Lehre für Erwachsene

Weil es eben nicht nur einen Weg zum Lehrabschluss gibt!

Hier findet ihr die verschiedenen Möglichkeiten und Projekte für Erwachsene.

von Stephanie Posch | | Ratgeber

Eine duale Ausbildung (Lehre) ist nicht nur für Jugendliche bestimmt, sondern kann auch von Erwachsenen absolviert werden. Dafür gibt es verschiedene Möglichkeiten und Förderungen.

Die Lehrausbildung für Erwachsene gewinnt aufgrund der demografischen Entwicklung besondere Bedeutung.  Insgesamt ist ein deutlicher Anstieg an abgelegten und bestandenen Lehrabschlussprüfungen im zweiten Bildungsweg zu beobachten. Seit 2006 hat sich deren Zahl  beinahe verdoppelt. Im Jahr 2015 wurden 7.889 Lehrabschlussprüfungen im Rahmen einer  außerordentlichen Zulassung (zweiter Bildungsweg) bestanden,  dies sind rund 17% aller erfolgreichen Lehrabschlussprüfungen in Österreich.

Was ist möglich?

Erwachsene haben mehrere Möglichkeiten, eine Lehrabschlussprüfung zu absolvieren. Neben der klassischen Lehrlingsausbildung inklusive Berufsschulbesuch und der „ausnahmsweisen Zulassung zur Lehrabschlussprüfung“ gibt es in Salzburg, Oberösterreich und Burgenland das Projekt „Du kannst was!“ für Personen mit praktischer Berufserfahrung.

"Du kannst was!"

Betriebe, die erwachsene Lehrlinge beschäftigen und ihnen mindestens eine Hilfskräfteentschädigung bezahlen, erhalten vom Wirtschaftsministerium Förderungen: für das erste Lehrjahr drei Hilfskräftentgelte, für das zweite Lehrjahr zwei und für das dritte ein Hilfskräfteentgelt.Auch das Arbeitsmarktservice (AMS) vergibt Förderungen für Betriebe, die erwachsene Lehrlinge ausbilden.

Das Projekt „Du kannst was!“ ist ein Verfahren zur Anerkennung von praktischen beruflichen Kompetenzen, die im Laufe des Arbeitslebens erworben wurden. Durch diese Anerkennung wird der Weg zum Lehrabschluss für Personen mit mehrjähriger Berufserfahrung verkürzt.

Zielgruppe sind Personen, die mindestens 22 Jahre alt sind, keinen Berufsabschluss haben oder seit längerer Zeit nicht mehr im erlernten Beruf tätig sind. Weiters Migrantinnen und Migranten, deren im Herkunftsland erworbener Bildungsabschluss in Österreich nicht anerkannt wird. Voraussetzung ist eine ausreichende Berufserfahrung in den jeweiligen Lehrberufen.

Außerordentliche Lehrabschlussprüfung

Die zweite Möglichkeit für Erwachsene, zu einem Lehrabschluss zu kommen, ist eine außerordentliche Lehrabschlussprüfung. Voraussetzungen für den Antritt sind ein Alter von mindestens 18 Jahren undeinschlägige Ausbildung oder Berufserfahrung in der Branche.

„Wer beispielsweise als Einzelhandelskauffrau arbeitet, aber nie einen Abschluss gemacht hat, kann ihn auf diese Weise nachholen”

erläutert Stephanie Posch. Für viele Lehrberufe werden von verschiedenen Bildungseinrichtungen (BFI, WIFI,  Bau Akademie etc.) Vorbereitungskurse auf die Lehrabschlussprüfung angeboten.

"Du kannst was" auf den Punkt gebracht! Und ein Interview einer erfolgreichen Absolventin gibts gleich dazu.

Gewusst wie...

Lehre im 2. Bildungsweg

Inhalt anzeigen

Es gibt verschiedene Möglichkeiten als Erwachsene_r eine Lehre zu absolvieren. Von der "klassischen" Ausbildungsform bis hin zu Projekten wie "Du kannst was!", wo langjährige Berufserfahrung in einem Anerkennungsprozess zu einem meist schnellen Lehrabschluss führt.

Als Lehrabschluss im 2. Bildungsweg wird allerdings meist die außerordentliche Zulassung zur Lehrabschlussprüfung verstanden.

Voraussetzungen (außerordentliche Zulassung zur Lehrabschlussprüfung):

  • Über 18 Jahre
  • Nachweis der fachlichen Fertigkeiten und Kenntnisse des entsprechenden Lehrberufes (Anlernzeiten, praktische Tätigkeiten, Kurse etc.)

ODER

  • Die Hälfte der Lehrzeit eines Lehrberufes wurde bereits absolviert.

Form: Theoriewissen für die Prüfung wird je nach Möglichkeit:

Förderungen: 

Für einen umfassenden Überblick über deine Fördermöglichkeiten informierst du dich am besten bei der Bildungsberatung: BILDUNGSLINE: 0800 208 400 // frage@bildungsberatung-salzburg.at // online-bildungsberatung.at

Gewusst wie...

Verkürzte Lehre für Maturant_innen

Inhalt anzeigen

Eine Lehre nach der Matura hat so manche Vorteile. Der wohl wichtigste ist die Verkürzung der Lehrzeit um ein Jahr. Wobei das  nur bei Lehrausbidlungen, die länger als zwei Jahre dauern, möglich ist. Zudem werden oft Fächer, die bereits mit der Reifen-und Diplomprüfung abgelegt wurden in der Berufsschule angerechnet und/oder sogar als Ersatz der gesamten Lehrzeit angesehen. 

Für ganz Österreich gilt: Die Verkürzung findet so statt, dass sich die jeweiligen Lehrjahre reduzieren:

  • Bei Verkürzung von dreijährigen Lehrberufen ist das pro Lehrjahr ein Drittel: Statt 12 Monaten dauert jedes Lehrjahr nur 8 Monate.
  • Bei vierjährigen Lehrberufen werden die ersten beiden Lehrjahre ebenfalls auf 8 Monate verkürzt, die letzten beiden auf 10 Monate (8-8-10-10 Monate). 
  • Bei 3,5-jährigen Lehrberufen bleibt das letzte Halbjahr unverändert (8-8-8-6 Monate).

Lehrlingsentschädigung bei verkürzter Lehrzeit

Bei einer verkürzter Lehrzeit gibt es Sonderregelungen: Diese können sich aus dem jeweiligen Kollektivvertrag oder aus Vorgaben eines Fördermodells ergeben.

Als Grundregel bei verkürzter Lehrzeit gilt, dass sich die Lehrlingsentschädigung an die Verkürzung der Lehrjahre anpasst:

  • Bei dreijährigen Lehrberufen gibt es daher für die ersten 8 Monate die Entschädigung des 1. Lehrjahres, für die zweiten 8 Monate den Betrag für das zweite Lehrjahr und für die letzten 8 Monate gilt der Lohn des dritten Lehrjahres.
  • Für über-18-jährige Lehrlinge ist in manchen Kollektivverträgen eine erhöhte Lehrlingsentschädigung verpflichtend vorgesehen. Auch aus Förderrichtlinien kann sich eine höhere Lehrlingsentschädigung ergeben.

Weiterführende Links:

Berufsschule bei verkürzter Lehrzeit
Die Umsetzung der verkürzten Lehrzeit in der Berufsschule hängt vom jeweiligen Lehrberuf ab: In einigen Lehrberufen gibt es bereits eigene Klassen für Lehrlinge mit verkürzter Lehrzeit, die auf die abweichende Dauer der einzelnen Lehrjahre abgestimmt sind.

Dies ist derzeit in Wien in folgenden Berufen der Fall: Bürokaufmann/frau, Reisebüroassistent_in & Konditor_in.

In Lehrberufen, wo es keine eigenen Klassen gibt, muss die Abwicklung mit der jeweiligen Berufsschule besprochen werden. Im Regelfall können Maturant_innen eine Schulstufe der Berufsschule überspringen, sodass sich der Abschluss der Berufsschule in der verkürzten Lehrzeit ausgeht. Zusätzlich können Maturant_innen auf Antrag von einzelnen Fächern befreit werden, wenn sie bereits entsprechende Vorkenntnisse haben und diese nachweisen.

Welche Regelungen für Maturant_innen in welchen Lehrberufen genau gelten, ist je nach Bundesland  etwas unterschiedlich. Zusätzlich gibt es in einigen Lehrberufen eigene Regelungen auf Kollektivvertragsbasis. Generell können die Konditionen zwischen Lehrherren und Lehrling künftig direkt vereinbart werden.

Hierbei gilt es zu beachten: Die Verkürzung ist nicht verpflichtend, es kann auch die normale Lehrzeit vereinbart werden.

TIPP: Ein Besuch bei der Bildungsberatung kann dir helfen, die genauen Voraussetzungen für dein Bundesland schnell und einfach zu finden.

Gewusst wie...

Projekt: "Du kannst was!"

Inhalt anzeigen

„Du kannst was!“ hilft dir, dank des raschen und unkomplizierten Verfahrens zum Lehrabschluss zu kommen. Nutze deine Fähigkeiten und hol dir deinen Berufsabschluss!

Voraussetzungen:

Du bist mindestens 22 Jahre alt und hast ausreichend Erfahrung in einem der Berufe:

  • Betriebslogistiker_in
  • Bürokaufmann/-frau
  • Einzelhandelskaufmann/-frau
  • Großhandelskaufmann/-frau
  • Industriekaufmann/-frau
  • Metalltechniker/in
  • Koch/Köchin
  • Restaurantfachmann/-frau

Wenn dein Beruf hier nicht vertreten ist, du jedoch auch gerne an "Du kannst was!" teilnehmen möchtest, frag einfach nach, bei genügend Teilnhemer_innen ist eine Ausweitung der Berufe möglich!

Schreib ein Mail an: dukannstwas@ak-salzburg.at oder ruf an: 0662 88 30 81-555

Hilfreiche Links:

"Du kannst was!" ist eine Projektpartnerschaft der AK-Salzburg, AMS-Salzburg, BFI, Europäischer Sozialfonds, Land Salzburg, OEGB, TAZ Mitterberghütten, WIFI & Wirtschaftskammer.

Gibt es "Du kannst was!" auch außerhalb von Salzburg?

In einigen Bundesländern wird "Du kannst was!" noch angeboten, teilweise auch unter einem anderen Namen:

Gewusst wie...

Kompetenz mit System (Lehre für Arbeitssuchende)

Inhalt anzeigen

Kompetenz mit System (KmS) ermöglicht arbeitssuchenden Menschen, in der Zeit der Arbeitslosigkeit (z.B. für Saisonarbeiter_innen zwischen zwei Saisons), grundlegende Kenntnisse und Fertigkeiten des Berufsprofils zu erlangen und in Folge einen Lehrabschluss zu erwerben.

Im Ausbildungssystem "Kompetenz mit System" muss die Ausbildung nicht in einem Stück absolviert werden,  sondern ist in bis zu drei voneinander unabhängigen Modulen aufgeteilt. Die Teilnehmer_innen profitieren von jedem einzelnen Baustein durch zusätzliche und beschreibbare Fähigkeiten und müssen sich nicht von vornherein auf die Absolvierung aller Teile bis zum Lehrabschluss festlegen.

Mit der entsprechenden Praxis im Berufsfeld kann die Außerordentliche Lehrabschlussprüfung abgelegt werden.

KmS Schulungsbausteine gibt es bisher für die Lehrberufe:

  • Berufsbereich Betriebslogistik
  • Berufsbereich Büro
  • Berufsbereich EDV-Kauffrau/-mann
  • Berufsbereich Einzelhandel
  • Berufsbereich Elektrotechnik
  • Berufsbereich Finanz- und Rechnungswesenassistenz
  • Berufsbereich Gastronomiefachkraft
  • Berufsberecih Gebäudereinigung-Reinigungstechnik
  • Berufsbereich HGA (Hotel- und Gastgewerbeassisitentin)
  • Berufsbereich Informationstechnologie
  • Berufsbereich Koch/Köchin
  • Berufsbereich Maurer_in
  • Berufsbereich Metallbearbeitung
  • Berufsbereich Metalltachnik-Zerspanungstechnik
  • Berufsbereich Restaurantfachkraft
  • Berufsbereich Spedition

Zielgruppe:
AMS-Kund_innen ab 18 Jahren, die bisher maximal über einen Pflichtschulabschluss verfügen.

Hilfreiche Links:

Du willst noch mehr Infos?

Die Bildungsline gibt Antworten

Neue Bildungswege warten im Netzwerk Bildungsberatung.

Kostenfreie Informationen & Beratung:

Schlagwörter: Lehre, Lehrabschluss, Ausbildung, 2. Bildungsweg
CC BY

Dieser Text ist unter CC BY 4.0 International lizenziert.

von Stephanie Posch
Stephanie Poschmask

Über die Autorin

Stephanie Posch

Stephanie Posch ist Leiterin des Jugendreferates in der Arbeiterkammer Salzburg. Sie ist überzeugt, dass Bildung der Schlüssel für gesellschaftliche Teilhabe, sozialen Aufstieg und ein erfülltes Leben ist.

Teilen auf: