Dein Wunschberuf und der Arbeitsmarkt

Sind wir schlecht beraten, wenn wir lernen was wir wollen?

Das AMS Niederösterreich plant gerade ein Forschungsprojekt, das einem Ansatz folgt, deren Kund*innen mehr Entscheidungsfreiheit einräumen soll. Das heißt: Arbeitssuchende sollen ihre Berufswahl selbst treffen.

Von Kathrin Weinelt |
Arbeitsmarkt

Wahlfreiheit am Arbeitsmarkt

Es gibt Berufe, die werden am Arbeitsmarkt derzeit stark nachgefragt. Der Haken an der Sache: Leider sind das nicht unbedingt die Berufe, die viele Menschen ergreifen möchten. Doch wie löst man dieses Dilemma? Das AMS Niederösterreich wagt einen interessanten Vorstoß. Konkret stellt man sich hier die spannende Frage: Sollte man die Menschen lernen lassen, worauf sie Lust haben oder macht es mehr Sinn, sie in Schulungen für sogenannte „Zukunftsberufe“ zu buchen, die am Arbeitsmarkt gerade besonders gefragt sind? Wieviel Wahlfreiheit verträgt unsere Gesellschaft?

Fakt ist: Der aktuelle Vergleich von Arbeitslosen und offenen Stellen zeigt, dass die erlernten Berufe oft nicht diejenigen sind, nach denen der Arbeitsmarkt verlangt. Bestimmte Berufsgruppen werden – übrigens bereits seit Jahren – händeringend gesucht.

Mangelberufe: In diesen Berufen steigt die Nachfrage

Als Mangelberuf oder Engpassberuf wird ein Beruf dann bezeichnet, wenn es in diesem Berufsfeld sehr viele offene Stellen gibt und nur sehr wenig dafür geeignete Arbeitnehmer*innen. Wenn du dich für einen Beruf interessierst, der auf der Liste der Mangelberufe steht, hast du also Glück und wirst leicht eine Stelle finden. Laut einer kürzlich durchgeführten Unternehmens-Befragung der Wirtschaftskammer (WKO) fehlen österreichweit 162.000 Fachkräfte.

Zu diesen gefragten Berufen zählen vor allem Fliesenleger*innen, Zimmerer*innen, Maurer*innen, Dachdecker*innen, Bauspengler*innen, Bautischler*innen. Besonders Frauen können sich für diese handwerklichen Berufe, trotz vielfacher „Frauen in die Technik“-Initiativen, tendenziell eher selten begeistern. Doch auch in der Pflege finden sich nach wie vor viele offene Stellen, die mangels Nachfrage lange unbesetzt bleiben. Moralisch hoch angesehen, zu Zeiten von CoVid-19 sogar öffentlich beklatscht, sehen immer noch (zu) wenige Menschen ihre berufliche Zukunft in der Pflege.

Hier findet ihr die gesamte Liste der Mangelberufe.

In diesen Berufen sinkt die Nachfrage

Dagegen ist die Nachfrage an Fachkräften für Bereiche wie Marketing, Human Resources oder Unternehmensmanagement in den letzten Jahren dramatisch gesunken – viele, zum Teil hoch gebildete Absolvent*innen scheitern derzeit an der Jobsuche. Die Krise verschärft diese Problembereiche, die schon seit längerem vorhanden sind, noch zusätzlich.

Doch woran liegt es, dass es manche Berufe einfach nicht in die "Top Ten" der Wunschberufe von Auszubildenden schaffen, obwohl sie doch vergleichsweise gute Jobchancen bieten?
Liegt es an den fordernden Arbeitsbedingungen, der schlechten Bezahlung oder den anspruchsvollen Ausbildungen? Oder hat es auch mit gesellschaftlichem Ansehen zu tun? Und wie lösen wir das Problem, vor allem im Hinblick auf die Arbeitsmarktvermittlung?

Mehr Selbstbestimmung beim AMS

Menschen in Qualifizierungskurse zu stecken, die zwar den Trends am Arbeitsmarkt, nicht aber den Wünschen der Klient*innen entsprechen, hat sich als mäßig erfolgreich erwiesen. Das AMS NÖ geht deshalb jetzt versuchsweise einen anderen Weg: In einem Pilotprojekt erhalten arbeitssuchende Personen einen „Ausbildungsscheck“ zur freien Verfügung. Diese Personen können ihre Qualifizierungsmaßnahmen frei wählen und werden nicht traditionell (nach AMS-Vorgaben) qualifiziert. Am Ende wird erhoben: Welche Personengruppe war am Ende bei der Jobsuche erfolgreicher? Ein mutiger Schritt, hin zu mehr Selbstbestimmung der AMS-Kund*innen. 

Beraten lassen

Wahrscheinlich ist dieser Versuch aber vor allem dann erfolgreich, wenn er mit einer qualifizierten Bildungs- und Berufsberatung einhergeht. Denn Menschen wollen beides: Einen Beruf, der ihren Wunschvorstellungen entspricht, der aber auch gleichzeitig reelle Chancen auf einen (wohnortnahen) Arbeitsplatz bietet. Denn in einem Luftschloss friert sich´s leicht, das wissen die Leute – und sind bereit, entsprechend kluge Entscheidungen zu fällen, wenn man sie lässt.

CC BY

Dieser Text ist unter CC BY 4.0 International lizenziert.

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von Kathrin Weinelt
Kathrin Weinelt

Autorin

Kathrin Weinelt

Kathrin Weinelt ist studierte Erwachsenenbildnerin und arbeitet seit 2011 für die Bildungsinformation Burgenland, wo sie für den Bereich Öffentlichkeitsarbeit und Sensibilisierung für lebenslanges Lernen zuständig ist. Als Mutter eines Kleinkindes hat sie gelernt, wie wichtig Work-Life-Balance für ein erfülltes Leben ist. Gemeinsam mit ihrem Partner, ihrer Tochter und ihrer Labradorhündin Nala lebt sie in Gols, direkt am Neusiedler See.

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Kärnten
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Steiermark
Für die Steirer und Steirerinnen gibt es hier alle Beratungstermine nach Bezirken sortiert auf einen Blick: bildungsberatung-stmk.at

Burgenland
Die Bildungsinformation Burgenland hilft bei allen Fragen zur Aus- und Weiterbildung.

Niederösterreich
Deine Bildungsberatung – auch auf Russisch, Ukrainisch, Slowakisch, Polnisch, Englisch, Arabisch, Persisch, Türkisch … - findest du auf der Website: www.bildungsberatung-noe.at

Wien
Die Bildungsberatung in Wien bietet kostenfreie Information und Beratung zu Bildung und Beruf, auch auf Türkisch, BKS, Englisch, Arabisch, Dari/Farsi... Beratung gibt‘s per Telefon und online via Mail, Chat und Video. Das Beratungstelefon ist unter der Gratis-Tel.: 0800 20 79 59 von Mo-Do zwischen 9-12 Uhr erreichbar. Auf der Website bildungsberatung-wien.at kannst du ganz einfach Beratungstermine buchen.

Oberösterreich
Telefonisch für Fragen rund um deine Aus- und Weiterbildungen, Förderungen, … erreichbar unter der Beratungshotline 050/6906 3 von Montag bis Donnerstag 7:30 bis 16:00 Uhr und am Freitag von 7:30 bis 13:30 Uhr. Wenn du einen Termin für eine Video-Bildungsberatung vereinbaren willst, melde dich unter bildungsinfo@akooe.at. Neben der Online-Bildungsberatung findest du das bunte Beratungsangebot in OÖ auch auf https://www.bildungsberatung-ooe.at.

Salzburg
In Salzburg genügt ein Anruf bei der BILDUNGSLINE unter 0800 208 400! Du bekommst telefonische Informationen, wie beispielsweise über den Salzburger Bildungsscheck und Termine für persönliche Beratungen. Das Team der BILDUNGSLINE ist MO – FR von 08.00 – 12.00 oder unter frage@bildungsberatung-salzburg.at kostenfrei für dich zur Stelle. Mehr Infos findest du hier: www.bildungsberatung-salzburg.at. Oder du buchst deinen Termin für eine kostenlose Bildungsberatung ganz einfach unter https://termine.bildungsberatung-salzburg.at 

Tirol
Ein Klick auf die Website www.bildungsberatung-tirol.at und du kannst dir deine Beratungsmöglichkeiten auf deine Frage und deinen Bezirk genau zugeschnitten anzeigen lassen. Weitere Informationen rund um Bildung und Beruf bekommst du von der Bildungsinfo Tirol!

Vorarlberg
Alles, was dein Bildungsherz begehrt, findest du auf den ersten Blick unter www.bildungsberatung-vorarlberg.at Einfach und übersichtlich kommst du so zu deiner Bildungsberatung. 

Für alle Bundesländer gibt es aber auch noch die online Bildungberatung: 
https://www.google.com/search?client=firefox-b-d&q=bildungsberatung+online.at

aktualisiert: Dezember 2025

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Bildungsinfo aktuell

InfoboxWeiterbildungszeit und Weiterbildungsteilzeit

Inhalt anzeigen

Die Weiterbildungszeit löst mit 2026 die bisherige „Bildungskarenz“ ab.

Art der Förderung

Mit dem/r Arbeitgeber:in wird vereinbart, dass man für eine bestimmte Zeit für die berufliche Weiterbildung vom Dienst freigestellt wird. In dieser Zeit erhält man eine Leistung vom AMS.

Es gibt zwei Varianten:

  • Weiterbildungszeit: volle Freistellung
  • Weiterbildungsteilzeit: Die bisherige Arbeitszeit kann entweder um 25% oder um 50% reduziert werden.

Voraussetzungen

  • Anstellung seit mindestens einem Jahr beim Dienstgeber. Für Saisonbetriebe gelten Sonderregelungen.
  • Antragsteller:in unterliegt nicht mehr der Ausbildungspflicht
  • In den letzten 26 Wochen vor dem Beginn der Weiterbildungszeit wurde kein Kinderbetreuungsgeld oder Wochengeld bezogen
  • Schriftliche Vereinbarung mit dem Arbeitgeber
  • Wenn bereits ein Master oder Diplomstudium abgeschlossen wurde: mindestens 4 Jahre vollversicherungspflichtige Arbeit in Österreich
  • Der Antrag kann entweder persönlich in Ihrer AMS Geschäftsstelle oder über MeinAMS erfolgen.  

Dauer und Inhalt der Aus- oder Weiterbildungen

  • „arbeitsmarktrelevante“ Ausbildungen
  • Weiterbildungen müssen überbetrieblich verwertbar sein
  • Die Weiterbildungszeit kann höchstens 12 Monate innerhalb von 4 Jahren dauern.
  • Bei der Weiterbildungsteilzeit sind es maximal 24 Monate innerhalb von 4 Jahren.


Mindestumfang und Nachweis

  • Weiterbildungszeit: mindestens 2 Monate Ausbildung und mindestens 20 Wochenstunden/ ECTS.
  • Bei Kinderbetreuungspflichten: 16 Wochenstunden/ECTS
  • Weiterbildungsteilzeit: die Ausbildung muss mindestens 4 Monate dauern, mit mindestens 10 Wochenstunden/ECTS
  • Bei Kinderbetreuungspflichten: 8 Wochenstunden/ECTS

Art- und Ausmaß der Förderung

  • Das Weiterbildungsgeld ist eine Leistung vom AMS (Arbeitsmarktservice).
  • Die Höhe der Beihilfe richtet sich nach einem einkommensabhängigen Stufenmodell und beträgt mindestens EUR 41,49 pro Tag (Wert 2026).
  • Bei einem Einkommen über einer bestimmten Grenze muss der Dienstgeber 15% der Weiterbildungsbeihilfe bezahlen.
  • Individuelle Beratung direkt beim AMS wird empfohlen und ist bei niedrigen Einkommen (bitte jeweils aktuelle Höhe erfragen) bei den AMS BIZ (BerufsInfoZentren) verpflichtend. 
  • Für die Weiterbildungsteilzeitbeihilfe ist keine verpflichtende Bildungsberatung erforderlich.

Zuverdienst

Der Zuverdienst zu AMS-Leistungen ist generell nur mehr in Ausnahmefällen möglich. Information dazu gibt es unter: https://www.ams.at/arbeitsuchende/arbeitslos-was-tun/arbeitslos-geringfuegig-beschaeftigt#salzburg.

Nutzt man das Fördermodell der Weiterbildungszeit, ist also in der Regel neben dem Weiterbildungsgeld vom AMS kein Zuverdienst möglich. Bei der Weiterbildungsteilzeit erhält man den Teil des Einkommens für die Wochenstunden, die man weiterhin beim/ bei der Arbeitgeber:in arbeitet und Weiterbildungsgeld vom AMS.

Zustimmung des Arbeitgebers

Die Zustimmung des Arbeitgebers muss schriftlich vereinbart werden, danach kann man den Antrag beim AMS stellen.

Wichtig:

  • Beratung verpflichtend bei niedrigen Einkommen
  • Die Weiterbildung muss nachgewiesen werden (Leistungsnachweis, Teilnahme-Bestätigung).

verfasst im Jänner 2026 von BiBer Bildungsberatung und aktualisiert im Juni 2026