Öffnung und Digitalisierung von Erwachsenenbildung

Wie kann man sich online weiterbilden? Welche Angebote gibt es?

Erwachsenenbildung zeichnet sich seit je her durch ihre Offenheit und Buntheit aus. Finde hier einen Einblick in die online Weiterbildung:

von David Röthler | | Ratgeber

Informelle und offene Angebote gehörten schon immer zum Wesen der Erwachsenenbildung. Um möglichst niederschwellig zu agieren, soll die Teilnahme auch ohne Anmeldung möglich und öffentlich zugänglich sein.

 

Die Veranstaltungen finden daher etwa im öffentlichen Raum statt. Ein Beispiel hierfür wäre „Deutsch im Park“ , das einen informellen Lernraum schafft und Migrantinnen und Migranten anspricht, die ihre Deutschkenntnisse verbessern wollen. Nun ist es tatsächlich so, dass der Lernraum Park keine Schwelle hat, die überwunden werden müsste. Allerdings kann der Park nur von Menschen erreicht werden, die in seiner näheren Umgebung wohnen. Es wird deutlich, dass auch vorgeblich offene Räume nicht für alle tatsächlich offen und erreichbar sind.

Auch beim Lernraum Internet kann man nicht von einem schwellenlosen Raum sprechen. Sind doch bestimmte technische Hürden zu überwinden und gewisse Medien- oder digitale Kompetenzen zu seiner Nutzung notwendig. Gegenüber physischen Räumen ist allerdings die Erreichbarkeit in der Regel von überall möglich. Festzuhalten bleibt also, dass kein Lernraum gänzlich offen und ohne diverse Herausforderungen erreichbar ist, das Internet aber neue Chancen bietet.

MOOCs

In den letzten Jahren sind in diesem Zusammenhang insbesondere MOOCs (Massive Open Online Courses) und OER (Open Educational Resources) zu nennen. Diese Konzepte verbinden Online-Lernen mit erweiterten Konzepten der Offenheit. So sind MOOCs in der Regel kostenlos und ohne bestimmte Voraussetzungen (z.B. Matura) zugänglich und bieten oft internationale Lernerfahrung und Vernetzung mit anderen Teilnehmenden.

Offene Bildungsressourcen erlauben den Zugriff auf eine immer größer werdende Sammlung von frei zugänglichen Bildungsmaterialien, die kopiert und verbessert werden können. Beide Ansätze werden auf EU-Ebene gefordert und gefördert. Am Portal http://www.openeducationeuropa.eu/ findet man Zugang zu einer Vielzahl von MOOCs und offenen Bildungsressourcen. Ebenso sind offene und internationale Online-Bildung Fördergegenstand im Bildungsprogramm des EU Erasmus+.

Bildungspolitik

Es existieren viele politische Vorschläge seitens der Europäischen Union, die als besonders innovativ betrachtet werden können. In der Mitteilung der EU- Kommission vom September 2013 werden Maßnahmen für offenere Lernumgebungen vorgeschlagen, die Bildung verbessern und effizienter gestalten sollen: wie durch viele Vorhaben im Bereich der Bildungspolitik, soll auch durch offene Bildung ein Beitrag zur Erreichung der Europa-2020-Ziele geleistet werden: Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit und des Wachstums in der EU durch besser ausgebildete Arbeitskräfte.

Es wird aber nicht nur auf die – oft kritisierten – wirtschaftlichen Ziele von Bildung eingegangen. Auch die „Gerechtigkeitswirkung“ des erweiterten Zugangs „für benachteiligte Gruppen“ bei sinkenden Kosten durch den Einsatz offener Ressourcen und neuer Technologien findet Erwähnung. Voraussetzung dafür seien aber „nachhaltige Investitionen in Bildungsinfrastrukturen und Humanressourcen“.

Während mittlerweile MOOCs auch in Österreich angekommen sind, fehlen noch die politischen Rahmenbedingungen. So vermisst man zum Beispiel öffentliche Finanzierung, wie sie auf EU-Ebene für MOOCs bereits dezidiert möglich ist. Die Verleihung des österreichischen Staatspreises für Erwachsenenbildung in der Kategorie „Digital Literacy“ für den MOOC „Gratis online lernen“ auf iMOOx.at der Grazer Universität im Herbst 2015 kann aber als ein deutliches Signal betrachtet werden.

Ebenso ist noch nicht sichtbar, wie OER in Österreich gefördert werden. Im EU-Finanzierungsprogramm für die Bildung Erasmus+ wird hingegen die deutliche Empfehlung ausgesprochen, dass die Projektergebnisse als OER zur Verfügung stehen sollen. Neben konkreten förderpolitischen Ansätzen sind aber auch bewusstseinsbildende Maßnahmen und Medienkompetenzbildung notwendig.

Webinare

Neben MOOCs und OER kann auch das Format „Webinar“ zur Öffnung und Internationalisierung von Bildung beitragen. Unter Webinaren werden Bildungsveranstaltungen verstanden, die in Form von Web-Videokonferenzen stattfinden. So bieten die Projekte WerdeDigital.at und digi4family.at – an denen der Autor dieses Beitrags mitarbeitet – wöchentliche, offene Webinare an. Ein Klick führt in den Online-Workshopraum. Beteiligung ist über Chat, Video und Audio möglich. Die Aufzeichnungen werden als OER verbreitet und können frei genutzt werden

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Schlagwörter: Weiterbildung, Digitalisierung, 2. Bildungsweg
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Dieser Text ist unter CC BY 4.0 International lizenziert.

von David Röthler
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Über den Autor

David Röthler

David Röthler ist Unternehmensberater und Erwachsenenbildner. Seit 20 Jahren beschäftigt er sich mit Gesell­schaft und Internet, er hat Lehr­aufträge an Universitäten in Österreich und Deutschland, arbeitet als Berater für EU­-finanzierte Bildungs­projekte und sammelt Erfahrungen mit neuen Formaten und Methoden: MOOCs, Flipped Classroom, Live­Online­Lernen (Webinare) ...
persönliches Weblog: david.roethler.at

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