Zweifel an der Ausbildung

Immer mehr junge Leute zweifeln an ihren Entscheidungen, sind sich unsicher und suchen Rat.

Theresa ist Mitte 20, Pädagogin und spricht mit uns offen darüber, was es heißt, wenn man sich dem Leistungs- und Erfolgsdruck der Uni bzw. Arbeitswelt nicht beugen kann und will.

von Carmen Bayer | | Einblicke

Theresa zählt zur Generation Y, wie alle, die zwischen 1980 und ca. 1995 geboren sind. Diese Generation ist bekannt darfür, dass sie Personalvertreter_innen neue Fragen und Anforderungen entgegensetzt. Doch nicht nur das.

Die Ypsiloner sind eine viel erforschte, häufig diskutierte und vor allem mit Vorurteilen überladene Gruppe. Sie gelten als egozentrisch, freizeitverliebt, flexibel und von Helikoptereltern verhätschelt und verzogen.

Was hat diese Generation an sich?

Woher kommen die Vorurteile und was macht die Generation Y so spannend für die Wissenschaft? Fakt ist, dass alle zwischen 1980 & 95 Geborenen in ihrer Kindheit, Jugend und frühen Erwachsenenzeit mit Geschehnissen konfrontiert wurden, die als besonders prägend angesehen werden. Digitalisierung, die Anfänge des Internets, Weltwirtschaftskrise, Terrorismus – Entwicklungen vor welchen wohl niemand die Augen schließen konnte.

In der Zeit des Erwachsenwerdens permanent mit Unsicherheit konfrontiert zu werden, sei es durch Börsenspekulationen, die in Wirtschaftskrisen ausarten oder durch laufende Berichterstattungen über Krieg und Terror, das kann Einfluss auf die Grundhaltung einer ganzen Generation nehmen.

Neben dem Gefühl der Unsicherheit wuchsen diese jungen Leute – paradoxer Weise – mit dem Credo auf, dass sie alles werden können, was sie wollen. Kommt es nun zur Wahl des Berufes oder der weiteren Ausbildung stehen alle Türen stehen offen, dafür haben Eltern und Großeltern immerhin hart gearbeitet. Also gilt es, dankbar zu sein und sich zum Wohl aller selbst zu verwirklichen. Die Generation Y hat also alle Freiheiten, die man sich nur wünschen kann. Doch auch ein zu viel an Wahlmöglichkeiten kann überfordern. 

Theresas Weg

Der kurze Ausflug in die Generationenforschung war notwendig, um Theresas Situation besser nachvollziehen zu können. Denn auch sie steht nach ihrem Abschluss an der HLWM Salzburg (Annahof) vor zukunftsweisenden Entscheidungen und vielen Fragen. "Was wünsche ich mir, was erwarten sich meine Eltern, mein Umfeld von mir? Was ist möglich?"

Vom Sitzen und Lernen hat sie erstmal genug, also beschließt sie, ihrer Ausbildung entsprechend in die Gastronomie zu gehen. Bereits nach kurzer Zeit wird Theresa aber klar, dass sie sich doch noch irgendwie weiterbilden möchte. Nur was, das steht noch in den Sternen.

Weil ihr Freiheitsdrang überwiegt und kein konkreter Zukunftsplan in Sicht ist, geht Theresa nach einer Saison im Gastrobereich für sechs Monate auf Reisen – Erfahrungen sammeln, Abstand von sich selbst (den Zweifeln und Unsicherheiten) und den Anderen gewinnen und die Suche nach dem eigenen Weg beginnen.

Auf den letzten Drücker, innerhalb der letzten Tage der Inskriptionsfrist an der Uni meldet sie sich von Teneriffa aus für das Pädagogikstudium in Salzburg an. Warum? Ganz einfach - weil es sich richtig anfühlt.

In der Universität angekommen stellen Lernen und Stillsitzen keine Probleme mehr dar, auch die Inhalte des Studiums gefallen Theresa und dennoch fühlt sie sich unsicher mit ihrer Entscheidung, mit ihrem Weg.

Eingeholt von Zweifeln

Obwohl sie das Studium an sich sehr interessiert und nach außen hin alles passt, fühlt es sich nicht richtig an. Theresa wünscht sich Sicherheit, sie sehnt sich nach etwas Handfestem.

Die anderen Studierenden machen auf sie den Eindruck, frei von jeglichen Zweifeln oder Ängsten zu sein. Das verunsichert Theresa, sie beginnt sich isoliert zu fühlen und ihre Entscheidungen zu hinterfragen.

„Ich hatte das Gefühl, dass sich alle außer mir mit ihrem Bildungsweg sicher sind.”

Theresa beginnt zu recherchieren und setzt sich mit ihrer Vorstellung der eigenen Zukunft auseinander. Sie spürt, dass sie in einer Sackgasse gelandet ist und Rat benötigt. Daher überwindet sie ihre Hemmungen und besucht die Studierendenberatung. So ganz findet sie dort aber nicht, wonach sie sucht. Sie beendet ihr Studium und macht eine Zusatzausbildung, das Psychotherapeutische Propädeutikum, von welcher sie sich bessere Zukunftschancen erhofft.

Durch Zufall gelangt Theresa zum Career Center der Uni-Salzburg, wo sie sich mit ihren Sorgen um die eigene Zukunft gut aufgehoben fühlt. Die Beratung und die vielen Gespräche geben Theresa neuen Mut und sie erarbeitet sich einen Plan für ihre nächsten Schritte.

„Der Druck von außen macht es unglaublich schwer, an sich selbst zu glauben.”

Ihr Ziel ist es, in der Beratung / im Coaching tätig zu werden und anderen zu helfen, die ebenso mit ihrer Unsicherheit und dem Druck der Außenwelt zu kämpfen haben.

Doch damit ist Theresas Bildungsweg nicht zu Ende:

Theresas Wunsch, nach dem Bachelor ins Berufsleben einzusteigen, wird mit jeder versendeten Bewerbung schwerer zu erreichen. Absagen oder gar keine Antwort bringen alte Unsicherheiten wieder zu Tage. Hinzu kommen die Fragen ihres Umfelds, was denn jetzt, wo sie ihren Abschluss gemacht hat, passieren wird. Doch inzwischen weiß Theresa, wie sie mit ihren Gedanken und den Erwartungen umgehen kann:

Halte dir folgendes immer vor Augen

  • Es ist unwichtig, was die anderen sagen, denken oder tun. Es geht darum, den eigenen Weg zu finden und dich in dieser Phase nur mit deinen eigenen Angelegenheiten zu beschäftigen – lass dich nicht durch Vergleiche mit anderen unter Druck setzen!
  • Auch wenn du dich isoliert fühlst - du bist nicht alleine! Nimm dir Zeit und Raum für dich, werde dir in Ruhe darüber klar, was DU willst und hol dir Rat von Expert_innen. Es wird dir gut tun!
  • Egal welchen Weg du gewählt hast, es wird das zum Vorschein kommen was/welches Potenzial dir wirklich innewohnt und von dir gelebt werden möchte. Du bist sowieso das, was du auch schon warst - dein Studium wird dein Potenzial nicht verändern, es kann vielmehr gefördert werden.
  • Also nimm dir Zeit für dich und glaub an das, was dich ausmacht- denn in deinem Beruf wirst du viele Jahre deines Lebens verbringen. Da sind 1-2 Jahre Findungsprozess wirklich nichtig aber überaus wichtig.

Die Zukunft

Und jetzt? Jetzt hat Theresa eine Anstellung gefunden, die perfekt zu ihr passt und sich dazu entschlossen, ihre Erfahrungen bei der Arbeit mit einem Masterstudium berufsbegleitend zu verbinden, um so die vielen Aspekte der Beratung praktisch und wissenschaftlich zu erforschen.

„Wir werden vermutlich immer mit den Erwartungen der Anderen und den eigenen Zweifeln zu kämpfen haben. Davon sollten wir uns aber nicht vom Weg abbringen lassen.”

Den Pfad als Ziel sehen - das bringt Theresa

erstaunliche Motivation und

Durchhaltevermögen.
Theresa Strasser

Gewusst wie...

Pädagogikstudium

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Pädagogik ist ein Universitäts(-bachelor)studium, dass in Österreich unter unterschiedlichen Namen angeboten wird:

Im fortführenden Masterstudium ergeben sich weitere Vertiefungen und Schwerpunkte.

Form: Bachelorstudium mit 180 ECTS Punkte, Mindeststudienzeit 6 Semester

Abschluss: Bachelor of Arts "BA"

Inhalt und Möglichkeiten:
Laut Studienplan der Universität Salzburg setzt man sich in diesem Studium systematisch mit der Theorie und Praxis von Erziehung und Bildung auseinander. Mit dem Abschluss kann man vom Kinder-, Jugend-, Erwachsenen- bis Altenbereich, im Bildungs- und Weiterbildungswesen bis hin zum Personalwesen arbeiten.

Der Bachelorabschluss befähigt für das anschließende Masterstudium, als auch für anderweitige (Master-)Studien sowie zur Spezialisierung mittels weiterführender Lehrgänge (Elementarpädagogik, Migrationsmanagement, Coaching, Supervision, Psychotherapeutisches Propädeutikum,…)

Wichtig: Ab Studienjahr 2018/2019 mit Aufnahmeverfahren!

Hilfreiche Links:

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Studienberechtigungsprüfung - SBP

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Mit der SBP hat man den Zugang zu einem bestimmten Studium (bzw. einer Studienrichtungsgruppe) in Österreich, wofür keine Matura notwendig ist. Dazu sind meist 5 Prüfungen erforderlich, die je nach Studienrichtungsgruppe unterschiedlich sind – einzig Deutsch ist immer verpflichtend.

Voraussetzungen:

  • Mindestalter 20 Jahre
  • Zulassung zu einer Studienrichtungsgruppen (nach Antrag)
  •  Abschluss einer Lehrausbildung oder 3jährigen Fachschule oder Ähnliches

Gut zu wissen...

  • Die SBP ersetzt keine Aufnahmeprüfung zu einem Studium – es ist lediglich der Zugang gegeben wie mit einer Matura.
  • Der Antrag auf Zulassung zur SBP muss an einer Universität gestellt werden.
  • Es gibt Vorbereitungskurse zu den einzelnen Prüfungsfächern an Erwachsenenbildungseinrichtungen (BFI, VHS, WIFI,…) – die Prüfungen finden auf der Universität statt.
  • Sollte nach der SBP ein Studium begonnen werden und dann ein Studienwechsel gewollt sein, müssen gegebenenfalls einzelne Prüfungen nachgemacht werden (neuer Antrag zur SBP).
  • Mit dem ersten Studienabschluss (meist Bachelor) ist dann ein Hochschulzugang zu allen Studienrichtungen möglich.
  • Universitäten und Fachhochschulen legen die Anforderungen selbst fest.

Hilfreiche Links:

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Berufsreifeprüfung - BRP

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Die Berufsreife ist in Österreich eine mögliche Variante, um zu einem uneingeschränkten Hochschulzugang zu kommen. Mit einem beruflichen Abschluss (Lehre, Schule etc.) kann nach der Absolvierung von 4 Prüfungen (Mathematik, Deutsch, Englisch und einem berufsbezogenen Fachbereich) die Berufsmatura erreicht werden.

Voraussetzungen:

  • Abschluss einer Lehrausbildung, 3jährigen Fachschule oder Ähnliches.
  • Beginn nicht vor dem 17. Geburtstag; die letzte Prüfung nicht vor dem 19. Geburtstag.

Gut zu wissen...

  • In Deutschland wird die BRP nicht als Maturaersatz anerkannt und man kann somit dort nicht zu studieren beginnen.
  • Angeboten werden Vorbereitungslehrgänge in anerkannten Erwachsenenbildungseinrichtungen (BFI, VHS, WIFI).
  • Die Lehre mit Matura ist eine kombinierte Form der BRP, wo die Vorbereitungskurse gleichzeitig mit der Lehrausbildung absolviert werden.

Dauer:

  • ab 4 Semester (je nach persönlichen Möglichkeiten und Institution)
  • Abendgymnasium: 5 Semester

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Selbsterhalterstipendium

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Voraussetzungen:

  • Nachweisliche Arbeitszeit: vier Jahre (48 Monate) vor dem ersten Beihilfenbezug 
  • Einkünfte jährlich zumindest € 8.580,- (Brutto minus Sozialversicherung)
  • Zeiten des Präsenz-, Ausbildungs- oder Zivildienst bzw. Dienste nach dem Freiwilligengesetz gelten jedenfalls als Zeiten des Selbsterhaltes.
  • Waisenpension und Lehrzeiten können bei entsprechender Höhe bei der Ermittlung des Selbsterhaltes berücksichtigt werden.
  • Eine Sonderregel besteht hinsichtlich der Altersgrenze. Die allgemeine Altersgrenze von 30 Jahren (zu Studienbeginn) erhöht sich, wenn sich die Studentin/der Student länger als 4 Jahre selbst erhalten haben. Die Altersgrenze erhöht sich für jedes volle Selbsterhalter-Jahr zusätzlich um ein weiteres Jahr, jedoch maximal um insgesamt 5 Jahre.

Wichtig:

  • Bei der Berechnung werden die Einkünfte der Eltern nicht miteinberechnet, nur das Einkommen des Ehepartners/der Ehepartnerin
  • Studienerfolg ist nachzuweisen
  • Das Stipendium ist für das gesamte Studium (Mindeststudiendauer + Toleranzsemester) 12 Mal im Jahr zu beziehen

Hilfreiche Links:

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Schlagwörter: Orientierung, Ausbildung, Weiterbildung
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Dieser Text ist unter CC BY 4.0 International lizenziert.

von Carmen Bayer
Carmen Bayermask

Über die Autorin

Carmen Bayer

Neben ihrer Arbeit beim Netzwerk Bildungsberatung studiert sie Soziologie und verbringt ihre freie Zeit bevorzugt mit Musik und sehr gerne auch mit gutem Essen. Sprachlos ist sie eher selten.

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