Mit verkürzter Lehre zum Traumberuf

Viele erwachsene Frauen haben ein Faible für Technik, aber nicht den passenden Beruf.

Mit dem Programm "Frauen in Technik" kann Frau über ihren Schatten springen und den Weg in eine völlig neue berufliche Zukunft beginnen.

von Carmen Bayer | | Einblicke

„Will ich das für die nächsten 25 Jahre machen?”

fragte sich Bianca immer häufiger, wenn sie an ihren Job als Marktleiterin dachte. Nicht, dass sie unzufrieden wäre oder die Bezahlung nicht passen würde. Aber die Arbeit im Handel fordert. Morgens die Erste die kommt, abends die Letzte, samstags bleibt auch keine Zeit zum Entspannen. Gerade als Leitung musste Bianca immer zur Stelle sein, alles im Blick haben, für alle ein offenes Ohr haben. Das ist viel.

 So landete Bianca schließlich im Beratungsgespräch beim AMS. Was sie denn schon immer machen wollte, fragte sie der nette Herr. Biancas Antwort kam ohne lange zu überlegen:

„Eigentlich hat mich alles technische schon immer interessiert.”

Und das war genau das, was ihr Berater hören wollte. Zufrieden lächelnd erzählte er Bianca vom Programm Frauen in Technik und schickte sie weiter zum Team von Frau und Arbeit. Der erste Schritt in Richtung Veränderung war getan.

Mut zur Veränderung

Nach der Erstberatung bei Frau und Arbeit war schnell klar, dass sie perfekt in das FiT Programm passt. Und schon fand sich Bianca in der Basisqualifizierung am BFI wieder. Dort lernen die Teilnehmerinnen neben den technischen Basics auch die neuen Bewerbungsrichtlinien kennen und setzen sich gemeinsam mit Berater_innen intensiv mit der neuen Berufswahl auseinander.

 Bianca hätte ein handwerklicher Beruf zwar sehr gereizt aber die Jobaussichten als Tischlerin sind nun mal eher mau. Wissend, dass sie ein Organisationstalent ist (eine Fähigkeit, die sie als Marktleiterin perfekt beherrscht) galt es, die Verbindung zwischen Technik und Management zu finden. 

Wieser Verkehrssicherheit

Die Ausbildung zur Technischen Zeichnerin

Ihre Wahl fiel auf die Ausbildung zur Technischen Zeichnerin. Das Ziel war gefasst, nun galt es, konkrete Schritte zu setzen. Bestimmender Teil des FiT-Programmes ist das Praktikum, wobei Praktikum eigentlich das falsche Wort ist. Denn dort arbeitet Frau Vollzeit. Wie bei einer regulären Lehre mit Berufsschule also. Doch ganz gleich wie viele Bewerbungen Bianca schrieb, einen Praktikumsplatz fand sie nicht.

„Warum tu ich mir das an?”

fragte sie sich oft. Doch ihr Prinzip, etwas Angefangenes auch zu beenden, motivierte sie durchzuhalten. Kurz vor Beginn des Praktikums fand Bianca schließlich mit Unterstützung ihrer Beraterin am BFI eine Stelle in der Haustechnik. Ein Glückstreffer wie sich herausstellte. Schnell durfte Bianca selbstständig arbeiten und wurde fester Bestandteil des Teams.

Plötzlich wieder Schülerin?!

Die Arbeit in der Technik hat Bianca keine schlaflose Nacht bereitet. Sie wusste, was sie kann und hat sich schon vor FiT leidenschaftlich gerne mit ihrem Partner über seine Arbeit in der Haustechnik unterhalten.

Die Berufsschule stand auf einem anderen Blatt. 

Nach 25 Jahren zum ersten Mal wieder Schülerin sein. Davor hatte Bianca Respekt. Und auch, wenn sie in Mathematik immer gut war, entschloss sie sich, die Sache mit der Schule ruhig angehen zu lassen und in der Standardgruppe bereits Gelerntes nochmal aufzufrischen. 

Auch die Altersverteilung in der Klasse war bunter als erwartet. Es gab ein paar „klassische“, junge Lehrlinge, einige, die sich mit Mitte 20 für eine neue Ausbildung entschlossen haben aber auch jene über 35 Jahre.

„Die Schule war eigentlich eine schöne Zeit. Man ist zwar froh, wenn es vorbei ist, aber dennoch war es schön.”

Nach drei Jahren Berufsschule und Praktikum war die verkürzte Lehrzeit für Bianca am Ende und damit war es an der Zeit für die Lehrabschlussprüfung. Die machte sie kurzerhand in Innsbruck weil sie auf den späteren Termin in  Salzburg nicht warten wollte. Drei Tage 100 prozentiger Einsatz, Aufregung und schließlich grenzenlose Erleichterung und Freude, als alles geschafft war. 

Als Technikerin am Arbeitsmarkt

Karten auf den Tisch. Wie geht es Frauen in technischen, meist männerdominierten Berufen? Lebt das Klischee oder ist das alles längst Vergangenheit? 

Gar nicht so einfach zu beantworten meint Bianca. Während ihrer Ausbildung wurde sie von allen, Männern wie Frauen, wertgeschätzt und hat auch viel positiven Rückhalt und vor allem Verantwortung von ihren Vorgesetzten erfahren. Natürlich gibt es Brachen, in welchen Männer im ersten Moment eher veralten bis skeptisch auf eine Frau (zum Beispiel auf der Baustelle) reagieren. In diesen Fällen muss Frau dann halt selbstbewusst auftreten und sich in ihrem Gebiet auskennen, denn unterm Strich wird Kompetenz immer anerkannt.

In ihrem aktuellen Job als Planerin bei einem Verkehrssicherheitsunternehmen hat Bianca keine Erfahrungen mit unangenehmen Erlebnissen als Frau in der Technik gemacht. Gelernt hat sie dennoch viel. 
Denn, wie es in jeder Branche und jedem Beruf nun mal ist, bringt jede neue Stelle neue Anforderungen mit sich. Biancas Umgang mit dieser Situation: 110% geben, sich die Arbeit auch wirklich zutrauen um im Tun mitzulernen und natürlich viel selbst recherchieren und bei Bedarf nachfragen. 

Von Frau zu Frau:

  • Trau dich! Du erfährst es nur, wenn du es ausprobierst. Wenn es mit deinen Plänen nichts wird, weißt du es wenigstens!
     
  • Wir (Frauen) müssen uns viel mehr zutrauen! Bei Stellenausschreibungen zum Beispiel: Frauen bewerben sich nur, wenn sie wirklich alle Anforderungen im Inserat erfüllen, aber das muss nicht sein!
     
  • Zum Thema Geld: Bei Gehaltsverhandlungen hab ich mir angewöhnt ein bisschen wie ein Mann zu denken, der geht auch nicht von seinen Ansprüchen rund ums Geld runter.

Gewusst wie...

FiT: Frauen in Handwerk und Technik

Inhalt anzeigen

Die Angebote des FiT-Programms: Frauen entdecken ihre Stärken und Interessen für Handwerk und Technik und verbessern ihre Karrieremöglichkeiten und Jobchancen. 

Voraussetzungen: 

  • Arbeitssuchende Frauen (Wenn diese während der Ausbildung eine Arbeitsstelle finden, können sie zu einem späteren Zeitpunkt wieder in eines der Module einsteigen)
  • Besuch einer rund 12wöchigen Basisqualifizierung

Finanzierung:

  • Über AMS / Für die Dauer der Teilnahme -  Arbeitslosengeld oder eine Beihilfe zur Deckung des Lebensunterhalts

Ablauf:

  • Entscheidung für einen handwerklich-technischen Beruf  
  • Kurs "technische Vorqualifizierung" eine Basisbildung für die anschließende Qualifizierung  
  • Praktikum: 2 bis 4 Wochen  (Einblick in die technisch-handwerkliche Arbeitswelt)
  • Beratung und Begleitung

Während der gesamten Ausbildung können die Frauen eine Beratung und Begleitung bei Fragen der Kinderbetreuung, Lernunterstützung, etc. in Anspruch nehmen.

Abschluss:

  • Lehrabschluss oder einem vergleichbaren Schulabschluss.
  • Auch eine Ausbildung in einer naturwissenschaftlich- technischen Fachhochschule oder in einem technischen Kolleg ist möglich.

Hilfreiche Links:

Gewusst wie...

Bildungsberatung in Österreich

Inhalt anzeigen

Kärnten
Auf der Website der Bildungsberatung Kärnten gibt es nicht nur alle Informationen zum Kärntner Beratungsangebot, direkt auf der Startseite findest du auch Video-Einblicke in die Kompetenzberatung: bildungsberatung-kaernten.at

Steiermark
Für die Steirer und Steirerinnen gibt es hier alle Beratungstermine nach Bezirken sortiert auf einen Blick: bildungsberatung-stmk.at

Burgenland
Unter bildungsberatung-burgenland.at/terminvereinbarung kannst du problemlos einen Termin vereinbaren, dich im Chat oder über Skype beraten lassen.

Niederösterreich
Deine Bildungsberatung – auch auf Russisch, Ukrainisch, Polnisch, Englisch, Arabisch … - findest du auf der Website: www.bildungsberatung-noe.at

Wien
Informationen über Bildungsförderungen, Weiterbildungen und noch mehr findest du auf der Website: bildungsberatung-wien.at Hier kannst du dir persönliche Beratungstermine ausmachen oder dich online beraten lassen.

Oberösterreich
In Oberösterreich findest du das bunte Beratungsangebot unter www.bildungsberatung-ooe.at

Salzburg
In Salzburg genügt ein Anruf bei der BILDUNGSLINE unter 0800 208 400! Du bekommst telefonische Informationen, wie beispielsweise über den Salzburger Bildungsscheck und Termine für persönliche Beratungen. Das Team der BILDUNGSLINE ist MO – FR von 08.00 – 12.00 oder unter frage@bildungsberatung-salzburg.at kostenfrei für dich zur Stelle. Mehr Infos findest du hier: www.bildungsberatung-salzburg.at

Tirol
Ein Klick auf die Website www.bildungsberatung-tirol.at und du kannst dir deine Beratungsmöglichkeiten auf deine Frage und deinen Bezirk genau zugeschnitten anzeigen lassen. Weitere Informationen rund um Bildung und Beruf bekommst du von der Bildungsinfo Tirol!

Vorarlberg
Alles, was dein Bildungsherz begehrt, findest du auf den ersten Blick unter www.bildungsberatung-vorarlberg.at Einfach und übersichtlich kommst du so zu deiner Bildungsberatung. 

Für alle Bundesländer gibt es aber auch noch die online Bildungsberatung: www.bildungsberatung-online.at.​​​​​​​

Gewusst wie...

Fachkräftestipendium

Inhalt anzeigen

Seit 2017 wieder möglich! Gefördert werden neue Ausbildungen, die frühestens am 1.1.2017 und spätestens am 31.12.2018 beginnen und die zu einer Höherqualifizierung und einem Abschluss in Bereichen führen, in denen ein Mangel an Fachkräften herrscht. Die förderbaren Ausbildungen sind in der Ausbildungsliste des Arbeitsmarktservice zusammengefasst.

Förderbarer Personenkreis

  • Beschäftigungslose
  • Personen, die wegen der geplanten Ausbildung karenziert sind.
  • Vormals selbstständig Erwerbstätige, deren Erwerbstätigkeit ruht.
  • Personen, die in den letzten 15 Jahren mindestens 4 Jahre beschäftigt waren, deren höchste abgeschlossene Ausbildung unter dem Fachhochschulniveau liegt und welche die Aufnahmevoraussetzungen für die in Österreich geplante Ausbildung erfüllen.

Förderbare Ausbildungen

  • Förderbar sind alle Ausbildungen gemäß Punkt 13 dieser Bundesrichtlinie, die frühestens am  1.1.2017 und spätestens am 31.12.2018 beginnen oder wiederaufgenommen und zur Gänze in Österreich absolviert werden.

Dauer der Förderung

  • Das Fachkräftestipendium wird für die Dauer der Teilnahme an einer Ausbildung, maximal für drei Jahre gewährt.

Wie hoch ist die Unterstützung?

  • Die Höhe des Fachkräftestipendiums entspricht mindestens der Höhe des Ausgleichszulagenrichtsatzes, abzüglich eines Krankenversicherungsbeitrages. Im Jahr 2017 sind das täglich EUR 28,20.

Hilfreiche Links:

Du willst noch mehr Infos?

Die Bildungsline gibt Antworten

Neue Bildungswege warten im Netzwerk Bildungsberatung.

Kostenfreie Informationen & Beratung:

Schlagwörter: Weiterbildung, Lehre, 2. Bildungsweg, MINT, Berufswahl
CC BY

Dieser Text ist unter CC BY 4.0 International lizenziert.

von Carmen Bayer
Carmen Bayermask

Über die Autorin

Carmen Bayer

Neben ihrer Arbeit beim Netzwerk Bildungsberatung studiert sie Politikwissenschaften und verbringt ihre freie Zeit bevorzugt mit Büchern, Musik und sehr gerne auch mit gutem Essen. Sprachlos ist sie eher selten.

Teilen auf: