Reichen Deine Deutschkenntnisse für die Matura?

Am Abendgymnasium Salzburg können sich Zugezogene auf die Matura vorbereiten

Aufgrund des Ukraine-Krieges und der damit verbundenen Fluchtbewegung vieler Ukrainer:innen, haben wir im Abendgymnasium Salzburg nachgefragt, wie es bei dem Integrationsprojekt „Brücken bauen“ läuft und ob es etwas Neues gibt. Für ein Gespräch konnten wir Irene Prudky, Lehrerin am Abendgymnasium in Salzburg Lehen und die Studierende Asal Asghari gewinnen.

Von Dagmar Ziegler |
Reichen Deine Deutschkenntnisse für die Matura?

Wahre Heldinnen trifft man nicht im Kino, sie leben mitten unter uns. Das hat mir dieses Gespräch letzten Juni im Abendgymnasium Salzburg wieder einmal bestätigt. Lediglich acht Monate hat Asal Asghari aus Teheran gebraucht, um Deutsch zu lernen. Ich staunte nicht schlecht und überlegte, wie es wohl sein würde, müsste ich von heute auf morgen Persisch lernen. Vor vier Jahren kam die mittlerweile zwanzigjährige Iranerin nach Österreich. Die Schule, ein wissenschaftliches Gymnasium in Teheran, musste sie aufgrund der Flucht abbrechen. Doch ihre Ziele und Träume hat Asal Asghari nach Österreich mitgenommen:

Zitat

Ich würde gerne etwas in Richtung Chemie oder Mathematik studieren. Das sind meine Lieblingsfächer.

Dank des Projektes „Brücken bauen“ am Abendgymnasium Salzburg ist sie nun am besten Weg zur Matura. Nach erfolgreichem Abschluss der Vorbereitungskurse, hat sie mit dem Abendgymnasium bereits begonnen. In den Fächern Mathematik, Englisch und Informatik hat sie auch schon die Matura absolviert.

Asal Asghari kam 2018 aus dem Iran nach Österreich. Mittlerweile sind ihre Deutschkenntnisse so gut, dass sie das Abendgymnasium in Salzburg besuchen kann. Danach möchte sie Chemie oder Mathematik studieren.

Das Projekt eines aufmerksamen und engagierten Schuldirektors

Tausende vertriebene Menschen strömten im Jahr 2015 zu Fuß vom Salzburger Hauptbahnhof über die Lehener Brücke. Das Ziel war für die meisten die Grenze in die Bundesrepublik Deutschland. Der frühere Direktor des Abendgymnasium Salzburg, Gerhard Pusch, beobachtete diese Szenen von seinem Bürofenster aus. „Da hat er sich gesagt, er muss etwas machen, er muss da jetzt handeln.“, erzählt Irene Prudky, Lehrerin am Abendgymnasium Salzburg und Mitarbeiterin beim Projekt „Brücken bauen“. 2016 war dann auch der Startschuss für das Projekt. Dank des engagierten Direktors und neu eingeführter staatlicher Förderung für Deutschkurse, wurde damit Zugezogenen die Möglichkeit geboten, sich in den Fächern Deutsch, Englisch und Mathematik für das Abendgymnasium und somit für die Matura vorzubereiten.

Gängige Deutschkurse bereiten auf den Arbeitsmarkt vor. Dieses Projekt ist eine Brücke zum Abendgymnasium

Standard-Deutschkurse würden vorwiegend auf das Berufsleben vorbereiten. „Brücken bauen“ richtet den Fokus auf den Lernstoff der AHS Oberstufe und sei deshalb auch sehr anspruchsvoll, erläuterte Frau Prudky. Mit einer guten Prise Motivation und Fleiß ist der Kurs gut zu schaffen. Als Frau Asghari vor vier Jahren nach Österreich kam, verfügte sie über keinerlei Deutschkenntnisse. In Salzburg angekommen, startete sie mit einen Intensiv-Deutschkurs. Zusätzlich las sie Sprachbücher aus der Bibliothek, mit dem Ergebnis, dass sie innerhalb von nur 8 Monaten das Sprachniveau A2 erreichte.

Zitat

Frau Asghari wollte von Anfang an studieren und das spricht für ihre Motivation den Kurs zu absolvieren.

Seit ihrer Ankunft in Österreich wollte die junge Frau ihre Schulbildung an einem österreichischen Gymnasium fortsetzen, die Matura ablegen und danach studieren. Doch Ihr Sprachniveau A2 reichte nicht aus, um direkt in der Abendschule einzusteigen. Ihr Ziel war B1. Die Standard-Deutschkurse bei anderen Bildungseinrichtungen waren für sie wenig hilfreich, da dort zum Beispiel vermittelt wurde, wie man E-Mails schreibt. An dem Projekt „Brücke bauen“ hat der jungen Iranerin besonders gefallen, dass sie lernen würde, in Deutsch Zusammenfassungen oder Inhaltsangaben zu schreiben.

Zitat

Das Projekt ist sehr hilfreich zur Vorbereitung für das Gymnasium und so habe ich den Aufnahmetest gemacht.

Ein Eignungstest für hohe Ansprüche

Voraussetzung für die Aufnahme am Abendgymnasium sei neben dem Mindestalter von 17 Jahren ein Deutschniveau von mindestens B2. Im Rahmen der „Brücke bauen“ - Kurse erlangen die Studierenden dieses Niveau innerhalb eines Jahres und sind dann gut für die Maturafächer vorbereitet. B2 sei für das Abendgymnasium, laut Irene Prudky, unbedingt erforderlich, da die Studierenden gemeinsam mit Österreicher:innen in der Klasse sitzen und ab dem ersten Modul z.B. Bücher lesen und diese zusammenfassen würden. Hohe Ansprüche, die mit jedem Semester komplexer werden. Dazu Frau Prudky:

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Wir unterrichten eigentlich keine Anfänger:innen, kein A1, sondern wir starten bei A2 oder B1.

Reichen Deine Deutschkenntnisse für die Matura?

Irene Prudky (links) gemeinsam mit ihrer Schülerin Asal Asghari vor dem Abendgymnasium Salzburg.

Das Durchschnittsalter der Teilnehmenden ist 20, doch es gibt auch welche mit Mitte 30. Im Rahmen des Eingangstests wird der Wortschatz überprüft, es wird geschaut wie die Grammatik aussieht und ein Text müsse geschrieben werden. Wichtig sei ein gewisses Basiswissen auf dem gut aufgebaut werden kann. „Viele sind ja mündlich sehr gut, aber wenn sie dann schriftlich große Mängel haben, muss man schon manche ausschließen. Da wir sehr viel verlangen von den Studierenden, möchten wir niemanden falsche Hoffnungen machen.“, so Irene Prudky.

Tipp: Schafft man die Aufnahmeprüfung nicht, so kann man wiederkommen, denn es wird jedes Semester gestartet. Manchen Bewerber:innen wird empfohlen noch einen B1 Kurs zu machen.

Beginner-Kurs für Menschen aus der Ukraine

Durch die Initiative des amtierenden Direktors Roland Bieber startet ab dem Wintersemester 2022/23 ein Beginner-Kurs für Menschen aus der Ukraine. In Salzburg lebende ukrainische Schüler:innen  (ab 15 Jahren) haben dank dieses Angebotes die Möglichkeit, neben dem Besuch der Tages- oder Online-Schule, am Abendgymnasium Deutsch zu lernen.

Mathematik in einer Fremdsprache ist einfach anders

Im Rahmen der Projektkurse wird auch Mathematik unterrichtet. Denn die meisten Kursteilnehmer:innen können vorwiegend in der eigenen Muttersprache rechnen und eine Mathematikaufgabe in Deutsch ist natürlich wieder eine ganz andere Herausforderung. (Die Tatsache, dass Mathematik für mich sogar in der Muttersprache eine große Herausforderung war, behielt ich an dieser Stelle für mich.)

Modular und flexibel Deutsch lernen

Die Teilnahme an dem zweisemestrigen Kurs ist durchaus zeitintensiv. Insgesamt muss man mit 9 Stunden Präsenzzeit für die Deutschkurse rechnen. Zwei Stunden pro Woche hat man Mathematik und drei Stunden Englisch. Da es ein modulares System ist, kann man z.B. mit Deutsch und Englisch beginnen und Mathematik im zweiten Semester starten. Mehr als jede:r Zweite macht den Kurs übrigens in einem Jahr fertig.

Die große Internationalität in den Kursen ist sehr bereichernd

Im Kurs „Brücke bauen“ sei man aufgrund der Internationalität gezwungen Deutsch zu sprechen. Das empfindet Frau Asghari als sehr positiv. In früheren Kursen war sie meist mit persisch Sprechenden zusammen, da wurde dann natürlich in der Muttersprache gesprochen. Hier kämen die Teilnehmer:innen aus vielen verschiedenen Ländern. „Die Lingua Franca in den Kursen ist Deutsch.“, erläutert Irene Prudky.

Derzeit sind es Teilnehmer:innen aus der Türkei, aus Bosnien, Albanien, Brasilien, Kolumbien, China, Georgien und Kirgistan. Aus der Ukraine gäbe es auch Interessent:innen. Bisher hat es eine ukrainische Studentin mit Vorerfahrung in Deutsch in den Kurs geschafft und diesen auch sehr erfolgreich belegt.

Diese Projekt lebt aber auch von der Begeisterung und dem Engagement der Lehrer:innen. Irene Prudky:

Zitat

Für mich ist die Arbeit total bereichernd, es macht Spaß. Man kann auch kulturell sehr viel voneinander lernen. Wir reden zum Beispiel viel über Bedeutungen und Symbole und Werte, wie Glück, Familie und Gesundheit. Oder darüber welcher Fauxpas ihnen in Österreich passiert ist.

CC BY

Dieser Text ist unter CC BY 4.0 International lizenziert.

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von Dagmar Ziegler
Dagmar Ziegler, Redaktion Bildungsbuch Blog

Autorin

Dagmar Ziegler

Dagmar ist als selbständige Texterin, Moderatorin und Kommunikationsberaterin tätig. Für das Bildungsbuch ist die Salzburgerin immer auf der Suche nach spannenden Geschichten, die Mut machen, neue Wege zu gehen.

InfoboxProjekt Brücken bauen

Inhalt anzeigen

Talentierte Personen mit geringen Deutschkenntnissen können als Studierende am Abendgymnasium eigene Fördermaßnahmen in Anspruch nehmen. Diese laufen unter dem Titel „Brücken bauen“. Sie sollen einen flexiblen Einstieg ins Vollstudium ermöglichen und die Sprachfähigkeit soweit ausbauen und vertiefen, dass die jeweiligen Studierenden dem Unterricht schließlich in allen Fächern folgen können. Erforderlich für den Besuch dieser Deutschkurse sind Sprachkenntnisse auf A2- oder höherem Niveau.

Mehr Informationen

InfoboxAbendgymnasium Salzburg

Inhalt anzeigen

Dauer: 2-10 Semester (je nach Anrechnung von Zeugnissen höherer Schulen und Studienmodell)

Form: abhängig vom individuell zusammengestellten Stundenplan

  • Vollstudium 5 Tage die Woche zwischen 17:05-21:55 Uhr
  • Kompaktstudium freitags von 15:30-21:55 und samstags von 9:00-17:00 Uhr
  • Fernstudium:

- Einser-Studium: 1 Tag die Woche, 5 Semester samstags zwischen 09:00-17:00 Uhr Tage, 5 Semester freitags zwischen 14:45-21:55 Uhr
- Zweier-Studium: 2 Tage die Woche, freitags zwischen 17:05-21:55 Uhr
- Dreier-Studium: 3 Tage die Woche, 2 Abende unter der Woche zwischen 17:05-21:55 und freitags zwischen 14:45-21:55 Uhr

  • Berufsreife Plus: Berufsreifeprüfung kann zur vollwertigen Matura ausgebaut werden, 1 Tag die Woche, freitags zwischen 14:45-21:55 Uhr
  • Projekt: Brücken bauen: Vorbereitung zum regulären Abendgymnasiums-Besuch mit Deutschniveau auf mind. A2

Voraussetzungen:

  • Erfüllung der gesetzlichen Schulpflicht
  • Mindestalter 17 Jahre
  • Berufliche Tätigkeit

Kosten: keine

Abschluss: Matura

Telefonnummer: 0662/434575

Nützliche Links: http://www.abendgymnasium.salzburg.at/

Zuletzt aktualisiert am 27.5.2024 von BiBer Bildungsberatung

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Infoboxwaff: Beratungs- und Förderleistungen in Wien

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Grundsätzlich bietet der waff kostenlose und individuelle Beratung für berufliche Entwicklungschancen von beschäftigten Wiener:innen und fördert berufliche Aus- und Weiterbildungen. Neben beschäftigten Wiener:innen gibt es gemeinsam mit dem AMS Wien auch Angebote für arbeitssuchende Wiener:innen.

Bildungskonto: Das Bildungskonto für Wiener Arbeitnehmer:innen (BIKO) fördert Wiener:innen, die sich beruflich weiterbilden oder einen höheren Abschluss erlangen möchten und steht allen Wiener:innen je nach Einkommen, Arbeitsmarktstatus und beruflichem Ziel bei anerkannten Bildungsträgereinrichtungen zur Verfügung. Das Bildungskonto mit maximal € 500 ist für alle Wiener:innen (Beschäftigte und arbeitslos Gemeldete). Im Rahmen des Bildungskontos werden anteilsmäßig die Kosten für berufsbezogene Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen bei einem vom waff anerkannten Bildungsträger in Abhängigkeit der individuellen Formalvoraussetzungen bis maximal € 3.000 refundiert. Weiters werden Förderungen von digitalen und klimaschutzrelevanten Kompetenzen und Qualifizierungen in der Höhe von maximal € 5.000 gewährt.

Chancen-Scheck des waff: Der Chancen-Scheck ist das Förderinstrument für die Zielgruppe des Qualifikationsplans Wien 2030. Beschäftigte, die keine über die Pflichtschule hinausgehende Ausbildung haben oder Personen, die zwar über einen höheren Abschluss verfügen, aber dennoch dequalifiziert arbeiten, erhalten mit dem Chancen-Scheck eine besonders attraktive finanzielle Förderung für Aus- und Weiterbildungsvorhaben von bis zu 5.000 Euro. Mit dem Chancen-Scheck werden berufliche Weiterbildung und das kostenlose Nachholen von Lehr- und anderen Bildungsabschlüssen gefördert. Damit verbunden ist in der Regel die Ausstellung eines Qualifikationspasses, der Qualifikationen, Kompetenzen, berufliche Entwicklungsziele und Bildungsschritte dokumentiert und zum Erreichen des individuellen Bildungsziels beitragen soll.

FRECH – Frauen ergreifen Chancen – Beratung und Qualifizierung: Bei FRECH handelt es sich um ein Programm für beschäftigte Frauen in Wien, die eine grundlegende berufliche Veränderung in Form einer Neuorientierung, Höherqualifizierung und/oder Weiterentwicklung anstreben. Das Programm bietet beschäftigten Frauen mit beruflicher Veränderungsabsicht eine Prozess- und Laufbahnberatung, welche gegebenenfalls durch einen Qualifizierungszuschuss für Aus- und Weiterbildung von 90 Prozent der Weiterbildungskosten bis max. 5.000 Euro ergänzt werden kann. Aus- und Weiterbildungen zur Stärkung digitaler und klimaschutzrelevanter Kompetenzen können ebenfalls gefördert werden. Darüber hinaus werden berufsbezogene Workshops und Vorträge angeboten. Frauen können dabei von einer umfassenden individuellen Beratung, Workshops und Vorträgen sowie einer finanziellen Unterstützung bei der Aus- und Weiterbildung profitieren.

Karenz und Wiedereinstieg: Das Programm bietet Personen vor, während und nach einer Berufsunterbrechung (Eltern-, Pflege- oder Familienhospizkarenz) frühzeitige Information und präventive Beratung für den beruflichen Wiedereinstieg. Die Beratung kann durch einen Qualifizierungszuschuss für Aus- und Weiterbildung von 90 Prozent der Kosten bis max. 4.000 Euro ergänzt werden. Darüber hinaus werden themenspezifische Gruppenveranstaltungen mit gelegentlicher Kinderbetreuung angeboten.

Ausbildungsinitiative Frauen in Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Technik: Die Ausbildungsinitiative für Frauen in Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Technik wendet sich an beschäftigte Wiener:innen, die ein berufsbegleitendes Studium in den genannten Bereichen anstreben. Ziel ist es, mehr Frauen in berufsbegleitende Fachhochschulstudiengänge zu bringen und damit langfristig mehr weibliche Fachkräfte für den Wiener Arbeitsmarkt zu gewinnen. Das Programm bietet umfassende prozessorientierte Beratung wie auch Coachingangebote. Vor dem Studium wird die berufsbegleitende Vorbereitung auf ein Studium gefördert, unter anderem durch eine Vorqualifizierungsmaßnahme an der Hochschule Campus Wien. Nach Studienplatzzusage werden geförderte Kurse begleitend zum ersten Studienjahr, z.B. eine berufsbegleitende Begleitqualifizierung für Bachelor-Studiengänge an der FH Technikum Wien, ein Stipendium für ausgewählte Bachelor- und Masterstudiengänge (12.000 Euro für BA-Studiengänge, 9.000 Euro für MA-Stiudiengänge) sowie zahlreiche Workshops, Vernetzungsveranstaltungen und Kooperationen mit Unternehmen und Fachhochschulen bereitgestellt. Ergänzend werden studien- und berufsbezogene Veranstaltungen sowie Begleitung bis über den erfolgreichen Studienabschluss hinaus angeboten.

Sonderprogramm Lehrlinge: Der waff kann auf Grundlage des Antrags eines Lehrlings mit Wohnsitz in Wien die Vorfinanzierung der Kosten für Vorbereitungskurse auf die Lehrabschlussprüfung übernehmen, die dem waff von der Wirtschaftskammer Wien refundiert werden. Ergänzend werden auch die LAP-Vorbereitungskurse, die im Rahmen des Projektes Qualifizierungsmanagement eingereicht werden, gefördert.

Weiterbildungsinformation Wien: Der waff führt eine umfassende, aktuelle Weiterbildungsdatenbank unter weiterbildung.at, die eine anbieterneutrale Entscheidungsgrundlage für die Auswahl einer passenden Aus- und Weiterbildung darstellt.

Wiener Ausbildungsgeld:  Mit dem Wiener Ausbildungsgeld sollen mehr Menschen für längere Ausbildungen und die anschließende Berufstätigkeit in vom Mangel an Fachkräften geprägten Bereichen gewonnen werden. Da die Bezüge aus der Arbeitslosenversicherung in der Regel nicht ausreichen, um eine längere Ausbildung finanziell abzusichern, hat Wien im Jahr 2021 mit dem Wiener Ausbildungsgeld eine finanzielle Lücke geschlossen. Die Leistung richtet sich an beim AMS Wien arbeitslos gemeldete Personen und ermöglicht diesen im Vorfeld einer Beschäftigung die Teilnahme an länger dauernden Ausbildungen (mindestens 12 Monate) im Rahmen von Jobs PLUS Ausbildung sowie anderen arbeitsplatznahen Qualifizierungen. Das Wiener Ausbildungsgeld wird für Ausbildungen in den Bereichen der kommunalen Daseinsvorsorge (beispielsweise: Gesundheit, Pflege, Soziales und Pädagogik in Kooperation mit der Magistratsdirektion und Unternehmen der Stadt Wien) und andererseits für Qualifizierungen in klimaschutzrelevanten Berufen sowie im Bereich IKT/Digitalisierung gewährt. Es unterstützt die Teilnehmer:innen während der gesamten Dauer der Ausbildung mit monatlichen Zahlungen, die einen Mindestbetrag von rund € 1.550 monatlich sicherstellen. Damit wird ein wichtiger Beitrag zur Sicherung des Fachkräftebedarfs in diesen gesellschaftlich relevanten Beschäftigungssegmenten geleistet. Die Gewährung des Wiener Ausbildungsgeldes ist subsidiär zu Förderungen des Bundes, des Landes oder Dritter.

Zahlreiche Studien belegen, dass eine finanzielle Absicherung der Lebenshaltungskosten ein wichtiger Faktor für eine Ausbildung im Erwachsenenalter ist.

Jugendstiftung Wien: Aufgrund der Entwicklungen am Arbeitsmarkt und des Fachkräftebedarfs der Wiener Wirtschaft haben der waff und das AMS Wien mit der Jugendstiftung Wien ein erfolgreiches Instrument zur Qualifizierung von jungen Erwachsenen ins Leben gerufen. Im Eintrittszeitraum von Jänner 2025 bis Dezember 2028 werden insgesamt 1.000 umstiegs- und aufstiegsorientierte junge Wiener:innen im Alter von 18 bis 24 und mit Anspruch auf Arbeitslosengeldbezug durch gezielte Aus- und Weiterbildung unterstützt. Die Maßnahme umfasst eine Phase der Berufsorientierung, in welcher vorhandene Kompetenzen erarbeitet und ein Berufsziel entwickelt wird. Die Möglichkeiten reichen hierbei vom Lehrabschluss bis hin zu Bachelorstudien. Hier soll einerseits auf bestehenden Qualifikationen der Teilnehmer:innen aufgebaut und begonnene Ausbildungen abgeschlossen werden und andererseits neue Berufsziele in Branchen mit besonders hohem Fachkräftebedarf erarbeitet werden (MINT, Green, Care). Nach Abschluss der Ausbildung wird im Rahmen der aktiven Arbeitsuche intensiv bei der Jobsuche unterstützt. Da eine finanzielle Absicherung der Lebenserhaltungskosten ein wichtiger Faktor für eine Ausbildung im Erwachsenenalter darstellt, ist zusätzlich zum Arbeitslosengeld eine monatliche ausbildungsbedingte Zuschussleistung in Höhe von € 300 vorgesehen.

Frauenstiftung Wien: Die Frauenstiftung Wien richtet sich an Frauen ab 25 Jahren ohne Berufsausbildung und mit Arbeitslosengeldbezug, wobei der Fokus auf Wiedereinsteigerinnen liegt. Ihr Ziel ist es, den Teilnehmerinnen eine Qualifizierung zu ermöglichen und sie beim (Wieder)-Einstieg als Fachkraft in den Arbeitsmarkt zu unterstützen. Im Rahmen des mit August 2025 gestarteten Pilotprojekts ist innerhalb von einem Jahr der Eintritt von 100 Frauen vorgesehen. Ähnlich wie bei der Jugendstiftung ist auch hier zu Beginn eine Phase der Berufsorientierung vorgesehen, in welcher vorhandene Kompetenzen erarbeitet und ein Berufsziel entwickelt wird. Dabei wird einerseits auf den bestehenden Qualifikationen der Teilnehmerinnen aufgebaut und andererseits neue Berufsziele in Branchen mit besonders hohem Fachkräftebedarf erarbeitet (MINT, Green, Care). Nach Abschluss der Ausbildung – die Möglichkeiten reichen vom Lehrabschluss bis hin zu Bachelorstudien – wird intensiv bei der Jobsuche unterstützt. Um entsprechende Ausbildungen zu ermöglichen und die Lebenserhaltungskosten abzusichern ist ein monatlicher Ausbildungszuschuss in Höhe von € 300 zusätzlich zum Arbeitslosengeld vorgesehen.

Wiener Pflegeausbildungsprämie: Die Pflegeausbildungsprämie ist eine monatliche finanzielle Unterstützung in der Höhe von 658,40 Euro für Personen, die eine Ausbildung in Gesundheits- und Sozialbetreuungsberufen an einer anerkannten Ausbildungseinrichtung in Wien absolvieren. Damit sollen strukturelle und finanzielle Anreize gesetzt werden, um Ausbildungen in diesen Bereichen attraktiver zu gestalten. Die Pflegeausbildungsprämie kann Personen gewährt werden, die eine Ausbildung in der Gesundheits- und Krankenpflege (z.B. Bachelor Gesundheits- und Krankenpflege, Pflegefachassistenz) bzw. eine Ausbildung in einem Sozialbetreuungsberuf (z.B. Fach- bzw. Diplom-Sozialbetreuung in Alten- oder Behindertenarbeit) absolvieren.

Kursförderungen für Arbeitnehmer*nnen in Wien – waff
 

Diese Informationen wurden uns vom waff im Februar 2026 zur Verfügung gestellt.