fragen zu Ausbildungsmöglichkeiten haben.
  • auf der Suche nach einer Lehr- oder Arbeitsstelle sind und sich auf ein persönliches Vorstellungsgespräch vorbereiten wollen.

Die Beratungen sind kostenlos und vertraulich. 

Für Mädchen* und junge Frauen* zwischen 12 und 24 Jahren, die sich für Ausbildungen und Berufe im Bereich Mathematik, Technik, IT, Naturwissenschaften und Handwerk interessieren bietet Kompass jeden zweiten Mittwoch im Monat immer von 15:00-17:00 Uhr einen speziellen kostenlosen Beratungsnachmittag an. 

Alle Informationen zur Kompass Mädchenberatung findest du hier: Kompass Bildungsberatungsstelle für Mädchen

Gewusst wie...

FiT: Frauen in Handwerk und Technik

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Die Angebote des FiT-Programms: Frauen entdecken ihre Stärken und Interessen für Handwerk und Technik und verbessern ihre Karrieremöglichkeiten und Jobchancen. 

Voraussetzungen: 

  • Arbeitssuchende Frauen (Wenn diese während der Ausbildung eine Arbeitsstelle finden, können sie zu einem späteren Zeitpunkt wieder in eines der Module einsteigen)
  • Besuch einer rund 12wöchigen Basisqualifizierung

Finanzierung:

  • Über AMS / Für die Dauer der Teilnahme -  Arbeitslosengeld oder eine Beihilfe zur Deckung des Lebensunterhalts

Ablauf:

  • Entscheidung für einen handwerklich-technischen Beruf  
  • Kurs "technische Vorqualifizierung" eine Basisbildung für die anschließende Qualifizierung  
  • Praktikum: 2 bis 4 Wochen  (Einblick in die technisch-handwerkliche Arbeitswelt)
  • Beratung und Begleitung

Während der gesamten Ausbildung können die Frauen eine Beratung und Begleitung bei Fragen der Kinderbetreuung, Lernunterstützung, etc. in Anspruch nehmen.

Abschluss:

  • Lehrabschluss oder einem vergleichbaren Schulabschluss.
  • Auch eine Ausbildung in einer naturwissenschaftlich- technischen Fachhochschule oder in einem technischen Kolleg ist möglich.

Hilfreiche Links:

Gewusst wie...

Bildungsberatung in Österreich

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Kärnten
Auf der Website der Bildungsberatung Kärnten gibt es nicht nur alle Informationen zum Kärntner Beratungsangebot, direkt auf der Startseite findest du auch Video-Einblicke in die Kompetenzberatung: bildungsberatung-kaernten.at

Steiermark
Für die Steirer und Steirerinnen gibt es hier alle Beratungstermine nach Bezirken sortiert auf einen Blick: bildungsberatung-stmk.at

Burgenland
Unter bildungsberatung-burgenland.at/terminvereinbarung kannst du problemlos einen Termin vereinbaren, dich im Chat oder über Skype beraten lassen.

Niederösterreich
Deine Bildungsberatung – auch auf Russisch, Ukrainisch, Polnisch, Englisch, Arabisch … - findest du auf der Website: www.bildungsberatung-noe.at

Wien
Informationen über Bildungsförderungen, Weiterbildungen und noch mehr findest du auf der Website: bildungsberatung-wien.at Hier kannst du dir persönliche Beratungstermine ausmachen oder dich online beraten lassen.

Oberösterreich
In Oberösterreich findest du das bunte Beratungsangebot unter www.bildungsberatung-ooe.at

Salzburg
In Salzburg genügt ein Anruf bei der BILDUNGSLINE unter 0800 208 400! Du bekommst telefonische Informationen, wie beispielsweise über den Salzburger Bildungsscheck und Termine für persönliche Beratungen. Das Team der BILDUNGSLINE ist MO – FR von 08.00 – 12.00 oder unter frage@bildungsberatung-salzburg.at kostenfrei für dich zur Stelle. Mehr Infos findest du hier: www.bildungsberatung-salzburg.at

Tirol
Ein Klick auf die Website www.bildungsberatung-tirol.at und du kannst dir deine Beratungsmöglichkeiten auf deine Frage und deinen Bezirk genau zugeschnitten anzeigen lassen. Weitere Informationen rund um Bildung und Beruf bekommst du von der Bildungsinfo Tirol!

Vorarlberg
Alles, was dein Bildungsherz begehrt, findest du auf den ersten Blick unter www.bildungsberatung-vorarlberg.at Einfach und übersichtlich kommst du so zu deiner Bildungsberatung. 

Für alle Bundesländer gibt es aber auch noch die online Bildungsberatung: www.bildungsberatung-online.at.​​​​​​​

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Die Bildungsline gibt Antworten

Neue Bildungswege warten im Netzwerk Bildungsberatung.

Kostenfreie Informationen & Beratung:

Schlagwörter: Elternratgeber, MINT, Berufswahl
CC BY

Dieser Text ist unter CC BY 4.0 International lizenziert.

von Ruth Mayr
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Über die Autorin

Ruth Mayr

Ruth Mayr beschäftigt sich beruflich v.a. mit den Themen Berufsorientierung, Mädchenarbeit und MINT. Dabei geht es ihr darum, Mädchen und jungen Frauen Einblicke in vielfältige Berufsbilder zu ermöglichen und ihnen Raum zu geben, um Neues auszuprobieren und die eigenen Stärken und Ressourcen zu entdecken. Sie leitet die Kompass Mädchenberatung (www.kompass.or.at) und betreut gemeinsam mit ihrer Kollegin die MINT Koordinationsstelle Salzburg (www.mint-salzburg.at).

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